vonfuchsbau 17.01.2020

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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An diesem Abend, während sie auf einer Bank beim Drachendenkmal saßen, die Burg hinter und den Fluss vor sich, hielten Valeska und Maksymilian nicht mehr Händchen, wie sie es sonst bei jedem ihrer geheimen Treffen getan hatten. Sie küssten sich kein einziges Mal und sie witzelten auch kaum noch miteinander herum. Stattdessen tranken sie Wein im Mondschein, ohne etwas davon zu genießen und versuchten zu verstehen, wie sie tun konnten, was sie getan hatten. Der alte Rex, den Maksymilian mitgenommen hatte, damit er seine müden Knochen in Bewegung bringen konnte, schlich um sie herum, scharrte hier und da Löcher in den Rasen und bellte jedes Mal, wenn die Drachenskulptur mittels ihrer Erdgasdüse Feuer spie, was alle fünf Minuten geschah.

Valeskas unterdrückte Wut auf Maksymilians Plaudereien verflog recht schnell und an ihre Stelle legte sich eine angemessenere Empfindung, nämlich die Wehmut, begleitet vom Wissen, an den unerfreulichen Ereignissen, am Untergang der Füchse selbst genauso schuldig zu sein.

»Was geschieht jetzt, Maksio?«

»Ich weiß es nicht. Wir könnten einfach abhauen, zusammen, alles hinter uns lassen, nach New York ziehen oder so – von vorne anfangen«, schlug er vor, unsicher, ob er es ernst meinte oder als Scherz.

»Nein!«, wies sie ihn zurück, ohne eine einzige Sekunde überlegen zu müssen. »Ich muss versuchen, das mit Michał wieder in Ordnung zu bringen.«

Doch es würde nicht mehr gut zwischen ihnen werden, ebenso wenig wie zwischen ihr und Maksymilian, ihr und Mateusz oder den Rüden untereinander.

»Ja. Du hast wahrscheinlich recht«, log Maksymilian, der sich nach ihrer harschen Antwort sicher war, dass er den Vorschlag mit dem Ausreisen ernst gemeint hatte. Auch wenn sie Michał mehr liebte als ihn, er wollte sie nicht verlieren, doch wurde an diesem Abend deutlich, dass er sie bereits verloren hatte. »Ich muss ihn auch anrufen und mich entschuldigen«, sagte er, davon überzeugt, es tun zu wollen; doch dazu sollte es nie kommen, denn er war zu feige dazu.

Die Weinflasche war geleert und die Zeiger der Kirchenuhr hinter ihnen zeigten auf die Drei. Es war an der Zeit, einen schlechten Tag zu beenden, mit der Gewissheit, am nächsten Morgen einen noch schlimmeren begrüßen zu müssen.

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