vonHelmut Höge 20.01.2015

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

Mehr über diesen Blog
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Hermann mit Thusnelda
 „Er war unbestreitbar der Befreier Germaniens“ (Tacitus)
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In der wirklichen Welt, wo alles mit allem zusammenhängt….
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„Das Hermannsdenkmal erinnert an die Varusschlacht“
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 „Das Hermannsdenkmal in Lippe“
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„1. Folterbericht (von Alfred McCoy 2009)“
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Mathias Broeckers hebt auf „Telepolis“ in seinem Artikel über den eben auf Deutsch erschienenen „CIA-Folterbericht des US-Senats darauf ab, dass die mit Folter-Methoden erpressten Erkenntnisse zur „Wahrheitsfindung“ nicht taugen: Dies sei schon seit 1631 bekannt, als der Jesuit und Schriftsteller Friedrich Spee seine Kritik der Hexenprozesse „Cautio Criminalis“ veröffentlichte (siehe Photo) und die Frage beantwortete, was von solchen Geständnissen zu halten ist:
„Welches sind die Beweise derer, die auf der Folter erpressten Geständnisse für wahr halten? – Auf diese Geständnisse haben alle Gelehrten fast ihre ganze Hexenlehre gegründet, und die Welt hat’s ihnen, wie es scheint, geglaubt. Die Gewalt der Schmerzen erzwingt alles, auch das, was man für Sünde hält, wie lügen und andere in üblen Ruf bringen. Die dann einmal angefangen haben, auf der Folter gegen sich auszusagen, geben später nach der Folter alles zu, was man von ihnen verlangt, damit sie nicht der Unbeständigkeit geziehen werden. […] Und die Kriminalrichter glauben dann diese Possen und bestärken sich in ihrem Tun. Ich aber verlache diese Einfältigkeit.“
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Grad erfuhr ich, dass der im Prenzlauer Berg lebende US-Englischübersetzer Phil Hill an einem Herzinfarkt gestorben ist. Er war Spezialist für die Hermannschlacht, wobei er sich konkret für die Ausgrabungen der Reste dieser Schlacht interessierte und auch selber Grabungen plante.  Mir war sein Engagement zu konkretistisch-amerikanisch, aber seine nicht nachlassende Leidenschaft, seine Hermannschlacht-Macke, gefiel mir.
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„Als Ort der Schlacht wurden und werden verschiedene Stätten in Ostwestfalen, Norddeutschland und in den Niederlanden vermutet. Seit Ende der 1980er Jahre werden archäologische Ausgrabungen in der Fundregion Kalkriese am Wiehengebirge im Osnabrücker Land durchgeführt, die den Ort zu einem Favoriten in der Diskussion als Ort der Varusschlacht machten. In jüngsten Beiträgen werden jedoch wieder verstärkt Zweifel an der Auffassung geäußert, ein Teil der Schlacht habe in Kalkriese stattgefunden.“ (Wikipedia)
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In Kalkriese wurde nichtsdestotrotz ein Schlacht-Museum gebaut, der letzte große Museumsbau der BRD. Um politisch-korrekt zu sein, wurde dazu die Schlacht, die „Hermann der Cherusker“ (Arminius) anführte und gewann, umbenannt in den Verlierer der Schlacht, den römischen Senator und Feldherr Publius Quinctilius Varus, der mit seinen Legionen Germanien überfallen hatte.
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Vor einigen Jahren interviewte ich Phill Hill zu diesem ganzen „Komplex“. Ab 1808 bildete sich ausgehend vom Widerstand gegen Napoleon in Spanien und in Tirol langsam eine Partisanentheorie heraus. Sie wurde von den preußischen Reformern in Angriff genommen, die damit den Partisanenkampf gegen Napoleon in Deutschland befördern wollten. Genannt seien der Freiherr vom Stein, sowie Hardenberg, Scharnhorst und die Militärs Gneisenau und Clausewitz. Weil der preußische König zögerte, den „Volkssturm“ von oben zu entfesseln, traten einige dieser Adligen in russische Dienste. Von dort aus kam es dann ebenfalls zum Partisanenkrieg gegen Napoleon, nachdem dieser Moskau eingenommen hatte. Einer der herausragenden Partisanenführer war der Dichter Denis Dawydow, auch in Deutschland gab es solche Partisanendichter – Ernst Moritz Arndt und Theodor Körner z.B.. Berühmt wurde Heinrich von Kleist – vor allem mit seinem Drama: „Die Hermannschlacht“, das er als Agitationsstück zur Aufnahme des Guerillakampfs gegen die französische Besatzungsmacht verstand, wie Wolf Kittler es 1987 in seiner Kleiststudie „Die Geburt des Partisanen aus dem Geist der Poesie“ nachwies.
