vonkritisch betrachtet 03.06.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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In den vergangenen Monaten haben sich viele Menschen weltweit gefreut, dass Donald J. Trump endlich in den Hintergrund getreten ist. Eine wohltuende Stille trat ein, nachdem über vier Jahre lang in den sozialen Medien über Trump täglich wegen seiner Äußerungen Aufregung folgte. Im Januar kam es zu dem Angriff auf das Kapitol, woraufhin Twitter und Facebook ihn von diesen Plattformen verbannten. Daraufhin versuchte der ehemalige Präsident, eine eigene soziale Plattform aufzustellen mit dem Blog „Vom Schreibtisch des Donald J. Trump“. Bisher erntete diese Plattform viel Häme seitens der Kritiker und von den Fans kam wenig Aufmerksamkeit. Die Washington Post meldete daher, dass der Eigentümer des Blogs, Amazon-Gründer Jeff Bezos, mitgeteilt habe, dass Trumps Seite so wenige Besucher zähle, dass die Tier-Adoptionsagentur Petfinder diese übertreffe. 

Darin sehen Trumps Unterstützer einen Beweis, dass die Techunternehmen, welche aus ihrer Sicht linksliberal seien, ihre Macht zur Abwehr der Reichweite von konservativen Stimmen nutzen würden. Die Debatte, ob soziale Medien auf politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen einen Einfluss haben, ist mit Sicherheit längst überfällig. Hätten Facebook und Twitter Barack Obama aus irgendwelchen Gründen von den Plattformen geworfen, gäbe es von seinen Verbündeten und Fans sicher eine ähnliche Aufregung. Eventuell liegt es jedoch auch am Inhalt. Zum Beispiel dreht sich Trumps neuester Blogeintrag um die alte Boeing 757, welche er im Wahlkampf eingesetzt hatte. Bald schon werde das Flugzeug neu lackiert und erhalte neue Rolls-Royce-Turbinen.Zudem machte letzte Woche nicht der Ex-Präsident, sondern vielmehr Letitia James Schlagzeilen. Der Trump Organisation teilte New Yorks Generalstaatsanwältin mit, dass gegen das Unternehmen nun strafrechtlich ermittelt werde. Sie schließt sich damit den Untersuchungen seitens Cyrus Vance (Staatsanwalt von Manhattan) an, die auch laufen. Die Strafverfolger gehen hierbei den Vorwürfen nach, dass ein Steuer- und Versicherungsbetrug vorliege. Auf der Liste stehen ebenfalls die Schweigegeldzahlung an zwei Frauen, mit denen Donald Trump Affären hatte. Es geht hierbei darum, ob diese Zahlungen eine illegale Wahlkampfhilfe seien.

Auf die Reaktion von James war Trumps Ankündigung vorhersehbar. Es liege eine „politische Verfolgung“ vor. Er führte als Beweis an, dass im Wahlkampf James versprochen hatte, Trumps strafrechtliche Verfolgung Vorzug zu geben, falls sie zur Generalstaatsanwältin werde. Tatsächlich gilt der Posten als ein Karrieresprungbrett in die Politik im großen Rahmen. Zum Beispiel nutzte Andrew Cuomo im Bundesstaat die Zeit als der oberste Strafverfolger, um anschließend Gouverneur von New York zu werden. Zudem werden Cuomo Fähigkeiten für das Präsidentenamt zugesprochen, doch er müsste erst die Skandale hinter sich lassen, in welche er zur Zeit verwickelt ist. Auch in deutschen Medien wurde er bis vor Kurzem als ein Corona-Held gefeiert. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass er in Alten- und Pflegeheimen die richtige Zahl der Toten unterdrückt und den Angehörigen die zu jener Zeit geringen Corona-Tests bevorzugt verschafft hatte. Zudem meldeten sich mehrere Frauen mit Belästigungsvorwürfen gegen Cuomo.

Die Republikaner beharren auf Trump

Trump hingegen, der noch größere Skandale aufwies, macht immer wieder die Andeutung, dass er im Jahr 2024 wieder Präsidentschaftsbewerber sein will. Er ist trotz der Verbannung aus den sozialen Medien in seiner Partei immer noch der größte Star. Dabei glauben über die Hälfte der republikanischen Wähler, dass im vergangenen November Trump die Wahl gewonnen hat und statt Joe Biden im Grunde der rechtmäßige Präsident sei. Ungebrochen ist Trumps Einfluss auf die republikanische Partei, wie die Besuche berühmter republikanischer Politiker im Luxus-Resort in Florida (Mar-a-Lago), wo Trump seit seiner Niederlage lebt, zeigen. Da aktuell in Florida eine große Hitze vorliegt, hält er sich aktuell im Bundesstaat New Jersey in seinem Golfclub auf. Außerdem scheint das Establishment der Republikaner überzeugt, dass Trump dringend erforderlich ist, um im Herbst 2022 bei den Kongresswahlen und im Jahr 2024 bei den nächsten Präsidentschaftswahlen erneut zu gewinnen. Sie verzichten dafür darauf, auf Joe Bidens Agenda eine politische Antwort zu finden. 

Biden knüpft an einigen Projekten des Ex-Präsidenten an

Die Republikaner könnten dabei darauf hinweisen, dass Biden an Trumps Präsidentschaft an zahlreichen Punkten anknüpft. Die Corona-Impfungen wären ohne seine Warp-Speed-Initiative vermutlich nicht so schnell entwickelt worden. Die USA verdanken Trump auch, dass die Wirtschaft weitgehend erneut öffnen kann. Diese Tatsache erwähnte Biden nicht, obgleich er angeblich sehr auf eine Versöhnung seines Landes erpicht sei.Biden führt ebenfalls Trumps bevorteilende Tendenzen für die USA fort. Auch deshalb, da diese Erfolge aufweisen. Zum Beispiel in der US-amerikanischen Stahlbranche, die nun ein Comeback feiert, wo sie zuvor jahrzehntelang dem Niedergang geweiht schien. Bei den heimischen Stahlherstellern vernichtete der Druck von ausländischen günstigen Importen – insbesondere aus China – mehr als 400.000 Jobs. Die Stahlbranche kommt nun mit dem Einstellen neuer Mitarbeiter nicht mehr hinterher. Als der Corona-Lockdown beendet wurde, gab es im Land eine große Nachfrage. Für die Erholung gaben den Ausschlag jedoch auf Stahlgüter die umstrittenen Zölle, welche Trump einführte. Für die EU-Unterhändler dürfte dieser Umstand es erschweren, Biden dazu zu bewegen, wenigstens für die Europäische Union die Zölle erneut abzuschaffen. Trumps Parteifreunde sollten eventuell seine mediale Zwangspause dafür verwenden, die wenigen positiven Ideen von Trump zu loben und erneut in eine inhaltliche Diskussion zurückfinden. Daraufhin könnte sich Trump dann mit der Frage beschäftigen, ob in seinem Flugzeug noch goldene Wasserhähne fehlen.

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