vonfuchsbau 17.12.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Sie versuchte Maksymilian nicht anzusehen, der ihre Blicke von Anfang an gemieden hatte. Mateusz sah beide ungläubig an und fragte sich, wie zwei Menschen das nur aushalten konnten, sagte aber nichts.

»Schau, du wirst ganz rot vor Glück über das Bild«, stellte Michał irrtümlicherweise fest.

Die Platte erreichte ihr Ende und für zwei der Anwesenden stellte sich eine unangenehme Ruhe ein. Keiner sprach, und bis auf Michał verstand jeder, weshalb.

»Was ist denn mit euch? Habt ihr einen Geist gesehen? Ihr macht mir Angst.«

Mateusz nickte zu Maksymilian und wollte ihm zu verstehen geben, dass es an der Zeit war, zu beichten. Maksymilian verstand diesen Wink, entschloss sich aber, ihn zu ignorieren. Er stand auf, ging zur Kommode, auf welcher der Plattenspieler stand, und wechselte derart langsam und behutsam das Vinyl, als würde die Entscheidung, welches Stück er nun auflegte, über irgendjemandes Leben oder Sterben entscheiden.

Den Whisky, der neben der mehrteiligen Kompaktanlage stand, von der nur der Plattenspieler und die Boxen funktionierten, platzierte er gemeinsam mit vier Schnapsgläsern auf dem Glastisch vor der Couch und goss ihnen ein. Auf jedem der Gläser war ein handgemalter Rotfuchs abgebildet. Es waren die ersten praktischen Gegenstände, welche die fliehenden Füchse kurz nach ihrem Einzug in den Bau für diesen erstanden hatten.

»Auf unsere Valeska, die einmal mehr bewiesen hat, wieso sie die neue Monet-owska ist«, toastete Maksymilian scherzhaft, Frau Grabowska imitierend.

Während Michał und Mateusz tranken, formte Valeska mit ihren Lippen die Worte Danke, ich liebe dich in Maksymilians Richtung. Doch interessanterweise war es genau dieser Moment, in dem er begriff, dass sie eben nicht ihn liebte, zumindest nicht so sehr wie Michał. Es war eine Kleinigkeit, eine Lächerlichkeit, die ihn zu diesem Schluss geführt hatte, aber für Maksymilian war es ein eindeutiges Zeichen, dass sie das Blut von Michał für ihr Bild gewollt hatte und nicht seines. Es kränkte ihn und zerstörte ein Stück weit, was auch immer zwischen ihnen gewesen sein mochte.

Aber darum ging es an diesem Abend nicht und irgendwer musste bei diesem letzten Beisammensein im Fuchsbau einen kühlen Kopf bewahren, damit es nicht in einem Desaster endete.

»Valeska«, führte er fort. »Geh und such dir eine weitere Platte aus.« Sie tat es. »Michał, mach das Fenster auf und lass etwas frische Luft rein. Mateusz und ich holen noch ein paar Biere.«

»Jawohl. Zu Befehl, Sir!« Mateusz richtete sich auf und ließ seine Absätze gegeneinander knallen wie ein Soldat. Michał schmunzelte, weil er Maksymilian gar nicht so kannte, so bestimmend, doch er mochte es.

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