vongnu 10.12.2018

GNU – Literarische Grotesken

Damals wie Heute das zynische Lächeln über die menschliche Irrfahrt. | Foto: prawny@fotolia.de

Mehr über diesen Blog

Kein bestimmtes Ereignis führte zu jener richtungsweisenden Schrift des neuen Theaters und den Zyklus seiner von Wertung losgelösten Dramatik. Viel eher ist es die vorherrschende Doppelbödigkeit der Moral, die an den deutschen Bühnen und im allgemeinen im Künstlertum anzutreffen ist.
Ein Blitz fährt zwischen die Eitelkeit, den Narzissmus und den Personenkult auf der einen und den Pranger des Menschen auf der anderen Seite.

Die hermetisch abgeschirmte Filterblase, ein Ort der Begegnung und des Diskurses? Theater für eine Gesellschaft, über die Themen unserer Zeit oder für den intellektuellen Ritterschlag? Was darf schwerer wiegen, der Drang eines Künstlers Spuren zu hinterlassen oder die Ausführung seiner gesellschaftlichen Verantwortung, die er mit seinem Sprachrohr über seinen Rezeptionskreis hat? Wer vorlebt, muss auch ehrlich leben. Oder in einem Manell´schen Aphorismus zum Vakuum zwischen Wirklichkeit und Realität ausgedrückt:
»Er war Pazifist der ersten Stunde. Zuhause spülte er abendlich einen Weberknecht im Duschkasten tot.«

Die Tatsache, dass ein Ort der Begegnung, ein in sich bestehender, in sich geschlossener Mikrokosmos ohne Frischluftzufuhr ist, diese Tatsache induzierte tiefschürfende Reflektionen, deren Ansätze in die folgende Schrift mündeten.

Theater zum Selbstzweck, als moralisches Feigenblatt, als Plattform des linksliberalen Schulterklopfens, als subventionierter Ablasshandel der elitären Kräfte muss aufhören.
Die Betrachtung der Zuschauerränge macht dies deutlich.
Theater muss radikal unsere Gesellschaft widerspiegeln und die Sprache unserer Zeit sprechen, dieser Dringlichkeit bedarf es in unseren jetzigen Zeiten. 
Die Zwangsläufigkeit dessen ist, das als Resultat nur der utopische Grundgedanke generalüberholt werden kann und muss.

Nicht das Theater kreiert eine bessere Welt, diese Hürde müssen wir Menschen schon selber nehmen.
Frei nach dem Motto: »Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.«

Das Bühnengeschehen muss unsere Welt in dystopischer Selbstverständlichkeit konsequent widerspiegeln.
Es braucht keine Helden, wo keine Helden sind. Eine perverse Realität erfordert ein perverses Theater. Das objektive Darstellen der bestehenden Ordnungen und Verhältnisse, kommt einem Spiegelbild gleich, einem vor Augen führen, für diejenigen, die sonst Zu- oder Wegschauen gewohnt sind.
Diese Erkenntnis ist eine medizinische Präventionsmaßnahme, ein Stein des Anstoßes, denn nur die Reflektionen des Individuums, können in diesem eine Änderung herbeiführen, in deren Summe, die Möglichkeit eines kollektiven Wandels steht.

Ein Welt die bereits in Flammen steht, braucht keinen Rauchmelder, wenn es bereits soweit ist, dass die Protagonisten den Rauch selbst zu schnüffeln beginnen. Das Feuer entzieht sich jeder Wertung, wenn die Flammenzungen bereits an der Existenz unserer Welt und unseres Daseins lecken. Auch als Kind erhält man Klarheit, sobald man sich die Finger am lodernden Docht einer Kerze versengt.

Als Menschen können wir nur selbst den Schwellenbrand ersticken, den wir angefacht haben. Und wenn uns nur noch die Ironie bleibt und diese zu einem flüchtigen Lächeln reicht. Auch das Lächeln als solches ist ein politischer Akt.

Zeigt denen die Zuschauen, die Brutalität, die wir verschulden und keine Träume und Visionen.
Das Theater kann allenfalls der Katalysator für die Herauskristallisierung für Werte und Ideale sein.
Doch um diese Sisyphosarbeit warzunehmen, bedarf es zum einen Glaubwürdigkeit und zum anderen die Offenheit unsere Wohlfühlblasen zu verlassen und als Sprachrohr auf die Straße zu treten, an jene Orte, an denen sich unsere Gesellschaft befindet.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/gnu/theater-der-objektivitaet/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Lieber Carlie Manello,

    wo sind die Bühnen, die das moralische Feigenblatt ablegen und ihrer Filterblase verlassen? Die grauen Köpfe in den Zuschauerrängen laben sich in ihrerem intelektuellen Gutbürgertum. Wo ist die junge Generation welche den Katalysator auf den unterschiedlichsten Bühnen wieder zum glühen bringt?

    Harry Wolpert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.