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Der Hermannschlachtforscher Phil Hill würde dagegen umgekehrt bei Kleist von einer Geburt der Partisanenpoesie aus dem Geist des gemanischen Widerstands gegen Rom sprechen. Der partisanische Widerstand in Preußen litt, da er zunächst von Offizieren und Adligen begonnen wurde, unter deren eingefleischten Soldatentum, d.h. als Partisanen- oder Freischarführer tendierten sie dazu, sich den napoleonischen Truppen heldenhaft im offenen Kampf zu stellen, Attacken zu reiten und sich bei Rückzügen zu verschanzen – anstatt sich in Sümpfen und Wäldern zu verstecken und von dort aus Überfälle zu wagen.
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Dieses „Umdenken“ fiel auch später noch den Militärs schwer – bis hin zu den Bolschewiki. In der Revolution von 1905 forderte Lenin, der die Schriften von Clausewitz und Gneisenau gründlich studiert hatte, zwar von seiner Partei, sich an die Spitze der Partisanen zu stellen, aber 1917, als überall in Russland quasi von selbst Partisanengruppen entstanden, um die Weißen und die ausländischen Interventen zu bekämpfen, drang er darauf, sich vom Partisanenkampf zu verabschieden und diese chaotischen Gruppen in die neue disziplinierte Rote Armee einzugliedern.
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„2000 Jahre Varusschlacht“
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„Die Hermannschlacht (ein Kinderspiel)
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Phil Hill wurde 1949 in Paris geboren, lebte bis 1963 in Deutschland, anschließend besuchte er eine Highschool in Washington DC, von 1967-70 war er in der US-Armee – und u.a. in Vietnam stationiert, wo er gefangene Vietkong verhörte. Dazu führte er 2006 auf einem „Vietnamkongreß“ in der Berliner Volksbühne aus: „In Vietnam diente ich bei der Nachrichtentruppe des Heeres als Kriegsgefangenenverhörer. Ich habe dazu in den USA die vietnamesische Sprache gelernt und wurde dann 1969 nach Vietnam geschickt. Ich diente also bei der gleichen Truppe, die in unseren Tagen durch ihre Folterpraktiken im Irak zu traurigen Ruhm gelangt ist, wobei ich sagen muß, dass wir damals organisatorisch nicht in der Lage gewesen wären, ein solches System zu betreiben. Das heißt, die US-Armee hat aus unserer Erfahrung in Vietnam, die eben darin bestand, dass sie unfähig war, die von den Nachrichteneinheiten gelieferten Informationen sinnvoll zu bearbeiten, nicht etwa gelernt, ihre Informationsbeschaffung zu verbessern, sondern sie hat den Schluß gezogen, das wir eine Folterorganisation bräuchten.“
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„Der Zweite CIA-Folterreport (vom US-Senat 2015)“
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Von 1970-76 befaßte Phil Hill sich mit Politik, v.a. im Rahmen der „Vietnam Veterans Against the War“. Von 1976-79 studierte er in Japan Politik und Japanologie, danach – von 1979-1984 – Politologie am Goddard College in Vermont, wo er sich mit den deutschen Grünen beschäftigte. Gleichzeitig arbeitete er als Journalist u.a. für den Guardian, zumeist schrieb er über deutsche Themen, wobei er sich mehrmals für längere Zeit in Deutschland aufhielt. 1986-87 war er als Rechercheur für das Holocaust-Museum in Washington tätig. 1988 heiratete er eine Deutsche und zog mit ihr nach Gießen, 1992 siedelten sie nach Berlin um, wo Phil Hill seitdem als freiberuflicher Journalist und Übersetzer tätig ist.
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„Kalkriese“
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„Kalkriese – Geschichte“
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„Die Varusschlacht als Buch“
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„Die Varusschlacht als Wallpaper“
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„Die Varusschlacht als Event (Neue Presse)“
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Seine inzwischen schon jahrelange Beschäftigung mit der „Hermannschlacht“ begründete er zu Beginn unseres Interviews so: 
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Ich habe mich schon als Kind für die Geschichte interessiert und besonders für die der kleinen Leute. Beim Spielen war ich immer auf Seiten der Indianer. Und die Hermannschlacht war mal so ein Ereignis, wo die Unterdrückten, in diesem Fall die Germanen, die Unterdrücker geschlagen haben. Dazu war ihr Kampf sehr bemerkenswert. Es war die erste Schlacht, die die Römer verloren haben. Kurz vorher stand die Provinzialisierung Germaniens auf dem Plan. Varus war kein Feldherr, sondern ein Statthalter im Rang eines Konsuls. Er sollte endgültig Germanien dem Römischen Reich einverleiben. Varus war ein adliger Freund und Kollege von Tiberius, der später Augustus auf den Kaiserthron folgen sollte. Varus‘ Vater wurde von Augustus umgebracht, in einer Nacht der langen Messer, aber dann hat er dessen Söhne gefördert. Varus war also ministrabel. 7 n.Chr. wurde er Prätor von Germanien, damit im Kriegsfall auch Oberbefehlshaber, obwohl er keine militärische Erfahrung besaß, außer zuvor als Prätor von Syrien bei der Niederschlagung des jüdischen Aufstands, der von Flavius Josephus beschrieben wurde. Als Varus in Jerusalem einzog, ließ er 2000 Juden ans Kreuz schlagen. Josephus lobt ihn deswegen: Weil er so viele verschonte und nur die Räselsführer bestrafte.  Von der anderen – germanischen – Seite wissen wir sehr wenig.
