vonHelmut Höge 04.05.2015

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Panzerübungsgelände in Sachsen-Anhalt

 

 

 

 

 

Vor kurzem sollte ich einen Text schreiben zu einem Plakat von Kai Pohl. Dieses hier:

 

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Ein vortragender Major in der Bundeswehrzentrale auf der Bonner Hardthöhe erklärte uns 1998 die neue NATO-Verteidigungsdoktrin so: “Sie ist nicht mehr nach Rußland hin angelegt, die russischen Soldaten haben inzwischen die selbe Einstellung zum Krieg wir wir auch – sie wollen nicht sterben! Außerdem ist die Stationierung von Atomwaffen in Ungarn und Polen z.B. so gut wie gesichert, es geht eigentlich nur noch darum, wie viel wir dafür zahlen müssen. Ganz anders sieht es jedoch bei den Arabern aus, mit dem Islam. Deswegen verläuft die neue Verteidigungslinie jetzt auch” – Ratsch zog er hinter sich eine neue Landkarte auf – „etwa hier: zwischen Marokko und Afghanistan”.

Aber, schreibt die FAZ im Februar 2015, „so ist es nun nicht mehr.“ Obama hatte seine Präsidentschaft 2009 noch mit der „Vision“ einer „Welt ohne Atombomben“ angetreten, der damalige BRD-Außenminister Westerwelle sah daraufhin die Zeit gekommen, die in der Eifel gelagerten amerikanischen Atombomben endlich los zu werden. Nun sollen jedoch bei der nächsten Sitzung der NATO-Verteidigungsminister die „Atombomben wieder ins Spiel“ kommen.

Die nach 1998 ins Visier genommenen Wüstenkämpfe im Orient bedeuteten für die Kettenfahrzeuge und ihre Mannschaften, dass sie statt winterfest eher hitzebeständig sein mußten. Das hörte sich zuletzt auf „bundeswehr.de“ so an: „Deutschlands neuester Panzer ‚Puma‘ wurde in Dienst gestellt, zuvor hatte die Bundeswehr den stärksten Schützenpanzer der Welt zur finalen Testphase erst nach Norwegen zur Kälteerprobung und dann in die Wüste von Abu Dhabi geschickt. Die Panzergrenadiere warteten bereits ungeduldig auf ihn. ‚Ruhig, fast lauernd steht der Schützenpanzer Puma in seiner Stellung‘.“

Beim Standardgewehr G36 der Bundeswehr, von dem sie 176.000 bei Heckler & Koch erwarb, und dann kürzlich noch einmal einige zehntausend, die sie den kurdischen Peschmerga-Streitkräften im Irak für ihren Kampf gegen die Streitkräfte Islamischer Staat schenkte,  gibt es nach der alten NATO-Verteidigungsdoktrin Probleme – in den heißen islamischen Ländern: Das G36 trifft bei hoher Temperatur nicht präzise. In Afghanistan soll es nur noch eingeschränkt genutzt werden. Die Grünen sprechen von einem „Super-Gau für die Bundeswehr“. Die Verteidigungsministerin will die Gewehre eventuell „aus dem Verkehr ziehen“. Mit der neuen NATO-Verteidigungsdoktrin – nach Osten, also zur orthodoxen Kälte hin- dürften sie jedoch der Truppe keine „Präzisionsprobleme“ mehr machen.

 

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US-Panzer werden in Riga angelandet – als Bestandteil der Drohkulisse gegen Russland. Der Name des Transportschiffes ist nicht zufällig gewählt.

 

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„Modernste US-Panzer sind auch in Bayern eingetroffen. (pravda-tv.com)“

 

Einer kostet 11 Millionen Euro. Die Bundeswehr hat 350 Panzer für insgesamt 3,7 Milliarden Euro bestellt, hinzu kommen noch 169 Millionen Euro für deren Ausrüstung mit dem Lenkflugkörpersystem Mells gegen Panzerfahrzeuge. Die Pumas sollen den Schützenpanzer Marder ersetzen. Es geht also wieder aufwärts mit Deutschlands Wehr, dergestalt dass die Raubkatzen, nach denen sie ihre Panzer benennen, wieder größer und gefährlicher werden. Nach „Marder I und II“ (1971), „Biber“ (1973), „Skorpion“ (1981) „Dachs“ (1989), „Wiesel 1 und 2“ (1990), „Keiler“ (1996) und „Leguan“ (2009).

Bei dem Flugabwehrkanonenpanzer „Gepard“, der bereits 1976 in Dienst genommen wurde, könnte man von einer Ausnahme sprechen, denn dieses Raubtier gilt in Deutschland zwar als besonders schnell, aber nicht als gefährlich, im Gegenteil. Das verdankt es zum Einen der damaligen Popularität des Fernsehzoologen Bernhard Grzimek, der sowohl in seinem Frankfurter Zoo als auch in der afrikanischen Serengeti und im ZDF-Studio immer wieder gerne mit Geparden posierte. Sogar eine Westberliner Prostituierte schaffte sich daraufhin einen Gepard an, mit dem sie auf dem Kudamm promenierte. Zum Anderen war man sich lange nicht einig, ob man den Gepard wegen seiner zahlreichen Hundeartigen-Merkmale beim Jagdverhalten eine Sonderstellung unter den Katzen einräumen oder ihn als nächsten Verwandten des (amerikanischen) Pumas begreifen sollte, was die Genetik nahe legte.

Die jetzt wieder aufsteigende Linie (die sich nach dem Grad der Gefährlichkeit, also der Zerstörungskraft bemißt) ist aber nur zur Hälfte eine, denn der ganze Stolz der Bundeswehr und des Herstellers, der Kampfpanzer „Leopard“, wurde bereits 1965 in Dienst gestellt, ihm folgte „Leopard II“ 1979. Dazwischen fiel die Indienstnahme der Jagdpanzer „Jaguar I und II“. Der „Leopard“ ist ein Verkaufsschlager, u.a. ist die in Leoparden vernarrte Herrscherfamilie Saudi-Arabiens schon seit langem an ihnen interessiert. Die letzten auf der arabischen Halbinsel noch lebenden 200 „Arabischen Leoparden“ sind vom Aussterben bedroht. Vor Jahren schon hatte der Saudi-König nach „Leopard I-“ auch noch 800 „Leopard II“-Panzer bestellt, für 18 Milliarden Euro, die ihm der Hersteller „Krauss-Maffai“ für den Straßenkampf ausrüstete. 2014 verhinderte jedoch der SPD-Wirtschaftsminister kurzzeitig den Verkauf an den wahabitischen „Schurkenstaat“.

 

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Aus dem Tagesspiegel

 

Anders verfuhr man mit Griechenland. Kürzlich veröffentlichte die Athener Staatsanwaltschaft das Vernehmungsprotokoll eines Mitarbeiters des griechischen Verteidigungsministers: “Der Minister wollte die Leopard-2-Panzer kaufen. Ich war dagegen, denn ich hielt ihren Preis für zu hoch. Als der griechische Vertreter der Firma Krauss-Maffei Herr Liakounakos von meiner Skepsis erfuhr, wollte er mich treffen. Im Dezember 2001 besuchte er mich in meinem Büro. Er bat mich, keine Einwände mehr gegen die Leopard-Panzer einzulegen. Er hatte einen Rucksack bei sich, den er beim Gehen auf meiner Couch liegen ließ. Als er ging, öffnete ich die Tasche und fand darin 600.000 Euro. Ich hatte keine Einwände mehr gegen den Kauf.“

In den Jahren danach kam es zu weiteren Leopardpanzer-Käufen. 2010 titelte „Die Welt“: „Griechen gönnen sich größte Panzerarmee Europas. 1612 Kampfpanzer meldete die griechische Regierung Anfang Juli dem Waffenregister der Vereinten Nationen. Gut 1000 davon sind deutsche Leopard-1- und Leopard-2-Panzer. Die haben sich die Griechen weit über zwei Milliarden Euro kosten lassen.“ Der EU-Abgeordnete der Grünen Daniel Cohn-Bendit berichtete, dass zum deutsch-französischen „Rettungspaket“ für Griechenland dieser „Waffendeal“ gehörte, zu dem auch noch einige von „ThyssenKrupp Marine Systems“ gebaute U-Boote zählen, die ebenfalls ein paar Milliarden Euro kosten. Eines der U-Boote aus dieser „S 120“-Serie wurde „Papanikolis“ getauft – zur Erinnerung an ein erfolgreiches griechisches U-Boot im Zweiten Weltkrieg, das nach dem Marinehelden der „Griechischen Revolution“ (1821 bis 1832) Dimitrios Papanikolis benannt wurde. Damals ging es um die Befreiung Griechenlands von türkischer Herrschaft. Dass Griechenland heute die fünftgrößte Militärmacht ist, verdankt sich immer noch der Feindschaft mit der Türkei, mit der sich das arme Land in einem „absurden Rüstungswettlauf“ befindet. Die Rüstungsexperten der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik monierten: „Paradox ist, dass ausgerechnet jene Länder am stärksten von den Militärausgaben Griechenlands profitieren, die das Land zum Sparen zwingen: Deutschland und Frankreich.“ Beide liefern zudem Waffen an die Türkei. Deutschland verkaufte insgesamt 397 Leopard-Panzer und 14 atomgetriebene U-Boote der erfolgreichen Klasse „209“ an das türkische Militär.

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Ein Exportschlager sind daneben auch die Torpedo-Schnellboote der „Jaguar-Klasse“, in der sich inzwischen bei der Marine seit 1957 eine ganze Reihe von Raubkatzen und Raubvögel einfindet. Ähnliches gilt für die Flugkörper-Schnellboote der „Tiger-Klasse“ sowie für die Kampfschiffe in der „Gepard-Klasse“ und der „Zobel-Klasse“. Erwähnt seien ferner die Erprobungs-U-Boote der „Hai-Klasse“ und die Minensuchboote in der „Seelöwen-Klasse“.

Bei den deutschen Kettenfahrzeuge könnte man ebensogut auch annehmen, dass die Panzer – wie alles Technische – immer kleiner werden: also dass ihre Evolution von großen zu eher kleinen Raubtieren fortschreitet. Während die Entwicklung der Panzer zuvor – in der Wehrmacht – genau anders herum verlaufen war: vom „Panther“ über den „Tiger“ bis zum „Königstiger“ (der jedoch erst Ende 1944 zum Einsatz kam – zu spät, wenn man dem WKZwo-Fanzine „Der Panzerfahrer“ glauben darf).

Gleichzeitig wurde damals bei der Firma Porsche ein noch größerer Panzer gebaut, er wog 188 Tonnen und verbrauchte im Gelände 3800 Liter auf 100 Kilometer. Erst sollte er „Mammut“ heißen, aus Geheimhaltungsgründen nannte man ihn dann aber „Maus“. Bis Ende 1944 entstanden davon zwei. Einer wurde laut dem Historiker Hartmut Rübner halbzerstört von der Roten Armee in Wünsdorf eingesammelt und in Russland wieder instandgesetzt. Mit 1000 Tonnen noch sehr viel gewaltiger als die „Maus“ sollte der bei Krupp in Auftrag gegebene Panzer mit dem Namen „Ratte“ werden, dessen Bau jedoch 1943 vom Rüstungsminister Albert Speer eingestellt wurde.

Als Erfinder der Panzertruppe als selbständige Truppengattung und ihrer Taktik der „Führung von vorne“ („die erste Geige“) gilt der Wehrmachtsgeneral Heinz Guderian, der anschließend im später Bundesverteidigungsministerium genannten „Amt Blank“ arbeitete und daneben der geheimen Altnazi-Vereinigung „Bruderschaft“ angehörte; sein Sohn brachte es bis zum Generalmajor der Bundeswehr, wo er Inspizient der Panzertruppe war.

„Noch nie seit Menschengedenken hat die Beweglichkeit solche Aussichten gehabt, wie jetzt im Zeitalter des Motors und des Radio. Wir müssen versuchen, in die Geheimnisse des Bewegungskrieges einzudringen, nicht nur des ordinären, sondern des Krieges der außergewöhnlichen Beweglichkeit,“ so der alte Guderian im Ersten Weltkrieg.

