vonfuchsbau 17.07.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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»Maksio! Wir müssen reden!«

»Ich weiß, ich habe dich ja angerufen. Was sollen wir machen?«

»Ja, ich weiß. Es war so schön mit dir. Ich kann seit dem Abend nur noch daran denken, an deine Lippen und an all das, was wir noch zusammen machen könnten.«

Maksios Weltverständnis zerbröselte in kleine Teile, um sich wenige Augenblicke später in veränderter Form wieder zusammenzusetzen. Er hatte eine reuigere und verständnisvollere Reaktion auf den Verrat erwartet. Ein versteckter Teil in ihm fühlte sich aufgrund des großen Interesses an ihm aber geschmeichelt.

»Das war nicht ganz das, was ich meinte«, sagte er und Valeska missverstand ihn. »Du fandest es nicht schön?«

»Doch, es war wunderschön, aber ich denke, das versteht sich von selbst.« Er war genervt von ihrem unsensiblen Verhalten einem seiner besten Freunde und in ihrem Fall sogar ihrer Liebesbeziehung gegenüber. Maksio war sich bewusst, dass auch er Michał betrogen hatte, aber es tat ihm wenigstens leid. Eine derartige Reue konnte er bei Valeska nicht heraushören und normalerweise hätte er sich über ein derartiges Benehmen innerlich echauffiert, denn Freunde waren gut zu behandeln, doch in dieser speziellen Situation schaffte er es nicht, mit dem Finger auf jemand anderen zu zeigen. Dafür war er selbst viel zu schuldig.  »Nein, ich meine, was ist mit Michał?«

»Ach. Michał. Ja, klar. Das ist nicht gut.«

»Was machen wir jetzt?« Maksio wusste nicht, was er denken oder fühlen sollte. Vielleicht hatte sie auch recht und er nahm das alles zu ernst. Das Gute an ihrem Betrug zu sehen, so wie Valeska es tat, fiel ihm aber schwer. Doch abstreiten konnte er nicht, dass die Küsse, die sie an jenem Morgen ausgetauscht hatten, besonders und erforschenswert gewesen waren. Maksio wurde also von zwei Kräften hin- und hergerissen, den Gewissensbissen und der Wollust in Gestalt weicher Lippen. Vorerst gewannen die Gewissensbisse und nahezu gleichzeitig sagten die beiden Gegensätzliches.

Valeska: »Wir dürfen ihm auf keinen Fall etwas sagen!« Und Maksio: »Wir müssen unbedingt mit ihm sprechen!«

Noch eine Weile debattierten sie – er im großelterlichen Vorgarten, Valeska in der luxuriös-riesigen, stets menschenleeren elterlichen Wohnung – über den weiteren Umgang mit der prekären Situation und, weil die Füchsin nicht müde wurde, es zu wiederholen, die enorme sexuelle Spannung zwischen ihnen und was da noch rauszuholen wäre.

Sie sehnte sich nach jemandem, der ihr die Aufmerksamkeit schenkte, die sie von Michał nicht mehr erhielt. Und dieses Begehren siegte schlussendlich gegen Maksios Bedenken, auf die ein Fokus zu legen nicht verkehrt war. Doch seine Stimme ging unter, denn er war zu schwach, um sich gegen dieses hübsche Mädchen durchzusetzen, in das er schon einmal verliebt gewesen war.

»Gut, wir sagen ihm nichts, ihr bleibt zusammen und wir sehen uns nicht mehr so oft. Deal?«

»Ich weiß nicht. Ja, aber ich würde dich gerne sehen. Es sollte sich nichts zwischen uns allen verändern. Bitte, Maksio. Michał will ohnehin momentan nichts von mir wissen. Triffst du dich wenigstens mit mir?«

Maksio wurde weich und willigte ein, sich noch für diesen Abend im Fuchsbau zu verabreden, um von dort aus zu einem Spaziergang aufzubrechen.

*

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