vonfuchsbau 12.01.2020

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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»Wie kannst du nur immer so ruhig bleiben?«, fragte Valeska, ohne ihren Ärger zurückzuhalten, bei dem sie nicht wusste, gegen wen er gerichtet war. Maksymilian reagierte nicht darauf.

Der Sprengsatz, den die beiden vor gut einem Jahr gelegt hatten, war nun detoniert. Es gab keinen Grund zur Verwunderung, höchstens, weil es so lange gutgegangen war.

»Weißt du es denn sicher?« Er setzte sich auf den Boden und beobachtete das Laternenlicht, welches zwischen den Lamellen der wenige Tage zuvor angebrachten Jalousien in die ansonsten dunkle Wohnküche schien.

»Ja. Michał hat vorhin angerufen. Er und Mateusz waren etwas essen und da, aus heiterem Himmel, erzählte Mateusz ihm alles, einfach alles. Wie konnte er das alles nur wissen?« Nun waren die Emotionen endlich in ihren Körper zurückgekehrt und Valeska weinte.

»Es tut mir leid.« Mehr wollte er nicht mehr sagen. Was brachte es schon, an diesem Tag noch mehr Überraschungen zu offenbaren? Sie musste nicht wissen, dass Maksymilian seinem besten Freund häufig über die Entwicklungen in ihrer Liaison berichtet hatte, so wie auch Mateusz regelmäßig mit Maksymilian über das plauderte, was ihn beschäftigte. Doch das stillschweigende freundschaftliche Übereinkommen, einander jede Sorge mitteilen zu können, ohne um deren Preisgabe fürchten zu müssen, war an diesem Abend aufgelöst worden.

Einem einzigen Menschen hatte sich Maksymilian anvertraut und ihm seine Verfehlung gebeichtet, und es war wohl der einzige Mensch gewesen, dem er es lieber nicht hätte sagen dürfen. Aber erstaunlicherweise war er kein bisschen wütend auf Mateusz, denn er wusste genau, dass er selbst es gewesen war, der Mist gebaut hatte, also musste auch er die Verantwortung dafür tragen.

Maksymilian glaubte nicht, dass der Verrat am Verräter wirklich bösartig oder überlegt geschehen war. Aus einem Impuls heraus muss Mateusz geplaudert haben, weil er zu wenig geschlafen, zu viel getrunken oder Pulver durch die Nase gezogen hatte. Als weißer Ritter muss er sich dabei gefühlt haben, überzeugt davon, das Richtige zu tun, dachte Maksymilian.

»Treffen wir uns? Reden wir darüber?«

»Ja«, schluchzte Valeska.

»Bei dir?«

»Nein, ich will nicht nach Hause. Ich bin am Fluss, beim Drachendenkmal. Komm hierher, wenn du willst.«

»Gut.«

»Und bring eine Flasche Wein mit.« Für höfliche Umgangsformen, hatte Valeska keine Kraft mehr.

»Gut.«

»Und sag nicht immer gut!«

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