vonkritisch betrachtet 10.01.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

Mehr über diesen Blog

Neben Mathematik, Deutsch, Englisch, Biologie und vielen anderen Fächern soll künftig auch ein Fach über psychische Gesundheit in den Schulalltag aufgenommen werden, so die Forderung von Daniel Bunsen, der den Verein Psychosozialbildung in Frankfurt gegründet hat. Doch was steckt hinter diesem Verein und warum soll dies nun auch Thema in der Schule sein? Besteht hier eine Notwendigkeit? 20 bis 30 Jugendliche versuchen sich alleine in Frankfurt jedes Jahr das Leben zu nehmen. Wie die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik mitteilt sind drei jungen Menschen in den letzten 12 Jahren gestorben. Diese traurige Wahrheit ist auch der Hintergrund für den Gründer des Vereins. 

Persönliche Hintergründe

Wer in Daniel Bunsens zu Hause blickt, erkennt schnell den Verlust den er erlitten hat. Seine Schwester Charlotte ist auf Bildern im Regal zu sehen: beim Hockey spielen, Skifahren oder Klavier spielen. Eine lebensfrohe junge Frau könnte der Eindruck entstehen. Doch mit nur 21 Jahren hat sie den Entschluss gefasst ihrem Leben ein Ende zu setzen. Bereits im Teenageralter zeichneten sich erste psychische Probleme ab. Starke Depressionen hatte sie schon mit 16 Jahre und war deshalb auch ich psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung. Sie hatte eine Störung der Persönlichkeit und war aufgrund dessen schon mehrfach missglückten Selbstmordversuchen entgangen. 

Einsatz für andere wichtig

Charlotte konzentrierte sich trotz ihrer Krankheit nicht auf sich selbst, sondern hatte sich zum Ziel gesetzt, anderen zu helfen, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Sie lernte viele Jugendliche mit gerade einmal 14 Jahren kennen, die von zu Hause keinerlei Unterstützung erhielten und alleine dastanden. Deshalb stand für sie die Aufklärung über psychische Erkrankungen an oberster Stelle. Denn nur Wissen führt zu Hilfe, die oft so dringend benötigt wird. Deshalb hielt sie Vorträge in Universitäten, in welchen sie aus erster Hand über Depressionen berichtete. Ihr Bruder sagt: „Sie hat sich immer in die Öffentlichkeit gestellt und war stark für andere.“ Dafür bekam sie große Rückmeldungen in ihrer Heimatstadt Frankfurt. Nun will Daniel das Erbe seiner Schwester weiterführen. Dies ist auch ein Aspekt um den frühen Tod seiner Schwester zu verarbeiten. 

Vereinsgründung mit Herausforderungen

Daniel ist Jurist und gerade einmal 28 Jahre alt. Er sitzt gerade und schreibt seine Doktorarbeit. In Zeiten von Corona hat er das fast Unmögliche geschafft, eine Vereinsgründung, weitestgehend ohne direkten persönlichen Kontakt. Dennoch gelangt ihm mithilfe der Zoom-Konferenz die Gründung und mittlerweile zählt dieser Verein bereits 24 Mitglieder. Zu den Mitgliedern zählen Wissenschaftler der Kommunikation, genauso wie Medizinstudenten und Psychotherapeuten und Sozialarbeiter. Die Arbeit und das Ziel sind klar festgelegt. Sechs Mitglieder sind schon dabei einen Leitfaden zu erstellen, der helfen soll, die Gefühle der Kinder und Jugendlichen besser wahrzunehmen. Dieser Leitfaden beinhaltet Auswertungen und Fragebögen, um diesen wichtigen Aspekt auch in verschiedenen Einrichtungen, wie zum Beispiel Schulen einzuführen. Auch die Veröffentlichung im wissenschaftlichen Bereich steht auf der Agenda des Vereins. Die neue Aufgabe ist für Daniel auch eine Art Trauerbewältigung. Denn durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema kann er seiner Schwester ganz nah sein, wie er sagt. 

Notwendigkeit des Vereins

In der heutigen Zeit gibt es viele äußere Reize, die Einfluss auf die Entwicklung eines jungen Menschen nehmen. Die Psyche kann durch soziale Medien und Mobbing schwer verletzt werden und erheblicher Teil der Jugendlichen leidet darunter. Leider haben viele der Jugendlichen kein Zuhause indem sie sich öffnen können und gefördert werden. LoKi bietet Hilfe für suizidgefährdete Jugendliche an. Der Verein von Daniel Bunsen soll jedoch weit vorher eingreifen. Sein Ziel ist: „ … das Wissen über die psychische Gesundheit sollten für jedes Kind selbstverständlich sein.“ Stunden zur Drogenberatung und zur Sexualkunde sind in der Schule bereits an der Tagesordnung. Ebenso soll auch die psychosoziale Bildung ein fester Bestandteil im Lehrplan sein. Der Start soll bereits in der Grundschule erfolgen. Kinder sollen lernen sich und ihre Gefühle besser wahrzunehmen. Das Ausdrücken der Gefühle erflogt jeden Tag über Smileys. Gut, mittel oder schlecht können die Kinder für ihre Gefühlswelt wählen. Durch die Regelmäßigkeit entsteht eine bessere Wahrnehmung und Kinder können sich selbst besser fühlen und verstehen. Daniel führt aus, dass dieses Gefühl für die Selbstwahrnehmung und das Gefühl im Kindesalter entwickelt werden muss. Fällt das Training in diesem Bereich aus, verschwindet auch die Fähigkeit. Deshalb ist die Einführung gerade in der Grundschule sehr wichtig. 

Neben der eigenen Wahrnehmung der Kinder können auch Erzieher, Eltern oder andere reagieren, wenn es einem Kind über einen längeren Zeitraum schlecht geht und einen Ansprechpartner bieten. Die Konzepte hierfür stehen ebenfalls auf der Agenda des Vereins und werden gerade erarbeitet. Auch wenn Charlotte bereits viele Jahre in guter Behandlung war, war ihr am Ende doch nicht zu helfen. Jedoch führt der Gründer aus: „Es gibt immer Hilfe, man muss nur rechtzeitig merken, wer sie braucht“. Und genau das ist das wichtigste Ziel des Vereins: Am Ende sogar Leben retten!

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/kritisch/neues-schulfach-ueber-gefuehle-reden/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.