Danach kämpfte er im baltischen Freikorps „Eiserne Division“ gegen Kommunisten und sowjetische Truppen. Der Vorsitzende des damals vor allem mit Rüstungsproduktion befaßten AEG-Konzerns Walther Rathenau, der zuvor in die Kriegsplanung der Reichsregierung eingebunden war (wobei er erstmalig Zwangsarbeiter in der Rüstungsproduktion einsetzen ließ), schloß 1922 mit den Sowjets den Vertrag von Rapallo. Damit konnten die in Versailles auferlegten Restriktionen für Deutschland – u.a. das Panzer- und Motorflugzeugverbot – umgangen werden, indem z.B. bei Kasan ein Panzerübungsplatz entstand, wo neben Guderian vor allem der bedeutendste deutsche Theoretiker der Panzerkriegsführung Ernst Volckheim (Hauptautor des Monatsmagazins „Der Kampfwagen“) Vorlesungen hielt. Auch Guderian veröffentlichte damals diverse Abhandlungen über die motorisierte Kriegsführung. Im Zweiten Weltkrieg wurde Volckheim Kommandeur der Panzertruppenschule Wünsdorf, wo dann die Rote Armee ab 1945 ihr Hauptquartier einrichtete.

Bis er und Guderian ab 1923 wieder reale Panzer auffahren lassen konnten – auf dem sowjetisch-deutschen Panzerübungsplatz an der Wolga zunächst – ließ Guderian seine Truppen daheim mit Panzerattrappen und Traktoren üben. 1939 ging es aber wieder richtig los: Da stieß sein Panzerkorps derart durch Polen durch – bis nach Brest-Litowsk, wo es mit der verbündeten Roten Armee zusammentraf, dass Guderin für seine „schnellen Vorstöße“ einen dicken Orden bekam. Außerdem konnte er einen eigenen Stab bilden: die „Gruppe Guderian“, die direkt dem Oberkommando des Heeres unterstand. Sie befasste sich mit Operationsplänen gegen die Sowjetunion, in denen es u.a. um einen schnellen Vorstoß zur Einnahme von Kiew ging, das die Deutschen schon einmal – 1918 – besetzt hatten, und was Guderian auch 1941 als Kommandeur der Panzergruppe 2 innerhalb der Heeresgruppe Mitte wieder gelang – und wofür man ihn noch einmal mit einem Orden auszeichnete. Kurz nach „Stalingrad“ wurde er Inspekteur der Panzertruppen, wobei er eng mit Rüstungsminister Albert Speer zusammenarbeitete.

Im englischen Imperialismus war zuvor der Gedanke der Geschwindigkeit auch auf die Fußtruppen bezogen worden: James Gordon Farrells Roman „Die Belagerung von Krishnapur“ handelt von der versuchten Erstürmung der englischen Residenz in Lucknow 1857 durch revoltierende indische Soldaten, die im Dienst der Engländer standen, darin heißt es über den britischen Befehlshaber der Verteidiger: „Er hatte begonnen, sich den Angriff als ein Lebewesen vorzustellen, das seine Nahrung aus der Geschwindigkeit seines Fortschritts bezog. Halt es auf, und seine Vitalität läßt nach. Bring es für ein paar Minuten zum Stillstand, und es stirbt endgültig. Bisher war die Geschwindigkeit so groß gewesen, dass es ein gefräßiges Ungeheuer geworden war.“

1931 machte sich der Nazi-Philosoph Oskar Spengler die Guderian-Formel „Technik ist Taktik“ zu eigen, um die Welt als Beute, „aus der letzten Endes die menschliche Kultur erwachse“, im Blick des Raubtiers zu orten. Seine parallel und nach vorne gerichteten Augen entwerfen den perspektivischen, zielgerichteten Raum. Die Welt des Raubtiers ist „die vom Auge beherrschte Umwelt. Es bemißt in diesem Schlachtfeld die Objekte und Bedingungen des Angriffs.“ Drei Jahre später wird Spengler seine Anthropologie von Angriff, Technik, Schlachtfeld historisch präzisieren. Die Weltgeschichte als solche beginne, wenn „das Tempo als taktisches Mittel“ in die Geschichte eintritt. „Und wie im modernen Krieg die Taktik, also die Technik der Kriegsführung das Entscheidende ist, so ist es überall.“ Und so war es immer: Spenglers Weltgeschichte beginnt mit dem „Streitwagen“.

Von da aus ist es quasi nur noch ein Katzensprung bis zu den gepanzerten Kettenfahrzeugen. Der Name, den die russischen Soldaten ihren ersten Panzern gaben: „Wetdekhod“ – „Geht überall hin“ – deutet an, worin sich diese allerdings von allen vorangegangenen Streitwagen unterscheiden. Der französische Dromologe Paul Virilio sagt es so: „Der Allwegpanzerwagen beseitigt alle Hindernisse. Mit ihm existiert die Erde nicht mehr; man sollte ihn lieber Ohne-Weg als All-weg-Panzer nennen, er klettert über Abhänge, er durchbricht das Unterholz, er watet durch den Schlamm, reißt im Vorbeifahren Sträucher und Mauerstücke heraus, er rammt Türen ein und bricht aus dem alten linearen Verlauf von Strassen und Eisenbahn aus; er eröffnet der Geschwindigkeit und der Gewalt eine ganz neue Geometrie.“

 

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Englischer Mark V – Tank als Denkmal

 

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Die „Eiserne Lady“ Margaret Thatcher beim Besuch der in Deutschland stationierten englischen Truppen.

 

Die drei tatsächlich zum Einsatz gekommenen Panzertypen der Wehrmacht gehören mit ihren Namen biologisch gesehen zu den „Eigentlichen Großkatzen“ – Panthera, wobei man als „Panther“ die schwarzen Abkömmlinge von Leopard und Jaguar bezeichnet. Über die Arten der Gattung Panthera heißt es auf Wikipedia: „Vier der fünf Arten sind in der Lage zu brüllen, können aber nicht beim Einatmen schnurren, wie andere Katzen, sondern nur beim Ausatmen. Im Gegensatz zu anderen Katzen, die ein verknöchertes Zungenbein besitzen, haben alle fünf Panthera-Arten ein elastisches Zungenbein. Früher wurde die Fähigkeit zu brüllen mit diesem Merkmal zu erklären versucht, neuere Studien zeigen aber, dass das Brüllen mit anderen anatomischen Besonderheiten, vor allem mit einer speziellen Ausbildung des Kehlkopfes zusammenhängt. Dieser ist bei Löwe, Leopard, Tiger und Jaguar durch sehr lange Stimmlippen und ein dickes Polster aus elastischem Gewebe charakterisiert, was es diesen Arten erlaubt zu brüllen. Der Schneeleopard (als einzige Panthera-Art) und die anderen Katzenarten besitzen diese Merkmale nicht und können auch nicht brüllen.“

Rainer Maria Rilke schrieb über den Panther ein Gedicht, u.a. heißt es darin: „Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht.“ Das Drehen im allerkleinsten Kreise wurde bei den Panther- und Tiger-Panzern dadurch ermöglicht, dass sie mit einem sogenannten Zweiradien-Lenkgetriebe ausgestattet wurden, wodurch mittels Verzögerung der Kette in jedem Gang eine Bogenfahrt in zwei bestimmten Radien möglich war, der Panzer konnte dabei fast auf der Stelle wenden.

Über den Tiger heißt es bei Alfred Brehm 1893: „Neben dem Löwen ist er das vollkommenste Glied der gesamten Familie. Er zieht sich aber nicht wie der Löwe aus bevölkerten Gegenden zurück, der Gefahr, welche ihm Vernichtung droht, klüglich ausweichend, sondern geht ihr dreist und listig entgegen und stellt sich hartnäckig dem Menschen als Feind gegenüber.“

Aber auch die Nazis machten bei ihren Panzer-Benamungen in aufsteigender Linie gelegentlich Ausnahmen: Z.B. beim „Flammpanzer II“ (für den Häuserkampf und gegen Bunker gebaut und im Gegensatz zu Flammpanzer III, der in der Schlacht um Kursk nicht die Erwartungen erfüllte, erfolgreich). Er wurde wegen seines langen Halses „Flamingo“ genannt: Die in einem Mini-Turm untergebrachten Flammenwerfer waren um 180° drehbar und bis 20° höhenverstellbar. „Wegen seiner leichten Panzerung war das Fahrzeug zwar bei Beschuss anfällig, jedoch war das Flammenwerfer-System einfach und zuverlässig, so dass sich der Panzerkampfwagen II als Flammpanzer Flamingo gut bewährt hat,“ heißt es auf Wikipedia.

Wenn die Jagd heute das legalisierte Töten von Tieren ist, dann der Krieg das legalisierte Töten von Menschen – wobei man dabei gerne auf den stammesgeschichtlich älteren Begriff rekuriert – und z.B. von Jägerbataillonen, Abfangjägern, Jagdpanzer, Panzerjägern etc. bei den Kampf-Formationen und -Waffen spricht.

Ein sowjetischer Jagdbomberpilot im Zweiten Weltkrieg erzählte: “Dieses Jagdfieber, das entsteht, als wäre ich ein Falke und kein Mensch. An Humanität denkt man nicht mehr, überhaupt nicht. Wir machen den Weg frei. Es ist ein gutes Gefühl, wenn der Weg frei ist und alles brennt.”

In dem Roman von Arno Surminski „Die Vogelwelt von Auschwitz“ fand ich eine weitere Bemerkung über die Verbindung von Natur und Technik: „Die Bombengeschwader flogen in Keilform wie die Wildgänse, Falken stürzten wie Sturzkampfbomber auf ihr Ziel, die Schwäne sangen wie Luftschutzsirenen…, die ganze Vogelwelt befand sich im Krieg.“

Während die deutschen Panzer dabei Tiernamen haben, bekommen die sowjetischen Kettenfahrzeuge auf der anderen Seite zumeist die – abgekürzten – Namen ihrer Chefkonstrukteure bzw. Oberbefehlshaber. Wurden diese Geistesarbeiter vielleicht als ebenso gefährlich wie die großen Raubtiere eingeschätzt?

Der berühmteste, im Traktorenwerk von Charkow hergestellte Panzer – „der beste Panzer der Welt,“ laut Feldmarschall von Kleist, hieß „T 34“ (er wurde in über 50 Länder exportiert) – sein Name ist noch gänzlich unmagisch: Das T steht für „Tank“ und die 34 zeigt das Konstruktionsjahr an. Dem Chefingenieur, Koschkin (was ironischerweise Katze heißt), war es gelungen, Verteidigungskommissar Kliment Voroschilow zu überreden, den Panzer nicht nach ihm zu benennen. – So wie man es dann z.B. bei dem inzwischen weltweit eingesetzten Sturmgewehr AK 47 tat: A steht hier für Awtomat und K für den Waffeningenieur Michail Timofejewitsch Kalaschnikow, der das Gewehr 1947 entwickelte – was er später sehr bedauerte. 2004 erschien seine Autobiographie auf Deutsch: „Mein Leben“.

Anhand der Kalaschnikow wird in dem somalischen Bürgerkriegsroman “Netze” von Nuruudin Farah (2009) gezeigt, wie sie mit ihrem Träger eine Einheit bildet: Die Hauptfigur Cambara ist aus Toronto nach Mogadischu zurückgekehrt und bei einem Verwandten untergekommen, der zu seinem Schutz eine Miliz beschäftigt – eine Gruppe verstörter Jugendlicher, die alle mit Kalaschnikows bewaffnet sind. Sein Haus ist völlig heruntergekommen, Cambara versucht die Kindermiliz zum Saubermachen einzuspannen. Sie reagieren darauf, indem sie erst einmal zu ihren Knarren greifen, „denn sie wirken nackt, wie sie da ohne Gewehr und mit nutzlos herabhängenden Händen herumstehen…” Die junge Frau läßt sich aber nicht einschüchtern: “Sie scheucht die Jugendlichen an die Arbeit, sie ab und zu leise verfluchend.”- Diese gehorchen schließlich und greifen sich irgendwelche Putzmittel. In dem Moment zeigt sich, das Schütze (“Täter”) und Gewehr (“Tatwaffe”) eine Einheit, einen “Aktanten”, wie Bruno Latour es nennt, gebildet hatten: „Du meine Güte, wie unbeholfen sie jetzt ohne ihre Waffen wirken, die im Lauf der Jahre mit ihnen verwachsen zu sein scheinen; sie wirken richtig unglücklich. Ihre Bewegungen sind unkoordiniert und so ungeschickt wie bei Linkshändern, die mit der rechten Hand etwas aufzuheben versuchen. Die Gewehre sehen ihrerseits verlassen aus, bloße Metallteile, die mit Holzteilen verbunden wurden, nicht bedrohlicher als Kinderspielzeug.”

