vonkritisch betrachtet 21.05.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Im Corona-Jahr 2020 wurden insgesamt 542.200 Neugründungen in Deutschland durchgeführt. Dabei wurden 116.700 Betriebe mit einer größeren wirtschaftlichen Bedeutung gegründet. Außerdem gab es 135.400 Gründungen von Kleinunternehmen sowie 290.100 Neugründungen von Nebenerwerbsbetrieben.

In welchen Branchen wird aktuell gegründet?

Eine Krise wie die Corona-Pandemie kann auch eine Chance bieten. In Deutschland nutzen einige Menschen aktuell diese Zeit, um ein Unternehmen zu gründen. Im dritten Quartal 2020 sind laut dem Startupdetector (Sitz in Berlin) insbesondere Start-Ups entstanden, die im Bereich Software (115 Neugründungen), Medizin (74 Neugründungen) sowie eCommerce (71 Neugründungen) tätig sind. Zudem wurde ebenfalls in der Lebensmittelbranche (65 Neugründungen), in der Industrie (42 Neugründungen) sowie im Finanzbereich (36 Neugründungen) weiterhin gegründet. Im Tourismussektor, der durch die Corona-Krise stark angeschlagen ist, sind nur 17 neue Unternehmen gegründet worden. In dem betrachteten Zeitraum sind dagegen in der Wissenschaft und in der Modebranche keine neuen Unternehmen entstanden. Im Bereich der Mobilität und Bildung kam es zu je 29 Neugründungen und im Bereich der Energie zu 19 neuen Startups.

Entwicklung für größere Betriebe 

In Deutschland wurden im Jahr 2020 etwa 116.700 Unternehmen gegründet, deren Beschäftigtenzahl und Rechtsform eine größere wirtschaftliche Bedeutung annehmen lassen. Wie nach vorläufigen Ergebnissen das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das im Vergleich zu 2019 sogar 4,5 Prozent weniger. Der beobachtete Trend bezüglich rückläufiger Gewerbeanmeldungen von größeren Betrieben setzt sich damit in den vergangenen drei Jahren fort. Die Entwicklung hat sich durch die Corona-Krise allerdings verstärkt. Im Jahr 2019 waren somit im Vergleich zum Vorjahr 0,1 Prozent weniger größere Unternehmen gegründet worden und im Jahr 2018 waren es im Vergleich zum Vorjahr 2,2 Prozent weniger. Beeinflusst werden die Ergebnisse des Jahres 2020 ab März 2020 durch eine merklich niedrigere Zahl der Gewerbeanmeldungen. Im Vorjahresvergleich gab es im Januar und Februar lediglich 2,3 Prozent weniger Gründungen von größeren Betrieben und dann von März bis Dezember 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 5,0 Prozent weniger Neugründungen. Für den deutlichen Rückgang seit dem Monat März sind die Gründe beispielsweise die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gewerbeämter selbst, wie beispielsweise Personalengpässe sowie die Einstellung des Besucherverkehrs. Es ist zum anderen davon auszugehen, dass wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit zahlreiche Gewerbetreibende vor einer Gewerbeanmeldung die weiteren wirtschaftlichen Entwicklungen abwarten.

Weniger Kleinunternehmen und mehr Nebenerwerbsbetriebe

Im Jahr 2020 lag die Zahl der neu gegründeten Kleinunternehmen mit etwa 135.400 merklich unter dem Vorjahreswert, der um 17,3 Prozent reduziert war. Die Zahl der Neugründungen von Nebenerwerbsbetrieben nahm dagegen auf ungefähr 290.100 um 10,2 Prozent zu. Im Jahr 2020 sank die Gesamtzahl von den Gewerbeanmeldungen auf etwa 658.800, was 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr waren. Neben Neugründungen von den Gewerbebetrieben zählen zu den Gewerbeanmeldungen ebenfalls Betriebsübernahmen (beispielsweise Gesellschaftereintritt oder Kauf), Umwandlungen (beispielsweise Ausgliederung oder Verschmelzung) sowie Zuzüge aus anderen möglichen Meldebezirken.

Auch vollständige Gewerbeaufgaben gehen zurück

Das Gewerbe gaben im Jahr 2020 etwa 87.800 Unternehmen mit einer größeren wirtschaftlichen Bedeutung vollständig auf. Im Vergleich zum Jahr 2019 waren das 11,2 Prozent weniger. Schon in den vergangenen fünf Jahren wurden Rückgänge gemeldet, doch nicht in einer Größenordnung wie von 2020. Im Jahr 2020 sank im Vergleich zum Jahr 2019 die Zahl von den aufgegebenen Kleinunternehmen um 20,8 Prozent auf 160.100. Die Zahl von den aufgegebenen Nebenerwerbsbetrieben sank um 6,2 Prozent auf ungefähr 177.500. Die Gesamtzahl von den vollständigen Gewerbeaufgaben war damit im Vergleich zu 2019 mit etwa 425.400 Unternehmen um 13,2 Prozent geringer. Es ist auch hier davon auszugehen, dass Konjunkturhilfen aufgrund der Corona-Krise sowie die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit von den Gewerbeämtern bei der Zahl der vollständigen Gewerbeaufgaben zu einem deutlichen Rückgang beigetragen haben.

Im Jahr 2020 war die Gesamtzahl von den Gewerbeabmeldungen mit etwa 538.600 im Vergleich zu dem Vorjahreswert um rund 11,8 Prozent geringer. Es handelt sich hierbei nicht ausschließlich um Gewerbeaufgaben, sondern ebenfalls um Umwandlungen, Fortzüge in andere Gewerbemeldebezirke oder Betriebsübergaben (beispielsweise Gesellschafteraustritt oder Verkauf).

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