vonfuchsbau 07.01.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Auf einer richtigen Party mit Musik, Mädchen, Alkohol und Zigaretten war Maksio noch nie gewesen. Die Beleuchtung war über elektronische Regler an der Wand gedimmt, was die Wohnung gemütlich aussehen ließ. Selbst solche Kleinigkeiten vermochten Maksio zu begeistern, denn bei ihm zu Hause gab es derartige Spielereien nicht. Hier bei Michał waren alle Möbel aufeinander abgestimmt und intakt. Die Szenerie schien einem Möbelkatalog zu entstammen, ganz anders als bei Maksio auf dem Land, wo ein eher rustikaler Einrichtungsstil dominierte. Zur angenehmen Stimmung trugen auch die Klänge eines Rock-Albums aus der Sammlung der Eltern bei, das sich irgendwo in der Wohnung auf einem Plattenteller drehte.

Zunächst war in der fantastisch großen Wohnung niemand zu sehen, nur zu hören. Maksio und Valeska zogen ihre Schuhe aus. Sie warf ihre auf den Schuhstapel, der verriet, dass in etwa fünf bis sieben Gäste anwesend waren, er legte seine daneben. Dann folgten die beiden den Geräuschen. Schon die halbkreisförmige Diele hätte Maksio als Wohnung genügt, doch von ihr führten noch drei Türen und ein Gang weg. Links befanden sich das Bad und die Toilette, geradeaus das Wohnzimmer, in dem eine weitere Tür in ein Schlafzimmer führte, rechts ein Gang, aus dem es lärmte. Sah man hinein, erblickte man die Küche, in der sich die abendliche Gesellschaft versammelt hatte. So war es Tradition bei Michał. Die Partys begannen immer in der Küche, bis genügend Gäste da waren und es eng wurde, dann durften auch die anderen Zimmer belagert werden. Hinter der Küche ging es weiter; da gab es noch ein Esszimmer, ein Kinderzimmer und eine Bibliothek.

»Maksio! Valeska!«, schrie Mateusz hoch, schrill und übertrieben, wie es seine Art war. Sichtlich beschwipst umarmte er die Neuankömmlinge, um gleich darauf zwei Weingläser aus einem Regal zu nehmen und sie den beiden randvoll mit Weißwein gefüllt zu überreichen. Michał hieß seine Freundin und den Neuen ebenfalls willkommen; ihn mit einem Handschlag, sie mit einem Kuss.

»Noch sind nicht alle da. Das sind Susanne, Oksana und Jazek aus unserer Klasse und Mikołaj, der große Bruder von Susanne. Der Rest kommt noch. Rauchen ist nur in der Küche erlaubt.«

»Angenehm, ich bin Maksymilian.« Diese wohlformulierte Begrüßung war dem nervösen jungen Mann im Regionalzug auf seinem Weg in die Stadt eingefallen. Für danach hatte er noch nichts, also beobachtete er zunächst nur. Die Gäste von Michał waren alle sehr freundlich, stilvoll gekleidet und witzig. Jazek hatte schlimme Akne und Oksana eine festsitzende Zahnspange im Mund, was nicht besonders erwähnenswert wäre und auch Maksio nicht störte, doch es wunderte ihn, dass sich niemand über die beiden lustig machte, ebenso wenig wie über sein zu großes Hemd oder seinen alten, an manchen Stellen schon zerschlissenen Ledergürtel. So eine Art der Zusammenkunft von jungen Menschen, bei der keiner gehänselt wurde, sondern die Beteiligten sich unterhielten, mehr oder weniger kultiviert, war ihm neu. Von Anfang an fühlte sich Maksio wohl und akzeptiert, womit er nicht gerechnet hatte.

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Dieser Beitrag wurde vom Korrektorat & Lektorat Selfpublishingo.com ermöglicht.

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