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Nach der Niederlage des Varus im Teutoburger Wald hatten die Römer ein Interesse daran, alle Nachrichten über diese Schmach zu unterdrücken. Es gab drei römisch-germanische Kriege: Bereits 12 v.Chr. eroberte der Bruder von Tiberius, Drusus, Germanien, aber 2 n.Chr. begann der germanische Aufstand. Das waren vor allem die rheinischen Stämme mit den Brukterern, die an der Lippe siedelten. Dieser Fluß mündet beim römischen Legionslager Xanten in den Rhein und hatte für die Römer strategische Bedeutung. Auch die nördlich zur Küste hin siedelnden Stämme, wie die Chauken zwischen Weser und Elbe und die Angrivaner an der Weser, wurden in den Aufstand hineingezogen. Die Cherusker, in und um den Teutoburger Wald lebend, beteiligten sich dagegen anscheinend nicht am Aufstand. Sie wären aber wichtig gewesen, denn sie saßen da in einer Art Bergfestung im Weserbergland – mit Höhen kaum 150 Meter übers Gelände, aber steil abfallenden Bergwänden, was für eine Armee sehr schwierig zu bewältigen ist: nur über die wenigen Pässe eigentlich.
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Tiberius rückte 4 n.Chr. mit 6 bis 7 Legionen wieder in Germanien ein, die Cherusker ergaben sich den Römern und fügten sich wieder ein, sie waren ja auch nicht am Aufstand beteiligt gewesen. Sie hatten einige Fürstensöhne in die Obhut der Römer gegeben, einer von ihnen war Arminius: Es war eine Art Geiselhaft. Arminius bekam die römische Staatsbürgerschaft, die streng genommen seit Caesar nur für die Bewohner Italiens galt. Er hatte den Rang eines Ritters, zwischen Bürger und Adel. Auf diese Mittelschicht stützte sich Augustus, der auch den Titel Pontifex Maximus hatte. Arminius war wahrscheinlich während des dreijährigen Eroberungs-Feldzugs der Römer von 12-9 v.Chr., der mit Drusus‘ Tod endete, nach Rom gekommen. Der germanische Aufstand begann 2 n.Chr. und wurde 5 n.Chr. niedergeschlagen, das Lager von Tiberius hat man jetzt bei Anreppen an der Lippe gefunden, es war eine im Aufbau begriffene Art von Verwaltungsstadt, mit einem Gouverneurspalast (Prätorium) usw.. Arminius hat in dieser Zeit möglicherweise als Legionsbefehlshaber in Pannonien gekämpft. Damals stießen zwei Expansionsbestrebungen aufeinander: Einmal die Kelten und Germanen – erstere rückten nach Süden und letztere ihnen nach. Zum anderen die Römer, die nach Norden drängten. Dabei drangen die in Bayern ansässigen Markomannen nach Osten und eroberten die Siedlungen der keltischen Bojer in Böhmen.
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Nach der Niederschlagung des germanischen Aufstands in Norddeutschland wollten die Römer 6 n.Chr. die Markomannen bezwingen. Sie waren bereits auf dem Marsch, als in Pannonien und auch Illyrien, fast auf dem ganzen Balkan, ein Aufstand ausbricht. Dort kämpfte auf römischer Seite u.a. Arminius der Cherusker. Es verhält sich hierbei umgekehrt wie bei Flavius Josephus, der sich erst am jüdischen Aufstand beteiligte und dann in römische Dienste trat. Etwa 7 oder 8 n.Chr., als der „große pannonische Aufstand“ noch andauerte (bis 9 n.Chr.) ging Arminius mit seinen Kohorten zurück nach Germanien. Auch dort befehligte er einige Hilfstruppen – unter Varus, der dabei war, eine Provinz einzurichten, wobei er sich ein bißchen auf die Cherusker stützte.  Der Markomannenkönig Marbod hatte bei Aufstandsbeginn 6 n.Chr. seine Neutralität bekundet, die Römer waren sich seiner aber nicht sicher. Deswegen sollte Varus mit 3 Legionen im Markomannenreich auftauchen, mit dabei war Arminius. Die römische Grenze sollte entlang der Elbe verlaufen, dort lebten zum Einen – in der Lüneburger Heide – die Langobarden und – südlich des Harzes an der Saale – die Herminduren (die Thüringer). Sie mußten noch eingegliedert werden, das war aber nur möglich, wenn man das Cheruskerland sicher hatte.
