vonmanuelschubert 22.12.2015

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Der Gedenkort für die NS-Machenschaften des Logistikers Kühne+Nagel könnte Realität werden, die dafür notwendigen 4.400 Euro an Spenden kamen dank Ihrer Hilfe im Eiltempo zusammen. Großartig! Jetzt ist das Land Bremen dran.

Am 17. Dezember 2015 veröffentlichten wir auf taz.de einen Aufruf unseres taz.Bremen-Redakteurs Henning Bleyl, der dazu aufrief Geld zu spenden für einen Grundstückskauf. Kein Grundstück für einen taz.neubau, sondern für einen Gedenkort. Vier Quadratmeter am Bremer Weserufer, vier Gedenkquadratmeter. Erinnert werden soll an die NS-Verwicklungen des in Bremen gegründeten Logistikunternehmens Kühne+Nagel.

Die Firma war im Dritten Reich maßgeblich an der Räumung von Wohnungen deportierter Juden beteiligt und beschickte die sogenannten Judenauktionen“, auf denen das Eigentum jüdischer BürgerInnen zum Schleuderpreis weiterverkauft wurde. De facto sicherte sich die Spedition das Monopol für die Verwertung des gesamten Besitzes der aus Westeuropa deportierten Juden. Außerdem diente K+N als Logistikpartner der Wehrmacht. Auch heute ist das Unternehmen als Spedition im Bundeswehr-Auftrag tätig.

Unserem Spendenaufruf sind binnen weniger Tage 355 Menschen gefolgt, die zusammen 15.340 Euro bereitstellten.

Doch K+N weigert sich bis heute beharrlich, die Unternehmensgeschichte der Jahre 1933 bis 1945 aufzuarbeiten. Nun will der Logistiker am Bremer Weserufer seinen Stammsitz erweitern und dafür vom Land Bremen 1.000qm Fläche erwerben. Das Land Bremen, mit 24 Milliarden Euro hochverschuldet, bietet K+N für das Grundstück einen Kaufpreis von 900 Euro pro Quadratmeter an – ein Schnäppchen. So billig, dass wir bei der taz sagen: da kann man doch mithalten, und wir brauchen auch nur vier Quadratmeter – für den Bau eines Denkmals.

Es gibt zwei Gründe, warum wir uns mit unsere Aktion auf Kühne+Nagel fokussieren, erklärt Henning Bleyl: Die schiere Dimension der ‚Arisierungs‘-Geschäfte von Kühne+Nagel. Und die heutige Haltung des Unternehmens. Nach langem Abwiegeln und Leugnen praktiziert Kühne+Nagel jetzt eine Salami-Taktik, deren Scheiben allerdings äußerst dünn sind.

Und wie geht es jetzt weiter?

Unserem Spendenaufruf sind binnen weniger Tage 355 Menschen gefolgt, die zusammen 15.340 Euro bereitstellten (Stand 22.12.2015, 17 Uhr). Das ist, mit Verlaub liebe LeserInnen, überwältigend! Ich bin begeistert von der starken Resonanz auf unseren Crowdfunding-Aufruf. Sie ist ein starkes Signal dafür, dass das Beschönigen der eigenen Geschichte gesellschaftlich nicht hingenommen wird, so Henning Bleyl.

Doch wie geht es jetzt weiter? Zunächst einmal sammeln wir bis zum 9. Januar 2016 weiter Geld – nun für die Errichtung des Denkmals. Je mehr Spenden wir dafür zusammen bekommen, desto unübersehbarer kann es werden. Anfang Januar 2016 schließlich werden wir unser Kaufangebot offiziell gegenüber dem Land Bremen aussprechen. Mit 4.400 Euro bieten wir deutlich mehr pro Quadratmeter als der Logistik-Konzern zahlen soll. Muss die taz nach Maßgabe der Bremer Haushalsnotlage da nicht zum Zuge kommen? Wir meinen: unbedingt.

Falls das Land Bremen unsere Initiative wider erwarten abblocken sollte, spenden wir das bis dahin gesammelte Geld der Jüdischen Gemeinde zu Bremen – als Unterstützung für die Betreuung älterer und pflegebedürftiger Gemeindemitglieder. Der Bremer Landespolitik bliebe dann das Problem, einem Investor den roten Teppich auszubreiten, der die Dimension der eigenen NS-Geschäfte trotz verkniffener Lippenbekenntnisse substantiell beschönigt. Die Dimension ist: ein wesentlicher Akteur des größten Raubmords der europäischen Geschichte gewesen zu sein.

Lesen Sie mehr zum Hintergrund unserer Spendenaktion auf taz.de und spenden Sie für ein Denkmal gegen das Vergessen.

Update 28.12.2015: Weihnachten ist vorbei, die Banken arbeiten wieder, damit gehen auch auf unserem Spendenkonto neue Buchungen ein. Um 09.55 Uhr verzeichnete der taz-Buchhalter Zahlungen von insgesamt 340 SpenderInnen, die zusammen inzwischen 18.907,89 Euro beigetragen haben. Dabei kamen allein über die Weihnachtsfeiertage 55  neue SpnederInnen hinzu, die zusammen 1.863,99 für unser Projekt beisteuerten. Ihr seid großartig! Schaffen wir bis zum Jahreswechsel die Marke von 20.000 Euro? Nicht nur für die vier Gedenkquadratmeter, sondern auch noch für das Denkmal selbst? Anfang Januar jedenfalls werden wir das Kaufangebot beim Land Bremen vorlegen.

Update 30.12.2015: Ihr seid fantastisch – 21.511,97 Euro!

Update 04.01.2016: Genial – 22.903,97 Euro!

 

Titelbild: alex.ch/flickr (CC BY 2.0)

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