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vonDominic Johnson 04.07.2014

Kongo-Echo

Überraschendes und Unterschwelliges aus dem Herzen Afrikas – von taz-Afrikaredakteur Dominic Johnson.

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Kommt es erneut zu einer militärischen Konfrontation zwischen der DR Kongo und Ruanda? Die Alarmzeichen mehren sich, ebenso die Besorgnis in der Region. Und, besonders alarmierend: die vielen internationalen Organisationen, die für Frieden in der Region der Großen Seen sorgen sollen, sind offenbar machtlos oder wirken ungewollt an der Eskalation mit.
In drei aufeinanderfolgenden Beiträgen wird Kongo-Echo drei Entwicklungen beleuchten:
– der Grenzzwischenfall bei Goma vor einigen Wochen
– die neuen Visaverschärfungen von kongolesischer Seite
– die Aufwertung der FDLR im Kongo

1 – Der Grenzzwischenfall nördlich von Goma
Am 11. Juni kam es zu Kämpfen zwischen kongolesischen und ruandischen Soldaten an der Grenze etwa 20 Kilometer nördlich von Goma/Gisenyi, bei Kanyesheja. Bilanz: Fünf tote kongolesische Soldaten.
Kanyesheja ist eine Grenzgemeinde mit zwei Hügeln, von denen sich einer auf kongolesischer und einer auf ruandischer Seite befindet; wenn beide Hügel besetzt sind, gucken die Soldaten sich an. Die kongolesische Version: Ruandische Soldaten haben den Hügel Kanyesheja 2 besetzt, obwohl der als umstrittenes Gebiet gilt, dann den kongolesischen Hügel Kanyesheja 1 besetzt, Kongos Armee habe sich zurückziehen müssen und mehrere Soldaten vermisst hinterlassen. Die ruandische Version: Kongolesische Soldaten sind auf ruandisches Gebiet vorgedrungen, um Vieh zu stehlen; Ruandas Armee konfrontierte sie, es kam zum Feuerwechsel und kongolesische Soldaten hätten Kanyesheja 1 besetzt, um von dort ausvorzurücken; angesichts ruandischer Verstärkung habe Kongos Armee sich zurückziehen müssen und mehrere tote Soldaten hinterlassen.
Eine Prüfung durch die Grenzüberwachungsmission EJVM (Expanded Joint Verification Mission) der Regionalorganisation ICGLR (International Conference on the Great Lakes Region) fand fünf tote kongolesische Soldaten auf ruandischem Gebiet und Anzeichen heftiger Kämpfe auf beiden Kanyesheja-Hügeln. Ruandische Truppen hielten Kanyesheja 2, kongolesische Truppen Kanyesheja 1. Die EJVM-Prüfer kamen auch zu dem Schluss, Kanyesheja 2 liege auf kongolesischem Gebiet. Sie beriefen sich dabei auf Google Maps.
Der Bericht rief heftige Reaktionen hervor. Ruandas Vertreter unterzeichnete ihn nicht und die ruandische Regierung erklärte ihn deswegen zu einem „Entwurf“. Kongos Vertreter versah seine Untrschrift mit dem Zusatz, die fünf toten Kongolesen seien lebend aus Kongo entführt und in Ruanda umgebracht worden. Ugandas Vertreter versah seine Unterschrift mit dem Zusatz: „Die Karte von Google Earth ist nicht die richtige Quelle.“
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Was folgt daraus? Erhöhte Konfrontation und das Aufleben eines begrenzten militärischen Konflikts zwischen Ruanda und Kongo. Die Regionalorganisation ICGLR ist nicht in der Lage gewesen, diesen Konflikt zu entschärfen.

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