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vonHelmut Höge 14.05.2010

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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„Die Stadt, der Poller und der Müll, “ schreibt der Photograph Peter Grosse zu diesem Bild.

Dieser Kampf geht weiter. Denn der potentielle Bebauherr des Geländes  – der Westberliner Architekt Reinhard Müller, „Gasometer-Müller“ auch genannt – denkt sich immer wieder was Neues aus, auch neue Freunde.

Dabei sieht es derzeit eigentlich so aus, dass er, der ein immer größeres Rad drehen wollte, jetzt doch lieber eher kleine Brötchen backen will:

Erst trat er als Vorsitzender der von ihm gegründeten Firma „Stiftung Denkmalschutz Berlin“ zurück, dann war zu erfahren, dass seine Stiftung das 2007 als „Schnäppchen“ erworbene Stadtbad Oderberger Straße im Prenzlauer Berg  verkaufen will – ein 1902 von Ludwig Hoffmann erbautes „bedeutendes Zeugnis städtischer Badekultur“.

Ebenso erfuhr man dann, dass er seinen Firmensitz in der Kurfürstenstraße verlassen möchte, das stand jedenfalls in einer Anzeige von Engel & Völkers am 23.4.2010 in der F.A.Z. 5,7 Mio. Euro will er dafür haben und ist bereit, „bei Bedarf den gesamten Altbau leer zu übergeben“. Dort ist oder war ein Großteil seiner Firmen domiziliert als da sind:

Architekturbüro Reinhard Müller GmbH, REM Gesellschaft für Stadtbildpflege und Denkmalschutz mbH, REM+tec Gesellschaft für Projektentwicklung und Denkmalschutz mbH, IVG AG, Wert-Konzept, TERCON Immobilien, KONZEPT plus Reinhard Müller & Co. GmbH oder HAUSplus Verwaltungsgesellschaft.

Zur Erinnerung: Mit seiner Firma „Wertkonzept“ wollte er in der Wende zusammen mit Karsten Klingbeil und Heinz Pietzsch das gesamte Kombinat Narva an der Oberbaumbrücke kaufen, die Treuhand machte damals jedoch nach erheblichen öffentlichen Protesten den Kauf wieder rückgängig. Auf der anderen Seite der Spree, an der Cuvrystraße, erwarb er sodann ein riesiges Ufergrundstück, wo ein Einkaufscenter von ihm geplant war – das Gelände ist jedoch noch immer unbebaut. Das einzige, was dort alle paar Jahre geschieht ist, dass seine Firma veranlaßt, die in der Zwischenzeit hochgeschossenen Bäume zu fällen – bevor sie einen derartigen Umfang erreichen, dass der Grundstückseigentümer für jeden eine Fäll-Genehmigung braucht. Sonst ist man vor allem immer um die Jungen bemüht, auf dass sie groß und stark werden, bei den Bäumen in der Stadt ist es aber genau andersherum: je älter sie sind, desto mehr werden sie umkümmert und gepflegt, sie bekommen eine Nummer und ein Aktenzeichen und werden regelmäßig abgehorcht. Außerdem haben die meisten Bäume einen Sprecher – in einer der vielen BI „Baumschützer“, die sich notfalls sogar an ihn ketten, um ihn vor der Kettensäge zu schützen. So zuletzt am Maybachufer geschehen. Die Jungen dürfen dagegen straflos ausgemerzt werden.

Zurück zu Gasometer-Müller. Mich erreichte die Ankündigung einer Großen Anfrage von Harald Gindra für die nächste Berzirksverordnetenversammlung in Schöneberg am 19. Mai  2010. Mit dem Hinweis:

„Große Anfragen von dem einzigen BVV-Linken laufen Gefahr vertagt zu werden; sie kommen in der Tagesordnung nach allen Anträgen im zweiten Gr. Anfragen-Block und dort in der Reihenfolge der Mandatsstärke der  Fraktionen.“

Die Große Anfrage lautet:

Gefährdung durch Tiefenbohrung am Gasometer?

