vonkritisch betrachtet 31.05.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Die Ausbildung zur Pflegefachkraft wird durch die Reform der Pflegeberufe attraktiver gemacht und modernisiert. Auch wird insgesamt der Berufsbereich der Pflege aufgewertet. Am 1. Januar 2020 starteten die neuen Pflegeausbildungen, deren Rahmen das Pflegeberufe-Reformgesetz schaffte, welcher im Juli 2017 verkündet wurde.

Für die Zukunft ist eine der wichtigen gesellschaftspolitischen Aufgaben die Sicherung einer hochwertigen Pflegeversorgung. In Deutschland steigt die Lebenserwartung der Menschen und damit nimmt zugleich der Pflege- und Hilfebedarf zu. Nicht nur durch ambulante Pflegedienste und in stationären Pflegeeinrichtungen sind die spezifischen Belange von älteren Menschen zu berücksichtigen, sondern immer mehr auch bei der Pflege in einem Krankenhaus. Dazu gibt es eine Statistik, die beschreibt, wie viele Pflegekräfte wahrscheinlich bis zum Jahr 2035 gebraucht werden: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/172651/umfrage/bedarf-an-pflegekraeften-2025/ 

Bei der Vermittlung von berufsbezogenen Handlungskompetenzen einer Pflegefachkraft dürfen jedoch ebenso die spezifischen Anforderungen an eine Pflege kranker Kinder und Jugendlicher und von Personen mit psychischen Erkrankungen nicht außer Acht gelassen werden.Es ist wegen der sich wandelnden Versorgungsstrukturen im Bereich der Pflege notwendig, dass in einer Pflegeausbildung zur Pflege von Menschen in allen Pflegesituationen aller Altersgruppen Kompetenzen vermittelt werden. Die Zusammenführung der bislang im Krankenpflegegesetz und im Altenpflegegesetz getrennt geregelten Ausbildungen in der Kranken-, Kinder- und Altenpflege zu einer generalistischen Pflegeausbildung in dem Pflegeberufe-Gesetz ist deshalb Gegenstand der Reform. Die Auszubildenden werden somit zur Pflege von Menschen in allen Versorgungsbereichen aller Altersstufen, das bedeutet im Pflegeheim, ambulant in der eigenen Wohnung und im Krankenhaus, befähigt. Zur Reform der Pflegeberufe liegt der Gesetzentwurf der Bundesregierung nachfolgend vor: https://www.bmfsfj.de/resource/blob/77270/a53f5a0dc4ef96b88a1acb8930538079/entwurf-pflegeberufsgesetz-data.pdf

Was ändert sich durch die generalistische Pflegeausbildung?

Eine generalistische Pflegeausbildung dient seit der Vereinheitlichung der Pflegeberufe dazu, den neuen Beruf Pflegefachfrau oder Pflegefachmann zuverlässig zu erlernen. Die bislang vorliegenden drei Berufsbilder werden in den Schwerpunkten zusammengefasst. Den Pflegekräften eröffnet das ein deutlich größeres Einsatzfeld und dadurch ebenfalls viel bessere Berufschancen. Bisher konnte ein Kinderkrankenpfleger nur mit jungen Patienten arbeiten. Die generalistischen Pflegausbildung sorgt jedoch dafür, dass die Auszubildenden inzwischen ebenso mit älteren Pflegebedürftigen Umgang haben können. Dabei ist die neue Pflegeausbildung kostenlos. Damit entfällt das Schulgeld, was in zahlreichen Bundesländern üblich war. Die Ausbildung bietet stattdessen eine angemessene Vergütung. Schließlich findet ein großer Teil der Ausbildung in der Praxis statt. Innerhalb der dreijährigen Ausbildungszeit sind mindestens 2.500 Stunden praktische Erfahrung vorgesehen. Zumindest 2.100 Stunden Theorie kommen noch dazu. Die Auszubildenden können nach zwei Jahren eine Zwischenprüfung absolvieren. Dadurch soll der Lernstand kontrolliert werden. Damit die Ausbildung fortgesetzt werden kann, müssen die Auszubildenden diese Prüfung nicht bestehen. Die Teilnehmer können sich im letzten (dritten) Ausbildungsjahr für einen von drei möglichen Wegen entscheiden. Entweder lassen sie sich weiterhin generalistisch ausbilden oder sie nehmen eine Spezialisierung auf die Altenpflege oder Kinderpflege vor.

