vonkritisch betrachtet 29.10.2020

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Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Für das sogenannte „Mining“, zu Deutsch „Schürfen“ von Bitcoins sind Computer mit extrem hoher Leistung erforderlich, das ist schon länger bekannt. Welcher Stromverbrauch und daraus resultierend Co2-Ausstoß aus der Bitcoin-Herstellung entstehen, hat nun eine Studie der technischen Universität München ergeben. Die Forscher fanden heraus, dass die Computer, die Bitcoins herstellen, bis zum November 2018 bereits soviel Kohlendioxid-Ausstoß verursacht haben, wie Länder wie Jordanien oder Sri Lanka.

Um die Daten zu ermitteln, werten die Autoren im Rahmen von Börsengängen veröffentlichte Berichte von Hardwareherstellern aus. Das Ergebnis: Der Stromverbrauch der großen Bitcoin-Computer lag etwa bei 46 Millionen Wattstunden pro Jahr. Daraus resultierten Kohlendioxid-Emissionen von mehr als 22 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Deutschland als Ganzes emittierte im Jahr 2018 rund 866 Millionen Tonnen Co2-Äquivalente. Verglichen mit dieser Zahl scheint der Co2-Ausstoß durch Bitcoin noch gering. Immerhin liegt der Wert aber beinahe bei der Hälfte des Co2-Ausstoßes der Schweiz, die 2016 rund 46 Millionen Tonnen Co2 ausstieß.

Über IP-Adressen der Poolserver, Geräte und Knotenpunkte konnte das Team zudem herausfinden, dass sich die Meisten der Bitcoin-Computer in Island befinden und dort mit Strom versorgt werden, der nicht aus fossilen Energieträgern gewonnen wird. Immerhin, denn in Anbetracht der beachtlichen Wertsteigerung des Bitcoins, der in seinem großen Boom-Jahr fast 20.000 US-Dollar wert war und in Zukunft noch wesentlich mehr Bedeutung auf dem internationalen Währungsmarkt erlangen dürfte, stellt sich mehr und mehr die Frage nach der ökologischen und finanziellen Vertretbarkeit des Mining-Systems. Zu diesem Schluss kamen auch die Autoren der Studie, die forderten, Kosten und Co2-Emissionen, die beim Mining entstünden, noch mehr im Diskurs um Digitalisierung und Zukunftstechnologie zu berücksichtigen.

Ob die Erfolgsgeschichte des Bitcoins indes weitergeht, bleibt offen. Nach dem Rekordjahr 2017 folgte nämlich der Absturz, im darauffolgenden Jahr stürzte der Wert um bis zu 75 Prozent ab und desillusionierte damit wohl viele Anleger, die sich vom Bitcoin höchstmögliche Renditen erwartet hatten. Mittlerweile hat sich der Kurs zwar wieder einigermaßen erholt und liegt bei etwa 6.600 Dollar, die Corona-Krise macht den Anlegern aber dennoch zu schaffen, war ein Bitcoin ende Februar doch noch fast 9000 US-Dollar wert. Andere Kryptowährungen (Alt Coins genannt) wie Ethereum oder XRP konnten noch nicht an dem Erfolg von Bitcoin anschließen. Im 2017 Crash haben die solgenannten „Alt-Coins“ durch die Bank 80-99% an Wert verloren, hier beim XRP Kurs beispielhaft einzusehen. Dies verdeutlich die Gefahr dieser neuen Geldanlage für Investoren.

Hinzu kommt, dass der Bitcoin an sich als Währung in den meisten Ländern noch wenig etabliert ist, und ihn bisher nur eine Hand voll Geschäfte in Deutschland als Zahlungsmittel akzeptieren. Etabliert hat sich die Währung hingegen in Geschäftszweigen, die auf anonymen Geldfluss angewiesen sind, beispielsweise im Darknet. Die schwere Zurückverfolgbarkeit der Transaktionen bietet zwar datenschutzrechtliche Vorteile, macht es so aber auch z. B. Kriminellen leichter, Transaktionen zu vertuschen.

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