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So sah es in der letzten Nacht im überwiegend von Christen bewohnten Schubra im Zentrum Kairos aus. Koptische Jugendliche hatten sich dort zusammengefunden mit Linken und Vertretern der Kifaya, der “Es reicht-Bewegung”, in Anspielung auf die drei Jahrzehnte andauernde Herrschaft Hosni Mubaraks. Sie protestierten gegen den Anschlag auf eine Kirche in der Silvesternacht in Alexandria, gegen Diskriminierung und gegen das Regime.
Die Frage ist: werden diese Proteste langsam nachlassen oder bewegen wir uns hin zu einer weiteren Eskalation am koptisch orthodoxen Weihnachten, wenn die Mitternachtsmesse in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar zu Ende geht? Das ist der Zeitpunkt, an dem ein Maximum an Kopten in allen Kirchen des Landes versammelt sein wird.
Drei mögliche Szenarien gibt es für diese Nacht:
- Es bleibt relativ ruhig. Die Kirche und der Papst haben die Kopten aufgerufen Ruhe zu bewahren.
- Die koptischen Jugendlichen gehen massenweise auf die Straße und es kommt zu ähnlichen Auseinandersetzungen wie letzte Nacht in Schubra, aber in viel größerem Stil. Eines der interessanten Phänomene der letzte Tage ist, dass eine neue Generation koptischer Jugendlicher nicht mehr auf die Beschwichtigungen ihrer Kirche hört, wie wir in den letzten Tagen auf den Straßen immer wieder gesehen haben.
- Oder es gibt bei den Weihnachtsmessen weitere Anschläge? Das wäre dann eine Situation, die kaum mehr kontrollierbar wäre. Dann helfe uns Gott, egal ob der der Christen order Muslime.
Hier noch ein paar meiner Medien-Beiträge vom gestrigen Tag
Meine kurze TV-Reportage über die Stimmung bei Ägyptens Christen
Kopten gehen auf die Straße. Mein Printstück.
Ein Gespräch über Probleme der Christen in Ägypten mit Radio SWR 2 Journal
Mir wurde gerade auf Facebook Walter Bruder folgende Frage gestellt:
„Welchen Stellenwert hat für Sie die Einschätzung dieses Jesuiten. Die Meldung stammt von Radio Vatikan: „„Ägypten ist, von einigen unbemerkt, schon seit längerer Zeit ein Zentrum des islamischen Fundamentalismus.“ Das sagt der aus Ägypten s…tammende Jesuit Samir Khalil Samir; der Islamexperte unterrichtet an einer Universität in Beirut.
„In den letzten Jahren ist der Fundamentalismus stärker geworden, weil die politische Gewalt schwächer geworden ist. Die Fundamentalisten versuchen, die derzeitige Wirtschaftskrise auszunutzen, um die Stellungt der Regierung zu schwächen. Durch Terrorangriffe arbeiten sie auf einen Sturz der Regierung hin – sie wollen definitiv an die Macht. Leider ist die ägyptische Gesellschaft in ihrem Durchschnitt wenig gebildet und sieht die Religion auf sehr einfache Weise. Das spielt den Fundamentalisten in die Hände: Dadurch gewinnen sie Zustimmung bei Aktionen gegen die christliche Bevölkerung. Das Ziel ist es, ein Klima des Konflikts zu schaffen, um die Regierung zu destabilisieren. Es geht gar nicht um die Christen; sie sind nur ein Vorwand, um die Stellung der islamischen Fundamentalisten zu stärken.“
Ich glaube nicht, dass es hier einen konspirativen Plan der „Fundamentalisten“ gibt. Die Wirklichkeit ist komplizierter. Es ist ein ungeschriebener Deal zwischen Regime und Islamnisten. Ihr überlasst uns die Macht, dafür überlassen wir euch die Straße und die Gesellschaft. Und jetzt erleben wir, was das bedeutet.