vonfuchsbau 26.11.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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»Komm endlich, Michał«, bat Maksymilian entnervt, der nur bei seinem Freund vorbeigekommen war, um ihn abzuholen, bei der Tür wartete und schnellstmöglich weiterwollte.

»Ja doch. Komm noch kurz herein. Setz dich. Nimm dir ein Bier. Ich muss das hier fertig packen für die morgige Probe.«

»Ja, aber wir waren um sieben im Fuchsbau verabredet und jetzt ist es schon fünf nach«, schimpfte er weiter, seine neu erworbene, senfgelbe Baskenmütze im Dielenspiegel zurechtrückend, die er schief auf den kurzrasierten Haaren trug wie die Franzosen und die gut zu seinem neuen Schnauzbart passte, nicht aber zu seiner restlichen Kleidung: weißen Sportschuhen, blauen Jeans und einem dunkelblauen Pullover.

»Ich weiß, aber es ist ja nicht weit und Valeska wird schon nicht tot umfallen, wenn sie ein bisschen warten muss. Tut sie sonst doch auch immer.«

Es war einer der mittlerweile selten gewordenen Abende, an denen die vier Füchse sich verabredeten, um ein paar Stunden miteinander zu verbringen. Sie wollten das Ende ihrer gemeinsamen Zeit im Fuchsbau und den Einzug von Valeska in ihre liebgewonnene Dachgeschosswohnung zelebrieren.

»Ja, eigentlich sollte sie nie warten müssen, oder?« Er nahm ein kleines Dosenbier aus dem Kühlschrank, öffnete und trank es.

»Ja«, äffte Michał seinen Kameraden nun ebenfalls genervt nach. »Was geht’s dich überhaupt an? Ist doch nicht deine Freundin, oder?«

»Wenn du meinst.« Maksymilian ließ es bleiben.

»Wahrscheinlich ist Mateusz schon da und leistet ihr Gesellschaft«, bemerkte Michał spöttisch lächelnd, da er genau wusste, wie unwahrscheinlich das klang.

»Ja, wer’s glaubt!«, bestätigte Maksymilian, der den Sarkasmus verstanden hatte.

Während der eine in seinem Kleiderschrank herumwühlte, legte sich der andere auf die Couch, wohlwissend, dass er den Prozess des Packens am ehesten beschleunigen konnte, wenn er seinem Freund nicht dazwischenfunkte. Maksymilian ließ die Füße über der Armlehne baumeln und begann in einem kleinen roten Büchlein zu notieren, was ihm grade so einfiel. Er dachte, das Gespräch wäre beendet gewesen und wurde jäh im Denkfluss unterbrochen, denn Michał bekam Lust, sich mitzuteilen.

»Valeska! Überhaupt, wenn du sie so sehr beschützen willst, wieso nimmst du sie mir nicht einfach ab? Ich will sie eh nicht mehr. Ich warte nur, bis ich eine bessere gefunden habe, dann war’s das.« Maksymilian hörte diese widerwärtigen Aussagen und schwieg, denn dieses Mal – anders als sonst, wenn Michał über seine Freundin lästerte und das Gemeine mit einem bösartigen Lächeln garnierte – scherzte er nicht, sondern meinte es bitterernst. Das verriet sein versteinerter Gesichtsausdruck.

Er stellte seine gepackte Sporttasche neben die Eingangstüre, nahm sich auch ein Bier und stieß mit Maksymilian an. »Was soll ich tun? Sie nervt mich seit langem nur noch. Vielleicht macht es einfach keinen Sinn mehr.«

»Vielleicht nicht. Vielleicht solltet ihr euch ja trennen.« Womöglich stimmte das, doch Maksymilian hatte diese Worte aus einem niederen Grund ausgesprochen, denn er dachte nicht daran, Michał und Valeska zu helfen, sondern wollte das Pärchen nach Möglichkeit auseinanderbringen, um seinerseits mit Valeska zusammen sein zu können. Nun zeigte also auch er, Maksio, als dritter Rüde unter den Füchsen, Tendenzen eines skrupellosen Arschlochs, und seine Transformation vom Bauern zum Städter offenbarte sich mehr denn je.

»Komm, gehen wir, Maksio.«

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