vonfuchsbau 05.08.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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»Geht’s dir gut, Michał?«, fragte Maksio und holte seinem Freund ein Glas Leitungswasser aus der Küche. Michał gab kein schönes Bild ab, wie er so dasaß, kaputt, aber nicht mehr auf eine rockige Art und Weise, sondern auf eine jämmerliche. Diese veränderte Wahrnehmung war natürlich nur den Küssen zwischen Maksio und Valeska geschuldet, welche die Verhältnisse zwischen den beiden Rüden verschoben hatten. Maksio und Michał gehörten nicht mehr der gleichen Gruppe an. Um es extrem auszudrücken: Hätten sie in einer anderen Zeit und in einer fremden, exotischen Kultur gelebt, hätte Maksio möglicherweise Michałs Eier als Halsschmuck getragen.

Drauf geschissen, dachte Maksio.

»Hier, danach geht’s dir besser«, sagte er.

»Danke.« Michał stand auf. »Willst du wetten?«

»Lieber nicht. Was ist los?«

»Ach, Maksio«, er ließ sich wieder auf seine vier Buchstaben plumpsen, während sein Gegenüber zum Schallplattenspieler ging und die erstbeste Platte von einem Stapel, Beethovens Mondscheinsonate, leise im Hintergrund abspielen ließ. »Irgendwie läuft für mich alles nicht so ganz nach Plan.« Er pausierte und nahm einen tiefen Schluck aus der Rotweinflasche. Es war, als müsste er sich Mut antrinken, um das Folgende aussprechen zu können.

»Zum einen, das mit dem Tanzen. Ich weiß nicht mehr, ob ich gut genug sein kann. Ich schaffe es einfach nicht, mir die Leichtigkeit anzutrainieren, die von mir verlangt wird. Weißt du? Natürlich weißt du! Verständnisvoller Maksio. Zum anderen habe ich eine Freundin, die ich gar nicht will, die nervt und mich an allem hindert, was ich tun will. Maksio!« Er nahm einen weiteren Schluck. »Willst du sie mir nicht abnehmen? Dann wär‘ ich wenigstens eines meiner Probleme los«, scherzte Michał verbittert, was der Besucher nur erkannte, da dem Gastgeber ein Grinsen traurig und schief im Gesicht hing.

»Wenn das nur so einfach wäre«, reagierte Maksio automatisch, während er überlegte, welche Antwort tatsächlich angebracht und hilfreich sein konnte. Vielleicht die Wahrheit? Aber nein, das ging nicht. Er hatte Valeska versprochen, dichtzuhalten. Also blieb es bei den billigen Floskeln, denn eine weitere Alternative fiel ihm auf die Schnelle nicht ein.

»Das wird schon wieder.« Er kratzte sich verlegen am Hinterkopf. »Mach dir keine Sorgen.« Was mache ich, es juckt doch gar nicht! »Wer genug übt, bekommt seine Belohnung.« Maksio begann zappelig zu werden, denn ihm war bewusst, dass solche Plattitüden keinem weiterhalfen, und er fühlte sich zunehmend unwohl in seiner Haut. Doch er machte weiter, denn er dachte, dass Stille seine Nervosität enttarnen würde. »Deine Zeit ist einfach noch nicht gekommen« und »Sie liebt dich und du sie, das ist normal so«, schaffte Maksio noch, bevor sogar Michał selbst schmunzeln musste.

»Ha! Hör auf, Witze zu machen. Ich meine es ernst.«

»Ja, ich weiß. Aber ich weiß auch nicht, was du tun sollst«, erwiderte er wahrheitsgemäß.

»Ja, ich auch nicht. Aber es tut gut, einen Quatschkopf wie dich zu haben.«

Maksio schwieg. Sie tranken das letzte Drittel der Weinflasche gemeinsam aus, hörten erst klassische Musik und dann Rock aus den Sechzigern und sprachen währenddessen über das Tanzen sowie darüber, dass ein Traum verfolgt gehört, selbst wenn er zu entfliehen versucht – vor allem dann.

»Das Dranbleiben ist der einzige Unterschied zwischen denen, die es schaffen und denen, die es nicht schaffen«, sagte Michał, wieder mit einem Funken Mut in den Augen. Und über Valeska sagte er, dass da keine Liebe mehr sei, dass er aber bei ihr bleiben wolle, bis ihm eine Bessere über den Weg laufen würde. Eine hatte er ohnehin schon im Blick, eine, die zur Abwechslung etwas Mumm zeigte und sich nicht so leicht kleinkriegen ließ, prahlte der arme Junge.

Wieder schwieg Maksio, obwohl er genau wusste, was er hierauf antworten wollte.

*

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