Ähnliches ließe sich auch und erst recht von größeren, komplizierteren Waffen und ihrem Bedienungspersonal sagen – wenn die Verbindung aufgegeben wird. Über den „Aktant“ heißt es auf Wikipedia: „Ein einfaches Beispiel dafür ist der Aktant ‘Mensch-Pistole’, der aus dem Zusammenwirken der beiden Einzelakteure Pistole und Mensch entsteht und nicht auf einen dieser beiden Akteure reduziert werden kann.“ Die Pistolen (tschechisch pystala) und Haubitzen (houfnice) wurden von den Hussiten entwickelt – für ihren Kampf gegen gleich drei Kreuzritterheere, dazu setzten sie auch noch „Streitwagen“ aus umgebauten Bauernkarren ein. Berühmt wurden diese als „Tatschankas“ im russischen Bürgerkrieg, auf die z.B. Nestor Machnos Bauernpartisanen Maschinengewehre oder leichte Mörser montierten. Nach dem Angriff ließen sich diese Streitwagen schnell wieder in friedliches Bauerngerät rückverwandeln. Heute sind es “Pick-Up-Trucks”, die in den Rebellenarmeen nahezu weltweit verwendet werden, wie der Kriegsforscher Herfried Münkler feststellte.

 

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Ehemaliges sowjetisches T-34-Denkmal in Dreilinden, nachdem der Panzer von der Roten Armee mitgenommen worden war, ersetzten irgendwelche Witzbolde ihn durch ein ausrangiertes Radfahrzeug.

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1937 benannte man in der UDSSR einen neuentwickelten Panzer nach dem Verteidigungskommissar Kliment Voroschilow: „KV 1“. Zwei Jahre später ging ein Panzer namens SMK – benannt nach Sergius Mironovitch Kirov – in Serie. Der populäre Erste Sekretär der Leningrader KP Kirov war 1934 ermordet worden, mutmaßlich im Auftrag von Stalin, zur Verantwortung gezogen wurden von diesem dann Trotzki und einige seiner Mitverschwörer. 1943 kam in der Panzerschlacht bei Kursk erstmalig der Panzer „JS 2“ zum Einsatz – benannt nach Josef Stalin (der „Nummer 1“). Der erste sowjetische Raketenwerfer wurde nach einer Angebeteten in dem populären Estraden-Hit des Jahres 1938 – „Katjuscha“ – benamt, was die Koseform von Katja (bzw. Katharina) ist, die Deutschen nannten sie „Stalinorgel“. Die Wehrmacht besaß Ähnliches: den „Panzerwerfer 42“; zur Bundeswehr gehört heute ein ganzes Raketenartilleriebataillon, ihre Raketenwerfer heißen „Mars“ und „Lars“.

Der ehemalige Rotarmist Wladimir Kaminer, dessen Großvater als Kavallerist in der Panzerschlacht bei Kursk fiel, urteilte über diese ganze Namensmagie: „Waffen mit menschlichen Namen sind erfolgreicher als solche mit Tiernamen – sie sind menschlicher.“

In der Sowjetunion bekamen dafür umgekehrt viele Kinder Vornamen aus Technik und Wissenschaft: „Traktoristov“ z.B. – oder „Integral“, „Differencial“, „Artilleriskaja“, „Amper“ und „Atom“, Zwillinge wurden u.a. „Serp“ und „Molot“ (Hammer und Sichel) genannt.

Die ersten sowjetischen Panzer T34 bezeichnete der DDR-Dramatiker Heiner Müller in seinem Stück „Wolokolamsker Chaussee“, an der noch heute Panzersperren stehen, als „unser letztes Argument“, bei Bertold Brecht heißt es im „Fatzer-Fragment“: „Unsere Mutter ist ein Tank“. Der T34 bekam später aber doch noch einen Tiernamen: Er wurde von den Finnen wegen seines Aussehens von vorne sotka (Tafelente) genannt – um ihn harmloser und damit angreifbarer zu machen. Die Finnen sind begeisterte Entenjäger. Im sogenannten „Winterkrieg“ Ende 1939 hatte die Sowjetunion das Land angegriffen. Im März 1940 einigte man sich auf eine Friedensschluß, in dem Finnland jedoch Teile seines Landes verlor. 1941 kam es deswegen zum sogenannten „Fortsetzungskrieg“, in dem Finnland mit seinem Verbündeten Deutschland verlorene Gebiete zurückeroberte. 1944 erzwang die Sowjetunion allerdings mit einer strategischen Offensive einen Friedensvertrag, in dem es noch mehr Gebiete beanspruchte, außerdem mußten die Finnen sich gegen die Deutschen wenden, was zu dem sogenannten „Lapplandkrieg“ führte.

Vom Sommer 1941 bis zur Kapitulation 1945 setzten Wehrmacht, Waffen-SS und Ordnungspolizei erbeutete T-34-Panzer – unter der Bezeichnung „PzKpfw. 747“ ein. Sie wurden von den Deutschen ebenfalls als „Enten“ bezeichnet. Darüberhinaus heißt es auf einer WKZwo-Panzerfanseite im Internet: „Die T-34-Variante ’85‘ befanden sich nur selten bei deutschen Truppen im Einsatz, da diese, wegen der nunmehrigen Überlegenheit der Roten Armee, nur noch selten erobert wurden. Die T-34 wurden oft direkt nach der Erbeutung von den deutschen Verbänden eingesetzt. Nur umbenannt. Sobald Munition und Ersatzteile fehlten, wurden sie bis Mitte 1942 auch wieder aufgegeben. Ab Mitte 1942 begannen Wehrmacht und Waffen-SS einige Einheiten planmäßig mit T-34-Panzern auszurüsten. Diese „Enten“ wurden vorher bei der Panzer-Instandsetzungs-Gruppe Nord in Riga überholt. Unter anderem wurden die Panzer umlackiert und umgerüstet. Im Jahr 1943 begann man diese Instandsetzungsarbeiten und Umbauten auch im Daimler-Benz-Werk Berlin-Marienfelde und bei der Waggon- und Maschinenbau AG in Görlitz (heute „Bombardier“) durchzuführen. Nach der Rückeroberung von Charkow während der Schlacht im Frühjahr 1943 setzte die Instandsetzungsstaffel der SS-Panzergrenadier-Division „Das Reich“ rund 50 zuvor erbeutete T-34 im dortigen Traktorenwerk instand. Dabei wurde das Personal des Werkes mit eingesetzt.“

Die Rotarmisten waren statt an deutschen Panzern eher an anderen Dingen interessiert. Ihr Generalleutnant Tschuikow schrieb über seine Soldaten, nachdem sie in Deutschland einmarschiert waren: “Sie plündern ein wenig. Da rollt ein Panzer, und auf seinem Kotflügel sitzt ein Ferkel. Wir verpflegen unsere Leute nicht mehr. Unser Essen schmeckt ihnen nicht. Die Fuhrwerkslenker fahren in Kutschen umher und spielen Akkordeon wie bei Machno.” Am Beliebtesten waren bei den Rotarmisten deutsche Mundharmonikas, die Tschuikow ideal fand, weil man darauf spielen und gleichzeitig sein Fahrzeug lenken kann.

Während die Deutschen im Laufe des Krieges von der Artillerie auf die Infantrie gewissermaßen runterkamen, verlief die Entwicklung bei der Roten Armee umgekehrt: von der Infantrie zur Artillerie. Ihre Kampfeinstellung blieb dennoch anders als bei den Deutschen. Generalleutnant Tschuikow befand: “Die Leistung der Deutschen ist nicht gerade glänzend. Aber was die Disziplin betrifft…Ein Befehl ist für sie Gesetz.”

Die noch nicht lange zurückliegenden Klassenkämpfe und die dazugehörige Moral bzw. Solidarität trugen im Krieg bei der Roten Armee taktische Früchte. Ein Major Fatjanow erzählte: “Unsere Piloten fliegen immer paarweise (sie lassen sogar von einem Opfer ab, um beim Partner zu bleiben). Wichtig ist, dass wir einander vertrauen und uns in der Not helfen… Bei den Deutschen ist der Sinn für Kameradschaft schwach entwickelt. Paare lassen sich leicht trennen und machen sich davon… In der Koordination mit dem Partner liegt der Schlüssel des Erfolgs.” Der Pilot Boris Nikolajewitsch Jerjomin pflichtete ihm bei: “Der wichtigste Grundsatz ist, immer paarweise zu fliegen und Freundschaft zu halten.” Ähnliches galt auch für die in Gruppen angreifenden Panzerkommandanten, die sich untereinander über Funk verständigten.

In Frankreich hatten die Renault-Werke bereits im Ersten Welkrieg nachrichtentechnisch ausgerüstete Panzer gebaut – u.a. den „Char T.S.F.“ – T.S.F. wie „télégraphie sans fil“. Er hatte eine drahtlose Funkausrüstung, um sich mit der Infanterie und den Fliegern zu koordinieren.

Die BRD besaß anfänglich nur Panzerattrappen aus Sperrholz, darunter befanden sich VWs, sie sahen lächerlich aus, ich habe sie noch in den Fünfzigerjahren auf den Strassen zu ihren Übungsplätzen gesehen. Der Nazi-General Erwin Rommel hatte sie zuvor sogar – im Afrikafeldzug – taktisch eingesetzt: 1941 zwangen die Engländer seine Truppen erstmalig zum Rückzug. Daraufhin täuschte er sie, indem er solche Attrappen auf Volkswagen montieren und diese ständig im Kreis fahren ließ. Die dabei aufgewirbelten Staubwolken sollten das Herannahen eines großen Panzerverbandes anzeigen. Das funktionierte auch – wenigstens beim ersten Mal: Die Briten brachen ihren Vorstoß ab und zogen sich zurück.

 

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Russische Kunst an einem postsowjetischen Panzerübungsplatz.

 

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Demo-Panzer in Nowosibirsk am 9.Mai 2015. Photo: Philipp Goll

 

 

Die DDR bekam nach der Staatsgründung ihre Panzer und andere Kettenfahrzeuge vom Freundesland UDSSR – und übernahm dabei auch deren Namen – T 34 z.B.. Als der Bundeswehr 1990 die NVA-Bestände in die Hände fielen, schenkte sie die Schiffe der Marine Indonesiens, mit der Auflage, damit nur Piraten und Terroristen zu jagen. Ein auf Panzer montiertes Radargerät bekam Israel; der Rest der ganzen Armee-Ausrüstung, einschließlich der Gulaschkanonen, wurde privatisiert: „Alles gab’s in Hülle und Fülle. Händler fuhren vor den Kasernen vor und luden auf, gegen bar,“ schrieb der Spiegel.

Anders war es bei den NVA-Flugzeugen: Davon stellte die Bundeswehr mehrere sowjetische Transportflugzeuge vom Typ Antonow An-26 in Dienst. Sie wurden in den Sechzigerjahren nach ihrem Konstrukteur O.K. Antonow benannt. Ebenso gehören der Bundeswehr heute auch einige sowjetische Strahlflugzeuge: Iljuschin il-62, Tupolew Tu-13 und mehrere MIG-Varianten. Diese berühmten Jagbomber wurden ebenfalls nach ihrem Konstrukteur benannt: Mikoja-Gurewitsch. Einige Kreuzberger Punks erwarben zwei MIGs direkt von einem sowjetischen Fliegerhorst hinter Potsdam, sie buddelten die Düsenjäger kopfüber in den märkischen Sand am Spreebogen in Mitte ein – und bezeichneten dann den Anblick, den sie boten, gegenüber Ordnungsamt und Polizei als „Kunst“. Auch auf dem Museumsgelände Penemünde wurden dann neben den Nazi-Vergeltungswaffen „V1“ und „V2“ einige MIGs ausgestellt. Die zwei deutschen Raketen waren die erste Waffe, bei deren Herstellung mehr Menschen starben als bei ihrem Einsatz.

Noch einmal zum Übergang von den Pferden zu den Kettenfahrzeugen. In den „Kriegstagebüchern 1941-45“ des sowjetischen Kriegsberichterstatters Wassilij Grossman heißt es an einer Stelle: “Viele Panzersoldaten kommen aus der Kavallerie. Aber zweitens sind sie auch Artilleristen und drittens müssen sie etwas von Fahrzeugen verstehen. Von der Kavallerie haben sie die Tapferkeit, von der Artillerie die technische Kultur.” Der faschistische Frontberichterstatter Curzio Malaparte sprach von den weichen Händen der sibirischen Panzerfahrer, die jahrhundertelang Pferde gepflegt hatten und nun Panzer.
Hinzugefügt sei, dass bereits im 1. Weltkrieg aus den schnellsten, den berittenen Truppenteilen, die langsamsten geworden waren. Denn Mobilisierung war fortan Motorisierung, wie der damalige Major Guderian urteilte. Als im Frühjahr 1918 für die „Große Schlacht“ gegen die Franzosen 1 400 000 deutsche Soldaten an die Front transportiert werden sollten, „verlud man als Notlösung schließlich das langsamste Glied der Kette, die Pferde, auf Omnibusse: Je Division 445 Pferde auf 150 Omnibusse,“ wie der Medienwissenschaftlers Peter Berz schreibt.

