vonfuchsbau 29.10.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Während die einsame Maja Wasser für eine Tasse löslichen Kaffee aufsetzte, folgten auf der anderen Straßenseite zwei abtrünnige Füchse weiterhin ihrem Pfad ins Innere des Kaninchenbau-Labyrinths. Im Verborgenen sprachen sie Zärtliches, küssten und liebten sich, ohne es zu dürfen. Und wie jedes Mal, wenn sie sich trafen, tänzelten ihre Gespräche auf einem schmalen Grat zwischen Schuldgefühlen und Glück.

»Wir müssen aufhören und es den anderen sagen«, forderte er.

»Ja, werden wir machen. Aber jetzt genießen wir den Moment, ja?«, antwortete sie und tätschelte seinen Bauch.

So waren ihre gemeinsamen Zeiten gekennzeichnet, durch Lust und Leid. Ersteres überwog in der Zweisamkeit und zweites in der Einsamkeit, denn da traten die Gewissensbisse unverfälschter auf, trocken und kalt. Fernab der rauschhaften Märchenwelt, in welcher sich der sündige Kaninchenbau befand, konnte der Verrat nicht mehr übersehen werden.

Zusammen fühlten sich Maksymilian und Valeska ekstatisch, extraterrestrisch, himmlisch und höllisch zugleich und, was am wichtigsten für sie war, nicht alltäglich.

Mehr noch, seit Kurzem hatten die beiden aus ihrer Leidenschaft füreinander ein Spiel gemacht. Sie trafen sich nicht mehr nur heimlich hinter verschlossenen Türen oder während Spaziergängen in den Wäldern rund um die Stadt, sondern auch dort, wo die Gefahr bestand, erwischt zu werden. Ob während den Ballettvorstellungen von Michał, wo Bekannte sie sehen konnten, oder den Filmvorstellungen von Mateusz, wo sie sich nicht einmal mehr scheuten, wortwörtlich hinter Michałs Rücken Händchen zu halten, oder auf Vernissagen von Valeskas Kommilitonen; sie spielten mit dem Feuer, gingen oft zu weit und kamen mehrmals knapp mit dem Schrecken davon, wenn sie auf bekannte Gesichter trafen und in letzter Sekunde auf Kumpel-Modus umschalten mussten.

Dieses Risiko einzugehen oder nicht, lag nicht in ihren Händen. Der tief in ihnen verborgenen Wunsch, das hässliche Spiel nicht mehr weiterspielen zu müssen, sondern entlarvt zu werden, trieb sie zu diesem Leichtsinn. Und ihre Liebe verbot es, schmerzlos voneinander loszukommen.

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