vonfuchsbau 14.01.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Nach einer schnellen Kennenlernrunde saßen manche der acht Teens am kleinen Küchentisch und die anderen standen an Schränke, das Fensterbrett oder die Anrichte gelehnt. Sie tranken und rauchten, aßen Chips, hörten Musik und quatschten, versuchten, es ihren Eltern, wie sie es von klein auf beobachtet hatten, möglichst authentisch nachzutun. Das gelang ihnen ganz gut und trotzdem gab es Unterschiede, vor allem in der Qualität der Gespräche.

Je mehr Maksio vom fruchtigen und leicht pfeffrigen österreichischen Veltliner – wie Mateusz zu sagen pflegte – trank, desto leichter wurde ihm, desto wohler fühlte er sich und desto intensiver partizipierte er an den Gesprächen. Er fing an mit den anderen zu scherzen und sie auszufragen. Es gab vieles, das der Landjunge nicht verstand und das ihn brennend an den Städtern interessierte, und er war ungeduldig und begierig zu lernen, doch gleichzeitig versuchte er, nicht allzu aufgeregt rüberzukommen. Maksio trank den Wein, obwohl er ihm gar nicht schmeckte, sondern ihm viel zu sauer war. Auch die Zigaretten rauchte Maksio, zumindest ansatzweise, obwohl sie ihn zum Husten brachten. Der Teenager wollte tun, was die anderen taten, weil er dachte, dass sie ihm weit überlegen waren, aber das stimmte nicht. Sie waren lediglich viel erfahrener, ein ganz anderes Paar Schuhe.

Eines wusste Maksio relativ bald, nämlich, dass er unbedingt Teil dieser Clique sein wollte. Er konnte es nicht genau benennen, aber er fühlte sich wohl inmitten der Städter, der Besseren, wie er damals dachte, die es verstanden zu genießen, die gut aßen, tranken, Musik hörten, lachten und sich austauschten.

Der Abend nahm seinen Lauf und es erschienen immer mehr Jugendliche, die zwischen den Zimmern der Wohnung herumwanderten. Und Maksio hörte ihnen gespannt zu, denn sie alle taten so viel Interessantes. Einige tanzten Ballett, so wie Michał. Andere zeichneten, wie Valeska. Wieder andere nahmen Trompeten-, Klavier- oder Gesangsstunden, waren Mitglieder in Sportvereinen oder Lesezirkeln. Mateusz hatte sich erst zwei Tage zuvor in eine Theatergruppe eingetragen, die mit dem kommenden Schuljahr beginnen sollte.

Verglichen mit Maksio, dem Knaben aus der Provinz, der in seiner Freizeit den Deich entlangspazierte, Käsesemmeln aß und Kakao trank, sich imaginäre Figuren ausdachte und döste, wirkten die Städter vielfältig und aufregend. Doch dieses angebliche Manko des Landlebens fiel nur Maksio selbst auf. Ganz gegenteilig romantisierten die anderen Teenager das Leben des Neulings, wünschten sich, auch so viel Zeit zu haben, für sich und in der Natur, denn ihre Alltage waren ihnen wiederum zu stressig. Mehr als das, bei Michał zu Hause wurde Maksio sogar gelobt, mehr denn je in seinem Leben. Einmal kam Valeska zu ihm – er war längst über seine Mini-Verliebtheit hinweg – und rühmte seinen Kleidungsstil.

»Visionär, Maksio! Visionär! Dieses Hemd, dieser Gürtel, extravagant. Ich liebe es.«

Auch andere, ihm unbekannte Gäste hatten viele freundliche Worte für ihn übrig. Beispielsweise als Maksio seinen Mangel an Hobbys ansprach, hörte er von einem älteren Jungen: »Mach dir nichts draus, Kleiner. Du wirst schon noch was für dich finden.« Und von dessen Freundin: »Ich mache mir keine Sorgen um dich. So ein witziger und charismatischer Kerl wird sicher keine Probleme haben, ein Hobby zu finden.«

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Dieser Beitrag wurde vom Korrektorat & Lektorat Selfpublishingo.com ermöglicht.

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