Von der Roten Armee wurden auch im zweiten Weltkrieg noch massenhaft Pferde eingesetzt: Allein die Mongolei stellte ihr tausende Pferde zur Verfügung – so wie davor den chinesischen Herrschern und heute den Japanern (als Hundefutter in Dosen). Die mongolischen Pferde waren zwar klein, aber genügsam und kälteunempfindlich. Viele gelangten bis nach Berlin. Einige Rotarmisten schrieben Briefe in die Mongolei, indem sie sich für die Tiere bedankten und diese lobten: Sie hätten sich besser bewährt als alle Beutepferde. Ihre Briefe befinden sich heute im Nationalmuseum von Ulaanbataar.

Daneben gab es auch noch andere Tiere in der Armee. Eine Division besaß als Maskottchen ein kasachisches Kamel – namens Kusnetschik (Grashüpfer), das dem Artillerieregiment als Zugtier diente. Es zog den ganzen Weg von Stalingrad bis Berlin mit, wo es an den Reichstag spuckte. “Bei Beschuss sucht es Deckung in einem Granaten- oder Bombentrichter. Es hat sich schon drei Tressen für Verwundungen und die Medaille ‘Für die Verteidigung von Stalingrad’ verdient”.
“Der Kommandeur des Schützenkorps ist General Iwan Rosly. Er hat zwei Dackel, einen Papagei, einen Pfau und ein Perlhuhn, die ihn ständig begleiten.”

Ein Soldat erzählt: “Wir haben Hunde hier, die Flugzeuge sehr gut auseinanderhalten können. Wenn unsere fliegen, und sei es fast über die Köpfe hinweg, reagieren sie überhaupt nicht. Aber wenn es eine deutsche Maschine ist, bellen und heulen sie sofort und suchen Deckung, selbst wenn sie sehr hoch fliegt.” Es gab daneben aber auch noch andere Hunde in der Roten Armee: „Besonders abgerichtete werden mit Brandflaschen am Körper auf einen Panzer gehetzt, mit dem sie in Flammen aufgehen,” schreibt Grossman.

Berühmt wurde die polnische Fernsehserie „Vier Panzersoldaten und ein Hund“, sie war in sozialistischen Ländern und in Finnland ein „Straßenfeger“. Vor allem männliche Jugendliche identifizierten sich mit den Protagonisten. Dabei handelt es sich um die Besatzung eines T34-Panzers – bestehend aus einem russischen, einem georgischen und zwei polnischen Soldaten mit ihrem deutschen Schäferhund. Sie kämpfen gegen die Wehrmacht und ziehen sich oft mit Witz aus brenzligen Situationen – oder ihr Hund, Scharik, greift ein. Er denkt mit. Wikipedia merkt zu diesem „Kriegsabenteuer“ in 21 Folgen an: „In Polen hat die Serie Kultcharakter und wird regelmäßig im Fernsehen wiederholt.“

 

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polnische Filmkunst: „Vier Panzersoldaten und ein Hund“

 

Hunde wurden auch schon im Ersten Weltkrieg eingesetzt – und mit Menschennamen bedacht, für die deutschen Kriegshunde gab es sogar Gasmasken. Über einen amerikanischen schrieb die Süddeutsche Zeitung: „Sein Markenzeichen ist ein goldbestickter Mantel mit seinem Namen: Stubby. Der Hund im Rang eines Sergeants kämpft sich während des Ersten Weltkriegs über Schlachtfelder, übermittelt Nachrichten, sucht während Feuergefechten nach Verletzten, hilft bei der Ergreifung eines deutschen Spions und warnt immer wieder vor Gasangriffen. Er erhält Auszeichnungen für seine Verdienste um das Vaterland und bleibt bis zu seinem Tod Mitglied der amerikanischen Legion. Bei Kriegsende trifft der Sergeant den damaligen US-Präsidenten Woodrow Wilson. Der soll dem Helden die Pfote geschüttelt haben. Pitbull-Terrier Stubby ist der höchstdekorierte Hund des Ersten Weltkriegs, so das National Museum of American History in Washington.“

Die US-Journalistin Rebecca Frankel veröffentlichte jüngst ein ganzes Buch über amerikanische „War Dogs“: „Die Geschichte der Hunde im US-Militär ist lang und reich,“ schrieb sie. „Von den die Stimmung hebenden Maskottchen im Bürgerkrieg bis zu den heutigen Sprengstoffsuchhunden.“ Dazu interviewte die Autorin nicht nur Soldaten, die im Vietnam- und Irakkrieg mit Hunden arbeiteten, sondern auch ihre Kommandeure, und Manager des Hunde-Trainingsprogramms K-9, sowie kampferprobte Therapeuten, die Hunde in die Kriegszonen brachten, um posttraumatische Belastungsstörungen bei den Einsatztruppen zu minimieren, ferner in Bagram (dem US-Hauptquartier in Afghanistan) stationierte Veterinäre. „Rebecca Frankel macht sich in ihrem Buch stark für eine robuste Kriegshunde-Staffel. Es ist ein bewegendes Buch, ein Muß für alle Hundeliebhaber – beim Militär oder sonstwo,“ schreibt ihr Verlag.

Erwähnt sei in diesem Zusammenhang noch der US-Kanal „Animal Planet“, in dessen Serie „Hunde mit Jobs“ regelmäßig neue Arbeitseinsatzmöglichkeiten für sie vorgestellt werden. Die Biologin Donna Haraway berichtet in ihrem Buch „When Species meet“ u.a. über „Zellen-Hunde”, die in einem kalifornischen Gefängnis von den Insassen zu Wachhunden ausgebildet werden. Sie leben mit den Inhaftierten für die Dauer dieser “subjekttransformierenden Beziehung” in einer Zelle. Für die einen wie für die anderen gilt: “der Weg zu Freiheit und Arbeit außerhalb der Gefängnismauern” besteht aus dem Lernen von “Disziplin und Gehorsam”. „Einen Hund, der die abschließende Prüfung nicht besteht, erwartet der Tod.”

Dieser Art von Tierschulung liegen laut Haraway „post-behavioristische Diskurse” zugrunde, vor allem die von Iwan Pawlow und B.F.Skinner. Konkret werde dabei auf die “Koehler Method of Guard Dogs Training” zurückgegriffen, die 1972 von dem US-Psychologen William R. Koehler veröffentlicht wurde und für Hunde “als Hüter des Hauses, für die Bewachung von Objekten sowie für die Polizei- und Militärarbeit“ gedacht war. Die Koehler-Methode für Hunde unterscheidet sich nur unwesentlich von der Soldaten-Ausbildung. Die Spiegelautorin Marie-Luise Scherer veröffentlichte nach der Wende eine gründliche Biographie eines Wachhundes der DDR-Grenztruppen, der jahrelang an der Grenze nach Niedersachsen an einer Laufleine Dienst tun mußte – und danach mehrmals privatisiert wurde. „Die Hundegrenze“ hieß ihr Bericht.

Im richtigen Krieg scheinen sich Mensch, Tier und Material immer mehr anzugleichen: Wassili Grossman schreibt: “Obergefreiter Melechin, der Geschützführer, ein lustiger, flinker Virtuose dieses Ringens auf Leben und Tod, in dem eine Zehntelsekunde über den Ausgang des Zweikampfs entscheidet, lag schwer verletzt da und starrte mit trübem Blick auf sein Geschütz, das mit den von Splittern zerfetzten Reifen an einen schwer leidenden Menschen erinnerte…”
Der Richtschütze Trofim Karpowitsch Teplenko meinte: “Natürlich ist man froh, wenn man einen Panzer erledigt hat…Das war ein Gefecht Auge in Auge.”
“Nach dem Gefecht ist das Geschütz wie ein Mensch, der schwer gelitten hat – die Reifen sind zerfetzt, überall Beulen und von Splittern durchschlagene Teile.”
Als die Deutschen erstmalig die neuen Panzer vom Typ “Tiger” einsetzten, passierte laut Grossman Folgendes: “Ein Richtschütze feuerte mit der 45-Millimeter-Kanone aus unmittelbarer Nähe auf den ‘Tiger’. Die Geschosse prallten ab. Der Schütze verlor den Verstand und warf sich vor den ‘Tiger’.”

Ähnliches erhofft sich wahrscheinlich auch die heutige Bundeswehrführung von dem 2005 angeschafften „Eurocopter UHT“, den sie „Tiger“ nennt. Der luftverladbare Hubschrauber dient der Panzerabwehr. In einer Aufsatzsammlung von jungen Offizieren der Helmut-Schmidt-Bundeswehr-Universität Hamburg, „Armee im Aufbruch“ betitelt, schreibt der Herausgeber, dass der Kampfeinsatz am Hindukusch nach den „Dekaden der theoretischen Bedrohung die Feuertaufe war, die diese Armee zu ihren Wurzeln zurückgeführt“ habe. Diese Taufe hat aber nicht dazu geführt, dass die jungen unverheirateten Frauen in nennenswerter Zahl wieder „Männer in Uniform“ attraktiv finden, im Gegenteil, weswegen die Autoren, durchweg Studenten im Leutnantsrang, dann auch nur Abschätziges über die wehrvergessene Zivilbevölkerung zu sagen wissen. Vorbei die Zeit, da der Gymnasiast Ernst Ottwald 1920 erwog: „Vielleicht werde ich Reichswehroffizier, das sind heute die angesehensten Leute.“

Das Magazin für Sicherheitspolitik des Reservistenvereins – „loyal“ – berichtet, der Führungsnachwuchs der Bundeswehr sei „auf der Suche nach einer neuen Identität“. Nach einem Besuch der Marineschule Mürwik weiß „loyal“ auch schon, wohin die Reise geht: „Der Offizier von morgen ist am besten Akademiker, Manager, Erzieher und Kämpfer zugleich.“

 

Kriegsgegner protestieren am Truppenübungsplatz Altmark

Bürgerprotest gegen Panzermanöver.

 

Für Friedrich Engels waren moderne Kriege solche, in denen die Waffentechnik entscheidet – was ihre Führung so rational wie Betriebsführung mache. In den sogenannten „Materialschlachten“ der letzten beiden Weltkriege wurde die Kriegstechnik nach der Schlacht, dem Abschlachten, allerdings zu einer Art entseelten Natur. Grossman schreibt: „Die Sonne bescheint hunderte Eisenbahngeleise, wo Tankwaggons mit zerfetztem Bauch wie tote Pferde herumliegen, wo hunderte Güterwaggons, von Druckwellen erfaßt, übereinandergetürmt wurden und sich um kalte Lokomotiven drängen wie eine von Entsetzen gepackte Herde um ihr Leittier.”

Die Deutschen stellten noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs aus Kavallerieverbänden ihre erste Panzerdivision auf. In Polen kämpfte diese dann teilweise noch gegen Kavallerieeinheiten. Da waren die Schlachtfelder anschließend mit Pferdeleichen und -teilen bedeckt.

Über eine Panzerschlacht heißt es bei Grossman: “Das Schlachtfeld war übersäht mit ausgebrannten Panzern aller Typen. Beobachter meinen, es hätte ausgesehen wie auf einem Elefantenfriedhof.”

Die Mongolen verdankten ihr Weltreich der Erfindung des Steigbügels, mittels dessen die Reiter erstmalig „Blitzkriege“ führen, d.h. im vollen Galopp ihre Pfeile abschießen konnten. Das republikanische Griechenland eroberte die bronzezeitlichen Königtümer, weil es ihnen eisenzeitlich überlegen war. Waffen aus Eisen sind demokratischer, d.h. billiger. Die Griechen selbst stellten ihre Raubzüge als attraktive ausländische Königstöchter dar, die von ihrem obersten Gott, Zeus, verführt, d.h. laut Klaus Theweleit: vergewaltigt wurden. Die Geschichte beginnt mit einem Frauenraub, Helena, Die Kultur mit Frauentausch. Freihandel.

Die Panzerung der Kettenfahrzeuge reicht ideengeschichtlich auf die eisernen Ritterüstungen in Europa und die eisenverstärkten Lederrüstungen der Kriegselefanten in Asien zurück.

