vonfuchsbau 05.11.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Es war ein verregneter, doch angenehm kühler Sommerabend, also blieben Maksymilian und Valeska nicht lange im Fuchsbau, sondern gingen hinaus, um erst zum Fluss und diesen dann entlang nach Podgórze zu schlendern. Sie hielten Händchen, und die Passanten, welche ihnen entgegenschritten, hätten keinerlei Grund gehabt, sie nicht für ein glückliches und frisch verliebtes Pärchen zu halten. Die beiden scherzten miteinander, blieben manchmal stehen, um im Schein der Laternen zu knutschen, teilten einen Teller Piroggen und ein großes Bier in einer BaniaLuka und benahmen sich viel zu unmöglich, berührten einander zärtlich vor den anderen Gästen und gaben nichts auf deren Meinungen.

»Hey, nehmt euch ein Zimmer!«, hörten sie eine empörte weibliche Stimme vom Nebentisch meckern. Aber sie waren jung, verliebt und auf bestem Wege zu einem gemäßigten Rausch, also sahen die beiden nicht einmal rüber, denn sie hatten Besseres zu tun.

»Schnauze«, raunte Valeska beiläufig, ganz untypisch ruppig für ihr ansonsten zurückhaltendes Naturell. Wie immer, wenn es zu laut wurde, begann Maksymilian sich unwohl zu fühlen. »Ihr seid ja nur neidisch, weil ihr das nicht habt«, fuhr sie fort, und Maksymilian schämte sich für die Situation und seine Freundin. »Noch zwei Nusswodka, bitte«, schloss Valeska ab, diesmal zum Barmann. Sie setzte sich auf Maksymilian wie auf einen umgedrehten Stuhl und er empfand Valeska zum ersten Mal, seit ihre Affäre begonnen hatte, als unangenehm. Manchmal, wenn sie trank, kam eine freche und vulgäre Seite an ihr zum Vorschein. Doch schon klimperte die junge Frau erneut unschuldig mit ihren Wimpern, senkte ihre Stimme und schmiegte sich an Maksymilian – wieder ganz zu einer zahmen Füchsin geworden.

Nach der kleinen Stärkung ging es weiter, auf den Lieblingshügel der Füchse, den sagenumwobenen Kopiec Krakusa. Oben angekommen, auf dem Scheitelpunkt des Gebildes, das an ein in der Hälfte durchgeschnittenes, hochkant aufgestelltes und mit Gras bedecktes Riesenbrot erinnerte, legten sich die Turteltauben nebeneinander ins Grüne. Der Erdboden war ein bisschen feucht, aber das machte ihnen nichts aus. Die zuvor dichten, dunkelgrauen Wolken wurden vom kräftigen Wind, der oben am Hügel noch stärker zu spüren war als unten, auseinandergetrieben. Dank des ungemütlichen Wetters wurden Maksymilian und Valeska von keinen Touristen gestört. Und wie bestellt, erschien direkt über dem Kopiec, eingerahmt in scheinbar überdimensionierte Watte, das Sternbild des großen Bären.

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