vonkritisch betrachtet 13.04.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Die Bezeichnung Bulletproof Coffee stammt aus dem Englischen und bedeutet „Kugelsicherer Kaffee“. Dabei handelt es sich um eine Mixtur, die aus Filterkaffee, einem Stück Butter und Kokosöl besteht. Ausgerechnet bei Menschen, die figurbewusst sind, erfreut sich dieses Getränk einer wachsenden Beliebtheit. Obwohl Öl und Butter sehr fettreich sind, sollen diese morgens getrunken zuverlässig beim Abnehmen helfen. Ob der Hype um die Kombination aus gesättigten Fettsäuren und Koffein berechtigt ist und was das populäre Heißgetränk noch alles machen kann, wird in diesem Artikel näher erläutert.

Jetzt kommt das Körperfett weg – und zwar sogar mit einem Extra-Plus an Fett! Zumindest glauben das mehr und mehr Bulletproof Coffee-Fans. Dass der Trend funktioniert, will Dave Asprey (47) aus den USA, der Erfinder des Heißgetränks und Unternehmer aus Silicon Valley, am eigenen Leib erfahren haben. Er teilt mit, dass er zehn Jahre lang an Werktagen einen Kaffee mit einem ordentlichen Stück Butter sowie einem Esslöffel Speiseöl getrunken habe und an Wochenenden sogar zwei bis drei über den Tag verteilt. Er soll dadurch 45 Kilogramm abgenommen haben. Asprey behauptet außerdem: Er habe bis auf die Einführung von diesem fettreichen Ritual an seinen Ernährungsgewohnheiten nichts geändert. 

Wie ist die Idee zum Bulletproof Coffee entstanden?

Dem Amerikaner ist beim Frühstück nicht etwa ein Stück Butter, das als Brotaufstrich dienen sollte, in den Kaffee gefallen. Auf dem Blog des Erfinders wird vielmehr berichtet, dass Dave Asprey während einer Bergtour durch Tibet das Heißgetränk Yak-Tee kennengelernt habe, der aus Tee und aus Butter besteht. Die dortige Butter bestand aus der Milch von Yaks. Unter Bergsteigern handelt es sich dabei um eine beliebte Energiequelle. Dieses Konzept hat Asprey kurz entschlossen auf Kaffee übertragen. Dadurch soll er sich direkt fokussiert und energiegeladen gefühlt haben. Daraufhin nannte der Geschäftsmann seinen neuen Zaubertrank bekanntermaßen Bulletproof Coffee und über den gleichnamigen Webauftritt machte er ihn publik. Auf dem Blog kann sich der Interessent nicht nur über die Geschichte und die richtige Zubereitung informieren, es werden außerdem auch Fertigmischungen in unterschiedlichen Intensitäten angeboten. Zudem stehen unterschiedliche Nahrungsergänzungsmittel wie zum Beispiel Bulletproof-Energieriegel oder – Proteinpulver zum Verkauf.

Dabei finden sich im Internet unzählige Erfahrungsberichte, aus denen erkennbar wird, dass der „Butterkaffee“ langfristig Gewicht purzeln lassen kann und unmittelbar ein Energielieferant ist. Diese Energie sei weit mehr als nur der bekannte Koffeinkick und darüber hinaus würde sich eine langanhaltende Sättigung einstellen. Wie schmeckt Bulletproff Coffee? Laut Erfahrungsberichten gar nicht so schlecht.

Die Wirksamkeit von Bulletproof Coffee laut dem Erfinder

Dave erklärt, dass dieser Kaffee, morgens getrunken, fünf bis acht Stunden lang satt halte. Wichtig ist dabei, dass nur Bio-Butter verwendet wird, die von Kühen aus der Weidehaltung stammen. Ausschließlich diese sollen das ideale Verhältnis von Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren enthalten, was die Fettverbrennung ankurbelt und den Cholesterinspiegel senkt. Dave äußerst sich stets, der Interessent könne vergessen, was er bisher über Diäten wisse. Schließlich seien Fette gesund. Zumindest dann sei das der Fall, wenn die richtigen Fette ausgewählt würden, zum Beispiel Weidebutter, roher Fleisch von Weidetieren, Freilandeier, Kokosöl und Avocadoöl. Diese könne der menschliche Körper gut verbrennen. Solche Fette seien nahrhaft und würden die Energiequellen befriedigen, die dafür sorgen, dass Gehirn und Körper mit maximaler Kapazität arbeiten. 

Der Nutzen von Bulletproof Coffee nach Aussagen eines Wissenschaftlers

Ob das tägliche Ritual mit Bulletproof Coffee durchgeführt werden sollte, beantwortete auch der Ernährungswissenschaftler aus Brandenburg, Sven-David Müller. Der Food-Trend aus Amerika sei ihm bereits bekannt. Butterkaffee würde dennoch niemals an seine Lippen kommen. Er gibt zu bedenken, dass eine Tasse Butterkaffee etwa 250 Kalorien sowie 25 Gramm Fett enthalte. Das sei ungefähr so, als würde der Interessent täglich zum Frühstück eine Tasse Schlagsahne verzehren – davon könne nicht abgenommen werden.Laut Müller sei an den positiven Eigenschaften dieses Trend-Getränks nichts dran, vielmehr gäbe es viele negative Eigenschaften. Schließlich liefere Butter fast nur gesättigte Fettsäuren und hierbei handele es sich um gefäßschädigende Transfettsäuren. Diese würden das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Außerdem halte er Butter im Kaffee für ein Land wie Deutschland, in dem viele in der Bevölkerung übergewichtig seien, für keine gute Idee. Dass in Tibet Yak-Tee eine lange Tradition habe, läge vielmehr daran, dass dort mehr magere Menschen leben würden. Für das Bergsteigen seien die Kalorien dort notwendig und auch dafür, um die körperlichen Arbeiten durchzuführen.

Ein abführender Effekt werde Bulletproof Coffee auch nachgesagt, worüber der Ernährungswissenschaftler kaum überrascht sei. Sofern der Kaffee mit Butter auf nüchternem Magen am Morgen getrunken werde, würde dieser durch den Verdauungstrakt sicherlich widerstandslos jagen. Eine Gewichtsabnahme könne das eventuell begünstigen, allerdings keine gesunde. 

Bulletproof Coffee – jeder entscheidet selbst

Letztlich entscheidet jeder für sich, ob Bulletproof Coffee etwas für ihn ist oder nicht. Solange keine eindeutigen wissenschaftlichen Studien über Butterkaffee vorliegen, kann niemand mit Gewissheit Recht in diesem Anliegen behalten. Allerdings könnten die Erfolge bei zahllosen Erfahrungsberichten doch bei so einigen Personen Neugierde und Interesse wecken. 

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https://blogs.taz.de/kritisch/bulletproof-coffee-der-trend-zum-abnehmen-aus-den-usa/

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