vonMartin Kaul 02.02.2018

taz Hausblog

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Liebe Brieffreundin Tanit,

Einst begann unsere Freundschaft mit der Frage danach, wer in der BILD-Redaktion die Eier hat. Nun hast Du sie bewiesen. Ich schrieb Dir, Tanit (40), damals von meinem Respekt. Ich begrüßte Dich in der APO. Es war eine Zeit, in der alles noch neu war und jungfräulich. Die Aufgaben, die vor uns lagen, waren groß. Du wolltest die BILD zu einer besseren machen.

Du schriebst mir zurück, in grüner Tinte, mit Deiner Hand. Du schriebst: „Vor allem habe ich noch nie etwas so Schönes an mich auf Schreibmaschine getippt bekommen.“ Ich nahm es als Heiratsantrag, aber wir heirateten nicht. Dann gingen wir Austern essen.

Weißt Du, es war so: Ich traute mich nicht, aber Du schlürftest die Auster mit einer Selbstverständlichkeit wie ich niemals zuvor eine Chefredakteurin eine Auster schlürfen sah.

Am Freitag hast Du verkündet, dass Du die BILD-Zeitung verlässt.

Der Grund ist dein Bruder. Dein kleiner Bruder Julian (37) ist ein böser Bruder. Er möchte nicht spielen, er möchte raufen. Er mischt sich in Dinge ein, die ihn nichts angehen. Er macht Sachen kaputt. Er beschimpft im Internet andere Menschen. Er ist kein guter Bruder.

Wenn Brüder böse sind, muss man sie verlassen. Ich finde es gut, dass Du ihn verlassen hast.

Ich finde es schlecht, dass Julian so böse ist. Ich frage mich wieso der Mathias (55) die bösen Jungs beschützt.

Einmal sagtet Ihr bei der BILD, dass Ihr jetzt APO seid. Was soll das für eine APO sein, in der die Frauen verlieren? Das ist keine APO.

Du hast im Bällebad gebadet, aber es war nicht mehr schön.

Sie werden sagen, dass es Julian ist, der die dickeren Eier hat. Wir wissen, dass es nicht stimmt. Er hat Angst. Du hast keine Angst. Er hat nicht gewonnen. Er hat verloren.

Herzlich Willkommen in der APO.

Mit solidarischen Grüßen

Dein Brieffreund, Martin

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