https://blogs.taz.de/kongo-echo/wp-content/blogs.dir/1/files/2018/01/taz-Hauswand_Fallback.png

vonDominic Johnson 16.02.2012

Kongo-Echo

Überraschendes und Unterschwelliges aus dem Herzen Afrikas – von taz-Afrikaredakteur Dominic Johnson.

Mehr über diesen Blog

Es war wohl zu erwarten: Die Protestaktion zum 16. Februar 2012, mit der gleichzeitig gegen die Wahlen 2011 protestiert und an das „Christenmassaker“ von 1992 erinnert werden sollte (siehe vorhergehenden Artikel), konnten nicht wie geplant stattfinden.

Bereits am frühen Morgen umstellten Sicherheitskräfte in Kinshasa Kirchengebäude, in denen sich Gläubige zum Gebet versammelt hatte. Besonders stark abgeriegelt war die Kirche Saint-Joseph in Matonge, wo die aus allen Teilen Kinshasas zusammenströmenden Gläubigen sich sammeln sollten um dann gemeinsam loszumarschieren oder einfach zu beten. Die Polizisten und Soldaten verhinderten, teils unter Einsatz von Tränengas, dass Gläubige morgens ihre Kirchen Richtung Matonge verlassen konnten, und blockierten auch die Kirche Saint-Joseph. Der Auflauf, berichten Radiosender, war geringer als erhofft, weil es von 5 bis 9 Uhr morgens stark regnete.

Nach einer vorläufigen gemeinsamen Bilanz kongolesischer Menschenrechtsorganisationen, die soeben veröffentlicht wurde, kam es zu folgenden Übergriffen:
„- In Saint-Joseph von Matonge (Kalamu) trafen Marschierer von Saint-Marie Goretti in Kauka gegen acht Uhr auf Christen, die Gesänge rezitierten. Gegen 8 Uhr 40 arf die Polizei (PNC) Tränengasbomben auf das Gelände.
– In Saint-Raphael auf dem Boulevard Lumumba (Limete) drohte Munsi alias ‚Chaleur‘ von der PPRD-Jugendliga an der Spitze einer Gruppe machetenbewehrter Jugendlicher, in das Gelände einzudringen, um die Christen einzugreifen.
– In Saint-Gabriel in Yolo-Sud (Kalamu) warfen Polizisten Tränengasbomben, um Christen auf dem Gelände zu vertreiben.
– In Saint-Kizito in Kingabwa umzingelten vier Wasserwarfer und zwei Lastwagen voller Polizisten die Kirche.
– In Saint-Dominique (Limete) warfen Polizisten Tränengasbomben auf das Gelände.
Brutalität gegen Personen wurde an allen Ausgangspunkten des Marsches beobachtet.
– In Saint-Joseph in Matonge wurden Frauen rund um das Gelände geschlagen. In das Büro der „Amis de Nelson Mandela pour les Droits humains“ drangen Polizisten auf der Suche nach Demonstranten ein. Mehrere Menschen wurden verhaftet, darunter die Abbés Placide Okalema, Bernard Mimbayi, Leon Matiti und zwei Schwestern.
– Der Priester von Saint-Raphael und die Christen auf der Avenue de l’Université wurden geschlagen und von Polizeibeamten in ihr Kirchengelände zurückgedrängt.
– Bei Saint-Dominique an der 13. Straße von Limete wurden Christen geschlagen, festgenommen und im Jeep 02 0076 der Eingreifpolizei PIR unter Kommando von Oberst Elvis mitgenommen. Vor allem: Madame Suzi, Paul Kitenge, Bilomba Francois, Constant Kangudi.
. Auf der Avenue Kimwenza in Yolo-Sud (Kalumu) griff die Polizei PNC jeden Passanten an. Robert Ilunga Numbi, Direktor der „Amis de Nelson Mandela pour les Droits Humains“ wurde geschlagen und sein Telefon weggenommen.
– In Saint-Benoît in Lemba 9 warf die Polizei Tränengasbomben, während die Christen aus der Kirche kamen.“

