von 16.05.2010

taz Hausblog

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Auf taz.de erscheinen Woche für Woche Mit Foto/Video-Reportagen aus Südafrika, mit denen wir Spenden für ein Trinkwasserprojekt sammeln. Menschen aus Südafrika erzählen vor der Weltmeisterschaft in wenigen Minuten, was sie mit Fußball verbindet. Da ist etwa der Musiker Pedro Espi-Sanchez oder der Taxiunternehmer Siyabonga Pawoma. Espi-Sanchez will sich zur Fußballweltmeisterschaft in seinem Land einen Traum erfüllen: Er will ein Vuvuzela-Orchester auf die Beine stellen. Zusammen mit Teenagern aus dem Nyanga-Township in Kapstadt probt er fast jeden Tag, wie man dieses traditionelle afrikanische Horn richtig bläst. „Das Problem ist, dass die Vuvuzela nur eine Note spielt“, erzählt er. Doch die Menschen singen und tanzen im Fußballstadion trotzdem dazu.

Der andere Südafrikaner ist der Taxi-Unternehmer Siyabonga Pawoma, der täglich unzählige Leute zwischen Kapstadt und dem armen Vorort Langa transportiert. Neben der Arbeit trainiert er seine Söhne und deren Freunde im Fußball. Mindestens einer seiner Jungs soll es einmal in die Nationalmannschaft Bafana Bafana schaffen.

Die Reportagenserie ist zugleich ein Spendenaufruf der Initiative „Viva con Agua de Sankt Pauli“, die Trinkwasseranlagen in Afrika, Lateinamerika und Zentralasien baut. Der ehemalige Profifußballer Benjamin Adrion hat sie gegründet – und wurde dafür vor vier Jahren von der taz Panter Stiftung zum „Helden des Alltags“ gekürt. 2009 bekam er das Bundesverdienstkreuz. Über „Soccer for Life“ sollen Spenden für eine Trinkwasseranlage in Kenia gesammelt werden. Derzeit sind sechs Prozent der benötigten 30.000 Euro gespendet.

Die „Soccer for Life“-Initiative ist eine Aktion von „2470media„, dem Fußballmagazin 11Freunde, der NGO „Viva con Agua de Sankt Pauli“ und taz-Online. Unter dem Label „2470media“ haben sich junge FotografInnen zusammengeschlossen, um ein gemeinsames Format aus Fotos und Videos zu entwickeln.

„Wir lassen erzählen“

Daniel Nauck ist Mitbegründer von 2470media, einer von vier FotografInnen gegründeten Produktionsfirma für Multimediareportagen. Er meint: Die neuen Medien zwingen Fotografen und Fotografinnen, neue Formate zu entwickeln – denn Fotoreportagen für Zeitungen und Zeitschriften seien immer weniger gefragt.

taz: Herr Nauck, warum haben Sie 2470media gegründet – eine Produktionsfirma, die Fotos und Videos in ein Format bringt?

Daniel Nauck: Das ist eine Überlebensfrage. Früher wurden unsere Fotoserien in Magazinen abgedruckt. Doch das Fernsehen hat diese Art der Reportagen abgelöst. Wir waren also gezwungen, einen neuen Weg zu finden. da wir mehr wollen als nur auf Terminen zu fotografieren. Wir wollen Geschichten erzählen. Um auf uns aufmerksam zu machen, mussten wir ein neues Format ausprobieren. Da hat sich die Foto/Video-Reportage angeboten. Sie verbindet unseren Beruf mit dem Videohype, dass alles gefilmt werden muss, was sich bewegt.

Worauf legen Sie den Schwerpunkt in den Reportagen?

Traditionell sind unsere Reportagen sozial geprägt. Wir kümmern uns aber auch verstärkt um ökologische Themen und veränderte Arbeitswelten. Unser letztes Projekt dazu war der Film „Digital Nomaden“, der von der taz bestellt wurde. Der schlug in der Bloggerszene extrem ein, wurde oft gesehen und viel diskutiert. Damit haben wir den Nerv vieler Menschen getroffen, die als Selbstständige am Rechner ihr Geld verdienen.

Wie erzählen Sie die Geschichten?

Unsere Foto/Video-Reportagen sind reine Protagonisten-Geschichten. Wir lassen erzählen. Und zu den Statements stellt der Fotograf eigene Bildkompositionen, die natürlich auch wertenden Charakter haben. Die Standfotografien haben den Effekt, dass man sich emotional an die Geschichte und an den Protagonisten andocken kann, dass man hineingezogen wird.

Wozu brauchen Sie dann noch die Videosequenzen?

Uns reicht es nicht, den erzählenden Menschen nur zu hören. Mimik und Gestik spielen eine wichtige Rolle im Subkontext. Das ist wie beim Telefonieren. Viele verstehen beispielsweise ironische Aussagen nicht, weil sie das Gegenüber nicht sehen können. So ist es auch bei unseren Reportagen. Wir wollen den Menschen hinter der Geschichte zeigen, wie er spricht, sich bewegt im Kontext der inhaltsstarken Fotos.

Was sagen eigentlich Ihre Fotografen-Kollegen?

Natürlich wird da heftig diskutiert. Viele sagen, das wäre Quatsch, was wir machen. Wir würden Videofilme fürs Internet drehen. Dabei verkennen Sie, dass wir das Internet als neue Chance sehen müssen, um unseren Beruf zu retten. Hier können wir veröffentlichen, was sonst nie publiziert worden wäre und über die richtigen Kanäle viel Aufmerksamkeit generieren.

Ist die Videokritik gerechtfertigt?

Nein, das ist sie nicht. Denn wir produzieren unsere Reportagen nicht unter filmischem sondern unter fotografischem Blick. Wir sind gezwungen, über die Fotografie, also über inhaltlich starke Standbilder, die Geschichte zu erzählen. Dabei muss die Qualität hoch sein, um die richtige Wirkung zu erzielen. Denn nichts nervt mehr im Internet als zappelige Videos. (Interview: Carl Ziegner)

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