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vonHelmut Höge 12.10.2009

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Während wir uns bemühen, herauszubekommen, ob die chinesischen Glühbirnen nunmehr auf Druck des 1989 angeblich aufgelösten Elektrokartells IEA auch nur noch 1000 Stunden brennen – und nicht mehr 5000 wie früher, bekam der einst wegen seines professionellen Maoismus aus der Gewerkschaft Druck und Papier geflogene SDSler Christian Semler den mit 10.000 Euro dotierten Otto-Brenner-Preis der IG Metall für engagierten taz-Journalismus. Auch das ist natürlich eine gewerkschaftliche Double-Bind-Situation, aber wegen der langen Zeit, die zwischen diesen beiden Funktionärs-„Aktivitäten“ liegt, doch eine, die man gut aushalten kann.  Bei der Meinungsbildung über „Die Linke“ kam es heute nebenbeibemerkt zu einem kurzen Schlagabtausch zwischen ihm und dem Euro-Grünen Daniel Cohn-Bendit, der der taz unbedingt die derzeit anstehenden Aufgaben weisen wollte, und dazu von der Redaktion eingeladen worden war.

Des weiteren ist zu berichten, dass die taz-Serie über „Experten“ von Gabriele Goettle, die dann als Buch in Enzensbergers „Andere Bibliothek“ erschien, von einem chinesischen Staatsverlag übersetzt und veröffentlicht wurde. Beinahe wäre das Buchprojekt daran gescheitert, dass die Verantwortlichen im Verlag darauf bestanden, das Interview mit einer Genfer Hure – als Sex-Expertin weg zu lassen – die chinesische Übersetzerin jedoch kompromißlos blieb. Schließlich konnte sie sich durchsetzen. Und nun ist Gabriele Goettles Buch in China ein „kleiner Hype“, wie taz-redakteur Knipphals sagen würde.

Und weil die Buchmesse in dem Maincastle Frankfurt heuer China „zu Gast“ hat, ließ es sich auch die nahe der taz domizilierte Le Monde Diplomatique nicht nehmen, mit einem China-Schwerpunkt zu erscheinen.

2003 erschien in Europa ein Photoband von Li Zhensheng mit schwarz-weißen Photos von den Grausamkeiten der Kulturrevolution (in der Mandschurei), in Paris wurde der teure Band von einer Ausstellung flankiert. Vor 1989 waren bereits etwa 120 Romane über die Kulturrevolution auf Deutsch erschienen – und zwar jeweils gleich viel in der DDR und in der BRD. Geschrieben wurden sie zumeist von im Ausland lebenden Chinesen, die man während der Kulturrevolution aufs Land geschickt hatte (siehe dazu den letzten blog-eintrag). Die Absicht, die man mit der Übersetzung dieser sogenannten „Narben-Literatur“ verfolgte, war in Ost- und West-Deutschland nahezu identisch: Es sollte damit der Irrweg des Maoismus – der Irrsinn der Kulturrevolution vor allem aufgezeigt werden – an Zeitzeugen und authentischem Material sozusagen. (Einen Teil dieser Literatur habe ich in einem blog-eintrag rezensiert).

Die LMD hat nun Farb-Photos von Solange Brand veröffentlicht, sie zeigen etwas freundlichere Aspekte der Kulturrevolution. Solange war 1966 Sekretärin in der Französischen Botschaft in Peking. Chinesen, die ihre Photos sahen, meinten: „Sie wecken Erinnerungen in mir, aber meine sind schwarzweiß.“

In einem Text über die Kulturrevolution schreibt Solange Brand:

Peking am 1. Oktober 1966, dem siebzehnten Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China. Auf dem Tiananmen-Platz vor den Toren der Verbotenen Stadt defilieren zwischen eineinhalb und zwei Millionen Rotgardisten an der Tribüne vorbei. In Sprechchören bringen sie ihre Unterstützung für die „Kulturrevolution“ und ihren „Vorsitzenden“ zum Ausdruck.

Umgeben von den später „Viererbande“(1) genannten Leuten setzt der alternde und seit dem gescheiterten „Großen Sprung nach vorn“(2) geschwächte Mao einiges daran, um mithilfe seines Propagandaapparats und der Armee unter Führung von Lin Biao die Macht zurückzuerobern. An der Partei und den Institutionen vorbei wendet er sich im Namen der Revolution und des Kampfs gegen Bürokratie, Mandarinat und bourgeoise Dekadenz direkt an die junge Generation und versucht, alle Überbleibsel der Vergangenheit wegzufegen. Dem „Großen Steuermann“ geht es dabei auch darum, die drohende „Entwicklung sowjetischen Typs'“ abzuwenden und den „chinesischen Weg“ der Revolution weiter zu verfolgen.

„Bombardiert das Hauptquartier!“ Welche Jugend würde sich einer solchen Aufforderung widersetzen? Eine Aufforderung an das ganze Land, aber auch eine durch die zunehmende Kritik an bestimmten Führungskräften(3) sorgfältig vorbereitete Manipulation. Seit Frühjahr 1966 hatten begeisterte Schüler und Studenten mit Märschen, Slogans, Trommeln und Zymbalen mobilgemacht – es war der Anfang der großen Inszenierungen und Paraden. Die graue, topfebene Stadt wurde von Rot überzogen. Im Herbst gab es gigantische Aufmärsche in der Chang’an-Straße und auf dem Tiananmen-Platz, wo Mao achtmal Millionen Jugendliche aus dem ganzen Land „empfing“, die gekommen waren, um ihm ihre Verehrung zu bezeugen. Allgegenwärtig, auswendig gelernt und im Chor vorgetragen, bestimmt das Kleine Rote Buch, in dem die „Gedanken des Präsidenten Mao“ stehen, das Verhalten sowie die Hoffnungen und Ziele der Menschen. Aber dieser 1. Oktober ist besonders. Keine Militärparade, keine blumengeschmückten Panzer oder farbenfrohe Darbietungen, stattdessen stundenlang nichts als der ununterbrochene Marsch der Roten Garden. Blaue oder kakifarbene Jacken mit Armbinde, weiße Hemden; Frauen in Hosen, die ihre Zöpfe schon abgeschnitten haben. Alle schwingen im Takt der Sprechchöre das Kleine Rote Buch – ein gigantisches rotes Meer, über dem ebenfalls rote Fahnen und Transparente flattern. Wer das sieht, behält den Eindruck einer Endlosschleife in Erinnerung.

Doch schon bald kommt es zu Exzessen und Denunziationen, Gewalttätigkeit und Chaos. Nach dem mörderischen Jahr 1967 wird die Armee eingeschaltet, um der Unruhe ein Ende zu setzen. Millionen von Studenten werden aus den Städten aufs Land geschickt, wo sie „umerzogen“ werden sollen, auf dass sie künftig das „richtige Wort Maos“ in die Welt tragen. Auf diese Weise sollte dem Aufruhr der sogenannten Generation gebildeter Jugendlicher Einhalt geboten werden. Was folgte, ging als die „zehn katastrophalen Jahre“ in die Geschichte ein.

