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vonHelmut Höge 15.05.2009

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Der „Facility Manager“ (Hausmeister früher genannt) eines Bürohauses in der Kreuzberger Oranienstrasse leistet geradezu vorbildliche Arbeit: Wenn er mal wieder einen Müllcontainer bestellt hat, holt er sofort zwei ausrangierte „Becherspenderpoller“ aus Plastik aus seiner Kellerwerkstatt, um jenen mit diesen abzusichern. Foto: Antonia Herrscher, von der auch der Name für die Poller stammt.

Für FM-Studenten sei noch mal auf das Seminar der Pollerfotografin Stefanie Peter über den polnischen Untergrund hingewiesen, das im FU-Institut für Slawistik stattfindet. An anderer Stelle wurde in diesem Zusammenhang bereits auf den „politischen Untergrund“ hingewiesen, der in Polen eventuell bis heute Bedeutung hat, wobei dieser natürlich immer wieder auch ins Ökonomische lappt. Man kann den „ökonomischen Untergrund“, der auch „schwarzer Sektor“ oder „informelle Ökonomie“ genannt wird, jedoch auch ebensogut sozusagen rein für sich betrachten:

Der „ökonomische Untergrund“, das sind all jene Transaktionen, die der Staat nicht abschöpfen kann, von denen er nicht einmal etwas weiß, die jedoch die Gesellschaft zusammenhalten und das Soziale festigen, ausweiten und ggf. wiederherstellen. Dieser ökonomische Untergrund macht mehr als die Hälfte aller „Geschäfte“ aus, er ist seinerseits jedoch nur die sichtbare Spitze eines anökonomischen Eisbergs. Und diesen nennt man auch Gaben- oder Geschenketausch.

Fast alle unsere Lebensäußerungen heben auf Gaben- statt Warentausch ab. Und zwar auf eine ebenso subtile wie nachhaltige Weise. Beispiel: Ich frage einen im Ausland lebenden Freund am Telefon “Soll ich dir das neue Buch schicken?”. Dabei erwarte ich nicht die Antwort “Nein, bloß nicht!”, sondern ein “Ja, wenn es dir nicht zu viele Umstände macht,” was ich dann verneine, wobei ich ab da hoffe, dass er mir ggf. auch mal einen interessanten Text oder Ähnliches zukommen läßt. Damit wäre schon der Reziprozität Genüge getan, d.h. der Erweiterung und Festigung eines sozialen Netzes – durch die Erwiderung einer Gabe, die an die Person gebunden ist und irgendwann erfolgen kann und sei es nur als eine freundschaftliche Geste. Auch im Büro: Wenn ich drei Mal runtergehe, um mir einen Kaffee zu holen und dabei dem Kollegen einen mitbringe, dann hoffe/erwarte ich, dass er mir umgekehrt auch mal einen mitbringt. Ständig versuchen wir dergestalt andere in unsere Schuld zu bringen und umgekehrt passiert mit uns das selbe. Wir fühlen uns den alt und klapprig werdenden Eltern, die uns großzogen, verpflichtet. Wir haben ein schlechtes Gewissen, weil wir einen alten Freund nicht oft genug im Krankenhaus besuchen. Oder weil wir uns kein angemessenes Geschenk zur “Feier” einer guten Freundin überlegt haben usw. . Das selbe unberechenbare Reziprozitäts-Gesetz ist beim Wohnungsumzug und Wohnungsrenovieren am Werk – in bezug auf die Hilfe von Freunden dabei. Ja sogar schon bei der Freundlichkeit und Höflichkeit gegenüber Kellnern: Nach einer gewissen Zeit darf man erwarten, dass sie diese erwidern – und einen “persönlich” behandeln.

