vonkritisch betrachtet 15.01.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

Mehr über diesen Blog

Definieren wir Nachhaltigkeit doch erst einmal: Dieses eindrucksvolle Wort bedeutet nichts anderes als dauerhaft, langlebig, umweltverträglich oder auch vernünftig. Viele verstehen jetzt darunter, „das Richtige zu tun“. Für die Nachhaltigkeit – auch oft „Substainability “genannt, gibt es jedoch keine feste Definition. Dies bedeutet, es gibt auch keine festen Regeln, an denen man sich halten müsste. Am ehesten kann man also sagen, Nachhaltigkeit bezieht sich auf die ökologische Verantwortung. Also mit den vorhandenen Ressourcen gewissenhaft umzugehen, damit sie langfristig erhalten bleiben und der Bestand auf natürliche Art und Weise erneuert werden könnte.

Das Thema Nachhaltigkeit, sollte natürlich, gerade im Bankwesen, sämtliche Mitarbeiter in der heutigen Zeit beschäftigen. Einer Umfrage der Beratungsgesellschaft ZEB nach zufolge, wurden 470 Bankangestellte hierzu befragt. Ob sich das Ergebnis sehen lassen kann? Ansichtssache. 3/4 der Interessierten sich überhaupt erst für das Thema. 1/5 der Befragten wurde den Idealisten zugeordnet und die Verweigerer erzielten einen Prozentwert von 5%. Ob alle, die an der Umfrage teilgenommen haben, auch von dem Drei-Säulen-Modell gehört haben? Dieses Modell basiert auf der Hypothese, dass eine nachhaltige Entwicklung nur durch das gleichzeitige und gleichrangige Umsetzen von wirtschaftlichen, sozialen und vor allem umweltbezogenen Zielen erreicht werden kann.

Und? Was bedeutet das jetzt für die Banken? Das Leitbild einer an den Grundsätzen der Nachhaltigkeit orientierten Wirtschaft gewinne von Jahr zu Jahr an Bedeutung. Verstanden wird hierbei die wirtschaftliche Prosperität, einer intakten Umwelt und eines guten, sozialen Zusammenhaltes. Nur damit können wichtige Ziele umgesetzt werden. So beeinflusst der Banksektor mit seinen Entscheidungen die Entwicklung anderer Wirtschaftssektoren. Mit diesem Bestreben kommt den Banken gegenüber einer Vielzahl von Interessengruppen, eine besondere Verantwortung zu. Sie überlegen, welche Strategien erforderlich sind, um wichtige Argumente zu verknüpfen. Nun schauen wir auf die Umfrage der ZEB zurück. 25 Prozent der Befragten Bankangestellten stammen aus dem Top-Management. 22 Prozent aus dem mittleren Management und 27 Prozent aus der Mitarbeiterschaft. Der Frauenanteil belief sich tatsächlich auf 35 Prozent und die Kernnachricht lautete deshalb: Frauen zeigen sich der Nachhaltigkeit gegenüber viel konsequenter. Warum? Weil Frauen ganz eindeutig sensibler für Umweltprobleme sind, sich eindeutig mehr für den Naturschutz engagieren und einfach ein empathischeres Auge dafür haben, was dem eigenen Nachwuchs und damit auch der nachfolgenden Generation hinterlassen wird.

Des Weiteren fahren Frauen weniger mit dem Auto, kaufen mehr „Biowaren“, ernähren sich häufiger fleischlos oder vegan und engagieren sich begeisterter für den Tier- bzw. Umweltschutz. Hört sich zunächst gut an. Aber (und das ist das schlimmste Wort hierbei) viele Frauen unterliegen immer noch dem vorliegenden Rollenklischee. Zwei Rollenklischees, um genau zu sein. Die Arbeitstrennung und der soziale Druck. Fakt ist, dass sich Frauen in höheren Berufspositionen um mehr Nachhaltigkeit bemühen. Da haben es die Hausfrauen und zuhause gebliebenen Mütter, also die Familienmanagerinnen, die, die ihren Beruf gegen Familie getauscht haben, schon etwas schwieriger. Es liegt meistens an ihren Entscheidungen, wie oft biologische Nahrungsmittel auf den Tisch kommen und ob ein teures, phosphatfreies Waschmittel verwenden werden soll. Männer scheren sich da weniger um solche Umstände, diese Entscheidungen fallen, (auch heute noch!) ganz eindeutig in den weiblichen Bereich.

Und doch ist auch für Männer der Klima- und Umweltschutz wichtig. Manche von ihnen achten sehr streng darauf, keine grundwasserbelastenden Stoffe zu benutzen. Auch bestimmte Dinge werden nicht mehr gekauft, um die Umwelt mit Klimagase nicht weiter zu belasten. Bei ihnen ist es erstaunlicherweise anders als bei den Frauen. Je höher der Berufsrang, je mehr lassen sie in ihren Bemühungen der Nachhaltigkeit nach.

Die Befragung der auf die Finanzbranche spezialisierten Beratungsgesellschaft ZEB sagt weiterhin aus, dass unter den Mitarbeitern der Banken auch das Alter eine große Rolle spiele. Männer im Alter von 45 und älter, bemühen sich zumindest, ihr nicht so ausgeprägtes Verhalten der Nachhaltigkeit gegenüber zu verbessern. Berufseinsteiger sind im Gegenteil da nachhaltiger. Sie legen Wert auf eine gesunde, biologisch abbaubare Ernährung. Wären da nur nicht die oft genutzten Langzeitflüge, die von ihnen nicht immer mitberücksichtigt werden. Die 41 Prozent Eltern, die sich an der Umfrage beteiligten, bemühten sich ebenfalls. Septisch stehen sie jedoch dem Thema „Auto“ gegenüber. Mit Kindern darauf zu verzichten, sei schwer.

Nachhaltiges Verhalten geht uns alle an

Das Ergebnis der Umfrage brachte folgende Erkenntnisse. Nachhaltiges Verhalten wird sozial vermittelt, nicht finanziell. Ein gutes soziales Umfeld und glaubwürdige Vorbilder bringen mehr, als materielle Anreize durch Gewinn- oder Sparmöglichkeiten. Eine Lösung hierzu wäre zum Beispiel eine Regulierung. Oder auch Mitarbeiter- und Kundenanalysen zu positionieren. Gezieltere Beratungen der verschiedensten Verhaltenstypen haben eben gezieltere Kundenanalysen vorzuweisen. Das Fazit der Finanzbranche hieße dann also: Auch Banken müssen handeln.  Durch eine andere Studie zum deutschen Privatkundengeschäft kam ZEB zu der Ansicht, dass zwei Drittel der Erträge durch Nachhaltigkeit erfolgsversprechender seien. Das mag an dem Zusatzpotenzial von 1,6 Milliarden Euro liegen. Nachhaltigkeit lohnt sich also in jeden Fall – Gewinner gibt es so auch in der Finanzbranche. 

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/kritisch/nachhaltigkeit-im-bankwesen/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.