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Die Römer konnten in Germanien Feldzüge und Truppenstationierungen noch nicht den Winter über durchhalten, deswegen zogen sie sich immer wieder zurück – bis zum heutigen Ruhrgebiet. Varus versuchte dies nun alles in den Sommermonaten März bis September von 7 bis 9 n.Chr.. Dabei führte er das römische Recht ein und geringe Steuern. Die Germanen waren z.B. nicht aufgefordert, die römischen Truppen im Winter zu versorgen. Trotzdem war es eine Fremdherrschaft, die als bedrückend empfunden wurde.  Arminius fing ab 8 n.Chr. an, für ein Bündnis unter den germanischen Stämmen zu werben. Nach dem niedergeschlagenen Aufstand waren sie bereit, neue Befreiungsstrategien zu ersinnen – und dabei Guerillakampfmethoden anzuwenden. Schon während des 1.Krieges hatten die Chersuker eine römische Legion partisanisch bekämpft: in der Schlacht bei Arbalo. Dabei hatten sie sich an dem Troß gütlich gehalten, was den Römern Gelegenheit gab, sich neu zu formieren.
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Arminius wußte also, dass sie sich 1. gegen die Römer nicht in einer Festung verschanzen und 2. nicht die ganze Beute (Pferde, Waffen etc.) den Göttern opfern durften, und 3. dass man diszipliniert die geringen Vorteile nutzen mußte. Ende August 9 n.Chr. sammelten sich die römischen Truppen, die an den Rhein zurück sollten. Arminius teilte Varus mit: Es gibt da einen kleinen Aufstand in den Dammer Bergen – auf der anderen Seite von Kalkriese. „Ich schlage vor, mit 3 Legionen gegen sie zu ziehen – ein kleiner Umweg auf dem Rückzug an den Rhein“.  Es gibt 700 Theorien über den Ort der Hermannschlacht. Erst jetzt wissen wir, dass sie am Fuß des Kalkrieser Berges stattfand, dass sie sich über 3 Tage hinzog und über ein Gelände von 30 Kilometer Länge und Heereswegbreite erstreckte, das aus Sumpf, Wald und Anfang September schon aus schlammigen Feldern bzw. Wegen bestand – die berühmte Wegelosigkeit.
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„Die Hermannschlacht  (von Gunkel)“
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„Die Hermannschlacht (1942)“
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„Die Varusschlacht (Atelier 333 – Peter Engelhardt)“
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Arminius hatte die Rheinstämme mobilisiert sowie die Brukterer, die Agrivarier und die Hasuarier. Letztere siedelten zwischen dem Wiehengebirge und den Dammer Bergen, sie hatten den Aufstand an der Hase inszeniert, um die Römer heranzulocken. Man weiß nicht, ob die Langobarden und die Chatten (die Hessen) dabei waren. Auf alle Fälle haben diese danach die Römer aus Hessen verjagt, und dabei z.B. eine römische Stadt, die jetzt Waldgirmes heißt, geschleift. Wahrscheinlich haben sich keltische Stämme daran beteiligt, die dafür dort anschließend ihr Siedlungsgebiet wieder bekamen. An der Hermannschlacht ist das Erstaunliche, man hat das jetzt rekonstruiert, dass die Römer in eine befestigte Falle gelockt wurden: Auf der einen Seite das Wiehengebirge mit den Steilhängen, nördlich davon ein Sandrücken und nördlich davon Moor und Sumpf – dorthin wurden sie gedrängt.  Auf dem Sandrücken marschierten die Römer relativ komfortabel – bis zum Kalkrieser Berg, der nördlich des Wiehengebirges liegt, von dort versuchten sie nach Süden zu gelangen. Das Terrain verengte sich immer weiter und wurde waldig. Hier stießen sie dann auf eine große germanische Streitmacht, die sie zurückdrängte. So hatten sie vor und hinter sich Germanen.
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In Kalkriese, an der engsten Stelle des Sandrückens, hatte Arminius einen Erdwall aus Grassoden bauen lassen: 1,5 – 2 Meter hoch, obendrauf eine Brüstung aus Reisiggeflecht. Der Wall verlief zwischen zwei Bächen, darüberhinaus befanden sich Sümpfe und Moore. Für drei intakte römische Legionen wäre das kein Problem gewesen. Es hatte aber geregnet, die Lederschilde waren nass und schwer, viele hatten sie auf dem Marsch weggeworfen. Damit waren sie dem Nahkampf Mann gegen Mann nicht gewachsen. Sie mußten aber die Wälle stürmen, um in den Wald zu gelangen, darum schoben sie Wagen an den Wall, aber alles mißlang: Sie kamen nicht durch. Als die Römer sich verausgabt hatten, griffen die Germanen von allen Seiten an und machten sie nieder.  Die Germanen hatten 10.000 Männer aufgeboten, die Römer begannen mit 20.000, in Kalkriese hatten sie aber noch höchstens 5-7000 Soldaten.