Aber wie leicht droht ein Gaben- in Warentausch umzukippen?! Wenn z.B. ein Mann eine Frau zum Essen einlädt – und sie damit “rumkriegen” will. Dann ist das keine Gabe mehr, eher ein Danaergeschenk. So wie ein Umsiedler das von der DDR-Regierung enteignete und ihm zur Verfügung gestellte “Reformland” als “Dardanellengeschenk” bezeichnete. Der Gabentausch webt am Sozialen und umgekehrt. Wenn man diese “Verbindungen” verkauft, reißen sie ab. Deswegen kann der Philosoph des Judentums Emmanuel Lévinas sagen, vom “Anderen” geradezu “besessen” zu sein. Der andere Philosoph Jacques Derrida hat daraus eine ganze “Politik der Freundschaft” dekonstruiert. Während der Marxist André Gorz sich auf all jene “Initiativen und Projekte” konzentrierte, bei denen der Gabentausch als bewußte “ökonomische Praktik” im Zentrum stand. Gorz begriff diese Selbstorganisationen, im Maße sie sich verbinden, als Alternative zur kapitalistischen Wirtschaftsweise. Man könnte sie aber auch als ihre ständige nagende Negation abtun, denn die primär Gaben tauschenden Gesellschaften werden im strengen Sinne von gar keiner “Ökonomie” beherrscht. Eine empirische Studie kam zu dem Ergebnis, dass in Frankreich “die Sphäre der Gabe” bereits Dreiviertel des Bruttosozialprodukts ausmache. Dazu zählten die Forscher nicht zuletzt auch die vielen “Schnapsrunden” in Kneipen.

Und natürlich zählt heute dazu auch die ganze „Open Source“-Bewegung bzw. das, was man neuerdings „Peer-Ökonomie“ nennt. Es geht dabei – immer wieder auch vor Gericht (zuletzt in Stockholm) um so etwas wie eine intellektuelle Allmende bzw. um Common Sense – Gemeinsinn.

Was “Gemeineigentum” ist kann man eigentlich nicht klauen, sondern nur persönlich nutzen, das soll man ja auch – aber man kann es dann unerwidert lassen. Dadurch wird zwar das Reziprozitätsgesetz verletzt – aber kein bürgerliches Recht.

Der marxistische Erkenntnistheoretiker Alfred Sohn-Rethel begreift den Unterschied zwischen dem Gabentausch und Warentausch historisch als Übergang vom “klassischen Gemeinwesen” zur “Einzelwirtschaft”: “Vor diesem Hintergrund ist auf die Bereitschaft zur Erwiderung beim Gabentausch kein Verlaß mehr, und der Austausch muß eine tiefgreifende Umformung erfahren, eben die Umformung zum Warentausch, d.h. die zuvor im zeitlichen Abstand zur Gabe lose erfolgende Erwiderung verkoppelt sich jetzt strikt mit ihr zur prompten Bezahlung der Gabe an Ort und Stelle, so daß die beiden Akte des Austauschs wechselseitige Bedingung füreinander werden und zur Einheit und Gleichzeitigkeit eines Tauschgeschäfts zusammengekettet sind. Die Partner dieses Verhältnisses stehen nun als Käufer und Verkäufer erst eigentlich in vollem Sinne der Tauschhandlung und Tauschverhandlung sich gegenüber. Keiner der beiderseitigen Akte des Gebens und Nehmens ist für sich der Tauschakt. Der Tauschakt ist das komplexe Verhältnis, in dem die beiderseitigen Handlungen sich zur Einheit des Austausches aufwiegen. Das ist keine physische Einheit, sondern ein Rechtsverhältnis. Das Mengenverhältnis ihrer Warenposten, auf das die Tauschpartner sich einigen, hat Vertragscharakter, schriftlichen oder mündlichen. Im Warentausch ist der Akt gesellschaftlich, aber die beiden Mentalitäten sind privat; das sagt sich bündiger und klarer auf englisch: In commodity exchange the act is social, the minds are private.”

Weil dieser Warentausch, indem er sich durchsetzt, die Gemeinschaften zersetzt, zu atomisieren droht, wird der Gabentausch als Gegengewicht institutionalisiert, indem man ihn sakralisiert. D.h. er dient fortan der Pflege der Götterkulte und der sakralen Opferdienste durch eine Priesterschaft – bis dahin, dass er zum “Ablaßhandel” herunterkam, gegen den zu Beginn der Moderne dann Martin Luther die abstrakte Schuld eines jeden setzte. So konnten die protestantischen Gemeinden, besonders in den USA, zu Enklaven des Gabentauschs werden, wo mit Glück noch das Soziale existiert und gefestigt wird, wie überhaupt in jeder Religionsgemeinschaft.