1949 musste ein rückständiges Land wachgerüttelt werden. Die elementaren Bedürfnisse konnten nicht befriedigt werden, die stark wachsende Bevölkerung(5) litt unter ständiger Hungersnot. In dieser Situation haben die „Barfußärzte“ viel beigetragen, um auch in abgelegenen Ortschaften einfache Hygienemaßnahmen und eine medizinische Grundversorgung einzuführen.

In Sachen Gesundheitswesen, Alphabetisierung, Schulbildung und Gleichberechtigung der Frauen ist damals einiges erreicht worden. Durch brutalen sozialen und politischen Druck gelang es, übliche Praktiken wie Diebstahl, Glücksspiel, Prostitution und Korruption weitgehend auszumerzen. Diese wenigen Jahrzehnte des „revolutionären“ China, die zwischen dem jahrtausendealten Reich der Mitte und dem Ende des 20. Jahrhunderts einsetzenden Kampf um den Status einer Weltmacht lagen, markieren einen der radikalsten Brüche, den die Welt je erlebt hat, erst recht in einer solchen Größenordnung.
Noch vor vierzig Jahren war dieser Staat mit seinen damals 600 Millionen Menschen von den Vereinten Nationen völkerrechtlich nicht anerkannt.(6) Ausgeblutet nach einem halben Jahrhundert Bürgerkrieg und dem Druck der Westmächte und Japans ausgesetzt, stand China Mitte des 20. Jahrhunderts gedemütigt und isoliert da, es gehörte zu keinem der verfeindeten Blöcke der bipolaren Welt. Das erklärt zu weiten Teilen den heutigen Nationalismus, den neu entdeckten, gelegentlich übertriebenen Stolz und die Aura, die den großen Vorsitzenden bis heute umgibt. Nach seinem Tod erklärte die Kommunistische Partei, dass Mao zu siebzig Prozent richtig und zu dreißig Prozent falsch gelegen habe – eine lapidare Formel, die es seinen Nachfolgern ermöglicht, sich an der Macht zu halten und jede Diskussion über ihre eigene Legitimität im Keim zu ersticken.

Im Nachhinein gilt die Kulturrevolution als die große nationale Katastrophe. Offiziell bekam die Viererbande die Verantwortung in die Schuhe geschoben, wodurch die Rolle des „Großen Steuermanns“ im Unklaren bleibt. Deng Xiaoping hat jene Zeit als Negativbeispiel angeführt, um seine Politik der Öffnung zur Marktwirtschaft zu rechtfertigen. Er ging sogar so weit, die Forderungen der nachfolgenden Generation durch Repression zu unterdrücken, als diese sich nicht mehr mit der Parole „Bereichert euch!“ abspeisen lassen wollte.(7)

Fussnoten:

(1) Am 6. Oktober 1976, einen Monat nach Maos Tod, wurden dessen Frau Jiang Qing sowie Zhang Chunqiao, Wang Hongwen und Yao Wenyuan als Symbole der Kulturrevolution und ihrer Ausschreitungen verhaftet.
(2) Der 1958 eingeleitete „Große Sprung nach vorn“ schaffte den privaten Grundbesitz ab und peitschte die Industrialisierung des Landes eisern durch. Das Ziel, China zu einer wirtschaftlichen Großmacht zu machen, scheiterte. Bei der dadurch ausgelösten Hungersnot starben schätzungsweise bis zu 30 Millionen Menschen.
(3) Insbesondere an Deng Xiaoping und Liu Shaoqi, die dazu beitrugen, dass nach dem „Großen Sprung“ ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde.
(4) Siehe dazu Michel Bonin, „Le mouvement d’envoi des jeunes instruits à la campagne en Chine 1968-1980“, Ecole des Hautes études en sciences sociales, Paris 2005.
(5) Um das Bevölkerungswachstum zu begrenzen, verfolgt die chinesische Regierung seit 1979 die sogenannte Ein-Kind-Politik, die fatale Folgen hatte.
(6) Frankreich hat die Volksrepublik China 1964 völkerrechtlich anerkannt, die Vereinten Nationen erst im Jahr 1971.
(7) 1976 wurde Deng Xiaoping, der eine gewaltsame Niederschlagung der Demonstrationen auf dem Tiananem-Platz ablehnte, von Hua Guofeng abgelöst. Zu den Demonstrationen des Jahres 1989 siehe Wang Hui, „Stark sein an zwei Fronten“, Le Monde diplomatique, April 2002.
Aus dem Französischen von Eliane Hagedorn.
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Am 24.8. stellte ich einen Text von Wang Xiaobo in den blog „Ein Schwein, das seine eigene Wege ging“. In der LMD findet sich nun ein Text, der sich u.a. mit diesem Schriftsteller befaßt. Geschrieben hat ihn der in Köln lebende Journalist Shi Ming, die LMD gab seinem Artikel den Titel „Genossen, Bürger, Rebellen“, er handelt von „Identitätsentwürfen im chinesischen Roman“:

Von sechs Uhr nachmittags bis tief in die Nacht wurde der Thread im Internetforum „Jugendthema“ bei www.cyol.net immer facettenreicher: „Man muss auch was vom Kaffeetrinken verstehen“, schrieb jemand mit einem weiblich klingenden Nickname. Kaffeetrinken ist eins von mehr als hundert Merkmalen, die bei dieser Diskussion 1999 zusammengetragen wurden und nach denen unterschieden wurde, wer zur „petite Bourgeoisie“ (xiaozi) in China zu rechnen sei und wer nicht. Zu den Wesenszügen des schicken „Kleinbürgertums“ gehörten vor allem Sentimentalität, umschrieben als „Empfindsamkeit“, und ein genussvoller Lebensstil. Zu den Ausschlusskriterien zählte die Bereitschaft, sich über öffentliche Belange aufzuregen, vor allem politische. Wer sich fürs Gemeinwohl engagiert, erhielt die Gruppenbezeichnung „wütende Jugend“ (fenqing), egal wie alt er oder sie sein mochte.

Kaum jemand von den tausenden Teilnehmern an dem Forum hat in den folgenden drei Monaten je danach gefragt, woher diese Stereotype kommen; und kaum einer der zumeist jungen Netizen wusste, dass die aufgelisteten Merkmale der beiden Gruppen xiaozi und fenqing nahezu identisch dem Revolutionsroman „Das Lied der Jugend“ aus den 1960er-Jahren(1) entlehnt sind:

In diesem Roman erzählt die Autorin Yang Mo von einem sentimentalen, gütigen Mädchen namens Lin Daojing, das ein auf ästhetischen Genuss gerichtetes, urban beschauliches Leben führt. Daojing verliebt sich in einen europäisch geprägten, melancholischen Akademiker und entdeckt bald, wie hohl, falsch und egoistisch dieser Kleinbürger in Wirklichkeit ist. Und gut maoistisch erfährt die tief Enttäuschte durch eine neue Liebe zu einem Revolutionär ihre seelische Wiedergeburt und mausert sich im gemeinsamen Kampf zur Idealfigur einer für Gerechtigkeit einstehenden, wütenden und allen Belanglosigkeiten entsagenden Jugend.

Die Umkehrung der Werte über dreißig Jahre nach dem Ende der Kulturrevolution scheint auf den ersten Blick logisch. 1999 gab es in China schon seit Jahren die kapitalistische Reform und für Chinas Intellektuelle galt das neue Credo: Alles ist erlaubt, nur keine Revolution mehr.

