vonkritisch betrachtet 30.11.2020

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Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Der britische Gesundheitsminister kommentiert das Ergebnis der Tests von Astra-Zeneca als „fantastisch“. Andere sprechen hingegeben von einem Reinfall bei einer Wirksamkeit von lediglich 62 Prozent. Schauen wir diese kontroversen Ansichten etwas genauer an. In Kooperation mit der Oxford Universität entwickelte Astra-Zeneca ein Vakzin gegen Covid-19. Nun gibt es erste Daten die, die Wirksamkeit belegen sollen. Konkurrenzprodukte zeigen nach ersten Daten und Tests eine Wirksamkeit von 95 Prozent. Der in Großbritannien entwickelte Impfstoff hingegen ist lediglich mit 70 Prozent angegeben. In Anbetracht dieser Tatsache, sieht dies tatsächlich nach einem Reinfall aus. Doch nicht „fantastisch“? 

Unterschiedliche Dosierung beeinflusst die Wirkung

Astra-Zeneca experimentiert mit unterschiedlichen Dosierschemas. Im ersten Durchgang wurde im Abstand von einem Monat zunächst eine halbe Dosis und dann eine komplette Dosis den 131 Probanden verbreicht. Laut dem Pharmakonzern stellte sich dabei eine Wirksamkeit von 90 Prozent ein. Der zweite Versuch beinhaltet zwei Mal die komplette Dosis des Impfstoffes zu injizieren und dabei ebenfalls einen Abstand von einem Monat einzuhalten. Überraschender Weise wurde hier eine Wirksamkeit von lediglich 62 Prozent erreicht. Zwar ist das Mindestmaß an Wirksamkeit von 50 Prozent erreicht, welches von der WHO vorgegeben wird, jedoch ist dieses Ergebnis nicht zufriedenstellend. In der Kombination beider Versuche ergibt sich somit eine Wirksamkeit von 70 Prozent. Dies sind deutliche Abstriche zu Konkurrenzprodukten. Andrew Pollard, Studienleiter, beurteilt die Ergebnisse und die Wirksamkeit des Impfstoffes im Kampf gegen Covid-19, aufgrund des ersten Versuchs, mit einer „wirksamen Impfung, die viele Leben retten wird.“

Besser als die Kokurrenz?

Aufgrund der 90 prozentigen Wirksamkeit, kommt der Impfstoff von Astra-Zeneca nahe an die Konkurrenz. Der Biotechkonzern Moderna Daten, hat genauso wie Biontech und Pfizer, bei deren Impfstoff, eine Wirksamkeit von 95 Prozent angegeben. Damit die liegen diese Pharmakonzerne knapp vor dem britischen Pharmariesen. Dennoch bringt der Impfstoff von Astra-Zeneca einige Vorteile mit, die nicht von der Hand zu weisen sind. Diese betreffen die Herstellung, die Lieferung und die Lagerung. Im Jahr 2021 sollen nahezu 3 Milliarden Impfdosen bereitgestellt werden können, so der Konzern. Im Vergleich verspricht der Konkurrent Moderna lediglich 1 Milliarde seines Impfstoffes zu produzieren. Biontech und Pfizer geben Produktionsmöglichkeiten in diesem Jahr mit 50 Millionen und im kommenden Jahr mit 1,3 Milliarden an. Nach den nackten Zahlen und den Versprechungen der Firmen, hat damit der britische Pharmakonzern eindeutig die Nase vorn. Kein Wunder das sich Matt Hancock, der britische Gesundheitsminister, bereits „10 Millionen Dosen bestellt hat. Die Auslieferung soll zum Großteil im nächsten Jahr erfolgen“, wie Sky News berichtet. Ebenso haben sich viele andere Regierungen bereits einen Anteil am Impfstoff mit Vorbestellungen der Dosen in Millionenhöhe gesichert. Zu den Bestellern gehört ebenfalls die Europäische Kommission, auch hier wurde bereit ein Kaufvertrag unterschrieben. 

Neben der vorhergesagten Produktionshöhe bietet Astra-Zeneca weitere Vorteile, was zum Beispiel den Transport betrifft, wie der Hersteller mitteilt. Beim Transport muss lediglich eine Temperatur von zwei bis acht Grad eingehalten werden. Die Lagerung ist bis zu einem halben Jahr im normalen Kühlschrank möglich. Die Impfstoffe der Konkurrenz wurden mit einer anderen Technologie hergestellt, weshalb die Lagerung und der Transport sich sehr unterscheiden. Bei Moderna zum Beispiel ist eine Lagerung für ein halbes Jahr nur bei minus 20 Grad möglich. Im Kühlschrank hält er sich lediglich einen Monat. Bei Biontech und Pfizer ist die Lagerung im Kühlschrank nur fünf Tage möglich und beim Transport müssen sogar minus 70 Grad gewährleistet werden. Weshalb das Astra-Zeneca Vakzin deutlich an Punkte gewinnt, wie der Hersteller angibt. 

Eiltempo zur Zulassung

Der nächste Schritt für jeden möglichen Impfstoff ist die Zulassung. In Amerika wie auch in Europa hat Biontech und Pfizer Ende letzter Woche die Notfallzulassung beantragt. Alle relevanten Daten wurden bereits eingereicht. Bei Astra-Zeneca ist der Antrag zur beschleunigten Zulassung der nächste Schritt. Die aufgezeichneten Daten stehen bereit und können an den relevanten Stellen eingereicht werden. Für die Zulassung sind die Nebenwirkungen ein wichtiger Faktor. Bisher wurden bei keinem Produkt große Nebenwirkungen beobachtet. Biontech und Pfizer wie auch Moderna hat seinen Impfstoff jedoch bereits an deutlich mehr Personen getestet, weshalb die Aussagen bezüglich der Nebenwirkungen bei diesen beiden Firmen aussagekräftiger sind. Jedoch gab es auch beim britischen Pharmariesen keine großen Nebenwirkungen zu beobachten. 

Welcher Impfstoff macht das Rennen?

Moderna, Biontech und Pfizer oder doch Astra-Zeneca? Oder doch einer der anderen Forscher, die im Wettrennen um den Impfstoff stehen? Das bleibt sicherlich abzuwarten. Klar jedoch ist, dass bei allen bereits große Fortschritte erzielt wurden. Zahlen sollten, wie im Fall Astra-Zeneca deutlich wurde, hinterfragt werden, um eine genau Auskunft über die Wirksamkeit des Impfstoffes zu erhalten. Der Vorstandschef von Astra-Zeneca, Pascal Soriot, beteuert: „Die Wirksamkeit und Sicherheit dieses Impfstoffs bestätigt, dass er hochwirksam gegen Covid-19 sein wird.“  Wir hoffen diese Aussage trifft zu und eins der verschiedenen Produkte dämmt das Virus ein und die Epidemie Covid-19 gehört der Vergangenheit an. 

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