Ich frage das Bezirksamt:

  1. Ist dem Bezirksamt bekannt, daß ab dem nächsten Jahr auf dem ehemaligen Gasag-Gelände eine Bohrung bis zu 4.000 Meter tief in die Erde geplant ist?
  1. Welche einzelnen bezirklichen und / oder Senats-Behörden sind verpflichtet, die mit solch einer Planung einhergehenden Gefahren für die Umgebung zu prüfen und auszuschließen?
  1. Wie bewertet das Bezirksamt, daß die Gasag, die die sog. tiefe Geothermie-Bohrung plant, in diesem Zusammenhang die EUREF AG des Grundstückeigners Reinhard Müller als „kompetenten und auf dem Gebiet hoch spezialisierten und erfahrenen Partner“ bezeichnet?
  1. Wie stellt sich das Bezirksamt dazu, daß Erdwärme-Bohrungen als neue Technik hierzulande erst seit 2004 erprobt werden, folglich nicht ausgereift sind und an verschiedenen Orten zu Erdbeben, Gebäudeschäden, Aufquellungen, Giftemissionen und Landabsenkungen geführt haben (Wiesbaden, Landau in der Pfalz, Staufen in Baden-Württemberg, Potzham bei München, Kamen bei Dortmund, Basel)?
  1. Wie schätzt das Bezirksamt ein derartiges technisches Experiment an einem Ort ein, der umgeben ist von S-Bahn-Trassen und verdichteter Wohnbebauung (Altbau)?
  1. Liegen seitens der zuständigen Bezirksamtsstellen bereits Genehmigungen vor? Falls ja, wie sind diese begründet?

Berlin, den 10.05.2010

Herr Gindra, Harald

Bezirksverordneter DIE LINKE

Hatte ich das richtig verstanden:

Gasometer-Müller, dem man seinem großen Euref-Projekt auf dem Gelände – eine private Energieuniversität – immer mehr Widerstand innerhalb und außerhalb des Bezirks entgegensetzt, will jetzt nicht mehr nach oben bauen – in die heiße Luft, sondern nach unten – in die Erde gehen?

Der Sinnsicherheit wegen fragte ich per mail zurück, ob dem so sei – und bekam zur Antwort:

Zur Geothermie-Bohrung –

„die GASAG will auf ihrem alten jetzt Müller
gehörenden Gelände eine Geothermie-Bohrung vornehmen“
– Ja, das hast Du richtig verstanden.

s. Eigenaussage der Gasag:

http://www.gasag.de/presse/presse/pressemitteilungen/
seiten/tiefe-geothermie

Bei ihrem „Projekt Geothermie“ bezeichnet die GASAG
– zu 100 % im Besitz von Eon, Vattenfall und Gaz de
France – allen Ernstes Müllers EUREF AG als „kompe-
tenten und auf dem Gebiet hoch spezialisierten und
erfahrenen Partner“.

s.a. Kristina Pezzeis taz-Artikel vom 8.5.2010:
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=
ba&dig=2010%2F05%2F08%2Fa0197&cHash=269ec888da

Im Oktober 2009 hatte die Abgeordnete der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Claudia Hämmerling, die bereits mehrmals wegen des Gasometer-Projekts mit den reifen Jungs um Reinhard Müller argumentativ aneinander geraten war (*), eine Kleine Anfrage zum Thema „Rechte und Pflichten am Standort Gasometer“ gestellt. In ihrer Pressemitteilung hieß es dazu anschließend – über die „Mogelpackung Energie-Universität“:

Noch 2007 sollte das geplante Europäische Energieforum am Gasometer ein Impuls zur Aufwertung des Areals auf der Schöneberger Linse sein (Drucksache 16/11504). Jetzt erklärt der Senat in seiner Antwort auf eine kleine Anfrage das Gegenteil: Vorrangiges Ziel des betreffenden Bebauungsplans sei nicht die Schaffung eines Standorts für eine Europäische Energie-Universität, sondern die Ausweisung als Kerngebiet (Drucksache 16/13751).