Gerade das brutale Ende der friedlichen Studentenbewegung von 1989 legte nahe, dass kollektive Revolutionsversuche jedweder Couleur hoffnungslos seien, zudem untauglich für die Ausprägung von Individualität. Es verwundert also kaum, dass zehn Jahre nach dem nationalen Trauma vom Platz des Himmlischen Friedens erste Stimmen laut wurden, die den – erzwungenen – Rückzug ins Private als selbstbewusste Suche verklärten. Kein Revolutionär sein hieß: Niemand soll sich mehr für das Gemeinwohl ins Zeug legen.

Das Private, das mit dem ersten materiellen Wohlstand auch bezahlbar wurde, bekam den Heiligenschein des bürgerlich Individuellen verliehen. Jedenfalls im Internet. Dort präsentierten sich Angehörige des xiaozi als individualistische Einzelkämpfer, profiliert durch ihre spezielle Automarke, ihre spezielle Weinsorte, ihre speziell wechselnden Liebes- beziehungsweise Lustentscheidungen und überhaupt Spezielles in allen Aspekten des Lifestyles; jeder für sich und fast schon autistisch auf sich selbst bezogen.

Wie ein Gegenentwurf zu Yang Mos revolutionärem „Lied der Jugend“ mutet der Sittenroman „Shanghai Baby“(2) an, der im Jahr 1999 erschien, als die Netizen eifrig ihr xiaozi-Gruppenbild im Internet designten. Akribisch listet die Autorin Wei Hui darin auf, worauf ihre Heldin, eine auf Sex fixierte Emanze, stolz ist. Vor allem sind das Utensilien, die ihr letzter Liebhaber, ein Deutscher mit ungestümer Libido, hinterließ: eine Dose Nescafé, eine Zigarillo-Etui aus argentinischem Kalbsleder, eine Ikea-Sitzgarnitur und so weiter.

Doch diese Internetdebatte samt ihrer literarischen Radikalisierung qua Skandalroman gehört bereits der Vergangenheit an. Kaum jemand bezeichnet sich noch gern als xiaozi, obwohl das Gegenbild der fenquing erhalten blieb. Leidenschaftlich attackierten diese 2008 die westlichen Medien wegen der Berichterstattung über den Olympia-Fackellauf. Die „Bourgeoisie“ nahm kaum Anteil an der massiv bekundeten politischen Passion – bis Vertreter der „wütenden Jugend“ anregten, die französische Supermarktkette Carrefour in China zu boykottieren. Prompt kam die Ablehnung: Rote Fahnen in Paris entlang den Laufrouten schwenken, Droh-E-Mails an ausländische Korrespondenten in Peking schicken – das war irgendwie okay. Nicht mehr bei Carrefour shoppen zu gehen – das war zu viel, wenn man nicht zu den Vollidioten gehören wollte, die sich gegen eine urbane, zivilisierte Bürgerlichkeit stellten.

Das Verhältnis der KP zu beiden Identitätsbildern ist gespalten. Die Partei war schließlich ebenso Urheberin der nunmehr fast verachteten Revolution wie Urheberin für deren Ersatz: das materielle Aufstreben des Einzelnen und den nationalen Zusammenschluss. Auch wenn bereits 1991, nach dem August-Putsch in Moskau, die chinesische KP-Führung geschworen hatte, aus der Revolutionspartei eine Regierungspartei zu machen, auch wenn sie bis 1999 unter Jiang Zemin dreimal das US-amerikanische Forbes-Forum zum Thema „Wie werde ich reich“ ausrichten ließ: Aus dem Dilemma, einerseits die städtische Mitte als Machtbasis für sich zu gewinnen, ohne andererseits die ärmeren Schichten um Revolutionsverheißungen wie Gerechtigkeit zu prellen, kann sie nicht entkommen. Verstrickt in dieses Paradoxon, leidet sie als Kaderpartei zudem propagandistisch unter einem Mangel an glaubwürdigen Heldengestalten, die die Leistungen der Partei „verkörpern“, wie sie während der revolutionären Phasen – zumeist literarisch – produziert wurden. Was für Leistungen das sind und von welchen Charakteren sie dargestellt werden könnten, ist bis dato eine ungelöste Frage.

2004 startete das Chinesische Zentrale Fernsehen (CCTV) einen gewagten Versuch: Es betraute den bekannten Autor Eryue He damit, aus dem historischen Roman des taiwanesischen Schriftstellers Gao Yang „Hu Xueyan, Kaufmann mit roter Hutschleife“ ein Drehbuch für eine vierzigteilige Serie zu machen. Das vorsichtige Kalkül der KP-Propagandaabteilung: Es war ja nicht so, dass ein festlandchinesischer Schriftsteller, schon gar keiner mit Parteibuch, einen Antihelden gegen die marxistische Lehre kreieren sollte. Eryue He war nur Interpret. Im Zweifelsfall war eben der Taiwanese der Sünder.

Der Romanheld Hu Xueyan ist eine historische Figur, aber er lebte vor den Zeiten der ideologischen Revolutionen von 1927 bis 1949. Und ihm haftete nicht der Stallgeruch der Ausbeuterklasse an, denn der heldenhafte Kaufmann war kein reicher Erbe, sondern arbeitete sich vom Gehilfen eines Pfandleihers in die Position eines modernen Bankiers empor. Derart nach allen Seiten abgesichert, mixte Eryue He die passende Heldenidentität. Aus einem innerlich zerrissenen Besitzbürger à la Thomas Buddenbrook wurde ein durchtriebener Altruist. Nicht die Gier, sondern die Erkenntnis der sozialen Not motiviert nun Hu, nach Geld zu jagen. Nicht der Instinkt, mit dem jeder Bankier sein Tagesgeschäft gegen die Konkurrenz betreibt, beseelt ihn, sondern der Wunsch, das himmelschreiende Unrecht mit eigenen Waffen zu schlagen. Bei so viel „Leistung“ sei dem Helden ein wenig Extravaganz erlaubt – Protz, Konkubinen und Vetternwirtschaft. Am Ende scheitert der tragische Held, aber nicht, weil er sich verspekuliert hätte wie Thomas Buddenbrook mit seinem Getreide. Nein, Hu finanziert aus Patriotismus den kaiserlichen Krieg in Xinjiang gegen die rebellischen Uiguren, hinter denen russische Imperialisten stecken; sein Weggefährte, General Zuo, lässt den Kaufmann im Stich und zahlt das für den Sold der Soldaten geliehene Geld nicht zurück. Hu scheitert, so will’s der Maoismus, letztlich an Chinas gierigen Kapitalisten im Bunde mit noch gierigeren westlichen Geldhäusern, die in ihm das größte Hindernis sehen, den chinesischen Markt unter sich aufzuteilen.