Die Kettenfahrzeuge selbst wurden um 1900 in Amerika erfunden und in Serie gebaut – von einer später „Caterpillar“ (Raupe) genannten US-Firma. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges verfügte noch keine beteiligte Seite über große motorisierte Verbände. Zwar wurden vereinzelt gepanzerte Automobile eingesetzt, wobei Russland einen relativ umfangreichen Gebrauch von Panzerautos und Radpanzern wie dem Austin-Putilow machte. Diese Fahrzeuge waren aber mehr oder weniger straßengebunden und nicht für Operationen auf dem Gefechtsfeld gedacht. Es mangelte ihnen an Geländegängigkeit und Feuerkraft. Mit Vollketten ausgerüstete Fahrzeuge wie der „Holt Caterpillar“ standen zwar zur Verfügung, dienten aber lediglich als Zugmaschine für schwere Artillerie. Sie kamen selten näher als 15 km an die Frontlinie heran – und waren nicht als Waffenträger vorgesehen.

Der erste Panzerwagen – auf Rädern und mit Maschinengewehr ausgerüstet – wurde bereits 1905 konstruiert: von der Firma „Austro-Daimler“, speziell für den Einsatz bei den Streitkräften der österreichisch-ungarischen Monarchie.Weil der russische Schriftsteller Viktor Schklowski während des Ersten Weltkriegs in Petrograd Ausbilder von Panzerwagenführern war, sei hier kurz aus seinen Erinnerungen zitiert: Als die Februarrevolution ausbrach, entwaffnete man seine Panzerwagen und entfernte die Vergaser: „Die Zarenregierung mißtraute den technischen Truppen,“ schreibt Schklowski, der es dann mit seinen Fahrschülern trotzdem schaffte, einige „einsatzbereit“ zu machen. Es handelte sich dabei u.a. um zweitürmige Austins, eintürmige Lanchesters und schwere kanonenbestückte Harfords. Es waren alles ausländische Panzerwagen, man hatte sie jedoch in den Putilow-Werken gewissermaßen russifiziert. Die Harfords besaßen eine doppelte Steuerung, vorne und hinten und zwei Geschütze. Schklowskis Gruppe besaß nur einen, der von seinem Freund, Fähnrich Dolgopolov, befehligt wurde. Ein anderer Panzerwagen, der in der Nacht auf Streife fuhr, wurde aus einem Keller von einem Maschinengewehr beschossen, wobei der Fahrer Fedor Bogdanov starb: „Er war ohne Schutzschild gefahren,“ vermutlich, weil er auf seinen jugendlich-revolutionären Schwung vertraut hatte und es zunächst – in dieser bürgerlichen Phase der Revolution – noch kaum Widerstand gab. Zur Panzerwagenabteilung gehörten viele Arbeiter, die bolschewistische Zellen gebildet hatten. Sie sorgten dafür, dass ein Panzerwagen losgeschickt wurde, um Lenin am Finnländischen Bahnhof zu empfangen. Als er dann, am 15. April 1917, in der Manege eine Rede hielt, von der Ladefläche eines Lastwagens aus, standen dort zu seinem Schutz gleich mehrere Panzerwagen. Lenin sprach über die Aufgaben der Revolution, Schklowski hörte ihm zu, er hatte den Eindruck: „dieser Mensch ist glücklich.“

 

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Sowjetischer Panzerzug

 

Erwähnen will ich noch eine Bemerkung aus Schklowskis Tolstoi-Biographie: Leo Tolstoi nannte Eisenbahnen „Gußeisenpferde“. Als lebenslanger Reiter verabscheute er sie, selbst das Reisen damit hielt er für „unmenschlich maschinell und eintönig“, außerdem frassen sie die Wälder. Der Fortschrittler Trotzki dagegen schrieb am Liebsten unterwegs in Zügen.
Im Bürgerkrieg ab 1918 formierte sich die „Rote Armee“, und ihr Oberkommandierender Leo Trotzki ließ einen gepanzerten “Eisenbahnzug” zusammenstellen”. Dazu gehörte dann “ein Sekretariat, eine Druckerei, ein Telegraphenamt, eine Telefunken- und eine elektrische Station, eine Bibliothek, ein Badebetrieb” – und eine eigene “Zugzeitung” namens “WPuti” (Unterwegs). Ferner eine schnelle Eingreiftruppe, die dann wie alle im Zug Lederjacken trug, die bald darauf Mode wurden. Etwa 105.000 Kilometer legte Trotzkis Zug, der von zwei gepanzerten Loks gezogen wurde, insgesamt zurück. Nach diesem sogenannten „roten Panzerzug“ wurde schon bald ein zweiter zusammengestellt, der nach „Lenin“ benannt wurde. Zwischen beiden gab es eine direkte Verbindung. Aber auch die Weißen besaßen Panzerzüge, einer, der bei Wladiwostok operierte, spielt die Hauptrolle in Wsewolod Iwanows Bürgerkriegsroman “Panzerzug 14-69″, in dem es darum geht, wie die Partisanen ihn eroberten. Als der Roman 1970 in Westdeutschland erschien, meinte der antikommunistische Klappentexter instinktiv, es ginge darin gegen Trotzkis “roten Panzerzug”.

In Deutschland setzte ab 1921 der faschistische Freikorpsverband „Holz“ unter dem Kommando von Dr. Oskar Dirlewanger im Mitteldeutschen Aufstand einen Panzerzug gegen Arbeiter ein, vor allem gegen Max Hoelz und dessen “Rote Armee“. Dirlewanger wurde dann zur Belohnung Leiter eines Arbeitsamtes. Weil er Orgien mit minderjährigen Arbeitslosen veranstaltete, kam er jedoch schon bald ins Zuchthaus , weil er aber laut seines Protegés SS-General Gottlob Berger „neuzeitlich ausgebildet“ war – durfte er dann für den Rußlandfeldzug eine Partisanenbekämpfungseinheit aufstellen. Sie bestand anfänglich und zuletzt aus Kriminellen sowie aus zwangsverpflichteten Ukrainern. Um die Kontrolle über seinen gepreßten Haufen zu behalten, arbeitete Dirlewanger mit harten Strafen und Todesurteilen. Er lief mit einem lebenden Affen auf der Schulter herum und hielt sich einen “Harem”, bestehend aus jungen jüdischen und russischen Mädchen, der immer wieder erneuert wurde, indem Dirlewanger die alten erschießen und neue einfangen ließ. An seinen Vorgesetzten Berger kabelte er am 11. 3. 1943: “Die gewünschten Russinnen werden am Montag eingefangen…Preis…pro Russin 2 Flaschen Schnaps”.

Kriege und Eroberungen laden Soldaten sexuell auf, deshalb gehören solche Vergewaltigungen quasi dazu. Der junge Freikorps-Soldat Ernst Ottwald, der mit seinen Kameraden ebenso wie Dirlewanger 1921 in einem Panzerzug zum Einsatz gegen die bewaffneten Arbeiter im Mitteldeutschen Aufstand gebracht wurde, veröffentlichte acht Jahre später einen Bericht darüber: „Ruhe und Ordnung“, der ihn als linken Schriftsteller berühmt machte. In einer Rezension für die „Weltbühne“ zitierte ihn Kurt Tucholsky so: „’Die paar Schüsse haben unsere Nerven erregt, und Ritter will jetzt in den Puff.‘ Man kann es nicht kürzer sagen.“

Auch die eher unblutige Einnahme der DDR durch das BRD-Kapital nach 1989 erregte noch die Nerven der aktiv daran Beteiligten. Der Chef ihres Hauptquartiers „Treuhandanstalt“, Detlef Rohwedder, urteilte über seine „Manager“ und die „Investoren“ in ihrem Gefolge: „Die benehmen sich schlimmer als Kolonialoffiziere.“ Seine Kritik sollte eine sie bremsende Funktion haben – vielleicht wurde er deswegen erschossen, seine Nachfolgerin drängte sie jedenfalls entschieden zur Beschleunigung. Auf einer Betriebsrätekonferenz in der Kongreßhalle am Alexanderplatz 1992 meinte einer der Treuhand-Privatisierungsmanager zu einem anderen: „Ich muß unbedingt mal wieder Ostweiber beschlafen.“ Diese Wirtschaftsführer aus dem Westen agierten im Osten zwar in Zivilkleidung, aber bis in die Achtzigerjahre war es für solche Führungskräfte Pflicht, zuvor als Offizier in der Bundeswehr geübt zu haben, die Adligen unter ihnen konzentrierten sich im hessischen Panzergrenadierregiment, wo sie in der Offiziersmesse eine eigene Sektmarke besaßen: „Satteltrunk“.

1993 fand der Widerstand der Belegschaften in den DDR-Betrieben gegen ihre „Abwicklung“ seinen Höhepunkt in einem langen Hungerstreik der Kalibergarbeiter in Bischofferode. Als sie dann auch noch vor der Treuhandanstalt in Berlin demonstrierten, wurde mit allen politischen und polizeilichen Mitteln, u.a. mit Agents Provocateur, versucht, ihre Protestbewegung zu zerschlagen. Der für die Bergbaubetriebe zuständige Treuhandmanager Klaus Schucht erklärte im Spiegel: „Wenn man den Widerstand in Bischofferode nicht bricht, wie will man dann überhaupt noch Veränderungen in der Arbeitswelt durchsetzen?” Er wurde denn auch gebrochen, obwohl sich immer mehr Ruhrkumpel mit ihnen solidarisierten. 2011 veröffentlichte der DDR-Dichter Volker Braun eine Erzählung über sie: „Die hellen Haufen“, in der die Bischofferöder nicht aufgaben, weil sie dabei aber die Linie der Gewaltlosigkeit beibehielten, ließ man sie kurzerhand mit Hubschraubern und Panzern zusammenschießen. Die westdeutschen Rezensenten waren wenig erbaut über dieses fiktive Ende der deutschen Arbeiterbewegung.

 

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Selbstgebauter kurdischer Panzer.

 

Zurück zu den Kettenfahrzeugen. Die Engländer begannen als erste mit dem Bau von Panzern auf Ketten. Der Name „Tank“ wurde dabei aus Geheimhaltungsgründen gewählt, man sprach schlicht von einem „Tank“ (also einem Behälter für Flüssigkeiten) – und so sahen die ersten Panzer im Rohbau auch aus. Aus dem nach seinem Chefkonstrukteur 1915 benannten „Tritton“-Panzer entstand mit erheblichen Änderungen der Panzer „Little Willie“. Er war aber für den Felddienst untauglich. Der verbesserte hieß Big Willie. 1916 erschienen die ersten Kampfpanzer Panzer Mark I. Sie wurden in „Male“ und „Female“ eingeteilt. Die „männlichen“ Panzer hatten Kanonen, die „weiblichen“ waren lediglich mit Maschinengewehren bewaffnet. Dieses Konzept hatte man von „Little Willie“ und „Big Willie“ übernommen. Die Panzer waren rhombenförmig und hatten keinen Turm. Ein führender britischer General meinte abschätzig: „Erstens sind Panzer in schlechtem Gelände nicht zu gebrauchen. Zweitens ist das Gelände im Gefecht immer schlecht. Drittens sind die Panzer auf dem Schlachtfeld nutzlos.“

Der erste Lord der englischen Admiralität, Winston Churchill, befürwortete jedoch ihren Bau und Einsatz, er nannte sie „land ships“, sie sollten zunächst zur Marine gehören „Die Landschiffe der britischen Seemacht treten weniger gegen einen infanteristischen Feind als gegen eine Maschine an: gegen die ‚damalige Königin des Schlachtfelds‘, das Maschinengewehr. Die Deutschen nennen die britischen Tanks dann auch schlicht ‚Maschinengewehrzerstörer‘. Sie treten aber nicht nur gegen Maschinengewehre an, sondern sollen Maschinengewehre auch ‚an den Feind heranbringen‘. In den Erkern der Tanks stehen sie und geben, mit dem Marineausdruck, ‚Breitseite‘, wie Peter Berz in einem Beitrag über den 1. Weltkrieg: „Die Schlacht im glatten und gekerbten Feld“ schreibt. Weiter heißt es dort: „Tanks sind die Erfüllung eines infanteristischen Traums nach dreieinhalb Jahren Stellungskrieg.“

Nach Erscheinen der britischen Tanks auf den Gefechtsfeldern war es auf deutscher Seite nicht mehr notwendig, andere Namen als die tatsächlichen zu verwenden: Panzerkampfwagen – und als Abkürzung schlicht Panzer. Im englischen Sprachraum hat sich bis heute der Begriff Tank erhalten. Daneben gab und gibt es dort noch die strategisch ausgerichteten „Denkpanzer“ – Think Tanks, die z.T. wiederum eigene Tarnnamen haben.

