vonfuchsbau 09.10.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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In dem einen Jahr seit dem unangenehmen Zwischenfall vor dem BaniaLuka hatte sich einiges bei den Füchsen verändert.

Im Winter und Frühling des vergangenen Jahres war es gekommen, wie Mateusz es damals am Meer nach ihrem Oberstufen-Schulabschluss befürchtet hatte. Die Füchse hatten begonnen, sich seltener zu treffen. Anstatt jede Woche mindestens zwei- bis dreimal zusammenzukommen, sich auszutauschen und zu inspirieren, waren es nun nurmehr ein- bis zweimal im Monat, an denen der Fuchsbau mit Musik, Tanz und Lyrik zum Leben erweckt wurde. Diese Entwicklung war leicht nachvollziehbar, denn alle vier waren mittlerweile mit ihren Pflichten zusammengewachsen, die Zeit in Anspruch nahmen. Doch die Professionen waren nicht alleine Grund für das langsame Verwaisen des früher nahezu täglich besuchten Baus über den Straßen der Stadt.

Ironischerweise war es Mateusz, der als Erster damit begonnen hatte, seine Freunde zu vernachlässigen. Sein stetig wachsender Ruhm und die vielen Reisen hatten sich kontraproduktiv auf den Zusammenhalt der Füchse ausgewirkt.

Valeska war, trotz ihres Erfolges und anders als Mateusz, der seine Schauspielausbildung mangels Zeit und Notwendigkeit abgebrochen hatte, an der Universität geblieben, mit dem Ziel, das Studium zu beenden. Zwar waren ihre Zeichnungen und Gemälde im In- und mittlerweile auch im Ausland äußerst begehrt, doch sie empfand ihre Malerei noch immer nicht als ausgereift, weshalb sie begierig an ihren Techniken und Konzepten weiterarbeitete, um sich selbst eines Tages zufriedenstellen zu können.

Auch bei Michał lief es endlich gut. Mit viel Training und Fleiß war er vom ewigen Hintergrundtänzer zum zweiten Haupttänzer an der städtischen Oper aufgestiegen. Und da Andrzej Komorowski, seines Zeichens erster Solotänzer, bereits neununddreißig Jahre alt war und Probleme mit einem seiner Knöchel bekam, standen die Chancen gut, dessen Rollen in der kommenden Saison übernehmen zu dürfen. Endlich hatten sich das Schwitzen und das Bluten gelohnt, und Michał war seinem Traum einen riesigen Schritt näher, denn das Schaffen, dem er seit so vielen Jahren hinterhereiferte, konnte der junge Tänzer eindeutig mit einer Hauptrolle an einer renommierten Oper definieren.

Bedauerlicherweise, für den leidgeprüften Michał, trug dieser große Erfolg einen bitteren Beigeschmack mit sich, denn er schien, im intimen Kreis der Füchse wenigstens, neben den Erfolgen von Mateusz und Valeska zu verblassen. Doch Michał ließ sich seinen gelegentlich aufkommenden Unmut über diesen Umstand nicht anmerken, sondern unterdrückte ihn und trainierte unaufhörlich, sowohl in den eigenen vier Wänden als auch in den Proberäumen der Oper, um der beste Balletttänzer der Welt zu werden. Und das war der Grund, weshalb man auch ihn nur mehr selten im Fuchsbau zu sehen bekam.

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