Ausgehend von Marcel Mauss „Essay über die Gabe“ hat neuerdings der US-Schriftsteller Lewis Hyde eine gründliche Studie über „Die Gabe“ veröffentlicht. An einer Stelle heißt es darin – über die nachreformatorischen Plädoyers über den (Kredit-) Zins: „Die Hauptargumente treffen zu, bedingt durch den Aufstieg des Individualismus und den Niedergang gemeinsamen Glaubens, die stetige Zunahme des veräußerungsmöglichen Eigentums und das Verschwinden der Allmende, den Siegeszug des Marktes und die Formierung des Staates. Wo der Handel keinen Kollektivgeist nährt und der Markt den Stil des Zusammenlebens prägt, da scheint der Warenverkehr an die Stelle des Gabentausches zu treten.“

Dennoch verfügen laut Lewis Hyde „alle Gesellschaften, ob archaische oder moderne, [noch] über eine angemessene Bandbreite der Gegenseitigkeit, um verschiedene Grade der sozialen Nähe und Ferne zu organisieren und auszudrücken.“ An anderer Stelle schreibt er: „Der wesentliche Unterschied zwischen Geschenk und Geschäft besteht darin, dass Geben eine Gefühlsbindung zwischen (mindestens) zwei Menschen begründet, Verkaufen dagegen nicht unbedingt. Claude Lévi-Strauss hat dies einmal am Beispiel der gemeinsamen Mahlzeiten in einfachen französischen Lokalen erläutert, wo jeder seinem Nachbarn zuerst aus seiner Flasche Wein einschenkt.

Der nicht auszurottende antikapitalistische Hang zum Gaben- oder Geschenketausch lauert gewissermaßen hinter jeder Lebensäußerung, wobei er jedoch bei einer darauffolgenden auch leicht wieder verraten werden kann, wenn nicht von einem selber, dann von anderen um einen herum. Lewis Hyde schreibt: „Da die Gabe ihrem Wesen nach weder Exaktheit duldet noch zur Gegenseitigkeit verpflichtet (und deshalb auch kein Gläubiger-Schuldner-Verhältnis erzeugt), kämen Gerichte wahrscheinlich in große Verlegenheit, wenn sie über Fälle von Undankbarkeit entscheiden müssten. Verträge des Herzens liegen außerhalb des rechtlichen Raumes, und entsprechend würde sich der Gabenzirkel verengen, sobald man sie als Rechtsverhältnisse auffasste.“

Nach Hyde ist eine Institutionalisierung des Gabenstauschs also quasi unmöglich. Dennoch wurde genau das in den meisten Revolutionen immer wieder versucht. Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an die Hussiten in Tabor und an die Wiedertäufer in Münster, wo als erstes alle urkundlichen Berichte über Verträge und Schuldverhältnisse verbrannt wurden – und Gold und andere Wertsachen eingesammelt und in einen Brunnen geworfen wurden. Der Brunnen steht noch heute in Tabor. In Münster erinnern nur noch die Käfige an einem Kirchturm, in denen man die gefangenen Wiedertäufer verhungern ließ, an diese gewaltsame Umdrehung (Revolution) der schier unausweichlichen und schändlichen Entwicklung hin zur Warenwirtschaft. Karl Retzlaff, der während der Münchner Räterepublik für kurze Zeit Polizeipräsident wurde, ließ als erstes alle Polizeiakten auf den Hof des Präsidiums tragen und sie dann verbrennen, auch hierbei ging es um die massenhafte Auslöschung von „Schuld“. Eine solche radikale „Aufwertung von Gaben ist somit etwas zugleich Materielles, Soziales und Spirituelles.“ (L. Hyde) Umgekehrt schritt einst die berittene Canadian Royal Mountain Police ein, wenn die Indianer ihren Stammes-Gabentausch (Potlatsch) praktizierten: Sie konfiszierten die Geschenke – Decken, Kupferplatten und andere Ritualgegenstände, „da die Regierung den Potlatsch für rechtswidrig und verschwenderisch erklärt hatte.