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Die römischen Quellen behaupten: Als die Germanen sahen, dass der Sieg nahe war, stieß noch unentschlossene Stämme dazu, so daß es am Ende 15.000 waren. Es war aber wohl eher so, dass die Gruppen, die im Umkreis alle römischen Kastelle zerstört hatten, am letzten Tag in Kalkriese eintrafen, wo es auf germanischer Seite kaum Verluste gegeben hatte. Die römischen Soldaten waren verfroren, übermüdet und hungrig, außerdem mangelhaft bewaffnet und viele verwundet. Varus hat sich selbst umgebracht. Kurz zuvor war übrigens in Rom die Nachricht angekommen, dass die 15 Legionen in Pannonien gesiegt hatten. Insgesamt hatte das Reich 25 Legionen (je eine bestand aus 4-6000 Legionären und etwa ebenso vielen bewaffneten Hilfstruppen), die in Pannonien waren aber erschöpft. Und dann kam die Nachricht, dass man in Germanien 3 Legionen komplett verloren hatte. Augustus hat sich von dieser Nachricht nie wieder erholt, sein Ausspruch „Varus, gib mir meine Legionen zurück!“ ist berühmt geworden.
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Arminius hatte diese Situation nach seinem Sieg vorausbedacht, d.h. er wußte, dass die Römer nicht so schnell eine Strafexpedition aufstellen und losschicken konnten. Er hatte seine cheruskischen Hilfstruppen noch, die waren noch nicht wieder in die Stämme reintegriert worden. Mit ihnen war er plötzlich einer der mächtigsten Männer in Germanien. Ohne die Römer wäre er an diese Leute nicht rangekommen, und auch nicht an die ganzen Waffen, die sie den Römern abgenommen hatten.  Bei Ausgrabungen in Kalkriese, die Ende der Achtzigerjahre begannen, fand man nur Reste, also Teile der Ausrüstung, die die Germanen liegen gelassen hatten. Angefangen hat mit den Ausgrabungen ein englischer Offizier und Hobbyarchäologe, Major Tony Clunn. Er war in der Rheinarmee stationiert, die bis 1991 ihr Hauptquartier in Osnabrück hatte. Seitdem ist das ein riesiges Ausgrabungsprojekt der Universität Osnabrück, und seit 2002 gibt es am Kalkrieser Berg auch ein Museum – für etliche Millionen Euro. Die sprechen dort von der Varusschlacht. Hermann hieß Arminius sowieso nicht: Nach Verleihung der römischen Staatsbürgerschaft hatte er den Namen Gajus Julius Arminius bekommen, wobei Arminius die römische Version seines germanischen Namens ist, der vielleicht Irminomar lautete.
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Die Kalkrieser wollen auf keinen Fall mit ihren Forschungen dem Nationalismus Vorschub leisten. Und doch hatte die Varusschlacht enorme politische Folgen – bis heute.  Arminius versuchte die Markomannen in die Vereinigung der germanischen Stämme zu bekommen. Zu diesem Zweck schickte er den Kopf von Varus an Marbod nach Böhmen, dieser nahm ihn jedoch nicht an, sondern übergab ihn einem römischen Gesandten, damit der Kopf in Rom bestattet werden konnte. Die Markomannen demonstrierten damit ihre anhaltende Neutralität gegenüber Rom, aber auch gegenüber Arminius‘ neue Macht. Erst 14. n.Chr. kamen die Römer zurück nach Germanien: Sie griffen als erstes die Marser im Sauerland an. Vorher hatten sie schon das rechtsrheinische Gebiet wieder besetzt. Die Marser griffen sie während einer Herbstfeier an. Arminius verstärkte daraufhin seine Einigungs- und Verteidigungs-Bestrebungen. Die Römer wollten vor allem so viele Germanen wie möglich töten, aber sie fanden niemanden mehr vor, wenn sie ein Dorf überfielen, in Hessen z.B. 15 n.Chr.: Arminius ließ sie ins Leere stoßen. Die Bruchterer zerstörten dann sogar selbst ihre Dörfer, bevor die Römer sie einnahmen.
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Diese Guerillataktik, die sich später noch oft wiederholen wird, richtet sich diesmal gegen die Truppen von Drusus‘ Sohn Germanicus, dem Neffen von Tiberius – als Oberbefehlshaber. Er marschiert ohne Erfolge quer durch Hessen. Da kommt eine Nachricht von Segestes, einem cheruskischen Adligen, der immer romtreu war.  Arminius hatte seine Tochter Thusnelda (Tussi) geraubt, deswegen war er ihm feindlich gesonnen, obwohl Thusnelda mit ihrem Raub einverstanden gewesen war. Sie wurde dann schwanger, ging zu ihrer Mutter zurück und wurde dort von ihrem Vater gekidnappt, der sie auf seine Burg verschleppte, die Arminius daraufhin belagerte. Sigestes bittet Germanicus um Hilfe, dieser liegt mit seinen Truppen etwa 100 Kilometer entfernt, das Gros schickt er an den Rhein zurück und eilt mit einer kleinen Streitmacht nach Norden – in die Nähe von Paderborn. Ihnen kam die Lippe aufwärts mit Schiffen sowie mit Fußtruppen auf dem Hellweg der römische General Cäcina mit seinen Soldaten entgegen.