Das Wissenschaftszentrum hat als politisches Argument für die Ausweisung als Kerngebiet ausgedient, denn inzwischen ist der Bebauungsplan festgesetzt. Obwohl in den Sternen steht, dass es je eine Europäische Energieuniversität geben wird, lässt das Planungsrecht jetzt zu, dass die Investoren auf der Schöneberger Linse vergleichbare Baumassen wie am Potsdamer Platz schaffen. Wieder einmal hat Berlin einen teuren Planungsvorteil für eine Bemühenszusage verschenkt, die nicht eingehalten werden muss.

Aber nicht nur das. Berlin erzielt keine Einnahmen dafür, dass Großflächenwerbung für einen Zeitraum von fünf Jahren das Denkmal Gasometer verschandeln darf. Dass Berlin mit der Änderung der Bauordnung 2006 auf Millioneneinnahmen für derartige Werbeprojekte verzichtet und die Sanierungskosten für den Gasometer nicht der Gasag auferlegt hat, ist bundesweit einzigartig und symptomatisch für das politische Desinteresse.

Es gibt keine Hoffnung, dass der Rechnungshof das Gasometer-Projekt einer unabhängigen Bewertung unterzieht, wie z.B. die Großflächenwerbung am Charlottenburger Tor durch die Stiftung Denkmalschutz, bei der es personelle Überschneidungen mit den Akteuren am Gasometer gibt. Dem schiebt der Senat mit der parteiischen Neubesetzung der Stelle der Rechnungshofpräsidentin durch Staatssekretärin Dunger-Löper aus der Stadtentwicklungsverwaltung einen Riegel vor.

Ein Senat, der unabhängige Kontrollgremien durch Parteisoldaten besetzt, ist politisch am Ende. Wir fordern, die Planungen für die Energie-Universität durch einen unabhängigen Rechnungshof zu prüfen.

Daraufhin ging es aber los: Claudia Hämmerling brachte die ganze Blase aus Berlin-Politikern, -Bauherren, -Journalisten gegen sich auf.

Zuerst hieß es in den Springerstiefel-Blättern:

„Die Abgeordnete Claudia Hämmerling hat ihre Vorwürfe gegen den Berliner Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz erneuert. Er versuche, möglichst viele Jungtiere zu züchten, auch wenn es bei Inzucht zu Krankheiten komme. Opfer dieser Praxis sei jetzt das Giraffen-Jungtier Ulla geworden. Zudem verkaufe Blaszkiewitz Tiere an einen dubiosen Geschäftsmann.“

Da konnte man noch denken: na ja die lokale Grünenabgeordnete ist eben eine scharfe Tierschützerin und die in Berlin lebenden Giraffen gehören auch zu ihrer „Basis“. Aber dann legte der Springerstiefelkonzern noch einen Zahn zu:

„Die Grünen-Abgeordnete im Berliner Senat, Claudia Hämmerling, forderte nun, dass Hartz-IV-Empfänger als Hundekot-Kontrolleure eingesetzt werden sollen.„Was auf Gehwegen und an Straßen herumliegt, ist eklig. Der öffentliche Raum darf nicht länger als Kloake benutzt werden“, sagte die 56-Jährige der „Bild“-Zeitung. Sie will dem Blatt zufolge bis zu 20 Langzeitarbeitslose in jedem Berliner Bezirk einsetzen.“

Hat die jetzt einen Knall – diese bescheuerte Grünen-Politikerin, fragte man sich anschließend, denn 1. gibt es kaum noch Hundekot in Berlin, weil die ganzen Arbeitslosen und Niedriglohnempfänger sich keine Hunde mehr leisten können (als erstes schafften die jungen Türken ihre unmöglichen Kampfhunde wieder ab) und 2. brachte es diese Meldung der „Welt“ sofort auf 3000 Eintragungen im Internet. Prompt distanzierte sich auch ihre (Grüne) Partei in der Person des Fraktionsvorsitzenden Volker Ratzmann.

