vonkritisch betrachtet 05.04.2021

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Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Für eine Datei wurde über 69 Millionen Dollar bezahlt. Dabei handelt es sich um digitale Kunst, also eine Collage, die aus 5.000 kleinen Bildern besteht. Eben diese hat einen Rekordwert erzielt. Die atemberaubende Höhe von diesem Gebot ist nicht einmal das erstaunliche dabei – sondern vielmehr, dass dieses Werk praktisch jeder daheim nachbauen kann.

Schließlich besteht das digitale Kunstwerk aus winzigen Abbildungen verschiedener Bilder, die aneinander gereiht sind. Auf der Online-Plattform Tumblr können diese Bilder kostenlos angeschaut werden. Fast täglich lädt der Künstler Beeple eines davon hoch.Er verband diese jetzt zu einer JPEG-Datei, bestehend aus 21.069 mal 21.069 Pixeln. Einem Käufer war die Collage, die den Titel „Everydays: The First 5000 Days“ nach einer Versteigerung von etwa zwei Wochen 69.346.250 Dollar (etwa 57,8 Millionen Euro) wert. Mit bürgerlichem Namen heißt Beeple Mike Winkelmann. In einem Video bei YouTube veröffentlichte er die ungläubige und erschütterte Reaktion seiner Familie und rief aus, dass er nach Disneyworld fahre.

Dieses Ergebnis ist bislang der Höhepunkt bezüglich des jüngsten Booms von digitalen Echtheitszertifikaten. Solche Zertifikate werden als NFT (non-fungible token) bezeichnet. Unter zahlreichen identischen Kopien kann nur ein solches Zertifikat eine Datei als sogenanntes signiertes Original gelten lassen.Bei den meisten der aktuellen NFTs wird die Echtheit der Dateien mit der Krypto-Währung Ethereum (Blockchain Datenkette) abgesichert. Im Grunde handelt es sich bei Blockchain um eine Datenbank, die bei einem digitalen Artikel alle Transaktionen speichert und diese im Netz auf zahlreiche Rechner verteilt. Das macht diese fälschungssicher. Den Ansturm auf die Echtheitszertifikate NFTs dürfte auch der Hype um Krypto Geld befeuert haben, zumal die Digitalwährung Bitcoin bekanntermaßen Kursrekorde erzielt hat.Immer mehr Menschen werden auf die Digitalwährung Bitcoin aufmerksam. Immer noch steigen die Kurse für diese Währung und wer davon profitieren möchte, kann nach wie vor Bitcoin kaufen, um mit einer hohen Wahrscheinlichkeit damit Profit zu machen. Was die Zukunft genau bringen wird, ist nicht gewiss, doch Krypto Geld und NFT sorgen aktuell für Schlagzeilen, was ein Zeichen für ihren zukunftsweisenden Charakter mit sich bringt.Die erzielten Preise mit dem Verkauf der NFT-Dateien sorgten in den vergangenen Monaten regelmäßig für Schlagzeilen. Für insgesamt etwa sechs Millionen Dollar verkaufte Grimes (Popmusikerin sowie Partnerin vom Milliardär Elon Musk) einige kurze Videos. Für über 200.000 Dollar wechselte ein Clip, worin Basketball-Star LeBron James in den Korb den Ball hämmert, den Besitzer. 

Aktuell versteigert Twitter-Chef Jack Dorsey von dem ersten Tweet aus dem Jahr 2006 eine digitale Kopie, der im Netz nach wie vor von jedem gesehen werden kann. Bei 2,5 Millionen Dollar liegt das höchste Gebot. Hierbei spekulieren Käufer darauf, dass irgendwann diese Dateien mit einem NFT-Zertifikat ebenso viel wert sein könnten wie zum Beispiel derzeit seltene Sammelkarten von Baseball-Spielern.Bereits vor der Auktion wurde Beeple (Jahrgang 1981) innerhalb der Digitalkunst-Szene zu einem Star bei Christie´s. Er verkaufte im Dezember für 3,5 Millionen Dollar eine Kollektion, die aus 20 NFT-Bildern besteht. Das Werk „Crossroads“ von Beeple, worauf Donald Trump als der Verlierer von der US-Präsidentenwahl zu sehen ist, wechselte im Februar für 6,6 Millionen Dollar seinen Besitzer. 

Das Auktionshaus Christie´s sprang nun nach spezialisierten Plattformen auf den Zug auf. Vor der Versteigerung setzte das Auktionshaus keinen Schätzpreis an. Schließlich sei der NFT-Markt noch sehr neu, sagte der Experte Noah Davis im TV-Sender CNBC am Freitag. Wie sich in Zukunft der Wert von digitaler Kunst entwickeln werde, wisse niemand. Allerdings denke er nicht, dass es sich um ein einmaliges Ereignis handle, sondern vielmehr habe sich der Wert von digitaler Kunst als ein Sammelobjekt durch die Auktion bestätigt.Hierbei kämpfen die jungen Auktionshäuser um jüngere Kundschaft, da von den 33 Bietern mehr als die Hälfte 1981 bis 1996 geboren wurden, teilte nach der Auktion Christie´s mit. Immerhin kann der Käufer der etwa 319 Megabyte umfassenden Datei so weit reinzoomen, dass dieser sich von der Collage jedes einzelne Bild ansehen kann – obgleich die einzelnen Pixel bei einer zu hohen Vergrößerung sichtbar werden.

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