vonkritisch betrachtet 19.03.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Junge Menschen und Corona – in den vergangenen Monaten wurde über kaum ein anderes Thema mehr diskutiert. Fragen wurden gestellt, ob die Treiber der Pandemie Kinder seien, oder wie es in den Kitas und Schulen mit dem Alltag weitergehe. Inzwischen ist jedoch klar: Mit dem Coronavirus infizieren sich Kinder und Jugendliche nicht nur seltener, sondern die meisten haben sogar eher einen milden Krankheitsverlauf oder weisen gar keine Krankheitsanzeichen auf – im Gegensatz zu Erwachsenen. Aufgrund dieser Tatsachen wird nun jedoch eine weitere Frage gestellt: Sollten junge Menschen gegen Covid-19 überhaupt geimpft werden?

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Prof. Jörg Dötsch, meint ja. Es bestehe sowohl hinsichtlich des Individualschutzes als auch hinsichtlich des Bevölkerungsschutzes die Notwendigkeit, so bald wie möglich Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zu impfen, teilt er dem Science Media Center (SMC) mit. 

Jugendliche häufiger von Covid-19-Infektionen betroffen

Vor Kurzem hatten Studiendaten aus Israel zum Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer nahegelegt, dass der Impfstoff Geimpfte vor einer schweren Corona-Infektion schützt und sogar verhindert, dass die Geimpften an andere das Virus übertragen. Langfristig könnte somit in der Bevölkerung eine Herdenimmunität aufgebaut werden. Den Bevölkerungsschutz könnte eine Impfung von Kindern und Jugendlichen verstärken.Eine Impfung würde zudem einen Individualschutz bieten. Zwar ist für junge Menschen mehrheitlich das Coronavirus weniger gefährlich, doch in einigen Fällen kann es zu schweren Krankheitsverläufen führen. Außerdem verdichten sich zugleich die Beobachtungen, dass der Virus bei Kindern MIS-C (Multisystem Inflammatory Syndrome in Children), was eine Entzündungskrankheit ist, verursachen kann. 

Vom Universitätsklinikum Würzburg beobachtet der Leiter des Bereichs pädiatrische Infektiologie und Immunologie, Prof. Johannes G. Liese außerdem, dass in den vergangenen Monaten die Zahl der Corona-Infektionen insbesondere bei Jugendlichen, aber ebenso Schulkindern, gestiegen sei. Er sagte dem SMC, dass es nicht auszuschließen sei, dass sich zukünftig das Virus ebenfalls effektiver in der Gruppe der Kleinkinder verbreiten könne. 

Ab Herbst wahrscheinlich Impfstoffzulassungen für Kinder

Es ist jedoch nicht bekannt, wann erste Kinderimpfstoffe eingeführt werden. Hierbei geht der Virologe Christian Drosten (von Berliner Charité) davon aus, dass erst ab Herbst mit entsprechenden Zulassungen zu rechnen sei. Voraussetzung sei natürlich, dass die Vakzine die klinischen Studien erfolgreich durchlaufen würden. Anfang Februar prognostizierte Drosten im NDR-Podcast, dass es um das Thema Kinder impfen sicherlich noch eine separate Debatte geben würde. 

Es ist nicht ungewöhnlich, dass es für Kinder und Jugendliche noch keine Impfstoffe gibt. Die Vakzine müssen schließlich mit den jeweiligen Altersgruppen zuerst klinische Studien durchlaufen. DGKJ-Präsident Dötsch weiß, dass diese besonderen Herausforderungen unterliegen. Dafür sei der Grund, dass es bei jeder klinischen Überprüfung natürlich bei Menschen in die körperliche Unversehrtheit zu einem potenziellen Eingriff komme und diese Menschen könnten die Tragweite nicht ersehen. Der Pädiater sagte der SMC, dass deshalb vor der Testung eines Impfstoffes oder Arzneimittels bei jungen Menschen eine besonders strenge Prüfung von den ethischen Voraussetzungen angezeigt sei. Demnach müssten Impfstoffhersteller darlegen, dass es zur Testung keine Alternative gebe und wie die Unternehmen mit möglichen unerwünschten Ereignissen umgehen werden.

Klinische Prüfung der Vakzine für Kinder und Jugendliche

Unter anderem geht es bei den klinischen Studien darum, abzuklären, wie hoch bei den Impfstoffen die Dosis sein muss, damit sie bei Kindern und Jugendlichen verträglich und wirksam sind. Der pädiatrische Pneumologe vom Katholischen Klinikum Bochum, Folke Brinkmann, sagte dem SMC, dass es auch wichtig wäre, in die Impfstudien Kinder mit Vorerkrankungen (zumindest in die Phase-III-Studien) einzubeziehen, da für diese eine Impfung besonders sinnvoll sei.

Klinische Studien mit jungen Menschen haben Impfstoffhersteller wie zum Beispiel Astrazeneca, Moderna und Biontech bereits gestartet. Moderna zum Beispiel testet in den USA sein mRNA-Vakzin an Jugendlichen von zwölf bis 17 Jahren. Im Februar sollen erste Ergebnisse vorliegen und an die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) direkt übermittelt werden. Bislang ist der Biontech-Impfstoff für Menschen ab 16 Jahren immerhin zugelassen. Im Oktober ist mit dem Impfstoff eine erste Studie an Kindern und Jugendlichen ab dem Alter von zwölf Jahren gestartet, bei den noch Jüngeren sollen Studien folgen. Zudem müsste die Ständige Impfkommission einen Kinderimpfstoff, der von der EMA zugelassen ist, bewerten.

Ein Off-Label-Use wäre alternativ auch möglich – also ohne eine vorherige klinische Prüfung den Impfstoff gegen Covid-19 einzusetzen. Viele Mediziner lehnen das jedoch ab. Der Präsident vom DGKJ Dötsch betont, dass es notwendig sei und war, bei jeder neuen Impfung Studien in den Altersgruppen durchzuführen, bei denen eine Impfung vorgesehen sei. Sobald es für Kinder und Jugendliche einen zuverlässigen Impfstoff gibt und die deutsche Bevölkerung weitgehend gegen Corona geimpft ist, kann der Alltag, so wie er vor der Pandemie war, wieder starten. Dann können auch wieder Feiern für Kinder und Jugendliche stattfinden. 

Taufen zur Corona-Zeit

Wenn für ein Kind zum Beispiel eine Taufe ansteht, dann werden günstige Einladungskarten wieder ausgesucht und an Freunde und Bekannte verteilt. Denn was sich jetzt die meisten Menschen wünschen, ist eine möglichst vollständige Rückkehr in das normale soziale Leben, so wie es vor der Corona-Pandemie war. Dazu gelten auch Feiern für Kinder und Jugendliche, die das soziale Leben besonders vermissen. Feiern, wie beispielsweise eine Taufe, mit einer Einladungskarte sollten dann Familie und Freunde erneut zusammenführen und in einer schönen, vertrauten Atmosphäre erlebt werden können. Vielleicht sind Impfungen für Erwachsene und bald auch für Kinder und Jugendliche ein Schritt zurück in die Normalität.

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