Während die parteiideologische Unterhaltungsindustrie die „Leistungen“ der Neureichen mit hermeneutischer Akrobatik verkauft, tun sich die wahren Revolutionsautoren schwer. Etwa die Autorin Zhang Jie. Seit Anbeginn ihrer literarischen Laufbahn hat sie wider die Falschheit der Bourgeoisie und die Ausbeutung angeschrieben. Dieselben nun entsprechend dem schnelllebigen Zeitgeist wieder zu schätzen, fällt ihr schwer – zumal Chinas Intellektuelle um 2003 begannen, die „Erbsünde“ des Kapitalismus neu zu debattieren. Literarische Reportagen wie der „Bericht über Chinas Bauern“ (Chen Guidi und Wu Chuntao, 2000)(3) und „Wovon soll sich unser Volk noch ernähren“ (Zhou Qing, 2004)(4) deckten die Misere der neuen industriellen Gesellschaft auf: die Ausbeutung der Landbewohner oder die Lebensmittelskandale, an denen das Besitz- und Leistungsbürgertum nicht weniger beteiligt ist als der korrupte Parteiapparat.

Für Zhang Jie oder jemanden wie den ehemaligen Kulturminister und Romanschriftsteller Wang Meng wurde die Überzeugung, dass epische Fiktionen die gesellschaftliche Realität wie Seismografen widerzuspiegeln haben, zur Last. Zhang Jie hat nicht die Unverfrorenheit, die neue Bürgerlichkeit als Grundlage eines breiten Fortschritts zu feiern, und ebenso wenig wagt sie es, der Emanzipation von der Bürgerlichkeit, also der „Revolution“, treu zu bleiben. Mit ihrem Roman „Ohne ein einziges Zeichen“ (2006) gestaltet Zhang Jie(5) die seelischen Wirren einer gespaltenen Persönlichkeit.

Ihre Romanheldin, die Schriftstellerin Wu Yun, längst von der Revolution desillusioniert, glaubt an die Emanzipation nach bürgerlichem Ideal: an die monogame Liebesehe, die allen Verführungen durch Geld oder Macht lebenslang standhielte. So, wie es einst das „Lied der Jugend“ gepredigt hatte. Doch ihr Mann, ein kriegserprobter Geheimdienstler der KP im Ministerrang, enttäuscht sie: Der hartgesottene Revolutionär neigt zu freier Liebe, ist ein Machtmensch und Macho. Im Laufe der kapitalistischen Wirtschaftsreform verblassen seine Verdienste zusehends.

Die Parabel ist komplex: Um die Bourgeoisie als Feind der alle befreienden Revolution zu qualifizieren, bemühten sich die Revolutionsautoren jahrzehntelang, das Bürgertum zu diskreditieren: als durch und durch bigott und wankelmütig. Der Antibürger hingegen bleibt standhaft, wenn nicht gar eisern, in der Liebe wie in der Revolution. Bis sie ihn zwingt, aus derselben Prinzipientreue heraus die Liebe aufzugeben.

In drei Bänden spart die Revolutionsautorin Zhang Jie nicht mit gut recherchierten Einzelheiten über die Gehirnwäsche, der sich Wu Yun und ihr Mann während der revolutionären Säuberungskampagnen unterziehen, auch im Zuge der Kulturrevolution. Die Revolution, findet die Romanheldin, zwingt ihre Helden zur Heuchelei. Wenn selbst der höchst vertrauenswürdige Geheimdienstler der KP als Ergebnis dieser Gehirnwäsche beim Tanzen keine Empfindungen für die in Hauchnähe schwebende Schönheit zeigt, sondern das richtige Gesicht für irgendeinen in der Nähe lauernden Aufpasser macht: Wäre nicht doch das Bürgerliche, das die Revolution mit solcher Strenge bekämpft, die wahre, freie Liebesempfindung ohne Posen? Jene Liebe mag egoistisch sein. Aber hat die in der Revolution inflationär missbrauchte Allegorie „die Liebe zur Revolution gleicht der ewigen Liebe zwischen Mann und Frau“ noch irgendetwas Freies, wenn diese Liebe besitzergreifend und notorisch-hysterisch wird, ähnlich wie die Revolution gegenüber Revolutionären? Auf diese Parabel mit Fragezeichen erhält Zhang Jies Romanheldin keine Antwort. Sie landet in der Psychiatrie.

Draußen – jenseits kleinbürgerlichen Internetgeflüsters, jenseits medial aufgepeppter Lobpreisungen des Besitzbürgertums und jenseits einer über das Sein oder Nichtsein wahrer Befreiung reflektierenden Revolutionsliteratur – formiert sich seit 2000 eine Alternativszene, die immer mehr den Anspruch erhebt, das Bürgerrechtliche als das eigentlich Bürgerliche zu zeigen. Aus der Perspektive der Revolutionsopfer jeglicher Couleur wird hier das unterdrückte Bürgerliche erzählt und neu erfunden. Doch auch die Opfer können sich auf keine verbindliche Gestalt des Bürgerlichen einigen.

In einem Erzähl- und Essayband von 2004 zeichnet die Autorin Zhang Yihe (6) die Lebensbilder von kulturellen und politischen Größen außerhalb der kommunistischen Bewegung nach. Zum Teil stark idealisierend beschreibt sie diese Elite als aufgeklärt, gebildet, kosmopolitisch und doch in der chinesischen Kultur tief verwurzelt: Diven der Peking-Oper, Kalligrafen, Siegelschneider, Maler oder Wissenschaftler pflegen in ihrer Umgebung eine kunst- und geistvolle Konversation. Das für sie Selbstverständliche aber bringt diesen Großbürgern viel Leid unter einem sie zutiefst demütigenden Zwangsregime.

In Zhang Yihes Memoiren findet sich keine Spur von der viel gescholtenen „Ausbeutung“. Hier wenden sich die Großbürger auch nicht von der sozialen Not in China ab. Im Gegenteil, sie suchen Anschluss an die Erneuerung

Chinas, bieten sich unterwürfig als ideologisch umerziehbar und für die neue Gesellschaft nützlich an und geben sich größte Mühe, ihr Wesen zu begreifen. Am Ende lernen sie: Sie sind und bleiben Fremde, nicht mehr zu retten und doch gerettet. In gesicherter Verzweiflung dürfen und müssen sie sich nicht mehr beweisen, weder durch Eigentum, das ideologisch verfemt und ihnen sowieso genommen wurde, noch durch Leistung. Solange die Ausgegrenzten am Leben gelassen, solange sie nicht als Zielscheibe für die Massen hervorgezerrt werden, gehen sie ihren eigenen Dingen nach: Die Diven geben Privatkonzerte, Kalligrafen tauschen sich im kleinsten Kreis aus, dazu gesellen sich die Überreste der Mandschu-Aristokratie in stilvoll gestalteten Höfen, von denen es in der alten Hauptstadt Peking einst so viele gab.

Das Novum bei der Entdeckung des Großbürgertums als Opfer der Revolution ist nicht allein seine charakterliche Rehabilitierung. Bei Zhang Yihe verstecken die Großbürger auch ihre politischen Ambitionen nicht. Die 1957 während der Kampagne gegen die Rechtsabweichler in Ungnade gefallenen Führungsfiguren der Blockparteien, zu denen Zhang Yihes Vater Zhang Bojun gehörte, befragen gemeinsam die Vergangenheit: Ab wann war der Spuk der kommunistischen Diktatur in China nicht mehr zu stoppen? Warum haben sie, die Politiker der „demokratischen Parteien“, so lange versucht, mit dem Teufel zu paktieren, in dem Glauben, die Kommunisten unter Mao würden ihr erklärtes Ziel der Demokratisierung Chinas irgendwann verwirklichen? Auf solche unter Hausarrest geflüsterten Unterredungen folgt dann im Buch stets ein großes Essen, mit höfischer Kochkunst und Peking-Oper-Darbietung.