Vorteile einer generalistischen Pflegeausbildung

  • Wahlmöglichkeiten: Die Auszubildenden haben während der generalistischen Pflegausbildung nach zwei Jahren die Möglichkeit, sich in einem Bereich zu spezialisieren. Daher muss sich ein Auszubildender nicht von Anfang an auf einen Beruf festlegen, sondern er kann erst in einzelne Berufsbereich reinschnuppern und sich dann im dritten Lehrjahr entscheiden, ob er lieber mit Kindern oder Senioren arbeiten möchte. Wer sich nicht festlegen will, der kann auch den Abschluss als Pflegefachfrau/Pflegefachmann absolvieren.
  • Flexibilität: Die Pflegefachkräfte können dank der Vereinheitlichung der Pflegeberufe zwischen einzelnen Versorgungsbereichen ohne Probleme wechseln. 
  • Finanzierung: An privaten Pflegeschulen war es vor der Reform immer noch üblich, Geld für die Schule zu zahlen. Die Pflegeausbildung ist mit dem Pflegeberufe-Gesetz inzwischen kostenlos. Es gibt zudem eine attraktive Ausbildungsvergütung.
  • Bessere Chancen auf dem Jobmarkt und bessere Verdienstmöglichkeiten: Durch die generalistische Pflegeausbildung wird das Ziel erreicht, in allen Bereichen Pflegefachkräfte einsetzen zu können. Die Absolventen haben durch die Vereinheitlichung auf dem Arbeitsmarkt viel mehr Chancen, weil es für sie mehr Einsatzmöglichkeiten gibt. Eine Ausbildungsvergütung und eine allgemeine Erhöhung der Vergütung ist Teil der Pflegereform.
  • EU-Anerkennung: Durch die EU-Anerkennung einer generalistischen Pflegeausbildung ergeben sich noch mehr Jobchancen. Die neue Berufsausbildung wird in ganz Europa anerkannt und die ausgebildeten Pflegefachkräfte können problemlos auch im Ausland arbeiten.
  • Pflegestudium: Durch die Einführung einer generalistischen Pflegeausbildung beginnt ebenfalls ein neuer Studiengang. Vermittelt werden hierbei neueste pflegewissenschaftliche Inhalte und Theorien. Sowohl Abiturienten als auch Absolventen der Pflegeausbildung können dieses Pflege-Studium machen.

Nachteile einer generalistischen Pflegeausbildung:

  • Voraussetzungen: Mindestens einen mittleren Schulabschluss müssen Bewerber vorweisen, damit sie die generalisierte Ausbildung anfangen können. Anders als früher wird hier Hauptschülern der Einstieg erschwert. Wenn lediglich ein Hauptschulabschluss vorliegt, muss zuerst eine erfolgreiche Ausbildung zur Pflegehilfskraft absolviert werden. Auf die Ausbildungszeit wird die vorherige Ausbildung jedoch angerechnet.
  • Konkurrenz für die Altenpflege: Die Pflegefachkräfte sollen durch die generalisierte Ausbildung flexibel einsetzbar werden. Das könnte für Altenheime, ambulante Dienste oder Tagespflegeeinrichtungen zum Problem werden. Die Pflegefachkräfte könnten durch die neue Ausbildung vermehrt aus der Altenpflege abwandern. Zum Beispiel zu Krankenhäusern, wo die Auszubildenden besser bezahlt werden. 
  • Verflachung von den Ausbildungsinhalten: Wegen der Generalisierung der Pflegeausbildung befürchten Experten, dass wichtige Inhalte nicht ausführlich genug abgehandelt werden könnten. Kinder und Senioren haben körperlich und psychisch unterschiedliche Bedürfnisse. Diesen Bedürfnissen können Pflegekräfte nur dann gerecht werden, wenn das notwendige Fachwissen vorliegt. Deshalb bezweifeln Experten, dass eine generalisierte Ausbildung in der kurzen Zeit das erforderliche Spezialwissen vermitteln kann. Schließlich erfolgt die Spezialisierung auf Altenpflege oder Kinder erst im dritten Ausbildungsjahr.

Wer sich im neuen Beruf der Pflegefachfrau oder dem Pflegefachmann ausbilden lässt, hat auf dem Arbeitsmarkt beste Chancen. Nach wie vor sind Pflegekräfte sehr gefragt und werden gebraucht. Auch in Zukunft wird sich daran nichts ändern. Der Grund hierfür ist unter anderem der demografische Wandel und somit der Umstand, dass immer mehr ältere Menschen Pflege brauchen. Fachpersonal ist für die Pflege älterer Menschen nötig, allerdings mangelt es an diesen notorisch. Diesem Mangel wirkt die generalisierte Pflegeausbildung entgegen. Diese Ausbildung bringt außerdem Fachleute hervor, die Wissen aus verschiedenen Gebieten miteinander verknüpfen können. Für den gesamten Berufsstand ergeben sich unschätzbare Vorteile und damit insbesondere für die Patienten. In ganz Deutschland werden Pflegefachkräfte händeringend gesucht. Daher hat eine Person, die eine generalistische Pflegeausbildung absolviert hat, eine gute Auswahl an Stellenangeboten. Deshalb kann eine Pflegefachkraft oftmals in Wohnortnähe ihren Beruf ausüben. Dank der Flexibilität, innerhalb der Pflegeberufe wechseln zu können, wird es in diesem Beruf nie langweilig und auch in Zukunft ist ein großer Bedarf gesichert.

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