vonfuchsbau 19.08.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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»Geht’s dir gut, Mateusz?« Es war eine überflüssige Frage, doch während er sie stellte, nickte Maksio in Richtung des Pulvers und Mateusz verstand, drückte sich aber vor einer Antwort.

»Besser als gut. Gran – di – os. Weißt du, was?« Er fing an, von einem Bein auf das andere zu hüpfen wie ein Hampelmann.

»Rate mal, wem die Hauptrolle in einer großen deutschen Produktion zugeflogen ist. Ein Hinweis: Hans Kurz spielt auch mit. Ein weiterer: Er wird Anfang des nächsten Jahres in Berlin gedreht. Noch ein letzter: Ich bin’s. Tadaaa!«

»Wow! Gratulation. Was für Nachrichten!«

Mateusz warf seinem Freund eines der vielen auf dem Tisch stehenden und extra zur Feier des Tages eingekauften 0,33 Liter Dosenbiere zu.

»Feiern wir! Whoop, Whoop.«

»Okay, gerne. Nur allzu lange kann ich nicht, ich treffe dann noch Valeska.«

Die Miene von Mateusz erstarrte für wenige Augenblicke in einer schockierten Haltung. »Ich traue meinen Ohren nicht. Du lässt mich im Stich?«, fing er im Robert de Niro-Tonfall an. »Du lässt mich im Stich?«, wiederholte er und brachte Maksio zum Lachen.

»Ja, ich muss. Ich hab’s versprochen. Es ist wichtig. Aber wir können uns danach wieder treffen, am Abend, im BaniaLuka am Plac Nowy* vielleicht?«

»Maksio, auf dich ist Verlass. Klingt gut, ich muss auch noch ein paar Telefonate erledigen und dann lassen wir die Korken knallen. Bring Valeska auch mit. Und weißt du, was mit Michał ist? Er hebt nicht ab. Bring alle mit, heute geht der Abend auf mich!« Mateusz war nicht zu stoppen. Es machte ihm derart viel Spaß, sich mitzuteilen, dass Maksio nur mehr dazu kam, mit knappen Partikeln – ja, nein, vielleicht – zu Antworten.

»Jetzt lass uns aber trinken. Cheers!« Dem ersten Bier des Tages gebührend, drehten sie Billys kreischende Gitarren lauter, sodass selbst die faulsten Tauben ihren Nachmittagsschlaf sausen ließen und fluchtartig das Dach verließen.

Der frühe Abend verlief fröhlich und unbeschwert, wie es sich für Anfang Zwanzigjährige gehörte, zumindest bis der Alkohol in Maksios Gehirn zu rumoren begann, ihn auf die Couch fallen ließ und die Wehmut aus ihm herausspülte.

»Wieso kann man mit Schuldgefühlen derart lange halbwegs gut leben, ohne sich etwas anmerken zu lassen? Wieso kann das Leben manchmal sogar richtig glücklich sein, obwohl man etwas Schlimmes getan hat? Was bedeutet das, Mateusz? Es ist anscheinend nicht besonders schwierig, ein schlechter Mensch zu sein. Sind deshalb so viele Menschen schlecht?«

»Was? Zum Teufel, jetzt ist nicht die Zeit für deine Philosophien, Maksio. Whoop! Was ist denn auf einmal passiert?«, fragte Mateusz und schob sich währenddessen eine dünne Linie weißes Pulver zurecht. Kurz darauf war ein zischendes Geräusch zu vernehmen.

»Ich habe Valeska geküsst. Nein, eigentlich sie mich. Egal, es ist passiert.«

* Der Neue Platz

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