vonfuchsbau 11.11.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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»Maksio, ich möchte dich etwas fragen.« Ihr Tonfall wurde ernst und er bekam ein mulmiges Gefühl in der Magengrube, ohne zu wissen, weshalb.

»Ja?«

Sie begann Grashalme aus dem Boden zu reißen und verlegen in die Ferne zu blicken.

»Ich möchte etwas in meinem Leben verändern. Zu Hause halte ich es nicht mehr aus. Diese Leere dort. Es ist ganz bequem, weil meine Eltern nie da sind, dafür immer genug zu essen und so weiter, aber ich möchte jetzt lieber nicht mehr dort wohnen.«

»Okay …« Maksymilian atmete auf, beruhigt, dass es nichts Ernstes war, um gleich von einem weiteren Gedanken aufgewühlt zu werden: Oder will sie etwa mit Michał schlussmachen und bei mir einziehen?

»Ich habe mich gefragt, ob es in Ordnung wäre, wenn ich in den Fuchsbau einziehen würde. Ich meine, wir benutzen ihn ohnehin kaum noch und wir könnten uns auch weiterhin dort treffen.«

»Ach so. Na klar. Von mir aus gerne. Aber wieso fragst du mich? Mateusz zahlt doch die Miete. Oder sein Vater, besser gesagt.«

»Ja, schon. Ich habe auch vor, alle zu fragen, aber ich wollte zuerst wissen, ob das für dich okay ist. Immerhin bist du am häufigsten von uns allen dort.«

»Ja, das stimmt.« Maksymilian fühlte sich geschmeichelt, weil sie derart vorsichtig mit ihm umging. Zum Dank nahm er ihre Hand und drückte ihr einen festen Kuss auf die Wange.

»Aber jetzt habe ich ja eine eigene Bleibe, also brauche ich den Bau auch nicht mehr so häufig.«

»Ja, das habe ich mir auch gedacht.«

Mit einem Satz sprang er auf, griff nach ihren Händen und zog sie hoch zu sich. Die Wolkendecke war in Richtung Norden getragen worden und zeichnete sich nur mehr am Stadtrand ab. Der Mond schien nun hell und schön auf den mitten in der Stadt emporragenden Brothügel, irgendwo im realitätsfernen Märchenland, irgendwo im Kaninchenbau, wo das Gras scheinbar nie nass wurde und die Sorgen nicht so schwer wogen.

»Komm, lass uns in deine erste eigene Wohnung gehen«, sagte Maksio.

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