Claudia Hämmerling erwirkte sodann eine „Gegendarstellung“, man findet sie – vollständig – auf der Webpage der Grünen:

„Presseveröffentlichungen, in denen behauptet wird, ich wolle Hartz IV-Empfängern zumuten, Hundekotkontrollen durchzuführen sind frei erfunden. (…) Mein Vorschlag war und ist, zusätzliche Stellen in den Ordnungsämtern zu schaffen, um die Präsenz und Kontrollen zu verbessern, damit nicht länger alle Art von Abfällen im öffentlichen Raum entsorgt wird und Hundehalter künftig die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner selbst beseitigen. (…)“

Aber der Liebling der Partei, nein: der Schöneberger Bürgerinitiative gegen Gasometer-Müller (BI-GGM) – Claudia Hämmerling, die fiese Sechsundfünfzigjährige, wie „Die Welt“ nahelegt, tat noch etwas: Sie stellte im März 2010 für ihre Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus wieder eine Kleine Anfrage, Nr. 16-14307, unter der Überschrift „Was unternimmt der Senat gegen die Zerstörung des Gasometer-Denkmals durch EUREF-Aktivitäten?“, und bekam folgende Auskünfte:

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Kleine Anfrage wie folgt…

Frage 1: Wie bewertet der Senat, dass der neue Eigen-
tümer bauliche Eingriffe in die denkmalgeschützte Subs-
tanz des Gasometers vorgenommen hat, ohne zuvor die
erforderliche Genehmigung bei der zuständigen Behörde
zu beantragen?

Frage 2: Weshalb wurden illegal Teile des Gasometers
durch den neuen Eigentümer zerstört?

Antwort zu 1. und 2.: Lt. Aussage der zuständigen
Unteren Denkmalschutzbehörde des Bezirkes Tempelhof-
Schöneberg wurden mehrere kleinere Eingriffe in die
Wandung des Gasometers eingebracht, die aber teilweise
wieder zurückgenommen wurden. Dies geschah ohne
denkmalrechtliche Genehmigung. Die Maßnahmen er-
folgten, um die Inbetriebnahme der Veranstaltungshalle
wie im Vorfeld bereits öffentlich angekündigt terminge-
recht vornehmen zu können. Es wird darauf hingewiesen,
dass der Eigentümer sich in einem von der Unteren Denk-
malschutzbehörde eingeleiteten Anhörungsverfahren da-
hingehend geäußert hat, dass nicht er selbst, sondern der
Betreiber der Veranstaltungshalle die Maßnahmen veran-
lasst hat.

Frage 3: Wie soll künftig sichergestellt werden, dass
der neue Eigentümer des Gasometers keine weiteren Zer-
störungen an dem denkmalgeschützten Gasometer vor-
nimmt?

Antwort zu 3.: Die Untere Denkmalschutzbehörde ist
regelmäßig auf dem Gelände, um Abstimmungen bezüg-
lich laufender Baumaßnahmen vorzunehmen. Dabei wird
auch der Zustand des Gasometers kontrolliert.

Frage 4: Wie bewertet der Senat die Auffassung, dass
dem Gasometer-Investor, der zugleich Mitgründer der
Stiftung Denkmalschutz Berlin ist, die das Brandenburger
Tor ohne vorherige Ausschreibung sanieren durfte, die
Denkmalschutzgesetze bekannt sein sollten?

Antwort zu 4.: Wir gehen davon aus, dass dem Gaso-
meter-Investor die Denkmalschutzgesetze bekannt sein
sollten.

Frage 5: In welchem Umfang hat die auf nunmehr
160.000m² festgesetzte Bruttogeschossfläche auf dem Ga-
sometergelände die bisherige verwertbare Bruttogeschoss-
fläche erhöht?

