“Heil Hoffler!”

Dass die Redakteure der Berliner “B.Z.” nicht die smartesten Kreaturen auf dem Erdenrund sind, nun, das hätte man sich schon so gedacht. Andererseits: Vermutlich ist herrscht bei Springer gar nicht Blödheit, sondern schlicht Böswilligkeit. Aber von vorne:

David Hasselhoff, seines Zeichens im Großteil der Welt längst vergessener “Schauspieler” und “Sänger”, der sich vor allem mit einem Auftritt in Blinkeklamotte in die deutsche Seele eingebrannt hat, gab sich in London die Ehre, spielte einige vermeintliche Hits sowie zumindest einen Evergreen aus dem Mel Brooks-Film-Musical “The Producers”, in dem es um eine Nazi-Revue geht. Und wie tat Hasselhoff das? In Nazi-Klamotte, ganz so wie in Mel Brooks Film.

Man kann das zurecht verzweifelt finden, klar. Aber”was das soll”, ist doch relativ klar. Außer in der Redaktion der “B.Z.”, denn die titelte:

“Was soll das? Hasselhoff schockt im Hitler-Kostüm”

Und weiter:

“Jetzt versucht der Schauspieler und Sänger, im Nazi-Kostüm seiner stockenden Karriere neuen Schwung zu geben. Ganz nach dem Motto: Vielleicht verkauft man ja mit Hakenkreuz-Armbinde, Uniform, Seitenscheitel und Bärtchen mehr CDs. (…) Was der bizarre Auftritt mit seiner neuen CD zu tun hat, bleibt aber völlig unklar. Auf der sind fast nur Liebesschnulzen wie „You’ve Lost That Loving Feeling“, „There Is Love“, „Loving You Keeps Me Alive“ oder „I Was Born To Love You“ zu hören.”

Dabei “wussten” man bei der “B.Z.” vermutlich schon, “was das sollte” – es hätte bloß den behaupteten Schock kaputt gemacht:

Der Auftritt als Hitler war nach eigenen Angaben eine Hommage an Mel Brooks’ Film „Sein oder Nichtsein“.

Das ist natürlich kompletter Quatsch. Ein Lied aus dem Film ist ja keine Hommage, sondern eben genau das: ein Lied aus diesem Film.

Dass man sich über Hasselhoffs Auftritt auch mokieren kann, ohne The Hoff als Kryptofaschisten darzustellen, beweist übrigens die britische “Sun”.

Zur Überschrift “Heil Hoffler!” schreibt “Showbiz”-ReporterStuart Pink:

“IT’S not one of David Hasselhoff’s greatest Hitts as he performs a mock Nazi salute during a chaotic live show.”

Ps. Es ist eine Welt, in der keine Parodie mehr möglich ist. Die Idee zu einem “Hitlerhoff”-Musical … aber lesen Sie selbst!

(Danke, Björn*!)

Kommentare (9)

  1. was die b.z. da zu wissen glaubte, ist überdies aber sehr wahrscheinlich auch falsch. “sein oder nichtsein” (im original “heil hamlet”) ist ein film von lubitsch aus dem jahre 1942 und wurde von mel brooks 1983 als remake neu verfilmt. hasselhoffs musikalische hommage galt sicherlich dem musical “the producers” und nicht dem film “heil hamlet”.

  2. “Dabei “wussten” man bei der “B.Z.” vermutlich schon, “was das sollte” – es hätte bloß den behaupteten Schock kaputt gemacht:

    - Der Auftritt als Hitler war nach eigenen Angaben eine Hommage an Mel Brooks’ Film „Sein oder Nichtsein“.”

    Das ist natürlich Blödsinn hoch 3 seitens der BZ.
    Heißt der Film doch “Frühling für Hitler (The Producers)”.
    “Sein oder Nichtsein” ist von Lubitsch.
    Und gesungen wird dort nicht…

  3. “Berliner Zeitung” as in “Hamburger Zeitung”, eine in Berlin produzierte Fischeinwickelgrundstoffproduktion^^

    Sie haben übrigens wirklich 2009 darüber berichtet^^
    http://www.bz-berlin.de/kultur/producers-begeistert-promis-article460672.html

    Sogar mit der richtigen Zurodnung zu Mel Brooks.

  4. Achtung, die “B.Z.” ist nicht die Berliner Zeitung! Ersteres ist eine Springer-Revolverblatt, letzteres eine mit der Frankfurter Rundschau verwandte Tageszeitung!

  5. Dabei lief “The Producers – Frühling für Hitler” sogar 2009 in Berlin, das könnte man als Berliner Zeitung eventuell wissen….

  6. Ha! Danke! Das ging komplett an mir vorbei…

  7. Noch besser: Der Film “Sein oder Nichtsein” ist noch nicht mal mehr von Brooks, sondern von Ernst Lubitsch und kommt noch dazu völlig ohne Musik aus. Und hat mit “The Producers” wirklich nur soviel zu tun, daß in beiden Filmen Leute auftreten, die Hitler spielen.

  8. “Der Auftritt als Hitler war nach eigenen Angaben eine Hommage an Mel Brooks’ Film „Sein oder Nichtsein“.”

    Das ist sogar in doppelter Hinsicht Quatsch, zugegebenermaßen aber ein Fehler, der oft gemacht wird (es ist ja auch schwer).

    The Producers ist ein Musical von Mel Brooks (2001) bzw. ein Film von Mel Brooks (1968). Sein oder Nichtsein hingegen ist ein Film von Ernst Lubitsch (1942) der 1983 erneut (und eher schwach) gedreht wurde – mit Mel Brooks in der Hauptrolle.

    Beide Werke haben eine ähnliche Prämisse, nämlich irgendwie Hitler und irgendwie Theater, und in beiden Zusammenhängen hört man oft Mel Brooksl. Nachvollziehbar, dass man da schnell durcheinander kommt, aber eben doch ärgerlich irgendwie.

  9. Und ” Mel Brooks’ Film „Sein oder Nichtsein“” ist ja auch schon Quatsch. Es geht ja um Frühling für Hitler, und nicht um Lubitsch.