In Deutschland wurde damals in aller Eile ein schwerer Kampfwagen gebaut – die Oberste Heeresleitung beauftragte 1916 die „Abteilung 7 Verkehrswesen“ damit, der Name des Wagens hieß dementsprechend: A7V. Es wurden zwar mehrere hundert Fahrzeuge dieses Typs bestellt, aber zunächst nur zwanzig ausgeliefert. Sie hatten laut Wikipedia „nur sehr geringen Einfluss auf das Kriegsgeschehen.“ Daneben gab es jedoch noch „Beute-Tank-Abteilungen“, die mit erbeuteten englischen Panzern ausgerüstet waren.

Mit den deutschen Raubtiernamen dann – für die Panzer im Zweiten Weltkrieg – wurde nicht nur die Gefährlichkeit dieser uralten Jäger in einem gleichsam magischen Akt auf modernste Tötungstechnik übertragen, sondern zugleich auch genealogisch an die einstigen Herrscher und ihre Heraldik angeknüpft. Sie bevorzugten meist Löwen, Tiger und Leoparden in ihren Wappen, auf Münzen und an den Uniformen ihrer Soldaten. Neuere Herrscher, wie z.B. Putin und Kadyrow, lassen sich gerne mit lebenden Tigern photographieren.

„Die Jagd ist eine Kunst“ – steht in der heute musealisierten Jagdhütte von Marschall Tito nahe Belgrad. Auf der Brijuni-Insel Vanga besaß Josik Broz Tito ebenfalls eine Hütte – genauer gesagt: Residenz. Sie ist heute ein Heimatmuseum, das der Erinnerung an ihn gewidmet ist. Tito starb 1980. Slavenka Drakulic besuchte es – und berichtete im September 2009 darüber. Die Fotoausstellung im 1. Stock zeigt Tito mit allerlei Prominenten, die er in seiner Ferienresidenz empfing – von Indira Ghandi und Willy Brandt über den Schah von Persien bis zu Sophia Loren. Im Erdgeschoß des Museums befinden sich lauter ausgestopfte Tiere, die seine Gäste ihm lebend zum Geschenk gemacht hatten. Slavenka Drakulic schreibt: „Während man Tito im oberen Stockwerk noch mit einem Baby-Orang-Utan spielen sah, kann man unten den ausgestopften Körper des beklagenswerten Tieres betrachten. Das Foto, auf dem Tito einen jungen Leoparden liebkost, hat der Besucher noch in Erinnerung, wenn ihn derselbe Leopard dann mit Glasaugen anstarrt. Obwohl das wahrscheinlich nicht beabsichtigt war, schaffen die ausgestopften Tiere einen unbehaglichen, morbiden Konstrast zu der Glorifizierung , die sich im oberen Stockwerk abspielt – fast sind sie eine Metapher für Titos Herrschaft.“

Während in Jugoslawien etwas Balkanisch-Kriegerisches und Partisanisches hinzu kam, wurde in Deutschland ein germanisches Urbild mit Leben gefüllt: “Die Freiheit, die die germanischen Krieger genießen, erkklärte Michel Foucault in seiner Vorlesung 1976, “ist wesentlich eine egoistische Freiheit, eine der Gier, der Lust auf Schlachten, der Lust auf Eroberung und Raubzüge…Sie ist alles andere als eine Freiheit des Respekts, sie ist eine Freiheit der Wildheit…Und so beginnt dieses berühmte große Porträt vom ‘Barbaren’, wie man es bis zum Ende des 19.Jahrhunderts und natürlich bei Nietzsche finden wird – den die Nationalsozialisten dann zu ihrem biopolitischen Vordenker erklären.“

Für Walter Benjamin besitzt die Sprache magische Fähigkeiten, er sprach von einem mimetischen Akt, aus dem Namen in bezug auf die Objekte, die sie benennen, ihre Kraft oder Macht schöpfen. Ausgehend von diesem Gedanken stellte sich die Künstlerin Natascha Sadr Haghighian auf der Kassler „documenta“ 2012 folgende Fragen: „Welche Art der Mimesis passiert in dem ‚Tier-Werden‘ eines Kettenfahrzeugs? Glaubt ein hochtechnologisiertes Militär an Magie? Wie passen all diese Tiere in das Bild einer Bundeswehr, die ihre Einsätze Einsätze kühl und emotionslos mit humanitären Gründen oder wirtschaftlichen Interessen Deutschlands, Europas oder der Bündnispartner begründet? Und spricht der Panzer durch den Puma oder der Puma durch den Panzer, wenn er durch Afghanistan rollt?“ Die Künstlerin recherchierte dazu einige Werkgeschichten in Kassel – dem während der Nazizeit und auch heute wieder führenden deutschen Rüstungsstandort, und schrieb dann: „Aber es soll sich ja nichts wiederholen, vor allen Dingen das ‚Tier-Werden‘ einer ganzen Nation nicht. Und so wird erklärt: die Magie des legendären Tigerpanzers überträgt sich auf den Leopard oder Puma nur und ausschließlich in Form von Arbeitsplatzzahlen und Bruttosozialprodukt.“

Die Kassler Waffenschmiede von Carl Henschel, die heute als Museum existiert, begann 1777 mit der Herstellung von Kanonen und Glocken. Der Sohn Anton ließ ab 1860 Lokomotiven bauen – tausende, auch für den Export. Dadurch machte er den Betrieb „rüstungsfrei“. Mit dem Ersten Weltkrieg wurden jedoch erneut Geschütze hergestellt sowie auch Granaten für die Krupp-Kanone „Dicke Bertha“. Der Enkel Oscar begann ab 1935 mit dem Flugzeugbau. Im Zweiten Weltkrieg kamen „Kriegslokomotiven“ dazu sowie die Produktion von Tiger- und Königstiger-Panzern. Vor dem Krieg hatten die Henschelwerke 10.000 Beschäftigte, dann – mit Zwangsarbeitern 30.000. Wegen der Rüstungsproduktion wurde Kassel am meisten und intensivsten von allen deutschen Städten bombardiert. Nach 1945 fing man dort, unter amerikanischer Verwaltung, bescheiden wieder an: Aus herumliegenden Teilen wurden Bollerwagen gefertigt sowie einfache Küchengeräte. Als Oscar Henschel 1949 aus dem Gefängnis kam, ließ er u.a. für die US-Armee Dieselmotoren herstellen, bald dann auch LKWs und Straßenbaumaschinen. 1957 mußte der Betrieb das erste Mal Konkurs anmelden – Oscar Henschel zog sich in die Schweiz zurück. Sein ihm nachfolgender Manager erweiterte das Unternehmen, das Mitte der Sechzigerjahre wieder 14.000 Leute beschäftigte. Man warf dem erfolgreichen Chef der Henschel AG dann jedoch „schmutzige Geschäfte im wehrtechnischen Bereich“ vor. Über Rheinstahl war Thyssen ins Unternehmen gekommen. Als „Thyssen Henschel“ wurde nun der Panzerbau forciert – zunächst mit kleinen: wie Marder, Lux und Fuchs, letzterer war mit einem MG ausgerüstet. Als „Thyssen Krupp“ verschwand dann der Name Henschel und das Unternehmen wurde in GmbHs zerlegt. So wurde z.B. der Lokomotivbau als „ABB Henschel“ outgesourct. Diese Firma fusionierte mit DaimlerChrysler unter dem Namen „Adtranz“ und Adtranz wurde schließlich von Bombardier geschluckt. Die Henschel-Wehrtechnik verschwand namentlich im Riesenkonzern „Rheinmetall Defense“, und der andere Kassler Rüstungsbetrieb Wegmann, mit dem Henschel zeitweilig kooperiert hatte, wurde mit dem Konzern „Krauss-Maffei“ zusammengeschlossen, der als „Krauss-Maffei-Wegman“ (KMW) den Leopard- sowie auch den Puma-Panzer baut, letzterer wird gleichzeitig aber auch von Rheinmetall hergestellt. Kassel ist heute auf alle Fälle wieder der größte deutsche Rüstungsstandort – und also „von der Tonnage her…wieder bombenbereit,“ wie Herr Weich, Leiter des Henschelmuseums, es gegenüber der Künstlerin Natascha Sadr Haghighian ausdrückte.

 

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Ostukrainischer Panzer

 

Die Pferde der Kavallerie, die es auch noch im Zweiten Weltkrieg gab, hatten von alters her noch Menschennamen – wie Grane, Hansi oder Lore – jedes Pferd trug quasi seinen eigenen Namen. Das Pferd z.B., mit dem mein Onkel in der Ukraine fiel, hieß „Lotte“ – nach seiner Schwester. Bei den eisernen Pferden der Panzerdivisionen handelt es sich gewissermaßen um geklonte Jäger, so dass ein Name für jeweils eine ganze Serie von Panzerfahrzeugen steht. Wurden diese von den Waffeningenieuren hochgezüchtet (d.h. verbessert) – z.B. die Panther – behalf man sich für die neue Serie mit „Panther II“.

Auf der anderen Seite, im Frieden, bekommen auch die Raubtiere – im Zoo und im Zirkus – individuelle Menschennamen, wobei man sich bei der Namensgebung oft an die in ihren Ursprungsländern üblichen hält – so nennt man männliche indische Tiger z.B. gerne Khan oder Rajah. Die im Leipziger Zoo gezüchteten sibirischen Tiger bekommen in der Regel russische Namen wie Boris oder Igor. Ein kurz vor Weihnachten 2014 im Berliner Tierpark geborener Amurtiger, der mit der Hand aufgezogen wird, bekam den arabischen Mädchennamen „Alisha“.

Während der Amurtiger (Panthera tigris altaica) mit nur noch etwa 500 Exemplaren vom Aussterben bedroht ist, Putin rief 2010 eine Rettungskampagne für ihn ins Leben, ist der Bestand an Königstigern (Panthera tigris tigris) in Indien seit 2008 um 30% gewachsen – auf jetzt 2226 Tiere. Mehr als alle wild lebenden Tiger werden in chinesischen Farmen Tiger gehalten: etwa 6000. Sie werden in Teilen von der chinesischen Medizin vernutzt, und ihr Fell teuer verkauft. Eine Tigerfarm produziert Tigerknochen-Wein „Wir haben 400 Fässer im Keller, jedes enthält einen Tiger Kadaver“, sagt der Manager der Weinfabrik in der Provinz Guanxi, die mit diesem Getränk 10 Millionen Dollar Gewinn macht.

Ähnlich wie die Panzertruppen die Kavallerie ersetzt haben, werden auch die Panzer mehr und mehr durch Raketen ersetzt bzw. damit ausgerüstet.

Im Orient geht es bei ihrer Benamung noch magischer als bei den deutschen Militärs zu: Im Iran fand unlängst ein großes Manöver statt, dass man „Prophet 6“ nannte. Dabei wurden einige iranische Kurz- und Langstrecken-Raketen getestet. Sie heißen „Shahab“ (Meteor), „Tondar“ (Sturm) und „Fateh“ (Eroberer). Daneben gibt es noch Raketen des Typs „Zelzal“ (Shooting Star I-III), Fadschr (Morgenröte), Qiam (Aufstand) und Safire Omid (Botschafter der Hoffnung). Wobei es sich z.T. um Weiterentwicklungen von chinesischen bzw. nordkoreanischen Raketen handelt. Ähnliches gilt für die irakische Rakete namens Al-Samoud (Standhaftigkeit). Die palästinensische Kampforganisation Hamas setzt gegen Israel Raketen mit dem Namen Kassam ein – benannt nach einem syrischen Freiheitskämpfer gegen die Engländer.

In China, das im Jahr 1232 die Raketen einschließlich Raketenwerfer erfand, und berühmt für seine poetischen Benamungen von Natur und Technik ist, heißen die Raketen heute: „Langer Marsch“, Dongfeng (Ostwind) und Hsiung Feng (Tapferer Wind).