Antwort zu 5.: Da das Gasometergelände lt. gelten-
dem Baunutzungsplan planungsrechtlich noch als reines
Arbeitsgebiet gem. §7 Nr. 11 Bauordnung Berlin (BauO
Bln) 1958 festgesetzt ist, bestimmt sich das Maß der bau-
lichen Nutzung nicht nach der höchstzulässigen Brutto-
geschossfläche, sondern nach der höchstzulässigen Bau-
massenzahl (cbm umbauten Raumes je qm des Baugrund-
stücks).

Auf dem ehemaligen GASAG-Gelände ist eine Bau-
massenzahl von maximal 6,0 zulässig. Eine bauliche Nut-
zung im Rahmen der Baumassenzahl 7,2 ist zulässig,
wenn nur Gebäude errichtet werden, die Wohnungen
nicht enthalten; Wohnungen für Aufsichts- und Bereit-
schaftspersonal bleiben außer Betracht.

Industriebauten wie Fabrikhallen, Lagerhallen und
dergleichen können je nach Funktion völlig unterschied-
liche, mitunter stark voneinander abweichende Geschoss-
höhen aufweisen, die mit herkömmlichen Geschosshöhen
im Wohnungsbau, bei Verwaltungsgebäuden etc. nicht
vergleichbar sind. Die nachfolgende Umrechnung von zu-
lässiger Baumassenzahl auf zulässige Bruttogeschossflä-
che ist daher fiktiv.

Bei einer angenommenen, durchschnittlichen Ge-
schosshöhe von 4 m würde auf dem ehemaligen GASAG-
Gelände bei einer höchstzulässigen Baumassenzahl von
6,0 die zulässige Geschossfläche ca. 73.500 qm betragen
(entspricht ca. 46 % der lt. B-Planentwurf 7-29 künftig
zulässigen Bruttogeschossfläche von ca. 160.000 qm).

Frage 6: Hat sich der Wert der Fläche durch die höhe-
re bauliche Nutzungsmöglichkeit erhöht und wenn ja, in
welchem Umfang?

Antwort zu 6.: Die mit dem Bebauungsplanentwurf 7-
29 vorgesehene Änderung der Nutzungsart (statt reines
Arbeitsgebiet künftig Kerngebiet) und Erhöhung des Nut-
zungsmaßes führt zu einer Wertsteigerung des Grund-
stücks. Der Umfang der Wertsteigerung lässt sich wegen
fehlender Sachkenntnisse im Rahmen dieser Kleinen An-
frage jedoch nicht beziffern.

Frage 7: In welchen Punkten wurde der Bebauungs-
plan durch den Senat zur Überarbeitung an den Bezirk
zurück überwiesen?

Antwort zu 7.: Der gemäß § 6 Abs. 4 Ausführungs-
gesetz zum Baugesetzbuch (AGBauGB) angezeigte Be-
bauungsplan ist wegen Nicht-Behandlung (Klärung) einer
Forderung eines Trägers öffentlicher Belange, rechtlicher
Unbestimmtheit einer textlichen Festsetzung sowie fehler-
hafter Ausweisung einer Straßenbegrenzungslinie bean-
standet worden, außerdem ist das Ergebnis der Eingriffs-
beurteilung (entsprechend Aussagen des Umweltberichts)
richtig zu stellen.

Frage 8: Welchen neuen Sachstand gibt es hinsichtlich
der Realisierbarkeit der auf dem Gasometergelände ge-
planten Europäischen Energieuniversität und der vom
Investor zugesagten 5000 Arbeitsplätze?

Antwort zu 8.: Das Europäische Energieforum
(EUREF) gibt hierzu folgende Informationen:
Das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB), zuständig
für den wissenschaftlichen Teil des EUREF, teilt mit,
dass die Gründung einer „Europäischen Energiehochschu-
le“ sich in Vorbereitung befindet. Zurzeit wird ein ent-
sprechendes Konzeptpapier gemeinsam mit einer wissen-
schaftlichen Trägereinrichtung, dem Bundesforschungs-
ministerium sowie einer Berliner Universität entwickelt
und abgestimmt. Der Plan sieht vor, noch vor dem Som-
mer 2010 die genauen Eckdaten bekannt zu geben.