Betrogene Revolutionäre oder unterdrückte Großbürger kümmern den Romancier Wang Xiaobo (1950-1997) herzlich wenig. Im Roman „Das goldene Zeitalter“ (1996)(7) gab er einer urbanen Generation eine Stimme, die einen Ausweg aus der Dichotomie „Revolution versus Bourgeoisie“ sucht. Ihre Strategie heißt: seelische Entpolitisierung durch Sinnenrausch. Der Held heißt in den diversen Episoden des Romans immer „Wang’er“ (gleich dem deutschen Meier oder Schmidt), aber er hat immer ganz unterschiedliche Lebensläufe. Egal aber welches Leben es ist, wie verwoben auch immer mit ideologischen Massenbewegungen in die eine oder die andere Richtung: Wang’er folgt seinen Sinnen, und alles andere prallt an ihm ab, ist für ihn bloße Kulisse eines grandios absurden Welttheaters.

1974 zum Beispiel überredet Wang’er die schöne Landärztin Chen Qingyang mit kühnen Worten zum Sex. Dafür nimmt er in stoischem Gleichmut den Titel „schlechtes Element“ in Kauf und geht als solches – begleitet von der „Hure“ Chen Qingyang – durchaus amüsiert zu der Massenkundgebung, auf der die beiden öffentlich geschmäht werden sollen; als biete er auf Bestellung „ein Abendprogramm für gelangweilte Dörfler und aufgegeilte Kader“. Um danach wieder mit Chen Qingyang „unsere grandiose Freundschaft körperlich zu zelebrieren, denn Paarung mit Eheglück steht uns ja nicht zu“.

1975 wird ein anderer Wang’er wegen einer freundschaftlichen Rauferei als Übeltäter abgestempelt und dem Psychoterror einer Sekretärin des Kommunistischen Jugendverbands ausgeliefert. Wie ein Dackel „joggt Wang’er hinter dem Fahrrad von X-Haiying hinterher“, so schnurgerade aufrecht, wie es nur Laufprofis können, und plärrt eine Melodie aus der Oper „Aida“ so in den schneidenden Wind hinein, dass niemand, auch nicht Wang’er selbst, ein Wort davon versteht. Genauso wenig versteht er, warum er kurze Zeit später, im Mai, mit der von ihm so innig gehassten X-Haiying ins Bett steigt. Vielleicht weil die Qual so unentrinnbar ist, dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als sich in die Qual selbst zu verlieben …“

In den 1990er-Jahren verwehrt ein US-Professor dem angehenden Mathematiker Wang’er die Mitarbeit an der Entwicklung einer sensiblen Software, wobei dieser akademische Kapitalist seine billige Arbeitskraft aus Fernost sonst gern ausbeutet. Das Rechengenie rächt sich, indem es seine Teilprogramme mit Cao Ni Ma (motherfucker) 1, Cao Ni Ma 2 bis Cao Ni Ma X durchnummeriert: „Dichter bin ich, Fantast! Immer schon, während der Kulturrevolution, als ich für Rotgardisten zeitgemäße Waffen konstruierte; jetzt erst recht. Aber der blutleere Kapitalismus duldet nun mal keine Dichtung, so what!“

Lange traf Wang Xiaobo mit seiner scheinbar apolitisch witzelnden jungen Figur den Nerv der modernen Städter. 2008, elf Jahre nach seinem Tod, fand Wang’ers fiktiver Gag mit dem US-Professor eifrige Nachahmer, als Chinas Netizen den Aufstand gegen die staatliche Internetzensur probten. Sie kreierten die Flash-Figur „cao(Gras)-ni(Schlamm)-ma(Pferd)“ (motherfucker), die gegen die misstrauischen Apparatschiks, dargestellt als „hexie“ (Harmonie, auf Chinesisch gleichlautend wie Flusskrebs), in die virtuelle Schlacht zieht. Die Internetjugend wirkt bei alledem eher belustigt denn verbittert und schon gar nicht wütend.

Doch Wang Xiaobos romantisierende Lesart liberal-privater Bürgerlichkeit findet umso weniger Zustimmung, je mehr Chinas neoliberales Wirtschaftswunder implodiert und je mehr die Bürgerrechtler ihre gesellschaftlichen Forderungen in und außerhalb Chinas auf der Grundlage des humanistischen Wertekanons formulieren. Besonders in der jungen Exilliteratur findet das neue Verständnis des Bürgerrechtlichen seine mitunter scharfe Formsprache – ganz im Stil einer „wütenden Jugend“, wie sie sich im Roman von Ma Jian(8) „Peking-Koma“ (2008) aus dem Londoner Exil zu Worte meldet.

Ma Jians Romanheld, Dai Wei, ist Student. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens hat er 1989 für Bürgerrechte demonstriert und wurde mit einer Maschinengewehrkugel ins Wachkoma geschossen. Quasi aus dem Sterbebett heraus beobachtet der für tot gehaltene Dai, wie China immer bürgerlich-kapitalistischer wird und der Mensch immer mehr seine Würde verliert. Fast plakativ wählt Ma Jian den 1. Juli 1997 als Datum der Handlung: An diesem Tag kehrte Hongkong unter Chinas Hoheit zurück. Der Roman schildert die Staatsfeierlichkeiten, bei der die jungen Menschen weniger aus Überzeugung denn in nationaler Massenhysterie johlend mitfeiern.

Derart euphorisiert und vom Alkohol berauscht, entdeckt einer der Feiernden den Komapatienten und missbraucht ihn sexuell. „Das war fantastisch! Ich wusste gar nicht, dass lebende Leichen einen Steifen kriegen können. Jetzt blase ich dir jeden Tag einen.“ Und Ma Jian lässt den Wachkomapatienten denken: „Die wilden Schreie der Menschen draußen hallen immer noch durch die Nacht. Lichtblitze von Feuerwerkskörpern und Knallfröschen, die vor meinem Fenster explodieren, zucken über meine trockenen, schrumpeligen Augenlider. (…) Obwohl mein Körper nur noch ein verrotteter Haufen Knochen ist, klammert er sich nach wie vor an diese Welt. Der Tod ist eine ewige Straße geworden, deren Ende ich nie erreichen werde. Mein Sperma, der einzige Beweis meiner Lebendigkeit, erregt und erniedrigt mich zugleich. Es hat meinen Körper verlassen und klebt jetzt zwischen Xue Qins Zähnen … Was war dies für ein jämmerlicher Tag!“

Noch findet die Exilliteratur aus China im Land selbst kaum Beachtung. Das neue „Bürgerliche“ erscheint widersprüchlich, wie das Selbstbild der Schreibenden und der Leserschaft in den Städten. Klar ist, dass dieses wie auch immer definierte „Bürgerliche“, sich in der modernen Erzählliteratur Chinas über ihr Verhältnis zur „Revolution“ definieren müsste – weniger zur ideologisch-kommunistischen Revolution als zur kollektivistisch-erzieherischen oder nationalistischen, die Chinas Nomenklatur als neues Ziel propagiert: China müsse aufsteigen. Genauso der chinesische Mensch.