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Arminius hob daraufhin die Belagerung auf und vereinigte die Stämme erneut hinter sich – mit dem Argument, dass die Römer jetzt schon gegen Frauen und Kinder kämpfen. Sie hatten seine schwangere Frau Thusnelda von ihrem Vater Sigestes in Gewahrsam übernommen. Wieder zurück am Rhein in Xanten teilte Germanicus seine 8 Legionen in drei Teile auf: 4 übernahm er, 4 Cäcina und die Reiterei bildete den dritten Teil. Alle drei zogen auf getrennten Wegen an die Ems, Germanicus zuletzt von Utrecht aus mit Schiffen über Emden und Papenburg bis Lingen. Von da aus marschierten alle drei Truppenteile durch Bruchterer Land, das heutige Münsterland, wobei sie auf ihren Wegen verbrannte Erde hinterließen. Auch die Bruchterer zerstörten ihre Siedlungen, bevor sie sich vor den Römern zurückzogen, d.h. sie konnten sich darauf verlassen, dass die anderen germanischen Stämme sie auf der Flucht unterstützen würden.
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Danach marschierte Germanicus nach Kalkriese, um die getöteten Legionäre von Varus zu bestatten: sechs Jahre nach der Schlacht im Sommer 15 n.Chr.. Seine Truppen bewegten sich dabei auf der Bernsteinstraße nach Norden, bestatteten die Toten und kehrten um. Östlich von Osnabrück stießen sie auf Arminius‘ Männer, die die römische Kavallerie-Vorhut erneut in eine Falle lockten und vernichteten. Als die Hauptstreitmacht anrückte, zog sich Arminius zurück. Germanicus fühlte sich geschlagen und sammelte seine Truppen in Lingen, wo ein Teil von ihnen eingeschifft wurde. Im Wattenmeer gerieten diese in eine Sturmflut, wobei viele Schiffe untergingen. Die Legionäre unter Cäcinas Kommando marschierten derweil durchs Münsterland – oftmals auf Bohlenwegen durch Moore. Hier wurden auch sie von Arminius und seinen Männern angegriffen – und fast vernichtet. Ein Teil der Legionäre kann sich in ein Lager retten. Arminius‘ Onkel Ingmar will sie dort angreifen, Arminius möchte jedoch lieber warten, bis sie am nächsten Tag wieder weiter ziehen. Es kommt zu einer Abstimmung unter den Kriegern, die Ingmar für sich entscheidet. Die Germanen erleiden starke Verluste bei ihrem Angriff. Den letzten Resten der Römer gelingt es, den Rhein zu erreichen. In Xanten hat die Frau von Germanicus, Agrippina, unterdes den dortigen Befehlshaber überredet, den Brückenkopf nicht abzubrechen, damit die flüchtenden letzten Legionäre ans linke Rheinufer gelangen können.
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Im Endeffekt hat Varus mehr Legionen verloren auf diesem Feldzug als Varus. Der inzwischen schon Kaiser gewordene Tiberius will das Germanen-Abenteuer beenden, aber Germanicus überzeugt ihn, es noch einmal zu wagen, obwohl bereits annähernd 100.000 römische Soldaten in den germanischen Kriegen und Aufständen seit 6 n.Chr. gefallen sind. Es werden daraufhin Legionen aus Spanien, Gallien und Italien abgezogen und 16 n.Chr. nach Germanien geschickt. Damit stehen Germanicus 8-10 Legionen plus Reiterei und Hilfstruppen zur Verfügung, die zieht er im Ruhrgebiet zusammen, das er befestigen läßt. Mit Schiffen geht es weiter auf der Ems bis Meppen, von da aus zu Fuß bis Minden, von wo aus er durch die Porta Westfalica in das cheruskische Gebiet vordringen will. In den Idisto-Wiesen (bei Minden) kommt es zur Schlacht.  Wahrscheinlich wollte Germanicus die Germanen gegen seine Befestigung drücken, um sie dort zu vernichten, aber das gelingt nicht. Er marschiert auf der linken Weserseite nach Norden, auf der rechten befindet sich die Streitmacht von Arminius.
