vonkritisch betrachtet 28.10.2020

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

Mehr über diesen Blog

Wenn wir nach den Gewinnern der Pandemie suchen, dann müssen nicht allein die Hersteller von Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln, sondern auch die Paketzusteller und Lieferdienste genannt werden …

Tatsächlich ergab eine Studie, dass jeder Deutsche pro Jahr durchschnittlich 44 Pakete bekommt. Damit liegen wir in etwa gleich auf mit China und den USA. Ein Trend, der viele mit Sorge erfüllt, denn gleichzeitig mit dem Boom des Online-Handels und der Lieferdienste beginnen viele Innenstädte zu veröden. Das war schon vor Corona so, doch im Zuge der Pandemie dürfte sich der Trend nochmals verstärken. 

Versetzt die Pandemie dem stationären Handel den Todesstoß?

So befürchten viele Experten spätestens im ersten Quartal 2021 eine gigantische Pleitewelle. Betroffen dürften hier viele verschiedene Branchen sein – angefangen bei Fitness- und Yoga-Studios bis hin zu Boutiquen und Dienstleistern. Denn auch viele Handwerker klagen ja darüber, dass sie Kunden aus Sorge vor einer Infektion nur noch ungern in die Wohnung oder das Haus lassen.

Völlig unbeeindruckt von der Krise zeigt sich dagegen der Online Handel, der boomt, wie selten zuvor. Und das quer durch sämtliche Branchen. Von Elektroartikeln über Mode bis hin zu Möbeln und Lebensmitteln, die ebenfalls vermehrt im Internet gekauft werden. Fast jede Branche legte online zu. Verbunden mit der Folge, dass immer mehr Pakete verschickt werden.

Der Paket-Boom und seine Folgen

Tatsächlich sucht die Branche händeringend nach Fahrern, während die Beschwerden über mangelhafte Zustellungen und einen rüden Umgang mit der anvertrauten Ware gleichzeitig zunehmen. Im Umkehrschluss beklagen sich Paketboten darüber, dass Sendungen bestellt werden, dann jedoch niemand zu Hause ist. Hier sind also, ebenso wie für den stationären Handel, innovative Lösungen gefragt. Denn der dürfte oftmals nur mit einem gekonnten Mix aus Ladenlokal plus Internetvermarktung (s) eine Chance haben.

Ein Weg, den etliche Boutique-Betreiber in der Krise einschlugen, um während des Lockdowns überhaupt noch Umsatz zu generieren. Ein Absatzweg, der sich für viele durchaus bewährt hat und dann – logischerweise – auch mit der schrittweisen Wiedereröffnung der Läden weiter verfolgt wurde. Denn gerade jetzt, wo das Infektionsgeschehen erneut ansteigt, scheuen viele Menschen nicht notwendige Shopping-Touren und kaufen stattdessen lieber online ein. Sicherlich gerne auch bei ihrem Händler vor Ort, wenn der einen Online Versand seiner Waren anbietet?

Deutschland im weltweiten Vergleich

Übrigens liegen wir, mit unseren durchschnittlich 44 Paketen jährlich pro Bundesbürger, bei weitem nicht an der Spitze. In Großbritannien kommen nämlich 57 Sendungen pro Kopf Jahr für Jahr bei den Bewohnern an. In Japan sogar 72. Nicht nur der Online-Handel, sondern auch die Paket- und Zustelldienste boomen also. In der Krise mehr denn je zuvor. Und das weltweit. Spätestens das Weihnachtsgeschäft dürfte die Nachfrage nach Produkten aus dem „Netz“, aber auch den Run auf fähige und zuverlässige Fahrer, dann nochmals befeuern. Wobei Weihnachten, zumindest für die stationären Handel, heuer offenbar „vorverlegt“ wurde. 

Denn hier, in den Innenstädten, ist das Weihnachtsgeschäft vielerorts bereits in vollem Gang. Offenbar fürchten nämlich etliche Menschen einen nochmaligen Lockdown – und decken sich demzufolge früher als sonst mit Geschenken und Dekor-Artikeln ein.

Wird Weihnachten vorverlegt?

Tatsächlich fordern bereits die ersten Politiker, das Weihnachtsgeld in diesem Jahr früher auszuzahlen, um so den Menschen (noch) die Gelegenheit zu einem Einkauf vor Ort zu geben. Dies würde in der Tat dann vornehmlich den Einzelhandel stärken und die vermutlich dramatischen Folgen eines nochmaligen Lockdowns für die ortsansässigen Händler ein wenig abfedern. Denn die könnten dann bereits jetzt ihre Umsätze generieren, ehe diese – durch drohende erneute Ausgangssperren – wegbrechen und dann unweigerlich dem Online-Handel anheim fallen.

Doch auch aus medizinischer Sicht könnte diese Maßnahme  durchaus interessant sein: Schließlich ließe sich so, durch ein Vorverlegen der Einkäufe, der große Ansturm und das übliche Gedränge in den adventlichen Innenstädten ein wenig entzerren und damit dann auch das Infektionsgeschehen ausbremsen. Immer vorausgesetzt, es gelingt überhaupt, einen Lockdown bereits in den nächsten Tagen zu vermeiden!

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/kritisch/die-gewinner-der-coronakrise-sind-nur-teilweise-eine-ueberraschung/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.