Schuss ins Knie: Der Schildbürgerstreich Leistungsschutzrecht

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Lange haben die großen Zeitungsverlage und Medienunternehmen, allen voran Springer und Burda, in Sachen “Leistungsschutzrecht” (LSR) die Backen aufgeblasen. Sie haben die Öffentlichkeit bearbeitet und ihre Lobbyisten auf die Bundestagsabgeordneten losgelassen: ein “Lex Google” müsse her, mit dem der Suchmaschinenriese für die kurzen Texte der Links, die auf Artikel ihrer Seiten verweisen, zur Kasse gebeten wird. Schließlich handele es sich bei diesen “Snipets” um ihr geistiges Eigentum, das von daher schutzbedürftig sei, und von Google nicht kostenfrei verwendet werden dürfe. Dass Experten  auf die simple Möglichkeit verwiesen, die Suchroboter von Google auszusperren und so das geistige Verlagseigentum zu schützen, dass  Netzaktivisten  darauf verwiesen, dass das LSR nichts anderes als “Schutzgelderpressung” sei, dass  allenthalben Warnungen laut wurden, es handele sich dabei um einen “Schildbürgerstreich” und selbst der Bundesverband der Deutschen Industrie versuchte, das Gesetz zu stoppen – als dies half nichts. Die Macht der Medienkonzerne und ihre Nähe zur schwarz-gelben Regierung reichten aus, um dem Gesetz am 1. März 2013 mit 293 zu 243 Stimmen eine Mehrheit im Bundestag zu verschaffen. Morgen, am 1. August tritt es nun in Kraft  – und plötzlich merken die Konzerne, die jahrelang dafür getrommelt haben, dass sie sich tatsächlich einen Schildbürgerstreich nach dem guten alten Bärenmotto “Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass” eingebrockt haben. Wer mit seinen Nachrichten im Netz gefunden werden will, ist auf die Links der Suchmaschinen angewiesen. Und so hat in den letzten Tagen eine  große Kuschelrunde zwischen den Zeitungskonzernen und Google eingesetzt: Nicht nur  Springer und Burda, auch die FAZ, Gruner & Jahr und andere wollen weiter bei Google News weiterhin gelistet werden, ohne für die Snipets zu kassieren. Mit der “unter Vorbehalt  gegebenen Einwillung wollen Springer & Co. verhindern, dass ihnen die von Google News vorbeigeschickte Laufkundschaft – und damit LeserInnen, Klickzahlen und Werbegelder – verloren gehen. Es bleibt also alles beim Alten – und man muss kein großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass aus dem unter Vorbehalt verkündeten Verzicht auf das Leistungsschutzrecht ein Dauerzustand wird, denn dieses Gesetz war und ist nichts anderes ein Schuss ins Knie.

Der taz-Verlag hat sich über Links bei Google und anderen immer gefreut – und eigentlich darauf gehofft, dass es mehr davon geben wird, weil  die Artikel von Springer und der anderen LSR-Apologeten einfach nicht mehr verlinkt werden, wenn  sie ernst machen mit dem mit ihrer Lobby,- und Marktmacht durchgedrückten Gesetz. Wegen des allgmeinen Zurückruderns der Schildbürger wird sich diese Hoffnung jetzt wohl nicht erfüllen. Aber vielleicht machen sie ja dann bald mit einer anderen großen Ankündigung – der Bezahlschranke – ernst. Auch hiervon würden wir uns weiteren Zulauf versprechen,  da die taz mit Modell des komplett kostenlosen Zugangs und des freiwilligen Bezahlens  eine Alternative zu bieten hat.

Kommentare (6)

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  1. Pingback: Ankündigung: Jetzt mit Leistungsschutzrecht-Blocker - Nerd-Supreme

  2. Dabei darf man nicht vergessen das man kleine Newsaggregatoren natürlich vernichtet (und damit de fakto für Google ein News Aggregator Monopol geschaffen hat ohne es zu wollen, denn kleine Aggregatoren können ja nichtmehr aufkommen)

    • Wer sagt, dass man mit “Google ein News Aggregator Monopol geschaffen hat ohne es zu wollen”? Das war doch nur Stufe 1. In der Stufe 2 wird die Springer-Burda-Lobby versuchen, den mit voller Absicht selbst geschaffenen Aggregator-Monopolisten abzukassieren. Dazu brauchen sie eine Gesetzesnovelle, die den Monopolisten (weil er eine Monopolstellung hat) dzu zwingt, die Inhalte der Verlage zu listen. Und dann kann man abkassieren. Startups, Blogger und kleine Newsaggregatoren müssen dafür leider über die Klinge springen. Das ist das Netz 3.0 – mit dem Schlachtruf von der verwerflichen “Kostenlosmentalität” wird endlich Kasse gemacht im Internet.

  3. Oh Leute, bitte! Als wenn die großen Verlage DAS nicht vorher gewußt haben! Niemand hatte die Absicht, sich bei GoogleNews streichen zu lassen, das wäre ja purer Selbstmord. Und niemand hatte die Hoffnung, bei GoogleNews ließe sich jetzt der große Reibach machen, das wäre ja auch alberne Traumtänzerei gewesen. Das Gesetz richtet sich offensichtlich auf ganz andere Ziele: All die kleinen Blogs und Newsaggregatoren ohne juristischer Panzerung, die einzeln keine großen Klickzahlen generieren, aber sich wunderbar abmahnen lassen.

  4. Das Leistungsschutzrecht hat eine noch viel perfidere Seite: Bei Google biedern sich jetzt alle an, aber wenn ich meine eigene kleine Suchmaschine aufbauen will, werden sie mir sehr schnell auf den Pelz rücken.

    Das gleiche gilt für Blogs, die ihre Zitier-Rechte wahrnehmen wollen und plötzlich zur Kasse gebeten werden könnten, weil ihre interne Suche sowas wie eine Suchmaschine ist.

  5. Also war auch die Aufregung wegen Schutzgelderpressung unnötig…