vonkritisch betrachtet 24.03.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

Mehr über diesen Blog

Wegen der Folgen der nach wie vor anhaltenden Corona-Krise haben zahlreiche Einzelunternehmer, Mittelständler und Konzerne große Umsatzeinbußen verzeichnet. Allerdings gibt es ebenfalls einige Personen und Unternehmen, die erheblichen Gewinn gerade durch den Lockdown gemacht haben – so gesehen über Nacht.

Dabei hat das Online-Magazin t3n eine Liste aufgestellt, worin die Gewinner und Verlierer der Pandemie mitgeteilt werden. Aufgrund des Lockdowns und daraus resultierenden Kontaktbeschränkungen seien die Benutzerzahlen und somit die Einnahmen von Anbietern verschiedener Video-Conference-Tools, wie zum Beispiel Microsoft Teams, in kurzer Zeit in die Höhe geschnellt. Hier ist Zoom eindeutig die Nummer 1 – auch wenn es bei dem Tool Bedenken bezüglich des Datenschutzes gibt. Laut t3n seien Hauptargumente eventuell die hohe Zuverlässigkeit der Verbindungen und die einfache Bedienbarkeit. Zoom soll inzwischen über 200 Millionen Nutzer haben. Dabei soll der Gründer Eric Yuan umgerechnet etwa 7 Milliarden Euro Vermögen erwirtschaftet haben.

Maßgeblich durch die Homeoffice Arbeit haben ebenfalls Anbieter unterschiedlicher Cloudsysteme wie Google Cloud, IBM, Amazon AWS oder Microsoft Azure Cloud viele Nutzer dazugewonnen. Schließlich haben diese dafür gesorgt, dass auch auf Distanz ein gemeinsames Arbeiten möglich blieb und nach wie vor bleibt. Zudem punkteten Serviceprovider für Echtzeitchats mit ihren unkomplizierten und effizienten Alternativen, um (interne) Mails zu verschicken. Teil des Gewinnerfeldes sind darüber hinaus auch die üblichen Social Media Plattformen: An der Börse legte somit Facebook nach Angaben der RND um ganze 60 Prozent zu. Der Onlinehandel hat mit Sicherheit auch einen starken Boom erlebt: Das Online-Konzern Amazon ist der Hauptgewinner, der an der Börse laut RND eine beeindruckende Wertsteigerung von 45 Prozent erlebte. Laut t3n wurden sogar Lebensmittel und ebenso Drogerieprodukte verstärkt im Internet gekauft, obgleich es nie einen Engpass gab bis auf eine zeitweilig starke Nachfrage nach Konserven und Toilettenpapier. 

Zwar mag es seltsam klingen, doch Bürodienstleister und Ressourcenanbieter in diesem Bereich haben aufgrund der Pandemie eher gewonnen und nicht verloren: Sobald der Arbeitsalltag nach und nach erneut Einzug hält, werden wegen der weiterhin einzuhaltenden Abstands- und Sicherheitsbestimmungen großzügige Büroflächen viel stärker gefragt sein als zuvor.

Der Durchschnittsdeutsche hat in den vergangenen Monaten (außer den systemrelevanten Schlüsselpersonen) jedoch nicht nur von Zuhause aus arbeiten können beziehungsweise müssen, er hat ebenfalls einen Großteil der Freizeit daheim verbracht. Daher standen und stehen Streamingdienste wie zum Beispiel Amazon Prime, Netflix (an der Börse Wertsteigerung um 46 Prozent) und Co. und ebenso Hörbuchanbieter immer noch hoch im Kurs. Mitunter hatten Streamingdienste die Freizeitgestaltung der Verbraucher bereits vorher fest im Griff, doch die Lockdown-Zeit hat das noch forciert. Hörbuchanbieter hingegen konnten vor allem Eltern überzeugen, weil gerade für Kinder ein Hörbuch ein ideales Entertainment darstellt, sofern diese nicht mit anderen Kindern spielen dürfen. Ein zusätzliches Fernsehen wird dann trotz Corona-Krise nicht notwendig.