Ähnlich war es beim Stamm der Uduk, der auf äthiopischem Staatsgebiet lebt: Die Uduk sind materilinear organisiert und es gibt keine Hochzeitsgeschenke, die Ehe ist nur als Sexualbeziehung anerkannt, sodass sie mit wenigen wohl definierten aber kurzfristigen Verpflichtungen einhergeht. Frauen sind bei den Uduk, anders als bei den meisten anderen Völkern auf der Erde, keine Gabe, erst recht keine Ware. Damit ihre Ehen länger als durchschnittlich vier bis fünf Jahre halten, führte die äthiopische Regierung 1963 „Brautpreise“ ein, d.h. eine bestimmte Summe, die fortan jeder Mann bei der Hochzeit an den Clan seiner Braut zu zahlen hatte. „Da sie ihre Frauen grundsätzlich nicht vergeben, kam jetzt folgendes Dilemma auf: Entweder war der Brautpreis doch eine Gabe, dann aber eine unerwiderte – obwohl sein Name das Gegenteil besagte. Oder er war keine Gabe, dann mußte es sich um einen Kauf handeln – und das schien erst recht völlig unannehmbar. Einige der Uduk behandelten den Brautpreis als Gabe und führten neueratige Manieren ein, um die daraus erwachsenden moralischen Schwierigkeiten zu lösen. Die meisten aber entschieden sich für den anderen Weg und betrachteten den Brautpreis tatsächlich als Kaufpreis, um seine Zahlung zu verweigern. Auf die Frage, weshalb sie den Brautpreis ablehnten, antworteten die meisten: ‚Müssen wir unsere Mädchen verkaufen wie Ziegen oder sonst etwas?'“

So weit Lewis Hyde, der im übrigen der Meinung ist, dass bei zwei Personen, z.B. bei zwei Liebenden, der Gabentausch leicht in einen Handel ausarten kann (in amerikanischen Ehen ist das schon fast vor vorneherein gang und gäbe). Um dem vorzubeugen haben viele Völker die Gabenzirkulation, die mindestens drei Personen braucht, ausgeweitet auf viele. Die Bewohner der Trobriand-Inseln, wie von Bronislaw Malinowski beschrieben, sogar auf mehrere Stämme – die über ein ganzes Archipel verteilt leben. Hier machen die „zeremoniellen Gaben“ (Geschenke) beständig die Runde über die Inseln, d.h. über hunderte von Kilometern – und zwar zirkulieren die von Frauen getragenen roten Halsketten im Uhrzeigersinn über die Inseln und die von Männern getragenen Armreifen gegen den Uhrzeigersinn.

Der Schweizer Ethnologe David Signer hat Zauber-Praktiken in Ostafrika studiert – sein Buch heißt “Die Ökonomie der Hexerei oder Warum es in Afrika keine Wolkenkratzer gibt”. Für Signer sind die magischen Praktiken kein psychologisches, sondern ein soziologisches Phänomen. Wenn Frantz Fanon von einem “magischen Überbau” sprach, dann könnte man nun mit David Signer von einem “magischen Unterbau” reden. Es gibt dort laut Signer deswegen keine Hochhäuser, weil jeder Verdienst, d.h. alle Einkünfte eines Menschen, immer noch den Charakter einer Gabe haben, die einer nicht einfach einstecken – d.h. für sich verbrauchen darf. Every gift has its poison, d.h. jede Gabe wird zu Gift, für den Empfänger, wenn er sie nicht – und sei es in kleinen Portionen – weitergibt, verteilt. Derjenige hat das größte Ansehen, der am meisten zu verteilen hat – und das auch tut. Andernfalls kann er leicht verflucht/verzaubert werden.

David Signer lernte in Ostafrika Medizinmänner und -frauen kennen (eine heiratete er sogar), die Fetische herstellen, um Angreifer und Gewehrkugeln abzuwehren, die Mittel zur Verwandlung in Bäume und Antilopen kennen, die Menschen den Mund verschließen und sie sogar mit Blicken und Worten töten können. Der Traum jedes linken Intellektuellen, der gegen das herrschende Wertgesetz poltert.