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/kongo-echo/2012/02/16/gedenkmarsche-in-kinshasa-verhindert/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • hallo Gunther
    wenn einem die Menschen egal sind, dann kann man das alles als nicht so schlimm sehen. Ich habe auch Freunde und einige Verwandte in Kongo für die ist es schlimm, sehr schlimm.
    Viele trauen sich gar nicht die Wahrheit zu sagen noch weniger zu schreiben. Warum wohl ?
    Finden Sie Gunther es nicht schlimm, wenn sie verfolgt, misshandelt, verschleppt oder eingesperrt werden weil sie eine eigene Meinung haben, oder das in Demonstrationen durch polizeiliche Übermacht Gewalt eingesetzt und geschossen wird, haben Sie die Gefangenen in Gefängnissen besucht wie die dort leben, wie die aussehen nach den Verhören, das wohl auch Menschen dort verhungern. Keine Schulbildung mehr, immer mehr Menschen großen Hunger haben. Menschenrechtler nicht nur sehr gefährlich leben sondern auch hinterhältig getötet werden. Weil alles gar nicht so schlimm ist in Kongo ?, Das Journalisten verschwinden, getötet werden, Radio und Fernsehstationen einfach mal so geschlossen werden, damit keiner die Wahrheit sagen kann, die Welt nicht erfährt was wirklich läuft Das die Menschen im Müll auf der Straße ersticken, das Leute verschwinden oder getötet werden irgendwo verscharrt keiner weis wo. Das die Leute in Massen an Cholera sterben weil der Staat nichts tut um sauberes Wasser zu haben usw. Normal ? Auch normal die Sache mit den Hexenkindern an denen grausame Rituale vollzogen werden, die auf der Straße vom Müll leben geschlagen und vergewaltigt werden ? Für Sie alles normal, wo leben Sie normalerweise das das im Kongo für sie nicht so schlimm sein kann ? Mag sein das drüben manche sagen das sei „normal“ weil sie es nur so kennen, oder wenn nicht geschossen vergewaltigt, geplündert wird dann sagen sie es alles ruhig, alles normal. Warum fliehen so viele aus Kongo, weil dort alles so normal, so schön und friedlich ist ? Wenn man in so ein Land reist, dann sollte man seine Augen, seine Ohren vor allem auch sein Herz öffnen. Das hat überhaupt nichts mit Sensationsjournalismus zu tun. Waren Sie nur im Diplomatenviertel unterwegs ?
    Zur Klarstellung, ich bin keine Journalistin und ich habe nichts mit Sensationslust zu tun, sondern ich bin bestürzt und berührt von dem was die Menschen drüben ausgesetzt sind,entsetzt über Leute wie Sie die sagen können da drüben ist alles nicht so schlimm. Gehen sie in den Ostkongo, wo Millionen Menschen grausamst getötet wurden, hunderttausende Frauen, Kinder, Männer sogar Babys bestialisch vergewaltigt werden.
    Sie sollte man dorthin verbannen für ein Jahr um die zerhackten Toten zu begraben, die Wunden der vergewaltigten Frauen zu versorgen. Ob Sie dann auch noch sagen alles nicht so schlimm.

  • Warum wird das was hier geschrieben geglaubt???????Jeder Beitrag der hier geschrieben wird ist schlicht weg übertrieben …..ich war letzte Woche selbst in Kinshasa aber so dramatisch wie es hier geschildert wird war es überhaupt nicht.Und das ist mit allen Beiträgen hier so.Ich habe einige Freunde die in Kinshasa wohnen und arbeiten und die mir immer und immer wieder erzählen das das was hier geschrieben wird nicht der Tatsache entspricht.Traurig aber so ist der Sensationsjournalismus von einigen Leuten.
    Wo soll das noch hinführen……………

  • ich habe schon mal dazu geschrieben die Kirche soll sich endlich mal aus der Politik raus halten. Div. Kirchen haben Menschen nicht nur im Kongo schon einiges an Leid eingebracht.
    Kongo ist alles andere als eine demokratische Republik. Die Polizei in Kongo wurde nicht nur mit unserer Hilfe geschult wie man vorzugehen hat gegen Demonstranten. Das ist das Ergebnis !!!!!
    Wenn man schon mal bezahlt wird als Polizist, dann ist man enorm wichtig und zeigt seine Macht. Freibrief zum Prügeln, schießen in die Menge, Wasserwerfer Einsatz, Tränengas, Menschen verschleppen, Tote irgendwo verbuddeln und mehr ?????????Lieber richtig auf andere drauf hauen als selbst gehauen werden, oder keinen Job zu haben ??

  • Ja, das können Sie sehr gut: Demonstrationen niederschlagen, jeden Widerstand im Keim ersticken. Auch vor der Kirche wird da nicht Halt gemacht.

    Wie gut, dass das Vorgehen begründet wurde damit, dass es sich um eine „ungenehmigte, weil nicht ordnungsgemäß angemeldete “ Demo handelte. Da wird auf der internationalen Tribüne kein Hahn danach krähen und die undemokratischen Zustände beklagen. Denn auch im Staate Kongo muss alles seine Ordnung haben, das gilt vor allem für den Bürger, der sein Recht dem Staat gegenüber einklagen will.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.