Dass die islamischen Fundamentalisten ihre High-Tech-Geschosse mit religiösen Begriffen bestücken, deutet bereits darauf hin, dass sie ihnen auch als „Zaubermittel“ (zur Verbreitung des rechten Glaubens auf der Erde – und nicht im Weltraum) dienen. Was speziell bei den Iranern wiederum Voraussetzung für die Rückkehr des 12.Imam auf die Erde sein soll. Dass das iranische Regime zaubern kann bzw. auf Fetische vertraut, davon zeugte der jüngste „Machtkampf“ zwischen den herrschenden „hohen Geistlichen“ (Ajatollahs) und der zivilen Regierung (Ahmadinedschad): Letzterer wollte seinem Vertreter und engen Vertrauten Rahim Maschaie gegen den Willen der Geistlichen mehr ideologisch-religiösen Spielraum verschaffen, woraufhin diese ihn der „Hexerei“ und der „Verschwörung mit bösen Geistern“ (Dschinns) beschuldigten. Über 20 Mitarbeiter und Berater von Ahmadinedschad ließen sie schließlich wegen „Hexerei“ verhaften. Dem vorausgegangen war sein und Maschaies öffentliche Ankündigung, dass in bälde die irdische Rückkehr des verborgenen 12. Imams, des Erlösers, zu erwarten sei, was sie mit einer Dokumentarfilmserie „Die Wiederkehr steht kurz bevor“, unterstrichen, die seit 2011 in den iranischen Kinos gezeigt wird. Darin werden alle Naturkatastrophen einschließlich der Aufstände in den arabischen Nachbarländern als „Zeichen“ für die baldige Wiederkehr des 12. Imam gedeutet. Präsident Ahmadinedschad spielt darin höchstpersönlich „die Verkörperung von Schuaib Ibn Salih – einen Heiligen, der den Erlöser begleiten werde,“ wie der ehemalige inzwischen im Exil lebende Dekan der Universität Isfahan Farhan Jahanpour in der Le Monde Diplomatique erklärte.

Ein anderer Wissenschaftler im Exil, der zuletzt in Göttingen lehrende syrische Politologe Bassam Tibi hält diese fatale Mischung von weltrettendem Zauber und ausgeklügelter Vernichtungstechnik für das Wesentliche am „islamischen Fundamentalismus“, der sich 1. seit dem „Sechs-Tage-Krieg“ 1967 und erst recht seit dem „Golfkrieg“ 1990 zu einem „Mainstream unter den Muslimen“ entwickelt habe; 2. das „Resultat des Mißlingens islamischer Säkularisierungs- und Modernisierungsversuche“ sei; 3. aufgrund seiner „Schriftgläubigkeit“ unfähig zu „wissenschaftlichem Denken“ mache und eine „kulturelle Wüste“ um sich schaffe, denn „kreativ“ sei für die Gläubigen allein Allah; 4. an der ganzen „Moderne“ interessiere die Fundamentalisten nur die „westliche Waffentechnik“, weil sie hoffen, damit die Ungläubigen endlich besiegen zu können – was Tibi einen „Traum“ der „orientalischen Despotie“ von „der halben Moderne“ nennt, ansonsten gehe den islamischen Gläubigen jegliches „Können-Bewußtsein“ ab. Diese Disposition könnte in einen „Weltkrieg mit Atomwaffen“ münden, befürchtet der konservative Professor Tibi.

Der pakistanische Außenminister bespöttelte jüngst die Warnung des indischen Außenministers vor der Gefährlichkeit der pakistanischen Atombombe in einem BBC-Streitgespräch mit den Worten: „Ah, ich verstehe, Ihre indische Atombombe ist eine vegetarische.“ Atombomben haben im übrigen auch Namen – die erste – amerikanische – hieß „Little Boy“, die zweite „Fat Man“.

Die Amerikaner sind zwar der „Moderne“ verpflichtet, aber auch nicht ganz ohne Magie: Ihre Panzer heißen nach Generälen: „Sherman“, „Pershing“, „Patton“ z.B., ein Atom-U-Boot wurde gar „Corpus Christi“ genannt und ihre Raketen „Thor“ (nach einem germanischen Gott), „Jupiter“ (ein römischer Gott), „Poseidon“ und „Atlas“ (ein griechischer Gott und ein Titan) und „Hawk“ (Falke). Die Argentinier tauften ihre erste Rakete „Condor“.

Die Sowjets nannten ihre erste Rakete „Gorodomlya“. Das ist der Name einer Insel im Seliger-See bei Leningrad, wohin man die 150 eingefangenen deutschen Raketentechniker aus Peenemünde, allen voran den Funksteuerungstechniker Helmut Gröttrup mit seiner Frau und ihrem BMW, verschleppt hatte, damit sie beim Bau der ersten sowjetischen Rakete halfen. Die nächste Rakete – ohne die Deutschen gebaut – hieß dann programmatisch: „Start“, die übernächste: „Semjorka“ (Siebenchen auf Russisch – die Trägerrakete mit der Gagarin flog). Später kamen u.a. die Raketen „Dnjepr“ und „Angara“ dazu – benannt nach zwei Flüssen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion näherte sich Russland magisch den Amerikanern an – und benannte eine seiner neuen Raketen nach dem griechischen Kriegsgott „Ares“.

„Sputnikschock“ nennt man die politisch-gesellschaftliche Reaktion in den USA und Westeuropa auf den Start des ersten künstlichen Erdsatelliten ‚Sputnik 1‘ durch die Sowjets 1957. In der Folgezeit wurde im Westen nicht nur technologisch rasch aufgeholt, sondern auch gleich noch der „raumfahrttechnische Nachwuchs“ gefördert – die so genannten „Rocketboys“. Hierzulande gab es dafür die „Hermann-Oberth-Gesellschaft“ – benannt nach einem „Raketenpionier“, der noch als „Veteran der Weltraumeroberung“ in Peenemünde mitgearbeitet hatte, wo unter der Führung von Wernher von Braun erstmalig Langstreckenraketen als Angriffswaffen gebaut wurden.

Die in den Werkstätten der „Hermann-Oberth-Gesellschaft“, u.a. in Bremen, von jugendlichen „Raketenfreaks“ entwickelten bis zu fünf Meter langen Pulverraketen durften laut Alliierten-Beschluß nur auf französischen Militärübungsplätzen abgeschossen werden. Sie bekamen vorher natürlich auch Namen – meist von berühmten Hollywood-Stars: „Jane“, „Rita“, „Kim“ etc.. Das war insofern angemessen, als Raketen – entgegen dem Anschein ihrer phallischen Form – weiblichen Geschlechts sind und zum Anderen auf die Sterne abzielen. Die Hermann-Oberth-Gesellschaft ist mittlerweile in fünf anderen Gesellschaften aufgegangen, vor ein paar Jahren hat Bremen noch einmal versucht, seine – inzwischen großteils arbeitslose – Jugend für den Raketenbau zu begeistern: In Zusammenarbeit mit dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, der seit 1979 die Weltraumrakete „Ariane“ baut (benannt nach einer griechischen Göttin, die Theseus half, den Minotaurus zu besiegen), entstand dort 2004 auf dem Gelände einer in Konkurs gegangenen Werft ein „Weltraumerlebnis“-Parcours mit Supermarkt, den man „Space-Park“ nannte und wo die interessierte Jugend fortan um eine echte „Ariane 4“ herum Techno tanzen sollte. Das 700 Millionen Euro „Projekt“ ging jedoch schon im ersten Eventjahr pleite: Die „Raketenfreaks“ waren immer weniger geworden, aber es gibt sie noch! „Am Dienstag lass ich meine selbstgebaute Rakete starten. Ich bräuchte dazu aber noch einen Namen. Hat jemand eine Idee?“ fragte neulich so einer auf der Studentenplattform „physikerboard“. Ihm wurde geraten, in den US-Filmen „Star Wars“ und „Star Trek“ nach einem passenden Wort zu suchen, d.h. nach einem weiblichen Eigennamen.

Der sowjetische Dichter und Sänger Jewgeni Jewtuschenko schrieb 1996 in seiner Biographie „Stirb nicht vor deiner Zeit“ über dieses merkwürdige Objekt männlich-militärischer Begierden, u.a. zitiert er dazu einen am Putsch gegen Gorbatschow beteiligten Afghanistan-Veteran, der ein bekannter sowjetischer Schriftsteller geworden war: „Ich spürte in der Finsternis an meiner Handfläche den schneeweissen Frauenkörper der Kampfrakete. Anfangs war sie noch kühl, aber je mehr ich sie streichelte, desto wärmer und wärmer wurde sie, ihre Hüften schienen schwer atmend vor unausgesprochener Leidenschaft zu vergehen, und es schien mir, als würde ich auf dem Körper der Rakete unter meinen Fingerkuppen gleich die Wölbungen der in Erwartung meiner Berührung aufgerichteten Brustwarzen spüren.“

Die Weiblichkeit von Gefechtskörpern begann nicht erst mit den Raketen. In dem Roman „Die Belagerung von Krishnapur“ läßt James Gordon Farrell seine Hauptfigur, einen jungen englischen Zivilisten namens George Fleury, während der Verteidigung der Residenz einen Major, den Artilleristen Harry Hogan, beobachten, „der sich ziemlich merkwürdig benahm: Wie in Trance auf die Messingkanone starrend, strich er mit seinen Fingern über deren weiche, haarlose Metallhaut. So wie Harry sie ansah, hätte sie ein nacktes junges Mädchen sein können. Doch als er Fleury näherkommen hörte, gab er sich einen Ruck und tätschelte das gute Stück auf eine männlichere Art.“

 

Bundeswehr-Shop

Bundeswehr-Shop. Manchmal bekommt man hier relativ preisgünstig ausrangierte Panzer.

 

Das Rohr von Kanonen wird nicht zufällig „Seele“ genannt, so wie auch der Glühfaden in den elektrischen Lampen. Die größte Kanone, die Deutschland je baute und in Dienst nahm, nannte man „Dicke Bertha“, sie schoß fast 15 Kilometer weit. Die uns namentlich bekannten Schwerter waren dagegen noch durchweg männlich, wobei dies bei den poetischen Eigennamen der berühmten japanischen Samurai-Schwerter etwas uneideutig ist.

Aus dem bisher Gesagten dürfte jedoch klar geworden sein: Im „Fakt“ steckt mindestens ebenso viel „Fetisch“ wie im „Fetisch“ Fakten. D.h. auch das „gesichertste Wissen“ unterliegt Glaubensfragen. Der Wissenssoziologe Bruno Latour schlägt deswegen vor, zwischen „Fakt“ und „Fetisch“ bewußt nicht mehr zu trennen und – ganz vormodern – das aus beiden Begriffen zusammengesetzte (französische) Wort „Faitiche“ stattdessen zu verwenden. In den benamten, mitunter sogar getauften und gesegneten Waffen haben wir bereits beides in einem: Ein aus vielen Bauteilen zusammengesetztes faktisches Element (Geschoß) und ein drohendes Element (Zaubermittel). In den endlosen Stammeskriegen der Kurden kam dies noch klar zum Ausdruck: Einmal verschoß ein Stamm dabei anderthalb Millionen Schuß Munition – was auf der anderen Seite bloß zu zwei Verletzten führte, dennoch gab sie auf: demoralisiert von der bloßen Munitionsüberlegenheit des Gegners. Die Strategien des „Totrüstens“ bauen bis heute auf diesen Effekt. In Teilen Afrikas gab und gibt es nebenbeibemerkt Guerillagruppen, die sich „Leopardenmenschen“ nennen. Meist schützen sie sich mit Fetischen und Keuschheitsgelübden gegen die Geschosse ihrer Gegner. Vergeblich natürlich, wie man hier seit der Aufklärung meint zu wissen.

Der amerikanische Philosoph Marshall McLuhan sah voraus, dass der Dritte Weltkrieg ein „Guerilla-Informations-Krieg“ sein wird, in dem es keine Unterscheidung mehr gibt zwischen militärischen und zivilen Teilnehmern. Und er wird im Wesentlichen mit Rechnern ausgetragen. Aber Rechnen ist nicht Denken! Auf Wikipedia heißt es – für bald jeden verständlich: „Mac OS X ist ein vollständig neuentwickeltes System auf Basis des Betriebssystems Darwin.“ Es wurde dem entsprechend mit Begriffen aus der Zoologie versehen. Netzwelt.de hat einige dieser „Mac-Betriebssysteme“ des Computerkonzerns „Apple“ getestet – u.a. das „Mac OS X“ namens „Tiger“. Und fragte sich: „Hält das lang erwartete 4. große Update von Tiger, was es verspricht? Oder sind die rund 130 Euro rausgeschmissenes Geld?“ Ein anderes Internetforum teilte mit: „Die Classic-Umgebung wurde mit ‚Mac OS X 10.5‘ namens ‚Leopard‘ eingestellt, sie war auch nur für PowerPC-basierte Macs verfügbar.“ Das nächste Betriebssystem „Mac OS X 10,6“ bekam den Namen „Schneeleopard“. „Wer das nicht hat,“ heißt es, „kann sich weiterhin für ‚OS X Löwe‘ und ‚OS X Puma‘ entscheiden. Diese Betriebssysteme verkauft Apple jetzt im eigenen Online Store.“ Außerdem kann man sie sich kostenlos runterladen, wie mir ein User versicherte. Man sagt, die Raubtiernamen für die Mac-Betriebssysteme, das wollte Applegründer Steve Jobs so haben, mit seinem Tod hat man das geändert, die neuen werden nun u.a. nach amerikanischen Nationalparks benannt. Man sagt aber auch: Es gab nicht genug Raubtiere für die immer wieder neuen Betriebssysteme, Apple mußte auf andere Assoziationsfelder ausweichen, blieb aber bei Namen von Naturobjekten.

