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vonDominic Johnson 02.06.2015

Kongo-Echo

Überraschendes und Unterschwelliges aus dem Herzen Afrikas – von taz-Afrikaredakteur Dominic Johnson.

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In der Nacht zum Dienstag 2. Juni hat ein mysteriöser bewaffneter Angriff Goma erschüttert. Die Angreifer versuchten offenbar zunächst, Waffenlager am Flughafen der Stadt zu erbeuten, bevor sie von der Präsidialgarde in die Flucht geschlagen wurden – und ins Stadtzentrum weiterfuhren. Dort lieferten sie sich wilde Schießereien mit unterschiedlichen Sicherheitskräften, bevor sie schließlich mit unbekanntem Ziel entkamen. Von zwei bis sieben Toten war zunächst die Rede; Journalisten sahen am Flughafen die Leichen von vier Angehörigen der Präsidialgarde, zwei davon mit durchgeschnittenen Kehlen.
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Nord-Kivus Provinzgouverneur Julien Paluku sagte, die Angreifer waren „Banditen, die von unseren Streitkräften komplett gemeistert wurden“. Gomas Bürgermeister Ndoole Kundos gab eine etwas differenziertere Version: Die „Banditen“ hätten mehrere Banken im Stadtzentrum ausrauben wollen, woraufhin das Wachpersonal auf sie geschossen habe; dies wiederum hätten Polizei und Armee für einen Angriff feindlicher Kräfte gehalten und sie hätten ihrerseits das Feuer eröffnet. Die Angreifer seien entkommen; man suche sie weiter und „wir schlafen nicht mehr“. Zum Glück geschah all dies mitten in der Nacht, uwischen 1 und 4.30 Uhr, wo kein Mensch auf der Straße ist.
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Journalisten in Goma berichten, einige der Angreifer seien verwundet festgenommen worden, manche davon hätten Teile von Armeeuniformen getragen, wie dies bei den vielen bewaffneten Gruppen Ostkongos durchaus üblich ist. Sie hätten ausgesagt, der Mai-Mai-Miliz des Warlords Shetani anzugehören, die eigentlich 100 Kilometer weiter nördlich im Gebiet der Kleinstadt Nyamilima nördlich von Rutshuru aktiv ist und dort als Straßenräuberbande auftritt. Sie seien nach Goma gekommen, um Waffen, Munition und Geld zu suchen. So richtig glaubwürdig erscheint diese Version nicht, da der Weg nach Goma für sie dann ziemlich weit gewesen wäre und sie sich schon unterwegs den Weg hätten freischießen müssen.
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Weitere Gerüchte reichen von unzufriedenen ARmeesoldaten bis zur ruandischen Hutu-Miliz FDLR, allerdings ohne jeden Beweis. Ausnahmsweise behauptet niemand, dass die ehemalige Tutsi-Rebellenarmee M23 verantwortlich sein könnte. Vielleicht ist endlich im allgemeinen Bewusstsein angekommen, dass die M23 seit ihrer Zerschlagung und Flucht nach Uganda Ende 2013 nicht mehr als bewaffnete Gruppe existiert.

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