vonkritisch betrachtet 24.05.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Am Immobilienmarkt löste die Pandemie Besorgnis aus. Die Preise steigen laut einer aktuellen Studie dennoch weiter. Bei den Präferenzen gibt es jedoch Verschiebungen. Demnach sind Metropolen out. In diesem Bericht erfährt der Eigentumsbesitzer und Kaufinteressierte mehr zum neuen Trend.

Zu Beginn der Corona-Krise hatten zahlreiche Experten bezüglich steigender Immobilienpreise noch ein Ende von dem Trend erwartet. Schließlich hätte es niemanden verwundert, wenn aufgrund Einkommensperspektiven und hoher Jobunsicherheit Interessenten den geplanten Immobilienkauf zumindest kurzfristig verschoben hätten und die Wohnimmobilienpreise als Folge etwas nachgegeben hätten. Allerdings legten die Preise für Häuser und Wohnungen in über 94 Prozent aller deutschen Städte und Landkreise im letzten Jahr nochmals zu. Aktuelle Ergebnisse von der Studie „Postbank Wohnatlas 2021“, die jährlich erscheint, zeigen diesen Umstand auf. Auch wenn die deutsche Wirtschaft eingebrochen ist, wird Wohneigentum trotzdem teurer. Im Corona-Jahr 2020 lagen daher in allen Großstädten mit mindestens 100.000 Einwohnern die Preise im Vergleich zum Jahr zuvor im Durchschnitt um 9 Prozent höher. Wohnraum in den deutschen Metropolen ist weiterhin besonders kostspielig. 

Die teuersten Großstädte in Deutschland

München bleibt das teuerste Pflaster. Käufer müssen an keinem anderen Ort in Deutschland für den Quadratmeter so viel Zahlen wie in der bayerischen Landeshauptstadt. Um weitere 6,1 Prozent stieg der Preis für Eigentumswohnungen gegenüber dem Jahr zuvor. 2020 lag der Preis im Durchschnitt bei 8.613 Euro. Unter den Großstädten beansprucht den zweiten Rang Frankfurt am Main. Pro Quadratmeter müssen Interessenten im Schnitt mit 6.050 Euro rechnen. Im Ranking rangiert Hamburg beim Quadratmeterpreis auf Platz drei mit 5.569 Euro. Die Hansestadt liegt damit vor Berlin, wo pro Quadratmeter die Wohnungspreise im Durchschnitt 4.973 Euro kosten. Prozentual verbuchten im Jahr 20202 Hamburg und Düsseldorf die größten Preissprünge. In beiden Städten summierte sich das Plus durchschnittlich auf über neun Prozent. Der Kaufpreisanstieg in Prozent fiel jedoch in den anderen Metropolen ein wenig moderater aus. Der Höhenflug scheint vor allem in Berlin und Frankfurt etwas gebremst zu sein. Im Jahr 2019 waren in Deutschlands Bankenmetropole die Preise noch mit etwa 11 Prozent und um ungefähr 10 Prozent in der Hauptstadt in die Höhe geschossen. Allerdings waren es im Jahr 2020 „lediglich“ 5,9 sowie 6,7 Prozent.

Regionen auf dem Land gewinnen an Beliebtheit

Ob beim prozentualen Preisanstieg sich dieser kleine Dämpfer ebenfalls in anderen Metropolen in den nächsten Jahren fortsetzen wird, muss abgewartet werden. Immobilienexperten beobachten allerdings schon länger, dass aus den Großstädten immer mehr Menschen in das Umland sowie in ländlichere Regionen ziehen, sodass in den dicht besiedelten Großstädten der Druck ein wenig nachlässt. Diesen Trend dürfte die Corona-Pandemie nun noch einmal beschleunigen. Die Leiterin des Immobiliengeschäfts Postbank, Eva Grunwald, bestätigt das. Die Menschen hätten in der Corona-Krise die Erfahrung gemacht, dass es schnell eng werden könne in der Stadtwohnung und im Lockdown das urbane Trendviertel nicht mehr sehr reizvoll erscheine. Deshalb würden sich viele danach sehnen, die Metropole hinter sich zu lassen.

Angrenzende Landkreise an Großstädten besonders teuer

Für die Provinz ist die Folge, dass in einigen ländlichen Regionen die Kaufpreise im Jahr 2020 schon stärker als die Großstädte zulegten. Wohnungen und Häuser im Speckgürtel von den Metropolen wie zum Beispiel Berlin sind besonders gefragt und werden deshalb immer teurer. Wenn jemand an solchen Orten im Besitz eines Eigentums ist, konnte er sich über üppige Wertsteigerungen im Jahr 2020 freuen. Die Kaufpreise legten demnach in allen acht Landkreisen, die an Berlin angrenzen, zweistellig zu. Besonders gestiegen sind die Kaufpreise im Landkreis Potsdam-Mittelmark mit etwa 25 Prozent Plus und Landkreis Oberhavel mit ungefähr 23 Prozent Preisanstieg.

Bayern dominiert bei den teuersten Landkreisen

Fast ausnahmslos finden sich Deutschlands teuerste Landkreise im Süden der Bundesrepublik. Neun bayerische Landkreise sind unter den Top Ten. Für den Quadratmeter müssen Kaufinteressenten hier tief in die Tasche greifen.Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Wohneigentum hat in allen zehn Kreisen die 5.000-Euro-Grenze geknackt. Obendrein liegen vier der Landkreise sogar über 6.000 Euro. Diese Landkreise liegen nahezu alle in Münchens Speckgürtel, doch sie sind zumindest preiswerter als München selbst.

Feriendomizil nach wie vor gefragt

Allerdings findet sich der Landkreis, der bundesweit am teuersten ist, nicht in Bayern. Zum Landkreis Nordfriesland gehören unter anderem beliebte Urlaubsinseln wie zum Beispiel Sylt, Amrum, Föhr oder Ferienorte wie beispielsweise St. Peter Ording. Im vergangenen Jahr kostete dort der Quadratmeter durchschnittlich 6.796 Euro.Demnach zeigt dieses Beispiel, dass die Nachfrage nach einem Feriendomizil trotz Corona ungebrochen ist. Allerdings wird der Markt für Einheimische vermehrt problematisch, da eine bezahlbare Bleibe kaum noch auffindbar ist.

Vergleichsweise preiswertes Eigentum

Verbraucher finden hingegen günstigere Kaufobjekte in den so genannten Mittelstädten. Die Immobilienexpertin Grunwald sagt, dass die kleineren Zentren oftmals kurze Wege, gute Infrastruktur, attraktive Objekte und hohe Wohnqualität zu vergleichsweise noch günstigen Quadratmeterpreisen bieten würden. Im Jahr 2020 mussten Interessenten dennoch im Vergleich zum Jahr 2019 vor der Krise deutlich mehr investieren. In Städten mit etwa 20.000 bis 100.000 Einwohnern stiegen die Preise um maximal 27 Prozent.

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