vonHelmut Höge 08.10.2007

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Am Wochenende – zurück aus der Rhön – war uns nach einem Videoabend zu Hause zumute. Beim Videoverleih um die Ecke stieß ich auf einen Film, in dem es um die späte Liebe eines gemobbten Literaturprofessors zu einer Hausmeisterin  ging.  Den mußte ich schon aus Pflichtgefühl ausleihen.

Es handelte sich dabei  um den Hollywoodfilm „Der menschliche Makel“, den Robert Benton nach einem Roman von Philip Roth drehte. Nicht nur ist das Ganze völlig idiotisch und unglaubwürdig inszeniert (der weiße Professor, gespielt von Anthony Hopkins, ist eigentlich ein Schwarzer, der nur reichlich weiß gediehen ist, woraus er seine Vorteile zu schlagen verstand), die zu schöne Hausmeisterin, Faunia (gespielt von Nicole Kidman), ist gar keine Hausmeisterin, sondern Postaushilfe, Melkerin und Putzfrau – auf dieser Arbeitsstelle also bestenfalls Aushilfshausmeisterin.  Aber nachdem man sie einmal in der Post arbeiten gesehen hat,. einmal im Kuhstall und einmal beim Putzen eines College-Treppenhauses – geht sie keiner Arbeit mehr nach, sondern erlebt nur noch einige kurze mehr oder weniger kuriose Geschichten mit dem besagten Professor – bis sie mit ihm zusammen tödlich verunglückt.

In der Klamotte spielt neben dem Altersunterschied der beiden vor allem der Klassenunterschied eine Rolle – dieser wird jedoch ebensowenig entwickelt wie die Handarbeitstätigkeiten von Faunia, sondern nur benannt.

Nichtsdestotrotz schreibt filmz.de:

„Basierend auf der Vorlage des Pulitzer-Preisträgers Philip Roth, ist DER MENSCHLICHE MAKEL ein scharfsinniges wie zutiefst berührendes Drama über Moral, Sühne und Lügen in Zeiten politischer Korrektheit. Dabei entblößt der Film auf zwei Erzählebenen die seit Jahrzehnten vorherrschenden Berührungsängste zwischen dem schwarzen und weißen Amerika, während er anhand seiner Hauptfiguren intime Porträts gebrochener Menschen mit der Kraft zum Weitermachen zeichnet.“

Das ist alles Bullshit, aber ein Satz des alten Literaturprofessors, nachdem er seinen Job im College geschmissen hat, verdient es, hier erwähnt zu werden:

„Political Correctness – wenn das kein Oxymoron ist…“

Bisher hatte ich nie darüber nachgedacht, nur das mir alles „politisch Korrekte“ mehr als suspekt war – schon allein, weil dieser Scheiß aus Amerika über uns gekommen ist und ich nach wie vor den guten alten „Klassenkampf“ favorisiere, der aber auch schon sau-inkorrekt ist – aus der Sicht der herrschenden Klasse jedenfalls. Aber in jeder anderen Hinsicht gilt das auch: politisch aktiv sein – und dabei korrekt bleiben – das ist  ein Blödsinn, ein Oxymoron eben.  Denn jede ernsthafte  politische  Aktion ist unkorrekt – oder sie ist und bleibt unpolitisch. Genaugenommen muß sie sich auch und gerade stets  gegen die Korrektheit  richten.

Die Korrektheit wird auf der „Wortschatz“-Webside der Uni Leipzig mit einem Beispielsatz erklärt: „Pförtner müssen ein hohes Maß an Korrektheit mitbringen, da sie Wachbücher führen, Besucherausweise ausgeben und Leute anmelden (Quelle: abendblatt.de)“. Pförtner sind Hausmeister bzw. Aushilfshausmeister (in der Rhön hatten wir es übrigens mit einem Bademeister, einem Waldmeister und sogar mit einem Moormeister zu tun) – auf alle Fälle sind sie Handarbeiter bzw. ganz sicher keine Kopfarbeiter, die Pförtner/Hausmeister. Man hätte das Wort Korrektheit auch am Beispiel eines Literaturprofessors erklären können, denn auch diesem wird sie abverlangt – z.B. beim Zitieren. Aber daraus wird bereits ersichtlich: Die Korrektheit wird in der Regel denen da unten – den doofen Handlangern – von denen da oben – den intelligenten Entscheidungsträgern – aufgezwungen. Und wenn erstere sich dagegen zur Wehr setzen, dann  ist das eben höchst unkorrekt – aus der Sicht der letzteren!

Ich breche den Eintrag hier ab, gerade bat mich der taz-hausmeister wolf, dass ich als aushilfshausmeister auf seine starken Schultern steige, um eine kaputte – d.h. flackernde – Neonröhre auszuwechseln. Dies lehnte ich jedoch ab, da ich neuerdings unter Höhenangst leide und bat ihn, sich stattdessen eine Leiter zu nehmen, die ich vor einigen Wochen bereits in den hinteren Treppenaufgang gestellt hatte. Da sich die Neonröhre fast genau über meinem Schreibtisch befand, fügte ich hinzu, er könne das Auswechseln aber auch erst mal sein lassen, da mich das Flackern überhaupt  nicht stören würde.

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https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2007/10/08/hausmeister-etikettenschwindel/

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