vonkritisch betrachtet 22.01.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Corona macht es möglich. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist zurückgegangen. Aber wie bei allem im Leben, wenn irgendwo etwas weniger wird, wird woanders etwas mehr. Und so hat stattdessen ein anderes Delikt zugenommen. In Bremen gab es in diesem Jahr deutlich weniger Wohnungseinbrüche. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet  die Stadt Bremen einen Rückgang von knapp 40 Prozent, so eine Sprecherin des Bremer Innenressorts. Die Angaben beziehen sich dabei auf die Monate Januar bis einschließlich November 2020. Grund für den verstärkten Rückgang ist die Corona-Pandemie und die damit verbundene „vermehrte, dauerhafte Anwesenheit von Bewohnern in ihren Wohnungen und Häusern“, heißt es aus dem Innenressort. Der Lockdown lässt vielen Bremer Bürgern keine andere Möglichkeit, als zu Hause zu bleiben. Wer kann, der bleibt im Homeoffice und verrichtet seine Arbeit aus dem heimischen Büro.

Büros und Keller im Fokus

Aber auch das hat natürlich eine Kehrseite. Die Behörde spricht von einer „veränderten Tatgelegenheitsstruktur“. Demnach sind während der Pandemie Büro-, Arbeits-, Lagerräume und Verkaufsräume in den Fokus der Täter gerückt. Orte, die etwa während des Lockdowns kaum oder gar nicht besetzt waren. Viele Büros oder Verkaufsräume waren in Gänze geschlossen. Wer konnte, hat seine Arbeit nach Hause verlegt. Manche Zweige konnten gar nicht arbeiten und ließen somit ihre Geschäftsräume geschlossen. Nicht Wenige erlebten bei der Rückkehr in diese eine böse Überraschung. Diese zeigte sich in Form von aufgebrochenen Türen, durchwühlten Räumen und natürlich dem Abhandenkommen von Geld oder Einrichtungs- und Arbeitsmaterial. Zwar sei bereits vor Ausbruch der Pandemie ein Rückgang bei Wohnungseinbrüchen festgestellt worden – laut Kriminalstatistik sank die Zahl der Einbrüche 2019 zum fünften Mal in Folge – dieser Effekt sei aber durch Corona deutlich verschärft worden, so die Behörde. Der Trend: Die Tatzeiten sind immer häufiger tagsüber statt nachts.

In Bremerhaven fällt der Rückgang der Wohnungseinbrüche geringer aus: Im Zeitraum Januar bis einschließlich November 2020 sind laut Innenressort 10 Prozent weniger Einbrüche im Vergleich zum Vorjahr festgestellt worden. Dabei hätten sich auch hier die Delikte von Einbrüchen in Wohnungen hin zu Einbrüchen in Keller- und Bodenräume verlagert. „Der Trend wurde bereits in den vergangenen Jahren festgestellt und hat sich 2020 sicher auch unter dem Einfluss der Corona-Maßnahmen fortgesetzt“, so eine Sprecherin der Behörde. Genaue Zahlen für das Jahr 2020 werden vom Bremer Innenressort erst im kommenden Frühjahr bekannt gegeben.

Harte Zeit für Taschendiebe

Auch deutschlandweit war die Zahl der Wohnungseinbrüche in diesem Jahr laut Bundeskriminalamt (BKA) rückläufig. Das gelte etwa auch für Laden- und Taschendiebstähle. Als Erklärung verweist das BKA ebenfalls auf die Corona-Pandemie: So hätten tagsüber deutlich weniger Wohnungen leer gestanden. In Folge der Kontaktbeschränkungen habe es auch weniger Gelegenheiten für potenzielle Taschendiebe in Einkaufsstraßen gegeben. Die Haupteinnahmequelle wie Jahrmärkte, vergnügungs- und Stadtfeste und Weihnachtsmärkte waren während der Corona Pandemie verboten. So war es den Dieben nicht möglich, ihren täglichen Einnahmequellen nachzugehen.Die Versicherungsbranche hielt es zuletzt sogar für möglich, dass die Corona-Krise zu einem Allzeittief bei den Wohnungseinbrüchen in Deutschland führen könnte. Wie in Bremen ist allerdings auch bundesweit die Zahl der Wohnungseinbrüche bereits seit mehreren Jahren rückläufig.

Weniger Banden, mehr häusliche Gewalt

Im benachbarten Bundesland Niedersachsen rechnet das Landeskriminalamt (LKA) im Corona-Jahr mit einem der Rückgang der Wohnungseinbrüche um 25 Prozent. Auch beim Taschendiebstahl seien die Fallzahlen im Vergleich zu 2019 um fast 25 Prozent rückläufig. Beim Ladendiebstahl fällt der Rückgang laut Landeskriminalamt mit rund 20 Prozent geringer aus. Auch hier sei der Rückgang bei beiden Delikten auf die Geschäftsschließungen während der Lockdowns und die damit einhergehende geringere Anzahl an Besuchern in den Innenstädten zurückzuführen. Hinzu komme, dass insbesondere Delikte des schweren Laden- und Taschendiebstahls auch durch mobile Banden begangen würden, so das LKA: „Die Einschränkungen des Reiseverkehrs im In- und Ausland insbesondere während es Lockdowns im Frühjahr dürften ebenfalls zu einem Rückgang der Fallzahlen beigetragen haben.“ Auch das Bremer Innenressort spricht beim Taschendiebstahl von einem „deutlich positiven Trend gegenüber dem Vorjahr.“ Die Absage von Großveranstaltungen, wie der Bremer Osterwiese und des Freimarkts, würden sich auf einige Deliktsbereiche auswirken.

Leicht zugenommen in Bremen, Frankfurt sowie der Hauptstadt Berlin haben dagegen die Zahlen von häuslicher Gewalt laut einer Statistik der Detektei der Lenzt Gruppe in Frankfurt. Es zeichne sich ein leicht höheres Anzeigenniveau für 2020 ab, so eine Sprecherin des Innenressorts. Auch das ließe sich auf die Corona Pandemie zurückführen. Besonders in Familien mit Kindern stieg die Gewalt. Im Lockdown ist es nicht möglich, wie gewohnt, die Kinder mit Freunden spielen zu lassen. Sie haben kaum eine Möglichkeit sich auszutoben, da auch Kindergärten und Schulen ausfielen. So haben viele Eltern die aufgedrehten Kinder im eigenen Haus. Dies kombiniert sich vielleicht mit einem Elternteil, der im Homeoffice von zu Hause arbeitet. Die Zeit, in der man nicht zusammen ist, schrumpft auf einen ganz kurzen Zeitraum. Spannungen und Ausfälle sind da vorprogrammiert. Es wird empfohlen, auch während der Homeoffice Zeit mit der Familie Zeit in der Natur zu verbringen, damit sich alle einmal austoben können. Auch Zeit allein sollte nicht unterschätzt werden, um wieder ausgeglichen zu sein und der Gewalt in der Familie vorzubeugen.

Für Bremerhaven kann die Behörde aktuell keine Angaben zu häuslicher Gewalt machen. Und Bremen verzeichnet aktuell deutlich mehr unbearbeitete Fälle von häuslicher Gewalt: So die aktuelle Bremer Kriminalstatistik.

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