vonkritisch betrachtet 05.01.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Wenn in einem Tweet berühmte Persönlichkeiten oder große Firmen wie Bill Gates, Elon Musk, Uber oder Apple dich um die Übersendung von Bitcoins auffordern, dann sollte man zurecht skeptisch sein. So wurden letztens die Twitter-Accounts von vielen Persönlichkeiten und bekannten Firmen gehackt. Und gefälschte Tweets versendet, in denen man dann aufgefordert wurde, Bitcoins dem vermeidlichen Absender zukommen zu lassen, daraufhin sollte die doppelte Menge an Bitcoins zurückfließen. So konnten die Betrüger in wenigen Minuten, bis die Kontrollmechanismen griffen und die Transaktionen gesperrt wurden, rund 120.000 US-Dollar in Bitcoins ergattern. 

Der Bitcoin hat viele Einsatzbereiche

Ein bedeutender Teil verbrecherischer und betrügerischer Aktivitäten wird über Bitcoins abgewickelt und finanziert. Egal ob Hacker Angriffe auf Accounts oder EDV-Anlagen, Betrug durch Schadsoftware, Waffen- und Drogenhandel, illegale Geschäfte im Darknet, Geldwäsche oder die Finanzierung von Terroristen, überall wo Verbrechen und Betrug vorkommen, da ist der Bitcoin auch oft mit im Spiel. So werden Kryptowährungen wie Bitcoin und Co oftmals in einem Atemzug mit Verbrechen, Betrug und illegalen Geschäften genannt. Sind die Kryptowährungen tatsächlich die „Währungen des Bösen“, die überwiegend von Verbrechern und Kriminellen gebraucht werden? Diese Frage kann man ganz eindeutig und klar mit NEIN beantworten. Natürlich sind die Kryptowährungen nicht generell die Währungen des Bösen. Als gängige Spekulations- und Anlageobjekte sind die Kryptowährungen längst etabliert. Außerdem ist es gar nicht so einfach, aus den erbeuteten Bitcoins echtes Geld zu machen. Auch wenn die Überweisungen in Bitcoin und Co absolut anonym sind, ist der Weg des Geldes dennoch zu einem gewissen Grad transparent und nachvollziehbar. 

Der Weg des Geldes ist transparent

Gelder aus kriminellen Aktivitäten liegen sehr häufig lange Zeit brach, bis die Ganoven einen möglichen Weg gefunden haben, um sich das erbeutete Geld auszahlen lassen zu können. Tom Robinson, der Gründer der Analysefirma Elliptic, die sich auf die Nachverfolgung von illegalen Transaktionen mit Kryptowährungen spezialisiert hat, hatte bereits vor zwei Jahren in einem Artikel auf dem Portal „Vice News“ gesagt, dass die Geldwäsche mit Bitcoins überhaupt nicht so leicht ist, wie viele Menschen sich das vorstellen würden. Dies erfordert viel Erfahrung und ist mit sehr komplexen Methoden verbunden. Was auch der eingangs erwähnte Twitter-Hack deutlich zeigt. Elliptic verfolgt den Weg dieser erbeuteten 120.000 US-Dollar aktuell in der sogenannten Blockchain. Diese Blockchain ist ein öffentliches und dezentrales Register, in dem jede einzelne Transaktion in der Form eines sogenannten kryptografischen Blocks eingetragen wird. Man kann also genau sehen, von welcher der zufällig erstellten anonymen Bitcoin-Adresse, wann welche Beträge an eine andere Adresse überwiesen wurden. 

Die Analysten von Elliptic haben den Weg des Geldes aus dem Twitter-Hack anhand der Blockchain genau verfolgen können. Zunächst gingen die Zahlungen der Opfer an die drei Adressen, die in dem Tweet aufgeführt wurden. Von dort wurden sie in kleine Beträge aufgeteilt und an viele Adressen hin und her geschickt. Am Ende befinden sich rund 60% der Summe auf 37 neu angelegten Bitcoin-Adressen. Rund 15% der Summe wurden durch sogenannte Bitcoin-Mixer/Tumbler verschleiert. Hierbei handelt es sich um Dienstleister, die gegen Gebühr Bitcoins aus mehreren Quellen erhalten, diese dann „durchmischen“ und wieder an neue Adressen überweisen. Mit dem Ziel, dass sich die Spur des Geldes im „Mixer“ verliert. Und ein kleiner Teil der Summe landete bei Wettanbietern und ähnlichen Seiten im Netz.  Jetzt müssen die Ganoven überlegen, wie sie weiter handeln wollen. Sie können versuchen, den Weg des Geldes noch weiter zu verschleiern. Oder jetzt versuchen die erbeuteten Bitcoins in eine gängige Währung umzutauschen, was aber gar nicht so einfach ist. Denn die Spur des Geldes wird von Firmen wie Elliptic und von den Strafverfolgungsbehörden verfolgt. 

Bitcoins in eine gängige Währung umzutauschen ist schwerer als gedacht

In der Realität ist es seit jeher ein Problem für alle, die große Beträge in Bitcoins und Co besitzen, diese in gängiges Geld einzutauschen. Man kann nämlich nicht einfach zur Bank gehen und sich seine Bitcoins auszahlen oder auf ein herkömmliches Bankkonto überweisen lassen. Zwar gibt es Geldautomaten, bei denen man sich in kleinen Beträgen Bargeld aus dem Bitcoin-Guthaben auszahlen lassen kann. Aber bei größeren Beträgen ist man auf eine Tauschbörse angewiesen, bei der man Bitcoins in eine Fiat-Währung umtauschen kann. 

Die bekannteste Tauschbörse ist Coinbase mit Sitz in den USA, diese begrenzt die Auszahlung auf 10.000 US-Dollar pro Tag. Wenn man sich mehrere Hunderttausend und gar Millionen US-Dollar auszahlen lassen möchte, muss man etliches an Geduld mitbringen. Und diese regelmäßigen Auszahlungen werden die Finanzaufsichtsbehörden alarmieren, die dann wiederum die Herkunft des Geldes prüfen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Tauschbörsen einen Identitätsnachweis verlangen, bevor eine Auszahlung erfolgen kann. So würde man den Ganoven bei der Auszahlung der Beute auf die Schliche kommen können, wenn man den Weg des Geldes verfolgt. 

Fazit

Kryptowährungen werden anonym geschürft und gehandelt, allein dieser Umstand lässt Raum für die Spekulation, dass Kryptowährungen die ideale Währung für Kriminelle, Gangster und Betrüger sind, um darüber die Beute in Sicherheit zu bringen. Doch die Vorstellung, dass man dann so ganz einfach seine ergaunerten Bitcoins in echtes Geld oder verwertbare Wertgegenstände eintauschen kann, ist vollkommen falsch. Die Auszahlung wird streng überwacht und ist nur in kleinen Beträgen möglich. Und wenn man sich an ebenfalls unseriöse Anbieter wendet, dann ist der Umtausch teuer und riskant. Schnell wird der Betrüger um seine ergaunerten Bitcoins betrogen und steht am Ende mit leeren Taschen da. Tatsächlich werden wohl die überwiegenden Beträge aus kriminellen Handlungen auf ewig in der Anonymität der Kryptowährungen verharren und unangetastet im Wallet schlummern, ohne je angetastet zu werden. Wie übrigens auch über 60% der jemals legal geschürften Bitcoins und Co.

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