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Tacitus behauptet, dass Germanicus die Germanen geschlagen habe. Er verehrt die germanischen Krieger, aber mehr noch den römischen Herrführer Germanicus: Für ihn stand dieser für das Gute an Rom und Tiberius für das Böse. Die zweite Schlacht, die Germanicus gegen Arminius schlägt, findet dann am Steinhuder Meer, am sogenannten Angrivarier-Wald statt. Es ist die letzte Schlacht, die nach Tacitus wieder mit einem Sieg für die Römer endet. Auf alle Fälle zieht sich Germanicus danach ohne seine Reiterei in Richtung Nordsee zurück, wo er in einer Sturmflut erneut viele Schiffe verliert. Wieder im Rheinland kam es von dort aus noch zu einigen weiteren kleinen Kämpfen, dann fuhr Germanicus zurück nach Rom, wo Tiberius ihm einen „Triumph“ versprochen hatte. Seine cheruskische Beute Thusnelda führte er mit sich. Eigentlich wollte er vor dem Triumph noch einmal gegen die Germanen ziehen, aber Tiberius beendete das Germanen-Abenteuer. Sein Kanzler Sejanus hatte ihn in der Zwischenzeit davon überzeugt, dass es wichtiger sei, gegen die überall im Reich verstreut lebenden Juden vor zu gehen, die mit ihrem Monotheismus die römischen Sitten untergruben.
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Germanicus wurde daraufhin nach Syrien geschickt, wo er ermordet wurde. Tiberius zog sich auf die Insel Capri zurück, von wo aus er zwischen 26 und 37 n.Chr. das Reich regierte. Arminius zog mit seinen Kriegern im Jahr 17 n.Chr. nach Böhmen, um Marbod zu besiegen. Das gelang ihm nur halb. Marbod flüchtete 18 n.Chr. nach Rom: Dies war jedoch eher Resultat einer von Römern angezettelten Verschwörung gegen ihn. Dabei spielten die mährischen Quaden und die Goten an der Weichsel eine Rolle: Wahrscheinlich war es den Römern gelungen, mit Hilfe der letzteren an Bernstein heran zu kommen, wodurch die Goten für die Römer plötzlich interessanter wurden als die Markomannen unter Marbod.
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Auch Arminius fiel einer Intrige zum Opfer: Im Jahr 21 n.Chr. gelang es einigen Angehörigen seiner herrschenden cheruskischen Sippe, ihn zu ermorden. Das geschah wahrscheinlich in der Nähe von Detmold – nicht weit von der Stelle entfernt, wo man 1818 anfing, das Hermannsdenkmal zu errichten, es wurde dann unter Wilhelm I. kurz nach der Reichsgründung 1875 fertig gestellt.  Es gibt eine germanische Quelle über Arminius, von einem isländischen Mönch, der etwa 1000 Jahre nach Arminius dessen Siege und Legenden aufschrieb, wobei er sie teilweise mit der Siegfried-Sage verwob. Der Mönch war persönlich in der Gnitter-Heide bei Bad Salzuflen gewesen, wo einst die drei römischen Legionen des Varus zusammengeführt worden waren, um am 1.Tag nach Melle weiter zu marschieren, während Arminius Krieger die römischen Kastelle ringsum zerstörten. Am 2. Tag marschierten die Legionäre in Richtung Ostercappeln (das sich heute als „Region der Varusschlacht“ anpreist), wo sie im Wald des Grönegaus von den Germanen angegriffen wurden. Am 3.Tag gelang ihnen zwar der Durchbruch über den Pass bei Krebsburg, aber nur, um dann in der Falle am Kalkrieser Berg zu enden.
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„Die Hermannschlacht von Kindern in Lippe“
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„Die Hermannschlacht (im Comic)“
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Nach dieser Darstellung fragte ich Phil Hill, was an der so genannten Hermannschlacht denn so interessant sei… 
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Es ist es ein positives Identifikationsereignis in der deutschen Geschichte, wie es auch schon Kleist und z.B. der Freiherr vom Stein gesehen hat. Alle nordeuropäischen Länder hatten antike Gründungsmythen – Vercingetorix oder Arthus, zum Beispiel -, aber nur Deutschland konnte sich dabei auf einen siegreichen Freiheitskampf berufen. Die meisten darauffolgenden Aufstände endeten kläglich: der Große Bauernkrieg mündete in den 30-jährigen Krieg, die antinapoleonischen Befreiungskriege in die Restauration, die 48er- Revolution in der Blut-und-Eisen-Reichsgründung und die Revolution von 1918 schlug in das absolute Gegenteil, den Faschismus, um. Eigenartigerweise wird aber dieser ursprüngliche Kampf für die nachfolgende Misere verantwortlich gemacht.
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Ist die Hermannschlacht heute überhaupt noch wichtig? 
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Ja, denn es jährt sich 2009 kein deutsches, sondern ein wichtiges europäisches Ereignis. „Germanen“ ist nicht gleich „Deutsche“. Hätten sie damals nicht gesiegt, so hätte es sie nicht mehr, oder nur als Restbestand, wie heute z.B. die Basken, gegeben, daher auch keine Völkerwanderung, keinen Untergang des Weströmischen Reiches, zumindest nicht so, wie geschehen, und kein Europa, wie es als Folge dessen entstand: als Synthese römischer und germanischer Elemente. Symbolisch spiegelt sich das im Mittelalter in den Figuren einerseits des Ritters, ursprünglich ein germanischer Krieger, und andererseits des Bischofs, der aus dem römischen Beamtenstand hervorging sowie der Papst aus dem Kaiser, Pontifex Maximus. Die westeuropäischen Völker sind sprachlich fast ausschließlich römisch oder germanisch, alle tragen aber beide Elemente in sich. Diese Synthese, diese Spannung verschiedener Traditionen ist es, was Europa ausmacht.