Bei der Krise sind weitere Gewinner insbesondere der medizinische (technische) Bereich. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie verzeichnete das Unternehmen Drägerwerk aus Deutschland (Lübeck), der Hersteller von Sicherheits- und Medizintechnik ist, einen großen Anstieg der Bestellungen. Dabei soll sich der Aktienwert von 50 auf 100 Euro verdoppelt haben. Laut RND ist an der Börse der amerikanische Pharmakonzern Gilead inzwischen mehr Wert als das Unternehmen Siemens.Außerdem lässt sich grundsätzlich sagen, dass sich ausreichend Flexibilität bezahlt macht. Während der Krise haben sich zahlreiche Produktionsunternehmen aus unterschiedlichen Bereichen auf die Herstellung von Desinfektionsmitteln und/oder Masken umstellen können. Das Technologieunternehmen 3M hat sich sogar aktuell ausschließlich auf die Produktion von Masken, Kopfhauben und Einwegoveralls umgestellt. Es gibt jedoch ebenfalls Unternehmen, die stark kämpfen müssen. Seit Beginn der Corona-Krise und der Lockdowns sind deren Umsätze drastisch gesunken und haben Tiefstwerte erreicht, die existenzbedrohend sind. 

Bei t3n heißt es, dass vor allem Veranstalter von Messen, Events und Konferenzen aktuell auf dem Trockenen sitzen. Demnach wurden Großveranstaltungen abgesagt und verlegt in virtuelle Räume. Dabei haben Solo-Selbständige häufig entgegen der allgemeinen Annahme auf zahlreiche Sofort-Hilfen keinen Anspruch. Diese können lediglich beantragt werden, damit Betriebskosten bezahlt werden können. Allerdings haben viele Kreative keine hohen Betriebskosten, sie leiden vielmehr wirtschaftlich unter immer noch fehlenden Aufträgen – deshalb sind inzwischen nicht wenige auf Grundsicherung angewiesen, meldet das Magazin Zeit. Wegen der lange anhaltenden Reisewarnungen haben Hotelbuchungsplattformen und Reiseportale für einige Urlaubsziele auch den Kürzeren gezogen. Die Lage beurteilen einige Reiseveranstalter und Reisebüros als sehr schwierig. In ihrer Existenz fühlen sich sogar 85 Prozent von ihnen bedroht. Bei den Gaststätten und Hotels sieht es auch nicht wesentlich besser aus. Mindestens 67 Prozent von den dringend gebrauchten Einnahmen gehen hier ab, teilt die Süddeutsche Zeitung mit. Auch ein Schlüsselnotdient wird in manchen Situationen nicht so intensiv angefragt, wie vor der Pandemie, da in Hotels und Gaststätten nicht so häufig Gäste die Schlüssel verlieren aufgrund fehlender Buchungen. Doch in privaten Haushalten gibt es immer wieder Nachfrage für einen Schlüsselnotdienst. Falls sich nicht bald die Wirtschaft in diesen ganzen Bereichen erholt, droht einigen Firmen das Aus. Die Pflicht zur Anmeldung der Insolvenzen ist aktuell noch ausgesetzt. Ökonomen rechnen jedoch ab Herbst mit einer Insolvenzwelle. Für die meisten wird sich erst noch zeigen müssen, ob und wie es danach für sie weitergeht.

Letztlich müssen Unternehmen flexibel sein, um gegebenenfalls bei externen Schocks ihr Geschäftsmodell auch anzupassen. Flexibilität ist für Selbständige Tagesgeschäft. Allerdings liegt im Dienstleistungsbereich eine hohe Wettbewerbssituation vor, daher reicht Flexibilität oftmals nicht mehr aus. Daher muss die Devise lauten, neue Geschäftsfelder mit Kreativität ausfindig zu machen. Mit Sicherheit ist das für mittelständische Unternehmen realisierbar, aber wie ist die Situation für Aktiengesellschaften, die quartalsgetrieben sind? Es wird befürchtet, dass es dort zu massiven Entlassungswellen in der zweiten Jahreshälfte kommen wird. In seinem Podcast spricht Bernd Rürup bis zum Ende des Jahres von etwa 1 Millionen neuer Arbeitsloser. Die Hoffnung bleibt, dass er sich irrt.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/kritisch/gewinner-und-verlierer-der-corona-pandemie/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.