Bezeichnend für dieses neue Ziel und für seine breite Akzeptanz unter städtischen Lesern ist der Bestsellerroman von Jiang Rong(9) „Der Zorn der Wölfe“ (2004). Hauptfigur darin ist ein Städter, der während der Kulturrevolution zur Umerziehung, also zur Zwangsarbeit in die Innere Mongolei geschickt wird. Der junge Mensch lernt die weite Steppe kennen. Er lernt, dass die chinesische Rasse für ihren Aufstieg in der Welt das Fabeltier Drachen zu ihrem Totem gemacht hat und dass dies für ihren Aufstieg in der Welt ein Hindernis, ein Fehler im kulturellen Erbgut ist; während die Mongolen das reale Raubtier Wolf verehren:

„Das Wolfstotem ist älter als der Konfuzianismus der Chinesen. Es ist dauerhafter und hat mehr Kraft. Viele Ideen im Gedankengebäude des Konfuzianismus, etwa die drei Pflichten und die fünf Tugenden, sind längst veraltet, während der Geist des Wolftotems so jung und lebendig ist wie ehedem, weil er von den vorzüglichsten Völkern der Erde weitergetragen wurde.“

Fußnoten:

(1) Siehe Yang Mo, „The song of the youth“, Peking (Foreign Language Press) 1978.
(2) Wei Hui, „Shanghai Baby“, München (Ullstein) 2002.
(3) Chen Guidi und Wu Chuntao, „Zur Lage der chinesischen Bauern“, Frankfurt am Main (Zweitausendeins) 2006. Das Buch war in China ein Bestseller, doch der Nachdruck wurde verboten. Heute kursiert es als Raubdruck in millionenfacher Auflage.
(4) Zhou Qing, “ ,What Kind of God.‘ A Survey of the Current Safety of China’s Food“; siehe auch: „Leckerei kalte Haut“, in: Lettre International 74, 2006.
(5) Siehe Zhang Jie, „She knocked at the door“, San Francisco (Long River Press) 2006. Viele ihrer Werke erschienen auf Deutsch, zuletzt: „Abschied von der Mutter“, Zürich (Unionsverlag) 2009.
(6) Zhang Yihe, „Vergangenes vergeht nicht wie Rauch: Autobiografische Berichte über das Leben der Künstler und Intellektuellen in China unter Mao Zedong“, Zürich (Haffmanns) 2008.
(7) Bisher nicht in deutscher, aber in französischer Übersetzung erschienen: Wang Xiaobo, „L’âge d’or“, Paris (Sorgho) 2001.
(8) Ma Jian, „Peking-Koma“, Reinbek (Rowohlt) 2009.
(9) Jiang Rong, „Der Zorn der Wölfe“, München (Goldmann) 2008.

Hinzugefügt sei, dass Jiang Rongs albernes Lehrbuch „Der Zorn der Wölfe“ ebenfalls in einem meiner blogs bereits ausführlich besprochen wurde – ursprünglich für unsere deutsch-mongolische Zeitschrift „Supernomad“, denn in dem Buch geht es darum, dass die Chinesen wie Schafe leben, während die Mongolen den Wolf verehren – und an diesem Tier sollten die Chinesen sich jetzt im Neoliberalismus unter kommunistischer Führung ein Beispiel nehmen.

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Auch die taz läßt sich in puncto China nicht lumpen:

„taz“ startet China-Portal zusammen mit Buchmesse, meldet ihr Intranet:

Frankfurt/Main/Berlin (dpa) – Die Berliner „Tageszeitung“ bietet in
Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse ein deutsch-chinesisches
Nachrichten-Portal im Internet an. Unter der Adresse
www.buchmesse.taz.de sind von diesem Dienstag an Meldungen und
Reportagen sowie Interviews mit dem Schwerpunkt China – dem Gastland der
Buchmesse – zu finden. Die „taz“ wolle eine „zweite unabhängige,
meinungsstarke journalistische Plattform neben der Buchmessen- Website“
schaffen, erklärte Reiner Metzger, stellvertretender Chefredakteur des
Berliner Blattes, am Montag. Die Buchmesse, die am Dienstag eröffnet
wird, dauert vom 14. bis 18. Oktober.

Die Leitung des Portals übernimmt Georg Blume, früherer langjähriger
China-Korrespondent der „taz“ und der „Zeit“, wie es weiter hieß. Dabei
seien auch drei renommierte Pekinger Journalisten. Während die
„Tageszeitung“ die redaktionelle Leitung habe, stelle die Buchmesse
Technik und Logistik zur Verfügung.
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In der heutigen taz schreiben Sven Hansen und Susanne Messmer über chinesische Dorfliteratur, die laut Messmer eher über chinesische Befindlichkeiten etwas aussagt als die Popliteratur aus Peking und Shanghai. Sven Hansen ist Asien-Redakteur und Susanne Messmer war Kulturredakteurin der taz – bevor sie nach Peking zog und dort erst einmal die junge Disco- und Club-Scene sondierte. Darüber schrieb sie dann auch ein Buch und drehte einen Film. Jetzt findet sie anscheinend die chinesische Dorfliteratur spannender:

Ganz China ein Dorf

Kaum ein Land der Welt verändert sich im Augenblick rasanter als China: Kleinstädte mausern sich in Turbogeschwindigkeit zu Großstädten, Großstädte zu Millionenmetropolen, und über Nacht schießen an Straßenkreuzungen neue, glitzernde Wolkenkratzer aus dem Boden, wo gerade noch Bauern ihre Tomaten vom Eselskarren verkauften. Natürlich spiegelt sich diese Entwicklung in der zeitgenössischen Literatur wider.

So entsteht eine schnell erzählte, urbane Prosa, die von Taschendieben, Prostituierten oder jugendlichen Aussteigern berichtet, doch unterscheidet sich diese Literatur oft herzlich wenig von urbaner Literatur im Rest der Welt. Anlässlich des China-Schwerpunktes auf der Frankfurter Buchmesse fällt auf: Die wirkliche Stärke der chinesischen Literatur scheint im Moment eher darin zu liegen, die Auswirkungen dieser Umwälzungen auf dem Land zu schildern.

Viele Autoren, die heute in Chinas Städten leben, sind selbst auf dem Land geboren und gehören erst seit Kurzem der gerade erst entstehenden Mittelschicht an. Sie kennen sich aus: Von 1,3 Milliarden Einwohnern sind noch immer stolze 900 Millionen Bauern, die vergleichsweise abgehängt sind von den gegenwärtigen Entwicklungen. Es wäre also vergebens, von der chinesischen Literatur eine „Weltliteratur“, wie sie uns vertraut ist, zu erwarten – groß angelegte Familienromane mit popkulturellem oder postkolonialen Hintergrund etwa, wie wir sie von einem Jonathan Franzen oder Jeffrey Eugenides kennen.

