vonfuchsbau 01.01.2020

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Der Tag war beinahe vorbei, als Maksymilians Handy klingelte. Das Display zeigte 23:43 und darunter Valeskas Namen an. Er sah hoch zu ihrer Wohnung, denn manchmal ließ sie es nur klingeln, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Das Plaudern von Fenster zu Fenster war billiger als das Telefonieren, zum Leidwesen und Unmut der betagten Mieterin über Maksymilians Wohnung, aber nicht dieses Mal, denn Valeska war nicht zu Hause.

Er hob ab und hörte eine hoffnungslose Stimme, die ihm einen kalten Schauer übers Gemüt jagte. Das Zittern dieser kalten und ausgehölten Stimme verriet, dass sich deren Trägerin kurz zuvor aufgeregt und vielleicht auch geweint haben musste.

»Hall…«, brachte Maksymilian noch raus, bevor er unterbrochen wurde. Sie verzichtete auf eine Begrüßung.

»Es ist alles vorbei. Michał weiß es.« Er begriff sofort und sie zog deutlich hörbar an einer Zigarette, bevor sie weitersprach. »Mateusz hat es ihm gesagt. Du hast es Mateusz gesagt, nicht wahr?« Valeska war so gut es ging darum bemüht, keinen Vorwurf zu äußern.

Entgegen seinen Erwartungen regte Maksymilian diese Nachricht nicht auf. Kein nervöses Zittern, kein Herz-in-die-Hose-Rutschen, nichts. Nur ein Zur-Kenntnis-Nehmen der Information, von der er schon lange gewusst hatte, dass sie eines Tages an ihn herangetragen werden würde. Da ihm diese Reaktion kurios vorkam, fühlte er abermals in sich hinein und fand doch noch eine leichte, versteckte Regung. Dumpf spürte er den Kummer wie ein Echo in seinem nun auch gefühlsmäßig ausgehöhlten und leeren Körper aufsteigen, denn er begann an die Konsequenzen der unautorisierten stillen Post zu denken.

Lange hatte Maksymilian schon auf diesen Moment gewartet und nun war er gekommen. Eines überraschte ihn am meisten, nämlich, dass es jedes Mal zuvor, wenn er an die Entdeckung der Affäre zwischen Valeska und ihm gedacht hatte, viel trauriger gewesen war als jetzt. Er versuchte wenigstens ein bisschen Aufregung zu mimen, wenigstens mit Worten, da er dachte, dass so eine Reaktion angebracht wäre.

»Das gibt es doch nicht. Echt jetzt?«, heuchelte er, doch Valeska kannte ihn zu gut.

»Hör auf damit«, meinte sie. »Was machen wir jetzt?«

»Was sollen wir schon tun? Du hast doch gesagt, dass alles vorbei ist. So ist es auch. Es ist vorbei – endgültig. Die fliehenden Füchse gibt es nicht mehr und wir beide sind daran schuld«, sagte Maksymilian wahrheitsgemäß und ernst wie unter Schock, kurz nach einem Unfall. Beim Übermitteln einer Adresse hätte er nicht monotoner klingen können.

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