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Aber diese andauernde Strapazierung des Hermannschlacht-Mythos, die im Volk und in der Kunst dann u.a. als Nibelungensage weitertransportiert wurde – bis hin zu Wagner in Bayreuth und der Begeisterung der Nazis dafür – hat doch auch noch etwas anderes hervorgebracht: „Ohne Arminius kein Auschwitz“ hieß es z.B. nach 1945. Und erst kürzlich schrieb der taz-Redakteur Christian Semler, dass der Sieg der Germanen in Kalkriese kein Grund zum Feiern sei, im Gegenteil: Uns entgingen dadurch für 500 Jahre die Errungenschaften der römischen Zivilisation. Außerdem würden wir im Partisanenführer Arminius einen Verräter verehren, da er als römischer Ritter, Equitus, einen Treueeid auf den römischen Kaiser geschworen hatte… 
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Das mit den 500 Jahren ist Unsinn. Nach dem platten Schema müssten die Schweden heute die schlimmsten Wüstlinge sein, und die Osteuropäer wären ein hoffnungsloser Fall. Es ist richtig, dass es im Falle einer Niederlage der Germanen 9 n.Chr. kein Deutschland und somit auch kein Auschwitz gegeben hätte, aber es hätte auch nichts anderes gegeben, was wir heute kennen, z.B. hätte die britische Insel nie den Namen England gehabt, wie der Historiker Creasy einst schrieb. Diese Sichtweise verkennt erstens, dass dann weltweit die meisten Aufständischen wohl formal Verräter an ihren Unterdrückern waren. Und zweitens dass Volksaufstände etwas Positives, die Emanzipation Beflügelndes sind – eine Inspiration für alle, nicht nur für eine Nation. Der römische Historiker Tacitus schrieb: „Eine schärfere Waffe als der Arsakiden [d.h., der persischen] Herrschergewalt ist die Freiheit der Germanen.“ Ein freiheitsliebendes Volk sei also gefährlicher als ein starker Herrscher. Die Nazis und insbesondere Hitler, aber auch schon die preußischen Könige, verehrten im Übrigen die Schlagkraft und Disziplin der römischen Legionen viel mehr als die wilden germanischen Partisanen.
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Immerhin unternahm ein SS-Kommando einen bewaffneten Überfall auf eine Villa am Comersee, um dort das Tacitus-Manuskript an sich zu reißen, das Mussolini dem Führer als eine Art Gründungsurkunde seines Reiches schenken wollte – wozu er aber nicht mehr gekommen war. Andererseits hat Heinrich von Kleist die „Hermannschlacht“ als Vorlage genommen, um den Volksaufstand gegen die napoleonische Fremdherrschaft zu entfachen. Es gibt also verschiedene Verwendungen dieser Geschichte. Geschieht die derzeitige seit 15 Jahren nicht aber erneut in einem restaurativ-reaktionären Kontext? 
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Dass dies gerade zur Wende passierte, ist ein Zufall, weil der englischer Major und Hobbyarchäologe Clunn zwischen 1987 und 89 auf die Spuren der Schlacht bei Kalkriese stieß. Dort hat man dann ein Museum hingestellt. Wenn „Hermann“ als Denkmal bei Detmold eine Erfindung des deutschen Nationalismus war, dann geht es jetzt in Kalkriese um wissenschaftliche Forschung, die sich in der Tradition von Theodor Mommsen mit Arminius befaßt.  Das wissenschaftliche Establishment in Westfalen hegt immer noch starke Zweifel an Kalkriese als Örtlichkeit der Varusschlacht – sind das jetzt die Deutschnationalen?  Auf keinen Fall. Die Gründe für ihre Zweifel kann ich zwar nicht nachvollziehen, aber ihre Motive gehen, wenn schon, dann in die andere – „politisch korrekte“ – Richtung.
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In Haltern, wo ein römisches Lager stand, haben die Stadtoberen dem Varus 2004 sogar ein Denkmal hingestellt, das ihn als tragischen Helden der Zivilisation ehrt und Arminius zugleich als Verräter anprangert. So steht es dort auf einer Tafel. Dieser platte Antinationalismus ist fast so peinlich wie der frühere Hermann-Kult. Und bei der 2000-Jahr-Feier im Jahr 2009 geht es nicht um Feiern im Sinne von Jubel und ebenso wenig um Parteinahme, sondern um eine Aufarbeitung der Geschichte aufgrund neuer Funde. Dieser Stoßrichtung haben sich beide Museen – das in Haltern wie das in Kalkriese – verpflichtet.
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„Die Varusschlacht (von Christoph Hauser)“
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„Die Varusschlacht (im Münchner Magazin ‚Focus‘)“
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„Kampf um Germanien (Filmausschnitt)“
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