So findet sich in der diesjährigen Fülle neu übersetzter chinesischer Romane eine Vielzahl von satirisch-polemischen Dorfgeschichten über Menschenfresser, Blutverkäufer und andere ebenso hart gesottene wie gebeutelte Gesellen. Es sind hoch- oder postmoderne Heimatromane, die vielstimmig und vital erzählt sind, vor vulgären Kraftausdrücken, Dämonen und Anekdoten, Sex und Gewalt nur so strotzen und sich dem neuen China ebenso stur und durchtrieben verweigern wie die Erniedrigten und Beleidigten, die sie beschreiben.

Der produktivste dieser wortgewaltigen Chronisten, die auf diese Weise etwas völlig Eigenes schaffen, ist Mo Yan, von dem gleich zwei dicke Romane auf Deutsch erscheinen: Der aus dem Jahr 1996 stammende, 650 Seiten starke Roman „Sandelholzstrafe“ (Insel Verlag) und der 820 Seiten starke „Überdruss“ aus dem Jahr 2008 (Horlemann).

Bekannt geworden ist der „schreibende Bauer“, wie er sich selbst nennt, in Deutschland durch die Verfilmung seines Romans „Das Rote Kornfeld“ (Unionsverlag) durch Zhang Yimou, der auf der Berlinale 1988 den Goldenen Bären gewann.

Wie alle seine Romane spielen auch die beiden neu übersetzten in seinem Heimatdorf Gaomi, dem „zweifellos schönsten und abstoßendsten, einzigartigsten und gewöhnlichsten, heiligsten und korruptesten, heroischsten und feigsten, trinkfreudigsten und liebestollsten Ort auf der Welt“, wie er meint.

Im Nachwort von „Der Überdruss“, der teilweise aus der Sicht eines erschlagenen Großgrundbesitzers erzählt, der als Esel, Stier, Schwein, Hund und Affe wiedergeboren wird, behauptet Mo Yan, er habe diesen Roman nicht am Computer, sondern handschriftlich binnen 43 Tagen niedergeschrieben – eine Arbeitsweise, mit der sich Mo Yan in die Tradition des mündlichen Erzählens und dessen wilden Wucherungen und ornamentalen Redundanzen, die im gesprochenen Text als Gedächtnisstützen dienen, stellt. Die ungestüme Kraft und dreiste Furchtlosigkeit der mündlichen Erzählung transportiert man manchmal besser, wenn man den Text einfach runterrockt.

Dorfromane wie die Mo Yans entziehen sich dem Koordinatensystem geläufiger Weltliteratur. Auch mit der Kulturpolitik des Sozialistischen Realismus, der einst ganze Heerscharen Intellektueller aufs Land zwang, um dort die fortschreitende Kollektivierung zu verklären, und der bis heute in China nachklingt, haben sie nichts im Sinn. Sie sträuben sich gegen die Tendenz vieler chinesischer Autoren von den 1920er-Jahren bis zur Gegenwart, literarische Moden aus dem Ausland auf simple Weise zu imitieren und weisen zugleich die Forderung des chinesischen Literaturestablishments zurück, Kultur müsse stets hehr und heilig sein.

In diesen maßlosen Romanen, die vielleicht das Ordinärste, aber auch das Originärste sein mögen, was die chinesische Literatur derzeit hervorbringt, geht es stattdessen um das Leiden und die Brutalität. Und darum, dass der Kaiser fern ist und daher jeder sagen kann, was er denkt.

Das ist es, was auch andere, unbekanntere Autoren an ihren ländlichen Themen interessiert. Xiaolu Guo zum Beispiel, eine in Großbritannien lebende Filmemacherin und Autorin, die mit ihrem dritten übersetzten Buch „Ein UFO, dachte sie“ (Albrecht Knaus Verlag) eine Bäuerin im hintersten Winkel Chinas ein UFO sichten lässt. Das Buch erzählt seine Geschichte in Gesprächsprotokollen mit Bäuerinnen und Bauern im Verhör, die nicht besonders gut auf ihr Zuhause zu sprechen sind: „Diese Drecksäcke! Dieses Dreckskaff!“, schimpfen sie immer wieder. Wieder so eine Hommage an die Mündlichkeit, die nicht nur der überaus trocken vorgetragenen Verbitterung der Bauern gerecht wird, sondern auch dem bürokratischen Borniertheit des Pekinger Polizeibeamten widerspiegelt, dessen verzweifeltes Auflaufen an den Bauern („Himmelarsch“) sich noch in den Protokollen niederschlägt.

Ein anderes Beispiel: Li Er und sein Roman „Der Granatapfelbaum, der Kirschen dreht“ (dtv) über eine Dorfvorsteherin, die den Wahlkampf gewinnen will, und eine Bäuerin, die ihr in die Quere kommt, weil sie trotz Einkindpolitik zum dritten Mal schwanger wird und sich der Zwangsabtreibung entzieht.

Und schließlich: Yan Liankes „Der Traum meines Großvaters“ (Ullstein). Für dieses Buch recherchierte der Autor Jahre in einem der Dörfer der Provinz Henan, wo Anfang der Neunzigerjahre das Blutspenden einträgliche Mode wurde und sich die Leute massenweise mit HIV infizierten. Sein Buch über die „Aidsdörfer“ ist vielleicht das Traurigste und Melancholischste der genannten Dorfromane. Als die Hauptfigur, der Großvater, daran scheitert, dem Menschen beim Sterben letzte Würde zu ermöglichen, erschlägt er seinen Sohn, der für die unhygienischen Blutspenden mitverantwortlich war. Er kann nicht tatenlos zusehen, irgendwie muss er wenigstens versuchen, etwas wiedergutzumachen.

All diese Bücher beschreiben drastisch direkt die Nöte von Menschen am Rand, die, wenn sie sich auch nicht mehr zu helfen wissen, sich zumindest nicht unterkriegen lassen. Damit entwickeln die Romane einen Strang der modernen chinesischen Literatur weiter, der unter Mao gründlich der Garaus gemacht wurde und den man bei zwei großartigen chinesischen Autorinnen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachlesen kann, die anlässlich der Buchmesse wiederverlegt wurden beziehungsweise erstmals auf Deutsch erscheinen: Xiao Hong und Zhang Ailing.

Diese wohl wichtigsten Autorinnen der chinesischen literarischen Moderne haben beide Dorfromane geschrieben, wie sie unter Mao nicht mehr möglich waren. In beiden geht es um starrköpfige Schildbürger, die in ihrer bockigen Unbelehrbarkeit immer noch vernünftiger erscheinen als alles, was aus den Städten kommt.

Während Xiao Hong in ihrem berühmten Buch „Menschen vom Hulanfluss“ (1942) ihre Kindheit in einer Kleinstadt im äußersten Nordosten des Landes beschreibt, wo noch Kindsbräute zu Tode gequält werden und niemand zum Zahnarzt geht, weil dieser mit neumodischer Werbung protzt, hat Zhang Ailing ihr Buch „Das Regenpflanzerlied“ als antikommunistisches, das China Maos vorwegnehmendes Kammerspiel angelegt.

