vonkritisch betrachtet 13.04.2021

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Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Noch gibt es nicht für alle Menschen eine Impferlaubnis. Für Schwangere und Kinder laufen jedoch die Studien. Wann kommen diese an die Reihe? Wird es außerdem Ausnahmen geben?

In Deutschland wird gegen Corona geimpft. Zuerst wurden besonders alte Personen und in Pflegeheimen lebende Menschen geimpft. Dann kamen Pflegende an die Reihe und kurz darauf Menschen, die mit dem Corona-Virus Infizierten arbeiten. Als Nächstes sind Lehrerinnen und Lehrer dran und zahlreiche weitere Gruppen aus der Bevölkerung warten schon auf den Impftermin. Zwei Personengruppen aber fehlen, schon Monate nach dem Beginn der Impfungen: Kinder und Schwangere. Eine Impferlaubnis gibt es für diese noch nicht. Viele von ihnen könnten eine Impfung jedoch sehr gut gebrauchen. 

Vor allem Schwangere gehören zu den Risikogruppen. Für sie und ihre ungeborenen Kinder könnte eine Infektion mit dem Corona Virus im Vergleich zu anderen gefährlicher werden. In der Schwangerschaft kann eine Covid-19-Infektion bestimmte Schwangerschaftskomplikationen verursachen, zum Beispiel Frühgeburten. Eine Corona-Infektion kann bei Schwangeren im Vergleich zu anderen Erwachsenen schwerer verlaufen und diese ist wahrscheinlicher (insgesamt aber auch selten) tödlich. Die ständige Impfkommission (Stiko) Deutschlands empfiehlt deshalb, dass enge Kontaktpersonen geimpft werden, damit Schwangere indirekt vor dem Virus geschützt werden.

Allerdings gibt es auch unter Kindern Risikogruppen. Beispielsweise, weil sie einen Immundefekt haben oder eine beeinträchtigte Lungenfunktion. Lediglich Jugendliche ab 16 dürfen bisher von dem BioNTech-Impfstoff eine Impfung erhalten. Demnach sind die anderen Impfstoffe lediglich für Erwachsene zugelassen. Impfungen sind in der Zwischenzeit ausschließlich in speziellen Fällen möglich.

Zu wenig Studiendaten für eine Impfung

Aus welchem Grund gibt es bislang für Kinder und Schwangere noch keinen Impfstoff? Der Grund hierfür ist nicht, dass diese Impfstoffe bei Schwangeren nicht funktionieren oder gar Schaden verursachen können. Vielmehr weiß die Wissenschaft zu wenig darüber – das bedeutet, dass Studiendaten fehlen.Besonders aufwendig sind Studien an Schwangeren und Kindern, sie kosten im Vergleich zu anderen Studien mehr Zeit und zudem müssen sie sorgfältig geplant werden. Aus diesem Grund wurden diese zunächst aussortiert. Schließlich sollte es schnell gehen mit dem Impfstoffen. Die Impfstoffhersteller mussten das erste Etappenziel möglichst schnell erreichen: eine vorläufige Zulassung, damit viele Menschen so schnell wie möglich gegen das Coronavirus geschützt werden.

Hersteller müssen deshalb derzeit nur in der erwachsenen Bevölkerung die Sicherheit und Wirksamkeit nachweisen. Anschließend wird für diese Personengruppe die Zulassung erteilt, während Schwangere, Jugendliche, Kinder und ebenso Menschen mit speziellen Erkrankungen (zum Beispiel Immunschwäche), immer noch warten müssen. Die ersten Zulassungen waren deshalb lediglich nach einem Jahr Corona-Krise überhaupt möglich.Das läuft in nicht pandemischen Zeiten anders ab: In solchen Fällen werden deutlich mehr Studien gefordert und diese beziehen dann Kinder und Schwangere direkt mit ein. Natürlich dauert das dann länger.

Es gibt demnach inzwischen einiges aufzuarbeiten. Allerdings passiert das bereits. Längst haben BioNTech, AstraZeneca und Moderna an Kindern Studien angemeldet. In der ersten großen Zulassungsstudie hatte BioNTech 12 bis 15 Jahre alte Jugendliche bereits mit eingeschlossen. Noch steht jedoch die Veröffentlichung der Ergebnisse aus. Zudem planen gerade AstraZeneca und Moderna an noch Jüngeren Tests – dabei soll eine Studie von Moderna Kinder ab sechs Monaten sogar berücksichtigen. Von Johnson & Johnson, bei dem erst Anfang März der Impfstoff in der EU zugelassen wurde, sowie BioNTech sind außerdem in den Studienregistern Studien an Schwangeren zu finden.

Da aktuell für Säuglinge und Kleinkinder kein Impfstoff zur Verfügung steht, sollten Eltern besonders auf die Kleinen achten. Falls für das Kleinkind noch ein Kinderwagen genutzt wird, sollten die Eltern die Kleinen bei kaltem Wetter immer gut kleiden und diese warm halten, damit die Immunabwehr der Kinder nicht geschwächt wird, da diese frieren. In solchen Fällen kann ein Fußsack, der entsprechend der Jahreszeit gefüttert oder leicht wärmend ist, genutzt werden. Demnach sind sinnvolle Maßnahmen bei kleinen Kindern, die derzeit noch nicht geimpft werden können, sinnvoll.Die Impfstoffe werden mittlerweile auch für Personen, die besondere Erkrankungen (zum Beispiel eingeschränktes Immunsystem) aufweisen, getestet. Auf eine Impferlaubnis gegen das Coronavirus müssen diese ebenfalls immer noch warten.

Hierbei ist es schwer abzuschätzen, wann die Ergebnisse so weit zufriedenstellend sind, dass die bestehende Zulassung erweitert werden kann. In einer Stellungnahme im Februar erklärt die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, dass sie für den Sommer oder Herbst 2021 auf eine Zulassung hoffe. Das sollte zumindest möglich sein für erste Altersgruppen, die unter 16 Jahre alt sind. 

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