vonkritisch betrachtet 11.03.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Die Börse schätzte zum Beginn der Trump-Regierungszeit die große Macht der Republikaner. Inzwischen feiern die Anleger die Demokraten. Allerdings rückt die Regulierung für Tech-Werte wie zum Beispiel Amazon & Co. In den Blick. Nicht nur politisch steht Amerika wegen der Geschehnisse in Washington derzeit im Mittelpunkt. Aufgrund der Präsidentschaft von Joe Biden und den Demokraten, die nun über den Senat der USA die Kontrolle haben, nehmen zahlreiche Finanzmarkt-Experten an, dass der Weg mittlerweile frei ist für die neue Regierung mit Joe Biden, den geplanten Gesetzgebungsprogramm umzusetzen.

Jetzt dürfte Klarheit für die Amerikaner herrschen, wohin in Amerika die Reise geht. Von der Investmentgesellschaft Janus Henderson schätzt Paul O´Connor, dass sich die Finanzmärkte in den Vereinigten Staaten kurzfristig an geplanten Konjunkturprogrammen und langfristig an den Steuererhöhungen ausrichten würden und sich die Börse oft nach den US – Präsidenten richtet. Der Anlageprofi ergänzt, dass sich die Aufmerksamkeit der Anleger neben einer Fiskalpolitik ebenfalls auf andere Bereiche der Politik der Demokraten richten würden, wie zum Beispiel Mindestlohnerhöhungen, Infrastrukturausgaben und für zahlreiche Schlüsselindustrien regulatorische Maßnahmen.

Linksruck wird nicht erwartet

Von der Privatbank Donner & Reuschel glaubt der Chefvolkswirt Carsten Mumm auch nicht, dass es in der amerikanischen Politik einen extremen Linksruck geben wird aufgrund der im Repräsentantenhaus spürbar geschrumpften Mehrheit der Demokraten und der geringen Mehrheit im Senat. Mumm sagt, dass damit für die Börsen der beste Fall eingetreten sei, denn es könne zur Stimulierung der Wirtschaft mit einem größeren weiteren Fiskalpaket gerechnet werden. Für Aktien hingegen seien die Folgen laut O´Connor weniger eindeutig, weil der vermutete BIP-Anstieg ein wenig beeinträchtigt werde durch stärkere regulatorische Eingriffe und mögliche erhöhte Steuern. Dabei sollten sich Value-Aktien und zyklische Werte im Großen und Ganzen im Vergleich zu Momentum-Aktien, zahlreiche Corona-Gewinner und Wachstumswerten besser entwickeln, schätzt er ein. Die Aussicht auf höhere Anleihenrenditen, Bedenken gegenüber regulatorischen Eingriffen und höhere Unternehmenssteuern würden laut dem Fachmann am stärksten auf den Technologie-, Kommunikations- und Medienriesen lasten. Seit Monaten werden jedoch eben von diesen Aktien die Börsen-Indizes in Amerika dominiert. 

O´Connor teilt mit, dass sich seit dem August im letzten Jahr die amerikanischen Aktien deutlich schlechter entwickelt hätten als der Weltmarkt. Die Investmentgesellschaft Janus Henderson gehe davon aus, dass sich durch den Sieg der Demokraten dieser Trend fortsetzen werde, das eine Rotation von den Aktien in Amerika zu Europa und den Schwellenländern begünstige. Allerdings ist es an den Finanzmärkten nichts Neues, dass bei den großen Big-Tech-Konzernen eine striktere Regulierung drohe. Erst einmal dürfte dieser Umstand langfristig orientierte Anleger jedoch nach wie vor nicht abschrecken. Schließlich dürfte noch etwas Zeit vergehen, bis es zu einer Regulierung komme. Daher könne mit den großen Tech-Aktien an der Börse noch Geld verdient werden.

Amazon ist hierfür das beste Beispiel. Immer mehr entwickelt sich der Konzern weg vom klassischen Online-Händler. Amazon will immer mehr die Logistik der Warenauslieferung selbst in die Hand nehmen und sich unabhängiger von externen Dienstleistern wie zum Beispiel der Deutschen Post machen. Der Konzern kaufte von den Fluggesellschaften WestJet und Delta vor Kurzem elf Maschinen des Typs Boeing 767-300 und möchte die Flugzeuge zu Frachtmaschinen umbauen. Für die Logistik hatte Amazon bisher geleaste Maschinen genutzt. Die elf gekauften Flugzeuge sollen ab 2022 zu der Amazon-Flotte gehören, die Geschäfte verbessern und den Aktienkurs noch weiter steigen lassen sollen. Wer vor zehn Jahren als Anleger in Amazon 10.000 Euro investierte, der kann heut auf über 185.000 Euro Depotgröße blicken. Es ist aufgrund der Charttechnik von Amazon zudem nicht zu befürchten, dass sich diese Entwicklung der letzten Jahre bald ändern wird. Hierbei steht Amazon für die großen Tech-Aktien aus Amerika nur stellvertretend.Erst einmal dürften solche gut laufenden Aktien für Anleger im Depot Trumpf bleiben. Ein Anleger sollte also „Gewinne laufen lassen“, er sollte abwarten und schauen, was mit einem Blick auf regulatorische Eingriffe am Ende wirklich passiert. Außerdem könnte ein Anleger wie Marktexperte O´Connor über den Tellerrand der eigenen Depots blicken und auch ein Auge haben auf Aktien aus Europa und Schwellenländer, was nie ein Fehler ist.

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