Man spricht vom Geschenk- und Gabentausch auf der einen und vom Warentausch auf der anderen Seite. Ersteres geht historisch dem letzteren voraus. Für Jacques Derrida ist die Gabe jedoch “gerade das, was dem Tausch nicht mehr stattgibt, weil es den ökonomischen Kalkül suspendiert.”

Für Sohn-Rethel ist das Wesentliche am Gabentausch, dass “die Erwiderung der Gabe nicht am Ort des Austauschs haftet, auch nicht am Zeitpunkt oder an der Sache, die Erwiderung hängt vielmehr an der Person. Eine Person, die eine Gabe, die sie empfangen hat, ohne jedwede Erwiderung ließe, sie also als ihr persönliches und definitives Eigentum behandelte, würde sich in einen unerträglichen Gegensatz zu ihrem kollektiven Gemeinwesen setzen und ihre Ächtung provozieren.” Hier stellt sich die Gesellschaft noch direkt dar – und her. Anders in einer warenproduzierenden, in der die Menschen als Privatpersonen agieren und auf dem Markt abstrakt über den Wert (der Waren) miteinander in Verkehr treten. So gesehen ist die Gabe (noch) “anökonomisch,” wie Derrida sagt: Sie ist “das Unmögliche” – und sie wird immer unmöglicher, aber tapfer versuchen wir täglich dagegen an zu gehen. Und wenn es uns mal wieder mißlingt, dann merken wir das auch sofort bzw. früher oder später.

So viel hier zum „ökonomischen Untergrund“. Eigentlich müßte man, wie inzwischen klar geworden sein dürfte, von einem „anökonomischen Untergrund“ sprechen, um die Scheiße, die sich da oben, über dem Untergrund, die ganze Zeit abspielt (nicht nur in Polen) als „ökonomisches Treiben“ zu denunzieren, das totsicher in den Untergang führt. Denn während dieses, der Warentausch, das Soziale nach und nach zersetzt, atomisiert, ist die „Anökonomie“ des Gabentauschs ameisenemsig dabei, es immer wieder und wieder, wenn auch vielleicht nur vorübergehend, zu „heilen“.

Halten wir abschließend fest: Es gibt einen ökonomischen Untergrund – Schwarzarbeit, informelle Ökonomie, Seepiraten, Netzpiraten, Mafiaclans, mobile Zollstationen, Schutzgelderpresser, Schmuggler, Fluchthelfer, Drogendealer, Hehler, etc. – und einen anökonomischen Untergrund, der jeden Handel, d.h. regulären Warentausch, wenn irgendmöglich in einen Gaben- bzw. Geschenketausch verwandelt. Oder umgekehrt: der jeden Gabentausch davor bewahren möchte, asozial in einem Warentausch zu (ver)enden.

Unter „Hausmeisterkunst (318) habe ich einen typischen Soziobio-Artikel aus dem „Spiegel“ – über den Geschäftssinn von Affen, die wahre „Schnäppchenjäger“ sein sollen, gestellt. In ihm sogar behauptet wird, dass weibliche Affen sich prostituieren. Das ist natürlich alles vollkommener Blödsinn. Sie kennen keinen Warentausch, ebensowenig wie immer noch viele sogenannte primitive Völker, die aber nun an diesem sich ausdehnenden (globalisierenden) Geschäftssinn der Weißen langsam zugrunde gehen. Wohl aber kennen die Affen den Gabentausch – und nur diesen. Dieser Hang zur Herstellung bzw. Festigung von Freundschaften, Gruppenzusammenhängen etc. ist älter als die Menschheit, auch Vögel und Kraken z.B. kennen den Geschenketausch – die Dankbarkeit, von der Georg Simmel sagte, sie sei „das moralische Gedächtnis der Menschheit“, müssen wir dahingehend ergänzen: Viele Lebewesen kennen so etwas.

Hier noch drei weitere Literaturangaben dazu:

1. Karl Polanyi: „The Great Transformation“ (gibt es auch auf Deutsch)

2. Anselm Jappe: „Die Abenteuer der Ware“ (gibt es auch auf Französisch)

3. Sudhir Venkatesh: „Underground Economy“ (He has also contributed to Steven Levitt’s Freakonomics in a chapter entitled, „Why Do Drug Dealers Still Live With Their Moms?“)

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