vonfuchsbau 26.08.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Mateusz ließ das abgeschnittene Stückchen Strohhalm fallen und erstarrte, ganz wie in einem übertrieben inszenierten Film, mit dem Unterschied, dass seine Reaktion dieses Mal nicht gespielt war. Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich, und Maksio merkte gleich, dass er nicht hätte beichten sollen, vor allem nicht, weil er Valeska versprochen hatte, dichtzuhalten.

Ich Dummkopf!

»Maksio, was soll ich dir dazu sagen? Das ist böse. Wirklich böse. Was soll aus den Füchsen nur werden, wenn wir schon anfangen, uns gegenseitig zu betrügen?«

Das stimmte, kein Zweifel, und das wusste Maksio auch, doch die Reaktion seines Freundes kränkte ihn erst wenige Augenblicke, dann wurde er wütend, selbstverständlich ohne es zu zeigen. Was erlaubt sich dieses Wrack eigentlich, über mich zu urteilen?, dachte er. Einen Rat brauche ich, keine Predigt. Das letzte Lied der Platte ging zu Ende und führte die beiden Tagediebe in ein unangenehmes Schweigen. Sie saßen nach wie vor nebeneinander auf der Couch, fühlten sich aber nicht mehr von der jugendlichen Kraft beflügelt oder gar der Unsterblichkeit nahe, sondern sahen verlegen und allzu menschlich im Raum herum, ohne dass ihre Blicke Halt gefunden hätten.

»Na gut, ich muss dann los«, meinte Mateusz, unruhig auf seinem Hintern hin und her rutschend. Zum Abschied schlug er einige Male leicht mit der flachen Hand auf Maksios Knie, ohne ihm in die Augen zu sehen, nahm seine Schlüssel und seine Geldbörse vom Tisch und steckte sie sich in die Hosentaschen, um aufzubrechen. Mateusz wusste in seinem aufgeputschten Zustand nicht, wie er mit der ungewohnten Situation umgehen sollte, aber vielleicht hätte er es auch im nüchternen Zustand nicht gewusst, denn er war es nicht gewohnt, sich um andere zu sorgen. Für Mateusz war es ganz klar: Jeder war auf sich allein gestellt – im Schlechten zumindest. Lief es gut, sah die Sache schon anders aus, da galt es, Zusammenhalt zu zeigen. Eine Ausnahme gab es aber, nämlich, wenn es Mateusz schlecht ging, denn dann musste die Welt aufhören sich zu drehen und alle mussten sich um ihn kümmern.

»Also, bis um acht im BaniaLuka, ja?«, fragte Mateusz leicht beschämt, da er selbst wusste, dass er seinem besten Freund gerade keine große Hilfe war und diese Tatsache überspielte, indem er ihm Schuldgefühle eintrichterte.

»Ja, ist gut, um acht im BaniaLuka. Und wegen der Sache – mach dir keine Gedanken darüber, ich habe nur einen Scherz gemacht.«

Beide wussten genau, dass es kein Scherz gewesen war.

*

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