Sicherlich ist für jeden vorstellbar, dass 5000 Arbeits-
plätze nicht von heute auf morgen geschaffen werden.
Unabhängig von den Bauunternehmen, den Gutachtern
etc., die auf dem Gelände und für EUREF arbeiten,
werden derzeit durch das EUREF auf dem Gelände Platz
für ca. 200 neue Arbeitsplätze geschaffen. Dies betrifft
den wissenschaftlichen Bereich und Firmenansiedlungen
aus dem Energiesektor, zu denen auch einer der größten
Netzbetreiber gehört.

Im nächsten Jahr wird mit dem Bau eines weiteren
Gebäudes begonnen, dass Platz für bis zu 400 neue Ar-
beitsplätze auf dem Gelände schaffen wird.

Es wird zurzeit eine Übersicht erstellt, wie viele
Arbeitsplätze seit 2007 (Erwerb der Flächen durch
DENKMALplus) auf dem EUREF-Gelände, insbesondere
auch im Energiebereich, durch Neuvermietung geschaffen
wurden.

Frage 9: Treffen Informationen zu, wonach die fünf-
jährige Genehmigung der Leuchtreklame am denkmal-
geschützten Gasometer erteilt wurde, damit der Investor
für die Sanierung des Gasometers aufkommen kann?

Antwort zu 9.: Im Grundsatz ja.

Der Eigentümer hat sich durch einen öffentlich-recht-
lichen Vertrag mit dem Bezirksamt Tempelhof-Schöne-
berg verpflichtet, die Einnahmen aus der Werbung zur In-
standsetzung des Gasometers einzusetzen. Es ist aller-
dings darauf hinzuweisen, dass die Einnahmen gem.
Nachweis des Eigentümers vom 28.9.2009 unter Berück-
sichtigung der Abschreibung der LED-Wand negativ wa-
ren.

Frage 10: Wenn ja, wie ist der Stand der Sanierung?

Antwort zu 10.: Mit ersten Arbeiten wurde begonnen.

Frage 11: Treffen Informationen zu, dass die Sanie-
rung zunächst nur in Teilbereichen erprobt wird, und
wenn ja, wie ist das zu erklären vor dem Hintergrund,
dass die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen aufgrund
anderer Gasometer-Sanierungen (auch in Berlin) hinläng-
lich bekannt sind?

Antwort zu 11.: Ja.

Es liegen bereits Untersuchungen und ein Sanierungs-
konzept vor. Aufgrund der Erfahrungen bei der Planung
der Sanierung des Gasometers Mariendorf ist jedoch da-
von auszugehen, dass dieses Sanierungskonzept grundle-
gend zu überarbeiten ist. Ob die Erfahrungen aus Marien-
dorf unmittelbar übertragbar sind, ist noch unklar. Gerade
deshalb soll in einem Teilbereich die angemessene Vor-
gehensweise erprobt werden.

Frage 12: Wann soll die Sanierung abgeschlossen
sein?

Antwort zu 12.: Entsprechend dem o.a. Vertrag und
den sich daraus und aus dem Sanierungsbeginn ergeben-
den Fristen ist die Sanierung bis Anfang März 2014 abzu-
schließen.

Frage 13: Entsprechen Wärmeversorgung und Wärme-
dämmung bei den im Gasometer im Rahmen der tempo-
rären Nutzung stattfindenden Events, dem Anspruch an
eine vorbildliche klimaschonende Energieverwendung,
die dem Anspruch an eine künftige Energieuniversität ge-
recht werden?