Die Kollektivierung bringt nichts als immer noch mehr Hunger. Als der junge, ambitionierte Schriftsteller aus der Stadt weder etwas in diesem Dorf findet, das ihn satt macht noch einen Stoff, der für einen neuen Revolutionsmythos taugt, denkt er sich eine Geschichte eines heroischen Dammbaus aus, wie er in diesem Landstrich nie stattfinden wird – und, versteht man den Dammbau als Insignie der Moderne – bis heute nicht stattgefunden hat.
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Hinzugefügt sei den Buch-Erwähnungen von Susanne Messmer noch der Interview-Band von Liao Yiwu, in dem es einige Interviews mit Bauern gibt. Die taz interviewte den Autor unlängst – und schrieb vorweg: „Liao Yiwu hat ein Buch geschrieben, in dem man so viel über die chinesische Gegenwart erfährt wie in keinem anderem. Es heißt „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“ und enthält Gesprächsprotokolle mit Arbeitern, Prostituierten, Straßenmusikern. Ein authentisches Panaroma der Gesellschaft Chinas. Liao hatte Einladungen zur Frankfurter Buchmesse, wo China in diesem Jahr Gastland ist. Dort sollte der Autor im Oktober seine großartige Reportageliteratur vorstellen. Nun wurde bekannt: Liao darf nicht ausreisen. Die chinesische Staatssicherheit verbot es ihm. „Ein Grund wurde mir nicht genannt“, sagt Liao Yiwu im taz-Interview.“

Sven Hansen schreibt in der heutigen taz u.a. auch über zwei neuere chinesische Bücher, die in einem Dorf bzw. auf dem Land spielen:

Erlaubt ist, was gemäßigt ist

…Wie Ma Jian in „Peking Koma“ spart auch Mo Yan in seinem Roman „Die Knoblauchrevolte“ nicht an einer vulgären Kraftsprache. Aber Mos Roman ist keine Generalkritik und durfte daher auch in China erscheinen.

Mo Yan, was so viel wie „Der Sprachlose“ heißt und das Pseudonym des 53-jährigen Guan Moye ist, beschreibt, eingebettet in eine tragische Liebesgeschichte, den spontanen Aufstand von Knoblauchbauern gegen die Willkür lokaler Kader. Der mit der Verfilmung seines Buches „Das Rote Kornfeld“ zu Weltruhm gelangte Mo Yan gilt als Vorzeigeautor und gehörte zur offiziellen chinesischen Delegation, die im September an dem Symposium der Buchmesse teilnahm, bei dem es zum Eklat kam.

Mo Yan stammt aus bäuerlichen Verhältnissen, das harte Leben auf dem Land ist Hauptthema seiner Werke. „Die Knoblauchrevolte“ erschien in China bereits 1988, einer damals politisch liberalen Phase. Der Roman selbst ist finster, das Leben der Bauern deprimierend, die Sprache derb und voller Fäkalausdrücke. Beim Lesen ist der beschriebene allseits präsente Knoblauchgestank förmlich zu riechen. Die geschilderte Bauernrevolte ist ein spontaner Aufstand gegen empfundenes Unrecht. Denn den Bauern wird plötzlich kein Knoblauch mehr abgenommen. Sie sind verzweifelt. Ihr Aufstand, der keine weitergehenden politischen Forderungen hat, wird hart geahndet, aber mit einem gewissen Verständnis beschrieben.

„Mo Yan hat früh ein Gespür dafür entwickelt, aus der Systemperspektive Kritik an der Bürokratie zu üben“, sagt Shi Ming. „Autoren wie Mo Yan sollen ja durchaus Probleme aufdecken, aber eben im Sinne der Verbesserung des Systems.“ Die örtlichen Kader haben das Wohl der Bauern aus den Augen verloren. Ein möglicher Fehler des Systems wird nicht thematisiert. Mo Yan beschreibe die „Finsternis der Massen“, aber nicht so sehr „die Finsternis der Herrschenden“. Wer das Buch als Geschichte aus der Vergangenheit liest, spürt förmlich den Fortschritt seitdem. Wer es hingegen als durchaus (noch) real existierende Gegenwart begreift, könnte auch die KP als Teil der Finsternis erahnen.

…Solch sanfte Kritik, die die letztlich Verantwortlichen nicht nennt, wohl auch deshalb geduldet ist, findet sich auch in Alais „Ferne Quellen“ (Unionsverlag). Alai ist Chinas tibetischer Vorzeigeautor, der in seinem 1998 in China erschienenen Buch „Roter Opium“ (so der Titel der deutschen Ausgabe von 2004) die Leibeigenschaft in Tibet vor dem Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee und intrigante Lamas so ähnlich beschreibt, wie es die chinesische Regierung darstellt. Nachdem Alai in China zunächst keinen Verlag fand, erhielt er für „Roter Opium“ im Jahr 2000 gar den renommierten Mao-Dun-Preis.

In „Ferne Quellen“ geht es um die persönliche Auseinandersetzung mit mythischen Naturschönheiten im tibetischen Hinterland und deren touristische Vermarktung. Zur sanften Modernisierungskritik gesellt sich sich eine im Ton scharfe, aber wegen ihrer Beliebigkeit letztlich stumpfe Kritik an den kommunistischen Kadern durch den Ich-Erzähler. Ich „war es gewohnt, Kader jeden Ranges zu treffen, die hochtrabend daherschwadronieren und sich in endlosen Lügen ergingen“, heißt es etwa gegen Ende des Buches.

Solche Kritik gehört in China bei einheimischen Erfolgsautoren heute offenbar zum guten Ton. Das sind klare Fortschritte im Vergleich zur Zeit von Mao Tse-tung. Doch wird der Stillstand der jüngsten Zeit im Kontrast zu Werken von Exilautoren deutlich. Das sagt erst mal nicht viel über die literarische Qualität. Doch bleiben in der chinesischen Literatur die politischen Grenzen in der Beschäftigung mit heiklen Themen eben deutlich sichtbar.

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Auch die taz-Wahrheitsredaktion muß natürlich ihren Senf zum Buchmessen-Schwerpunkt „China“ dazu geben:

Berlin (ots) – Wer hätte das gedacht? Perry Rhodan liest die „taz“! Die
legendäre Science-Fiction-Serie hat den diesjährigen
Unterbring-Wettbewerb der „taz“ gewonnen. Zur Frankfurter Buchmesse
veranstaltet die Wahrheit-Seite der „taz“ traditionell ihren
Unterbring-Wettbewerb. Dabei muss ein Nonsens-Satz in einer Zeitung oder
Zeitschrift untergebracht werden. Passend zum Gastland der Buchmesse
2009 lautete der Satz in diesem Jahr: „Was für Konfuzius Konfetti, sind
für Chinesen die Spaghetti.“ Im aktuellen „Perry Rhodan“-Band Nr. 2511
(„Schatten im Paradies“) sagt der Verteidigungsminister der
Stardust-Union, Sean Legrange, mitten in einem Weltraumgefecht: „Was für
Konfuzius Konfetti, sind für Chinesen die Spaghetti.“ Dafür erhält die
„Perry Rhodan“-Redaktion den sogenannten Jieper-Preis der Wahrheit, eine
Flasche edlen Brandy. Bisherige Gewinner waren unter anderem die
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und das Berliner Stadtmagazin „Zitty“.
Der Jieper-Preis 2009 wird am Samstag, den 17. Oktober, um 14 Uhr auf
der Frankfurter Buchmesse am taz-Stand 3.1 B160 überreicht.

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https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2009/10/12/chinesische_wissensproduktion/

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