Dazu paßt, dass die angloamerikanische Kriegsforschung gerne biologisch auf das nicht ausrottbare „Böse“ im Menschen, seinen Aggressionstrieb, abhebt – als letzte ewige Ursache für bewaffnete Konflikte. Während der Nazibiologe Konrad Lorenz noch eher ironisch vom „sogenannten Bösen“ sprach. Die Raubkatzen sind dagegen niemals „böse“, denn sie folgen nur ihrem Jagdinstinkt. Und selbst dem folgen sie mit Überlegung. So hat man z.B. in einigen indischen Dörfern die Erfahrung gemacht, dass man mit wilden Leoparden durchaus zusammenleben kann. Im Tal des Dorfes Akole bei Bombay leben in der Umgebung der Menschen mehr als ein Dutzend Leoparden – und das sollen sie auch weiterhin. Manchmal reißen die Raubtiere einen Hund, eine Hauskatze oder eine Ziege. Sie werden von den Dörflern aber auch gefüttert, indem sie dem Gott der großen Katzen, Waghoba, ein Fleischopfer auf den Schrein legen. Für getötete Ziegen zahlt der Staat ihnen eine Entschädigung. Ein Team norwegischer und indischer Biologen hat dieses seltsame fast konfliktfreie Zusammenleben über Jahre erforscht – und darüber eine Broschüre veröffentlicht: die „Waghoba Tales“. Sie haben Beispielcharakter, denn die anderswo eingefangenen und in unbesiedelten Gebieten oder Schutzparks freigelassenen Leoparden waren bisher alle wieder – nur noch aggressiver – zurückgekehrt.

Alfred Brehm schilderte den Leopard mit größter Bewunderung. Doch monierte er: „Leider steht sein geistiges Wesen mit seiner Leibesschöne, wenigstens nach unseren Anforderungen, nicht im Einklang. Der Leopard ist listig, verschlagen, tückisch, boshaft, wild, raub- und mordlustig.“ Allerdings bezog sich das nur auf die afrikanischen Leoparden, denn Brehm wußte noch nicht, dass auch welche in Indien leben.

Für alle Leoparden gilt aber: „Um in der Wildnis zu überleben, sind sie auf besondere Sinnesorgane angewiesen. Hier wäre als erstes der Gehörsinn zu erwähnen. Sie sind in der Lage, Frequenzen wahrzunehmen, die für den Menschen nicht hörbar sind,“ wie es im Schweizer „tierlexikon“ heißt.

Zurück zum elektronischen Informationskrieg: In München trafen sich unlängst Experten aus Politik, Wirtschaft (Siemens), Wissenschaft und Bundeswehr, um wirksame Mittel gegen den zunehmenden „Cyberterrorismus“ zu finden. Dabei waren sich die Teilnehmer schnell darüber einig, daß „der Information Warfare seit Anfang der Neunzigerjahre das Stadium reiner Begrifflichkeit verlassen und zu einer militärisch relevanten Einsatzoption geworden ist“. Wobei bisher jedoch „die Grenzen zwischen terroristischen und kriminellen Handlungen zum Teil noch fließend und zum Teil nur ungenau zu bestimmen sind“.

Von der linken Intelligenz werden die eher einzelkämpferischen Cyberterroristen zur selben Zeit als neue Partisanen verherrlicht. Für Alexander Kluge ist inzwischen schon fast jede intellektuelle Tätigkeit Partisanentum. Und in der FAZ hat Thomas Martin sogar den „Berliner“ als typischen Partisanen herausgearbeitet, den er jedoch – mit Ernst Jünger – als „Waldgänger“ definiert – und dieser Wald, das ist nunmehr der Großstadtdschungel in Mitte, Wedding und anderswo.

Für den Psychoanalytiker Paul Parin und den französischen Philosophen Jacques Derrida sind vor allem die Computer-Hacker Partisanen auf der Höhe der Zeit. Tatsächlich riefen neulich schon zwei große rotchinesische Hacker-Vereinigungen – die „Honker Union of China (H.U.C.) und die „Grüne Brigade“, letztere hat allein 50.000 registrierte Mitglieder – landesweit dazu auf, den US-Imperialismus unermüdlich und kreativ anzugreifen.

 

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Aufständischer

 

In Jerusalem diskutierte der Münchner Experten-Kreis dann das Problem „Cyberterrorismus“ noch einmal – mit israelischen Experten. Dort wird inzwischen ebenfalls schon praktisch im Internet gekämpft. Die palästinensischen Hacker-Gruppen haben in ihrem Cyberwar – „E-Jihad“ genannt – bereits mehr als 80 Internet-Attentate gegen israelische Netze durchgeführt, sie werden unterstützt vom „Pakistan Hackerz-Club“ sowie von Hackern im Libanon, in Ägypten, Großbritanien, Brasilien und den USA. Außerdem bahnt sich ein „ideologisches Zusammenrücken von Islamisten und Neonazis“ an, wobei letztere ihre „Cyber-Attentate“ ebenfalls forcieren wollen. Auf der anderen Seite gelang aber auch den israelischen Hackern schon die eine oder andere Attacke gegen Websites der Palästinenser. Hilfe bekommen sie vom „Institute for Counter-Terrorism“, das von den israelischen Geheimdiensten Mossad und Schabak geleitet wird. Und nun auch von offiziellen deutschen Stellen – die damit zwar ihren überwundenen Antisemitismus beweisen, aber nach wie vor ihr Know-How bei der Partisanen-Vernichtung herausstreichen.

Auch die Hacker sind hierzulande eher staatskarrieristisch als terroristisch motiviert. Nicht nur nahm das ehemalige Mitglied des Chaos-Computer-Clubs, Müller-Maguhn, an der Siemens-Bundeswehr-Tagung teil, zuvor hatte es ein junger Hacker auf der Expo in Hannover geschafft, die Roboter dort durcheinanderzubringen, indem er sich in ihr Programm einschlich. Keine 10 Minuten nach diesem „Attentat“ bewarb er sich bereits mit seiner Leistung bei einem staatlichen Forschungsinstitut als Praktikant. Die Medien waren begeistert über dieses strebsame Hightech-Talent auf der ansonsten eher müden Touristen-Expo. In Amerika werden enttarnte Hecker nicht selten vor die Alternative gestellt: Entweder für den Staat zu arbeiten oder ins Gefängnis zu kommen.

Überhaupt nicht amüsiert ist man über die ganzen Neonazis, die ebenfalls das Internet für sich entdeckt haben. In Rußland gelang es vor einiger Zeit einigen linken Hackern, die Webpage der Faschisten zu killen. Daraufhin entspann sich dort jedoch eine scharfe Diskussion über die Netz-Toleranz: Längst nicht alle russischen Linken freuten sich über das Attentat. Und einige rassistische US-Südstaaten-Gruppen haben sich gerade die Strategie und Netz-Taktik der italienischen „Lega Nord“ angeschaut, um deren erfolgreiches Vorgehen eventuell zu kopieren. So geht es virtuell hin und her. Wobei auch die Mac-Betriebssysteme Löwe, Tiger, Leopard, Schneeleopard, Puma usw. zum Einsatz kommen.

Weil immer mehr Länder Geld und Ressourcen investieren, um die Netze auch militärisch zu nutzen, gehe es der Obama-Administration nun darum, schreibt die „Times“, einem möglichen Rüstungswettlauf im Internet die Spitze zu nehmen. Deswegen gaben die USA jetzt dem Drängen Russlands nach, hier endlich über Begrenzungen zu reden. Der russischen Regierung geht es darum, zu einer Art Abrüstungsvertrag für das Internet zu kommen. Das war 2009. 2011 meldete die Presse: „Die EU und die USA wollen eine gemeinsame Cyberwar-Übung durchführen.“ 2014 fragte sich der Spiegel: „In Nordkorea ist das Internet erneut weggebrochen. Stecken die USA dahinter?“ 2015 ließ Edward Snowden geheime Dokumente veröffentlichen, die zeigen, dass die NSA zukünftige Internet-Kriege plant, dabei geht es den Amerikanern darum, Computernetze derart paralysieren zu können, dass Strom- und Wasserversorgungseinrichtungen, Fabriken, Flughäfen und Finanztransaktionen unkontrollierbar werden. Die US-Regierung will dafür zunächst 6.000 zusätzliche Internet-Experten einstellen. Das Regierungsprogramm CyberCorps beispielsweise, aus dem die ansonsten von Mormonen dominierte NSA ihr Personal rekrutiert, deckt für Studenten die Gebühren, Bücher und sogar die berufliche Weiterentwicklung im Bereich Cyber-Sicherheit ab. Zusätzlich wartet während des Studiums eine jährliche Barauszahlung zwischen 20.000 und 30.000 US-Dollar, um den künftigen Cyber-Kriegern ein angenehmes Leben während der Ausbildung zu ermöglichen.

Auch die Bundesregierung trägt ihr Scherflein zu diesem „geheimen Krieg“ bei, indem sie für die hiesigen amerikanischen Standorte zwischen 2003 und 2012, eine Milliarde Euro zahlte. Laut Süddeutsche Zeitung trägt der deutsche Steuerzahler so mit dazu bei, „die amerikanische Militärinfrastruktur für den geheimen Krieg aufzubauen. Von US-Basen in Deutschland werden Drohnenangriffe in Afrika koordiniert, die Geheimdienste sind im Land aktiv – und private US-Konzerne helfen ihnen.“ Demnächst werden hier auch wieder als Drohkulisse amerikanische Kampfpanzer stationiert, ebenso in Polen und Rumänien sowie in den baltischen Staaten, sie werden schon mal vorgerückt. Die Bundeswehr beschloß zudem Ende Februar wegen der „Ukraine-Krise“ weniger Leopard 2 Panzer auszumustern als geplant: Statt 225 will sie nun mindestens 300 behalten, darüberhinaus soll die Abbestellung von 55 Puma Schützenpanzer rückgängig gemacht werden. Die Bundeswehr will jetzt doch wieder „405 Einheiten“ in Dienst stellen, denn „ein Panzerbataillon ohne Panzer ist kein Panzerbataillon,“ wie der sozialdemokratische Vorsitzende des Verteidigungsausschusses erklärte.

Zudem eröffnete die Bundeswehr mehrere Bundeswehr-Werbeläden (siehe Photo) und schickte daneben ihre Werber an Schulen und Universitäten. Zuvor war uns die Regierung mit einem groß angelegten „Modernen Helden-Projekt“ gekommen, bestehend aus „Events/Ausstellungen im ganzen Bundesgebiet“, „Seminaren und Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung“, „Lehrmaterial für den Oberstufen-Unterricht“, „Audio-CDs mit guter Musik“, „Interviews mit neuen Helden“ und dem „Aufbau eines ‚Helden-Netzwerks‘. Unter den „Neuen Modernen Helden“ werden Leute subsummiert, die „den Gedanken von überpersönlichem Handeln in die Welt tragen“ – wie z.B. Nelson Mandela und der Äthiopienhelfer Karl-Heinz Böhm. „Neue Helden braucht das Land,“ das ließen sich auch einige „Schülermentoren“ in Frankfurt/Main nicht zwei mal sagen und schlossen sich via Internet zu „digitalen Helden“ zusammen, man kann ihr „Netzwerkpartner“ werden. Heute will sich Heldentum bereits zu Lebzeiten auszahlen. Immer mehr Eltern bringen schon ihre Neugeborenen auf diesen Weg, indem sie diese z.B. nach dem biblischen Held „Samson“ oder nach Helden aus dem „Krieg der Sterne“, wie „Luke“, nennen. Auch „in immer mehr Kinderbüchern treten neue Helden an, um Kindern dabei zu helfen“, z.B. Schwulenehen und Ehetreuebrüche „besser zu verstehen“, wie „eltern.de“ berichtet.

Abschließend seien noch die „War Games“ im Internet erwähnt, unter denen die Kids, die sich noch für konventionelle Kriegsführung begeistern können, jede Menge Panzerschlachten finden, einige mit „Panthern“ und „Tigern“ der deutschen Wehrmacht.

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„Tank War“

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https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2015/05/04/ueber-die-tiernamen-von-kettenfahrzeugen/

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