vonkritisch betrachtet 20.11.2020

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Die deutsche Wirtschaft leidet weiter unter der Corona Pandemie, das kann mittlerweile niemand mehr bestreiten. Ob allerdings die recht drastischen Rückgänge Im Bereich des Exports von Elektroautos  im ersten Halbjahr dieses Corona Jahres rein der Pandemie geschuldet ist, bleibt unklar. Während die Zahlen laut Statistischem Bundesamt für den Export der deutschen Elektroautos in den ersten sechs Monaten um etwa  11.000 gesunken ist im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres, stieg die Anzahl der Importe an. Schauen wir uns einmal genauer an, was es damit auf sich hat. 

Sind deutsche Elektroautos weniger beliebt geworden?

Wenn man den Zahlen des Statistischen Bundesamtes Glauben schenkt, dann schaut es ganz danach aus, als ob die deutschen Fabrikate im Bereich der Elektroautomobile nicht mehr so beliebt sind, wie es noch im Jahr zuvor der Fall war. 2019 war die Welt der Automobilindustrie in diesem Bereich noch in Ordnung. Die deutschen Exportzahlen verzeichneten durchaus sehr positive Trends. Wurden doch im vergangenen Jahr mit knapp  100.000 exportierten Elektroautos nahezu 72 Prozent mehr außer Landes verkauft, als es noch im Jahr 2018 der Fall war. Dabei steht Norwegen ganz vorne auf der Liste der Abnehmer. Hierhin wurde knapp ein Viertel der deutschen Elektromodelle geliefert. Im Gegenzug zu den im ersten Halbjahr 2020 stetig gesunkenen Exportzahlen stieg jedoch nahezu proportional die Zahl der Importe an Elektroautos. Hier sind allem Anschein nach die französischen Modelle besonders gefragt. Hier entfällt knapp ein Viertel aller Importe auf Frankreich. Während im ersten Halbjahr 2019 knapp über 30.000 Elektroautos importiert wurden, wurden im ersten Halbjahr 2020 trotz Corona Krise gut 15.000 Elektroautos mehr nach Deutschland eingeführt, somit lag die Zahl bei gut 45.000 importierter Fahrzeuge. Doch woran kann diese Trendwende liegen? 

Experten auf der Suche nach den Hintergründen

Wenn wir uns einmal die allgemeine Situation in Deutschland, vor allem hinsichtlich der Wirtschaft anschauen, dann wird vermutlich eines schnell deutlich. Die Wirtschaft leidet allgemein sehr unter der Corona Pandemie, was sich natürlich auch auf die Finanzlage der einzelnen Bürger stark auswirkt. Nun werden ja in Deutschland die sogenannten Stromis, also die Elektroautos vor allem auch in steuerlicher Hinsicht begünstigt. An und für sich ein Anreiz für den Verbraucher, hier umzusteigen. Wie das Kraftfahrtbundesamt bekanntgab, ist der Anteil an Elektrofahrzeugen bei allen Neuzulassungen auf gute 6 Prozent gestiegen. Doch auch die Alternative zum reinen Elektroauto, das sogenannte Hybridauto, das also neben einem regulären Verbrennungsmotor auch über einen Elektroantrieb verfügt, wird immer beliebter. Hier beziffert das Kraftfahrtbundesamt die Zahl der Neuzulassungen auf gute 18 Prozent.  Der Trend selber ist also da. Bleibt nun zu vermuten, dass dem deutschen Verbraucher, der in den meisten Fällen durch die Corona Pandemie auch weniger Geld zur Verfügung hat, eher auf die etwas günstigeren Modelle ausländischer Fabrikate setzt.  Obgleich es mittlerweile eine Vielzahl neuer Modelle auf dem Markt gibt und auch die staatliche Förderung deutlich angehoben wurde, kann sich die deutsche Automobilindustrie zumindest im Bereich der Elektrofahrzeuge nicht stabilisieren. Sinkende Exportzahlen sind das Eine, doch weniger Absatz im eigenen Land gibt diesem Negativtrend noch einmal deutlichen Antrieb. Die Zahlen machen deutlich, dass der stark gestiegene Import nicht zuletzt durch eine Erhöhung des Zulassungen von Elektrofahrzeugen zu erklären ist. Es werden also eindeutig auch weniger deutsche Modelle in diesem Bereich innerhalb des Landes verkauft. 

Sinkende Zahlen und steigende Unsicherheit

Diese Krise zieht natürlich immense Kreise. Betroffen sind von den sinkenden Absatzzahlen, nicht nur im Exportbereich, natürlich auch zahlreiche Zulieferer. Nicht selten sind es kleinere mittelständische Unternehmen, die als erste unter den sinkenden Zahlen leiden müssen. Dass die Unsicherheit entsprechend groß ist, das kann jeder verstehen.  So stehen in dieser weltweiten Krise dank der Corona Pandemie noch mehr Arbeitsplätze auf dem Spiel, als es ohnehin aufgrund der nicht gerade rosigen Wirtschaftslage der Fall ist. Sicherlich wird die Regierung auch weiterhin alles unternehmen, um den Zahlen wieder etwas Auftrieb zu geben, doch dies kann, wenn überhaupt nur für die deutsche Wirtschaft gelten. Im Bereich der sinkenden Exportzahlen ist hier vermutlich vorerst nichts zu machen. Vielleicht sind es auch die verschiedenen Skandale der letzten Jahre, die der deutschen Automobilindustrie einen herben Knacks beschert haben. Hier sind ja im Laufe der Zeit immer neue Details bekannt geworden und der Verbraucher wurde zunehmend verunsichert. Inwieweit sich nun Abgasskandal und Co auch auf die Absatzzahlen der Elektroautos auswirken, bleibt erst einmal unklar. Sicher ist jedoch, dass dieser Abwärtstrend schwere Auswirkungen nach sich ziehen wird, die die deutsche Wirtschaft noch um ein Vielfacher schwerer belasten werden, als sie es momentan ohnehin schon ist. Sicher spielt auch gerade im Export eine nicht unerhebliche Rolle, dass vor allem auch Amerika, wo die deutschen Autos an sich ja sehr beliebt sind, unter der weltweiten Wirtschaftskrise zu leiden hat und auch die Tatsache, dass Präsident Trump Strafzölle auf deutsche Modelle erhoben hat, wird seinen Teil zur Krise im Exportbereich der Elektrofahrzeuge beigetragen haben.    

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