Antwort zu 13.: Die EUREF gibt hierzu folgende
Informationen:

Die Kuppel innerhalb des Gasometers ist als zeitlich
begrenzte Einrichtung zu verstehen, die die Aufgabe hat,
einen Treffpunkt für Energiethemen zu schaffen und über
das EUREF als Energiestandort mit der Möglichkeit zur
Umsetzung neuester Standards zu informieren. Anschau-
lich beschrieben ist die Kuppel eine Info-Box oder Info-
Tower wie beim Bauvorhaben Potsdamer Platz oder Flug-
hafen Schönefeld mit dem Info-Schwerpunkt „Energie“.
Wegen der zeitlich begrenzten Nutzung der Kuppel wurde
nicht der höchste Dämmstandard angesetzt. Dies würde
auch keinen Sinn ergeben, da der Energieverbrauch für
die Herstellung des Dämmstoffes in keinem Verhältnis
zur Energieeinsparung über die begrenzte Standzeit der
Kuppel steht. Um dennoch den Energieverbrauch zu mini-
mieren wurde eine Heizung eingebaut, die nur zu Ver-
anstaltungs-Zeiten in Betrieb ist und darüber hinaus nur
den Aufenthaltsbereich beheizt. Ab einer Raumhöhe von
2 m nimmt die Innenraumtemperatur durch die Tempe-
raturschichtung stetig ab und sorgt somit für wesentlich
geringere Wärmeverluste als bei einer Vollheizung. Der
Effekt der Temperaturschichtung wird noch unterstützt
durch den Einbau einer Leichtdecke, die darüber hinaus
noch als Blendschutz fungiert

Für die „Berliner Klimaschutzkonferenz“ wurde im
Veranstaltungsvorfeld bei der atmosfair gGmbH ein Zerti-
fikat für eingesparte Treibhausgasemissionen erworben,
die ungefähr der Klimawirkung der Veranstaltung ent-
sprechen. Die atmosfair gGmbH hat hierfür einen „atmos-
fair CO2-Veranstaltungsreport“ erstellt. Für die in dem
Veranstaltungsreport ermittelten CO2-Emmissionen wur-
de ein finanzieller Beitrag geleistet, mit dem die Menge
klimaschädlicher Treibhausgase an anderer Stelle in äqui-
valenter Höhe vermieden werden kann.

Atmosfair ist eine gemeinnützige GmbH, Schirmherr
ist Prof. Dr. Klaus Töpfer. Das Unternehmen unterstützt
Klimaschutzprojekte, die nach den im Kyoto Protokoll
verankerten Regeln des Clean Development Mechanism
(CDM) und zusätzlich dem „Gold-Standard“ der inter-
nationalen Umweltorganisationen durchgeführt und von
dafür zugelassenen Organisationen kontrolliert werden.

Berlin, den 04. Mai 2010
In Vertretung
R. L ü s c h e r
…………………………..
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
(Eingang beim Abgeordnetenhaus am 07. Mai 2010)

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(*) Aus der BI kam hierzu folgende Anmerkung: „‚argumentativ aneinander geraten‘? Klingt ziemlich harmlos. Richtig ist: Claudia Hämmerling benutzt seit Jahren im Abgeordnetenhaus das Instrument der Kl. Anfrage, um Aufklärung zu den vielen Müller-Tricks in der Stadt zu treiben. Dazu gibt sie dann auch manchmal  Presseerklärungen ab. In Bezug auf seine Denkmalstiftung-Tricks ist sie Reinhard Müller so nahe gekommen, daß dieser sie mit einer Unterlassungsklage verfolgt hat (LG Berlin 27 O 876/08, Urteil v. 14.10.2008). Müllers Anwalt  Johannes Eisenberg war sich dabei in seinen Schriftsätzen nicht zu schade, gegen die aus Ost-Berlin stammende grüne Antragsgegnerin einen Stasi-Mitarbeit-Verdacht zu streuen.

Claudia Hämmerling wird im übrigen von einigen „verfolgt“, u.a. seit Jahren von Reinhard Müller, weil sie über ihn Bescheid weiß. Sie war es, die auf der Gründungsveranstaltung der BI Gasometer am 19. Februar 2008 den Versammelten die Augen geöffnet hat, um wen es sich bei dem Projektentwickler Müller handelt.“

Siehe auch: http://www.claudia-haemmerling.de/

Der Schöneberger Gasometer. Photo: BI Gasometer


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https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2010/05/14/der_kampf_um_den_schoeneberger_gasometer/

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