vonfuchsbau 10.06.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Nebenher bereitete er sich auf seine erste Filmrolle vor. Die Dreharbeiten würden in einem halben Jahr beginnen und dank seines Vaters, der die Managementtätigkeiten für ihn übernahm, sprang ein beneidenswertes Sümmchen für den heranwachsenden Schauspieler raus. Lange hatte das Land nicht mehr einen derart ausdrucksstarken Autodidakten, einen Method-Acting-Künstler, mit dermaßen viel Ambition auftreten sehen.

Mateusz dachte, er wüsste genau, was mit ihm geschah, und dass er das Heft in der Hand hielt, doch da täuschte er sich in beiden Angelegenheiten. Das Gefühl, zu bekommen, was er gewollt hatte, machte ihn unvorsichtig und blind für so manch eine Gefahr, die hinter den dollargrünen Augen seiner Geschäftspartner lauerte.

Im Gegensatz zu Valeska machte ihn der frühe Erfolg wenig nachdenklich und gar nicht bescheiden. Zu sehr war der junge Mann mit dem Funktionieren beschäftigt. Das tat er gut, nur vergaß er bei seinem Siegeszug nach oben, auch mal nach rechts und links zu schauen, sprich zu prüfen, ob sein Kurs nicht korrigiert werden sollte. Bei ihm spülte die große Aufmerksamkeit, die ihm zuteilwurde, eher die negativen Seiten seiner ambivalenten Wesensart zum Vorschein, nämlich seine Ungeduld und den Eigensinn. Wenn er nicht gleich bekam, was er wollte, wurde Mateusz noch schneller zornig als früher, und er ließ Menschen, die keinen Erfolg hatten – mit wenigen Ausnahmen – nicht mehr in sein Leben.

»Vorsichtmaßnahmen, um das Ziel zu erreichen«, wie der Bühnendarsteller meinte.

Sich und den Erfolg klar vor Augen, fing er zunehmend an, anderen Künstlern gegenüber gehässig zu reagieren und schlecht über sie zu reden. Wie ein zu lange offengelassener Wein wurde sein Charakter schleichend schlechter, was es schwierig machte, zu entscheiden, ob er nun schon verdorben war oder nicht. Menschen, die Mateusz lediglich als Theaterschauspieler kannten und nicht persönlich, liebten ihn aufgrund seines Charismas, und die, die ihn näher kannten, begannen ihn zu hassen.

Mateusz kokettierte gerne mit dem Ruf des arroganten Schnösels, nicht ahnend, dass ihm dieses Persönlichkeitsbild nicht so leicht abhandenkommen würde, wie er es gewonnen hatte.

Zurück zu der bösartigen Stichelei von Mateusz gegenüber Michał, über die nur Thomas dämlich zu lachen vermochte, da er dumm war, geil und von Mateusz eingeladen wurde. Denn Wenn man’s braucht war nicht im Geringsten witzig, wusste man, worum es ging. Ganz im Gegenteil, mit dieser Aussage zeigte Mateusz einmal mehr, wie gemein er doch sein konnte. Doch dies begriffen die anderen Füchse noch nicht zur Gänze, denn all die Veränderungen vollzogen sich viel zu schnell, um adäquat auf sie reagieren zu können.

Michał fühlte sich nicht besonders gut mit den großen Erfolgen von Valeska und Mateusz. War er es doch gewesen, der damit begonnen hatte, es schaffen zu wollen. Er empfand es als unfair, dass diese Zufallskünstler, wie er sie nannte, vor ihm berühmt geworden waren und er, der so viel dafür tat, keine nennenswerten Errungenschaften vorzeigen konnte.

Die Missgunst war eine von Michałs Schwächen und Mateusz wusste darüber Bescheid. Seinem vermeintlichen Freund den Versuch, hart für seinen Erfolg arbeiten zu wollen vorzuhalten, war nicht in Ordnung. Valeska und Maksio versuchten, nicht auf den gemeinen Angriff zu reagieren, doch ihre misstrauischen Blicke verrieten, dass Mateusz zu weit gegangen war. Da der talentierte Schauspieler erst auf dem Weg zum Abgrund, also noch nicht völlig verloren war, lenkte er schnellstmöglich ein, als er bemerkte, dass die Stimmung kippte.

»Spaß«, sagte er, das A in die Länge ziehend. »Ihr wisst doch, dass ich unseren Michał über alles liebe.« Er sah in die Gesichter seiner Begleiter und prüfte, ob alles wieder in Ordnung war. »Noch eine Runde Nusswodka für uns!«, rief er über eine Schulter nach hinten, zum gut gekleideten Barmann in Hemd und Fliege. So vermochte Mateusz die erhitzten Gemüter zu besänftigen und sein Fehlverhalten mit einer spendierten Runde vergessen zu machen – vorerst.

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